Website-Icon Andreas Kemper

Piraten-Post-Gender: Nichts tun, wenns brennt?

Ein Oberbürgermeisterkandidat der Piraten-Partei, Wolfgang Britzl, hat ein Foto getwittert, auf dem eine Frau die aktuelle Ausgabe der EMMA verbrennt. Die besseren Kommentare auf Blogs von Pirat_innen verurteilen diese Aktion, weisen aber letztlich der EMMA bzw. Alice Schwarzer die Schuld für die Zeitschriften-Verbrennung zu: Wenn so unsachlich geschrieben wird, müsse man sich über die Wut, die zu solchen Aktionen führt, nicht wundern. So ungefähr Nick Haflinger, Cymaphore und Elle Nerdinger in ihren Reaktionen. Das ist das Problem am Post-Gender-Ansatz: Es soll Gleichheit sein, es soll nicht nach Ursachen für Ungleichheit geschaut werden. „Wir tun so als ob“ – dieses Mittelschichts-Paradigma hält die Kellertüren fest geschlossen und hat gegen jeden Brandgeruch der durch die Ritzen dringt das passende Raumspray. Müslikind macht in einem offenen Brief an die EMMA auf den „Kegelklub“ aufmerksam, der sich mit genderspezifischen Themen befasst. An Müslikind: Eine selbstkritische Aufarbeitung der Etablierung der Männer-AG in der Piraten-Partei wäre empfehlenswert, immerhin bestimmte diese Gruppe Titelblatt und Schwerpunkt der ersten Ausgabe des Kompass, der wohl wichtigsten Print-Ausgabe der Piratenpartei. Auch wenn die MännerAG nur noch ein Schattendasein führen sollte, so stellt sich dennoch die Frage, ob sich nicht gerade mit einer Post-Gender-Argumentation diese Gruppe etablieren konnte.

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