„Bodensatz“ und weitere Vertikalismen der AfD


Soziale Vertikalismen sind Denkmuster, die die Gesellschaft vertikal abbilden, wobei Oben mit reich und gut und Unten mit arm und schlecht verbunden wird. Diese sozialen Vertikalismen gehen oftmals mit Klassismus, also mit klassenbezogener Ausgrenzung, Ausbeutung, Verächtlichmachung, Benachteiligung usw. einher.

Ein Artikel in der Süddeutschen machte heute auf eine Rede des Sprechers Bernd Lucke der Alternative für Deutschland aufmerksam.  Lucke sprach dort über „ausländische Langzeitarbeitslose“. Diese seien der „Bodensatz“ unserer Gesellschaft.

„Lucke erklärt, dass es Menschen gebe, die ins Land kämen, ohne Deutsch zu können, überhaupt ohne Bildung. Sie kämen voller Hoffnung und Naivität. Doch wegen ihrer schlechten Voraussetzungen könnten diese Menschen gar nicht zurechtkommen. Für sie bliebe nur ein Leben in Hartz IV. „Dann bilden sie eine Art sozialen Bodensatz – einen Bodensatz, der lebenslang in unseren Sozialsystemen verharrt.“ Ein dauerhaftes Leben in Hartz IV aber wäre nicht menschenwürdig. Man solle sie aus Verantwortungsgefühl auch für sie nicht ins Land lassen. Um sie zu schützen.“ (Schneider 2013)

Und weiter heißt es;

„Bodensatz. Welche Menschen meint er? ‚Ich habe keine bestimmte Gruppe im Sinn‘, sagt er hinterher. ‚Ausländische Langzeitarbeitslose, die aus der Abhängigkeit nicht herauskommen.‘ Aber dieses Wort? Er fragt zurück. Was daran störend sei? Technisch gesehen sei Bodensatz ‚das, was sich nach unten absetzt und nicht wieder hochkommt.‘ Klingt das nicht nach Müll, den man nicht brauche? Nein, das habe er gar nicht im Sinn. Lucke ist irritiert. Er werde, sagt er, darüber nachdenken.“ (Schneider 2013)

Diese sozialen Vertikalismen finden sich vor allem auch in der Bildungspolitik. Es heißt nicht umsonst „Hochschule“ und „Bildungsaufstieg“. Auch der Ausdruck „Bildungsniveau“ ist so ein Vertikalismus, da er eine horizontale Ebene benennt. Diese Topologien sind Denkmuster, die die Zuordnung von Menschen erlauben, aber eben auch deren Bewertung. Oben und Unten ist nicht wertneutral, sondern so sehr im Bewertungsystem eingeschrieben, dass dies selbst topologisch gedacht wird, was sich in den Ausdrücken „Aufwertung“ und „Abwertung“ zeigt.

Im Folgenden möchte ich anhand einer Diskussion im AfD-Forum zeigen, wie vielfältig die sozialen Vertikalismen greifen. Auslöser war ein Banner auf der Facebook-Seite mit einem Zitat von Bernd Lucke, wo er sich für das Dreigliedrige Schulsystem aussprach, u.a. mit folgender Begründung:

„Ich habe die große Sorge, dass die Realschule damit auch kaputt gemacht wird. Denn die Realschüler sind damit völlig überfordert, sie sind dafür ja gar nicht ausgebildet. Sie haben ihre eigenen Aufgaben in der Schule zu erledigen, was manchmal schwer genug zu bewältigen ist. Da kann man doch nicht einfach sagen, die müssen jetzt noch mit den schwer erziehbaren Kindern von der Hauptschule umgehen und deren Probleme lösen.“

Hier die Kommentare, die mit sozialen Vertikalismen argumentieren:

  • Vorallem muss man bedenken, dass eher die schwierigeren Kinder die anderen runterziehen, als das der andere Effekt eintreten würde. Es würde den Zerfall der Gesellschaft nur noch mehr beschleunigen. So würden die jetzigen Realschüler das Hauptschüler-Niveau annehmen und wir hätten eine noch breitere Unterschicht.
  • Bayern auf das Niveau anderen budesländer runterziehen, das ist der hintergrund
  • Das Talent gehört gefördert, nicht die Untalentierten, die werden sich in einem Einheitssystem vielleicht um ein paar Prozent verbessern, aber die Hochbegabten und Talentierten werden dabei verkümmern … was leider im Moment bei diesem System der Fall ist, hier wird mit aller Gewalt Mittelmaß geschaffen !
  • Die Gesamtschule wird dazu führen, dass nicht nur das durchschnittliche Bildungsniveau der Bevölkerung weiter sinkt, Versager, Querulanten und primitive Brutalinskis aus dem Hauptschulbereich werden die früher fleißigen Realschüler tyrannisieren und entweder auf ihre Stufe runterziehen oder zarte Pflänzchen einfach zerbrechen.
  • Ich halte ein dreigliedriges System auch für das Beste. So fühlt sich niemand unter- oder überfordert.
  • Das Ziel darf keine niedrige einheitsbildung sondern muss eine differenziertere sein.
  • Ich sehe die Gefahr bei einer Gesamtschule bis zur 10 Klasse, dass das Bildungsniveau sinkt.
  • Die nachfolgenden Jahrgänge wurden immer schlechter und das Niveau des Unterrichts sank dramatisch.
  • Natürlich hat es ein kleiner Justin schwerer als ein kleiner Enno, wenn seinen Eltern der Flachbildschirm und RTL2 wichtiger sind, als sein Erfolg in der Schule. Dieses Problem löst man aber nicht durch Gleichmacherei und Behinderung der Leistungsträger, sondern durch eine veränderte Einstellung zur Bildung im Elternhaus!
  • Wir mussen gegen die kommunistische Gleichmacherei zu Lasten des Bildungsniveaus vorgehen.
  • Wir können ja auch im sport alles zusammen legen zb. Fussball bundesliga gegen kreisliga , dann würde das Niveau in der kreisliga ein wenig gehoben!
  • Wir brauchen ein Schulsystem, was die Guten fördert und nicht herunterzieht.
  • Dann habe ich das Gefühl, das hier gleich gemacht werden soll, und zwar nach unten. […] Es ist von oben befohlen. Das Niveau des Deutschen Volkes ist zu drücken und zwar auf bildungsferne Migrantenebene.
  • So werden potentiell gute Realschüler im Schulsumpf der unteren Schichten versenkt und um ihre Zukunft betrogen.
  • Wundert es euch, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr auf die Hauptschule schicken wollen? Das Nveau, dank rot-Grün, ist dermaßen gesunken, dass die heutige Hauptschule das Niveau der früheren Sonderschule gerade mal erreicht.
  • Typisch Gutmenschentum. Es ist nunmal leider nicht so, daß die guten interessierten Schüler ihre lernschwächeren Klassenkameraden durch kollegiale Zusammenarbeit fördern und das Niveau „nach oben ziehen“. Es ist genau anders rum: Die lernunwilligen ziehen eher die guten runter.
  • Das untere Niveau zog schon immer das etwas höhere nach unten. Das ist nun wirklich eine Binsenweisheit.
  • die Grünen und Roten wollen doch das Niveau bewusst unten halten, damit sie es besser in ihrem Sinne beeinflussen können.
  • bildungsferne gruppen mit schlechten deutschkenntnissen und mangelnden lernwillen werden weiterhin die schüler in den „abgrund“ reissen, welche großes potenzial haben.
  • Die Gesamtschule ist 19. Jahrhundert. Laut PISA soll das Leistungsniveau der Schüler mit hoher sozialen Herkunft von der Gesamtschule gerade mal dem Leistungsniveau der Schüler mit niederiger sozialer Herkunft der Realschule entsprechen…
  • Wenn jetzt diese Klassen nur noch von Problemkindern wimmeln, die das Niveau nicht einmal schaffen und damit alle anderen herunter ziehen, dann gute Nacht…
  • Wir wollen das 3-gliedrige Schulsystem haben. Basta. Wir lassen unsere guten Schüler nicht von Bildungsfernen herunterziehen. Es muss eine Schule geben, an der genau diese Bildungsfernen die Möglichkeit haben, durch Fleiß, Anstrengung und Wissensdurst, sich auf eine höhere Schulform vorzubereiten. Was soll der Quatsch mit „alle sind gleich“??? Das haben wir ja beim Euro erlebt!

Vor allem das Bild des „Runterziehens“ ist problematisch, weil dies auch von Alfred Rosenberg in seiner Beschreibung der „Untermenschen“ verwandt wurde.

Hier ein weiterer Artikel zu Sozialen Vertikalismen: Bewusst gedachte Vertikalismen

Weitere Artikel zur AfD:

41 Kommentare

Comments RSS
  1. Fritz Schladitz

    Ja, in der Tat, da hat Lucke und die meisten der Kommentatoren recht…
    Gott sei Dank gibt es endlich jemanden, der sich dieser schleichenden Downsize – Nivellierung einmal annimt und sie beim Namen nennt.
    Weiter so!

    • Andreas Kemper

      Sie haben überhaupt nicht verstanden, was ich geschrieben habe? Schauen Sie mal die Daumen an, mit denen sich Kommentare bewerten lassen. Es erfordert etwas Anstrengung, Denkmuster als Denkmuster zu erkennen. Denn das Denken bedient sich dieser Muster.

      Schauen Sie sich die beiden Hände mit den Daumen an. Was sehen Sie und was fällt Ihnen dazu ein?

  2. Martin Lauber

    Ja, und Hitler hat auch Gemüse gegessen, weswegen man sich besser nur von Fleisch ernährt.

    Jene Schüler, die Sie mit Ihrem Vergleich gerade den „Untermenschen“ der NS-Ideologie zuordnen, sollte unbestrittenerweise geholfen werden. Allerdings nicht dadurch, dass man das Bildungslevel der anderen – vertikal oder horizontal, whatever – durch Zwangskonstrukte wie Gesamtschule angleicht.

    Ein Ansatz im Elternhaus ist der einzig plausible Weg. Nicht durch linken Zwang (alle müssen in die staatliche Kita!), sondern durch Aufklärung. Die Eltern müssen kapieren, dass sie die Chancen ihrer Kinder in dieser Gesellschaft vernichten, wenn sie auf Bildung keinen Stellenwert legen.

    Ach ja: haben Sie, Herr Kemper, in den letzten Jahren mal eine grosstädtische Hauptschule besucht und Ihren soziologischen Elfenbeinturm verlassen? Falls ja, würden Sie Ihre Kinder dieser Schule anvertrauen? Nein, das würden Sie nicht.

    • Andreas Kemper

      Ich bin ehemaliger Hauptschüler. Wie ist ihr Bildungsgang und kennen Sie Hauptschüler*innen?

  3. Angelika H.

    Ein „Alexander der Mittelmässige“ bezieht sich im Kommentarbereich auf Ihre Thesen über die AfD ( in der von Ihnen angesprochene Süddeutschen: http://www.sueddeutsche.de/politik/kritik-von-gruenen-chefin-roth-afd-ist-rechtsaussen-partei-1.1770735) Ja, vielleicht hätte Lucke sich etwas vornehmer ausdrücken können als von Bodensatz zu sprechen. Er muss noch viel lernen um so aalglatt wie all die vielen Berufspolitiker im Bundestag sprechen zu können. Die würden so etwas nie aussprechen, reden jedoch von Unterschicht und tun alles erdenkliche, weit weg von Asylanten und Armutsvierteln zu siedeln. Deren Kinder gehen auch nicht in eine Schule mit 80 % Migrantenanteil. Wenn doch, dann bitte EIN Beispiel. Dieser Herr „Alexander der Mittelmässige “ zählt Ihre Kritik an der angeblichen Demokratiefeindlichkeit auf (Aberkennung des Wahlrechts) und nennt Prof.Dr. Lucke und Dr. Petry „Feld- Wald und Wiesenfaschisten die mit dem Grundgesetz nichts mehr gemein haben“. Also, wenn ich die wäre, mein nächster Gang führte zum Anwalt…..

    • Andreas Kemper

      Bezeichnungen wie „Bodensatz“ sind aber nunmal nicht einfach nur Ausrutscher, sondern sie kennzeichnen Denkmuster. Zum einen extrem hartnäckige Denkmuster, von denen ich mich auch nicht freisprechen kann, nämlich die Oben-Unten-Zuordnung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen, die ja entsprechend dieser Denkmuster als „Schichten“ bezeichnet werden. Zum anderen enthält der Begriff „Bodensatz“ aber auch Assoziationen wie Ablagerung, Rest, das Übriggebliebene. Ich habe bewusst Luckes Hauptschulzitat oben gebracht, weil dieses auch die mit „Bodensatz“ assoziierte Denkweise zum Ausdruck bringt. Der Bodensatz ist das, was nach unten fällt, dessen Platz unten ist. „Schwererziehbare Hauptschüler“ sind in dieser Denkweise so ein „Bodensatz“. Es wäre sinnlos, diese in einer Schule für Alle reinzubringen, sie würden eh wieder zu Boden sinken und noch andere „mitziehen“. Besser wäre in diesem Denken daher eine Hauptschule speziell für den „Bodensatz“.

      Dieses Wort ist nicht einfach so rausgerutscht. Es spiegelt eine bestimmte Denkweise. Das zeigte sich auch in der Irritation, als Lucke mit dem Ausdruck konfrontiert wurde – er wusste zunächst mit der Kritik gar nichts anzufangen, weil in seinem Denken passt doch das Bild.

      Naja, und zu den Vorwürfen gegenüber Lucke äußere ich mich hier jetzt nicht. Ich denke, dass die Beschimpfungen gegen meine Person mindestens so krass sind wie das was Herr Lucke sich anhören muss. Allein nach dem Spiegel-Interview gab es weit über tausend Kommentare und mehrere Artikel, in denen versucht wurde, mich zu diskreditieren. Schauen Sie sich allein mal bei Amazon die Buchbesprechung an. Dort sind jetzt neun „geistreiche“ „Rezensionen“, die ganz deutlich nur das Ziel verfolgen, mich als unseriös darzustellen. Gelesen hat das Buch wahrscheinlich kein*e dieser „Rezensent*innen“. Die Facebook-Seite der AfD rief dazu auf, sich am Online-Pranger zu beteiligen, wo ich als einer der ersten aufgelistet wurde. Also mein Mitleid mit dem Führungspersonal der AfD hält sich stark in Grenzen.

  4. Angelika H.

    Die 10. Kundenrezension bei Amazon stammt von Ihnen. Im Prinzip geben Sie dort Ihr Buch in Kurzfassung wieder. Die Kommentare dazu müssten Sie nachdenklich machen.

    • Andreas Kemper

      Nein, die Kundenrezension ist ganz sicher nicht von mir. Und ich hatte ja bereits gesagt, dass die anderen neun „Rezensionen“ mich bereits nachdenklich gestimmt haben. Einer von den Rezensenten hat mir bspw. einen komplett falschen Vornamen verpasst und das gleich zweimal. Der hat das Buch nie in der Hand gehabt. Die anderen wahrscheinlich auch nicht – bis auf die ausführlichere Rezension, von der sie meinen, dass sie von mir sei.

    • Andreas Kemper

      Ah, okay, ich habe diese Kommentare zu den Besprechungen erst jetzt wahrgenommen. In der Tat, ich finde Kommentare wie

      „Wem das schrille verlogene Propagandagesülze der Roths, Ströbeles, Trittins, Künasts und Konsorten noch nicht reicht, kann sich ja bei dem Antifa-Frettchen Kemper die letzte Ölung abholen…“

      bedenkswert. Das ist ungefähr die Intellektualität der meisten Rezensionen. Aber noch sehr harmlos im Vergleich zu anderen Kommentaren.

      • Markus H.

        „Das ist ungefähr die Intellektualität der meisten Rezensionen.“ Sehr gut die Kurve bekommen. Aber eigentlich besteht kein Unterschied zu der Aussage, „das ist ungefähr das NIVEAU der meisten Rezensionen“. Also auch ein „Vertikalismus“. Oder irre ich mich? Die Kritik an „Vertikalismen“ ist völlig daneben, weil es nun einmal Unterschiede (welcher Art auch immer) gibt – anschließen kann ich mich allenfalls in der Kritik an der Bewertung dieser Unterschiede. Also wenn beispielsweise behauptet würde, jemand mit weniger Intellekt (und dass es da Unterschiede gibt, räumen sie mit Ihrer Aussage zu den Rezensionen ja selbst ein) sei weniger wert.

        Verstehen Sie mich nicht falsch, ich kann die [Beleidigung entfernt] (AfD) nicht ausstehen und sehe darin eine Partei, die wesentlich wirtschaftsliberaler als die FDP und wesentlich rechter als die CDU ist – „nationalliberal“ passt sicher sehr gut. Die bildungspolitische Position im Programm der AfD, dass gefordert wird „Bildung als Kernaufgabe der Familie zu fördern“ und dass „Kitas und Schulen … dies [lediglich?] sinnvoll ergänzen“ müssten, ist ebenso fragwürdig wie alles andere.

        Was allerdings die Kritik vor allem der linken Parteien (denen ich in den meisten sonstigen Fragen der Politik am nächsten stehe) am dreigliedrigen Schulsystem angeht, so kann ich diese nicht ganz nachvollziehen. Belegen Sie mir doch bitte, inwiefern dieser aus Ihrem Artikel übernommene Kommentar keine gültige Analogie ist:
        „Wir können ja auch im sport alles zusammen legen zb. Fussball bundesliga gegen kreisliga , dann würde das Niveau in der kreisliga ein wenig gehoben!“
        Auch viele andere Argumente (nicht alle!) unter diesen Kommentaren kann ich voll und ganz nachvollziehen, dies ist lediglich ein Beispiel.

        Im übrigen stimme ich z.B. auch der These zu, dass das durchschnittliche Bildungsniveau in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten stark gesunken ist (Beispiel: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/sprachkompetenz-von-jurastudenten-das-ergebnis-war-teils-verheerend-a-900387.html). Und zwar gerade weil die Hauptschule immer mehr zu einem Sammelbecken des „Bodensatzes“ (Hinweis zur Verwendung dieses Begriffs: Achtung, Ironie), die Realschule zur Hauptschule für Nichtmigranten und das Gymnasium zur Gesamtschule für den Rest geworden ist. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass viele Eltern heutzutage ihre Kinder grundsätzlich für Genies halten: http://www.khattemeethe.com/post/223

      • Andreas Kemper

        Sie scheinen meine Kritik an sozialen Vertikalismen noch nicht ganz verstanden zu haben. Kritisiert wird die gedankliche Strukturierung gesellschaftlicher Gruppen mittels einer Topologie. Diese Topologie ist problematisch, weil sie untrennbar mit Bewertungsmustern einhergeht. Das Sport-Beispiel ist hier symptomatisch. Es wäre spannend zu untersuchen, wie es dazu gekommen ist, dass in sportlichen Wettkämpfen die Sieger*innen oben in einem vertikalen System abgebildet werden, also „Siegertreppe“ und „höhere Liga“. Diese Vertikalismen als vorstrukturierende und vorbewertende Denkmuster müssen zunächst bewusst gemacht werden, erst dann sollten wir beginnen, uns über Bildungsbenachteiligung zu unterhalten.

  5. George

    Nun mal butter bei den Fischen: Würde die AFD am 22. September mit absoluter Mehrheit gewählt werden, würde folgendes passieren:

    -Deutschland würde unters Kriegsrecht gestellt, damit Unruhen mit Bundeswehrkampftruppen bekämpft werden können

    -Und dann gehts los: HartzIV und vergleichbare Leistungen werden im ersten Schritt um 30% gekürzt und im 2. Schritt auf 5 Jahre begrenzt

    -Menschen unterhalb der sogenannten Steuerfreibetragsgrenze werden nach und nach vom Rest der Gesellschaft isoliert.

    -Migranten, insb. die keine regelmäßige Arbeit vorweisen können, werden ausgewiesen. Ist eine Ausweisung unmöglich, werden sie in sogenannten MIgrationslagern konzentriert.

    -Etwas Später landen auch alle anderen Bürger ohne Arbeit in Sammellagern bzw. Ghettos nach Vorbild des Warschauers Judenghettos. Diese Ghettes werden mit unüberwindbaren „Grenzeinrichtungen“ versehen. Wer dieser Grenze zu nahe kommt, wird sofort elimniert.

    -Einkommenschwache Rentner kommen nach und nach in sogenannten Betäubungslagern. Dort werden sie Medikamenten defakto in einer Art Wachkoma versetzt, bis sie versterben.

    -Die Sammellager für Migranten ohne Ausweisungsmöglichkeiten und einkommensschwache Bevölkerungsgruppen werden nach und nach ausgehungert. Gibt es Unruhen, werden sie von der Bundeswehr bombardiert.

    -Gut gebaute bzw. sehr gesunde, kräftige Einkommensschwache können sich von den Lagern freikaufen, indem sie ein Teil ihrer Organe an gut Betuchten verkaufen.

    -Parteien links von CDU und FDP werden nach und nach verboten oder werden immer stärkeren Schikanen ausgesetzt. Und auch die bürgerlichen Parteien werden letztendlich zu einer Koaltion der deutschen Reinheit gezwungen. Auch die NPD wird aufgrund ihrer „linksreationären “ Wirtschafts- und Sozialpolitik verboten!

    -Deutschland tritt aus der Euro-Zone und am Ende auch aus der EU aus.

    -Nach 8, vielleicht 12 Jahren bricht in Deutschland dann aber die Wirtschaft zusammen. Zum einen, wegen immer schärferen Sanktionen gegen Deutschland und zum anderen, weil die Reichen dazu verleitet werden, aufgrund ihrer explodierenden Einkommen extrem mit ihren Geldreichtum „zocken“.

    -Immer wieder auftauchende Internetbilder und -Videos trotz massiv eingeschränktem Internetzugang von millionen von Toten durch Säuberungen der unteren Bevölkerungsschichten, die sich zum Ende bis auf die mittleren Bevölkerungsteile ausdehent, weil die Reichen noch viel mehr Geld brauchen) sorgen dafür, dass sich die Internationale Gemeinschaft nach zähen Verhandlungen in Deutschland einmarschiert und dass Land in andere Staaten aufteilt.

    Wenn ihr so eine grausame Zukunft, die sogar schlimmer sein könnte, als es in Hitlerdeutschland war, da womöglich über ein Drittel der Bevölkerung auf die „Todesliste der AFD-Schergen“ stehen könnten, nicht haben wollt- geht wählen und wählt irgendeine Partei, die der AFD entgegenstehen! Ansonsten wirds sehr, sehr düster!

  6. Irene (@irene_muc)

    Habe den SZ-Artikel auch gelesen. D’accord, was den Bodensatz angeht.

    Aber das Runterziehen: Wäre denn viel gewonnen, wenn stattdessen vom Bremsen die Rede wäre, weil das physikalisch gesehen eine horizontale Metapher ist?

    Mir begegnet der Ausdruck „Runterziehen“ übrigens fast nur auf Stimmungen bezogen („dieses Thema / dieser Film / dieses Gejammer… zieht mich runter“). Ist unwahrscheinlich, dass du Leute ändern kannst, die gute Laune einer gedrückten Stimmung vorziehen 😉

    Gedrückte Stimmung, Depression … was machst du denn mit den vertikalen Bildern in der Psychologie? Ist das für dich was anderes, oder bekämpfst du die auch?

    • Andreas Kemper

      In erster Linie gehts mir nicht darum, andere Wörter zu benutzen. Sondern es geht darum, Denkmuster zu zeigen. Ich müsste mich nochmal in die Diskursforschung einlesen, um die richtigen Fachbegriffe parat zu haben. Diese „Oben-Unten-Bilder“ haben eine sehr lange Tradition. Sowohl die Bibel kennt diese Bilder (Jakobs Himmelleiter) als auch der Neuplatonismus (Emanationslehre Plotins). In der Scholastik wurden ebenfalls diese Topologien benutzt. Ich hatte gerade noch das Buch „Über Gott und die Welt“ (Interview mit Josef Kardinal Ratzinger, ich glaube, der hat jetzt einen leitenden Posten in der kath. Kirche, kann aber auch sein, dass er schon in Rente ist) gelesen und auch dort finden sich ganz klare Zuordnungen von Oben und Unten. Und das Bild des „Runterziehens“ in den Kommentaren zum Facebook-Artikel hat mich sehr an die Bilder erinnert, die Rosenberg im „Mythus des 20. Jahrhunderts“ zeichnete. Die „Untermenschen“ aus den Weiten der Tundra und aus den Sümpfen des Nils würden aus Neid (!) ihren angestammten Platz verlassen und sich nur erheben, um den nordischen Menschen hinabzuziehen. Diese Bilder gab es schon vor dem NS-Regime, sie halfen aber zweifellos, sie wurden besonders wirkmächtig in der Nazizeit. Zudem verbanden sich die Bilder vom Runterziehen einzelner Menschen mit den Untergangsbildern von Völkern, Rassen, Wirtschaftsgebilden und Nationen: Die große Depression.

      Ein gutes Mittel gegen Runtergezogensein ist übrigens, mal runter zu kommen und sich zu erden 😉 Das zeigt, dass die Bilder für die Psyche durchaus gegenläufig sind – da kann Höhe durchaus ein Synonym für Verrücktheit sein. Es gibt auch einen emanzipatorisch-widerständischen Bereich, der für sich das Unten reklamiert, gegen die Abgehobenen da oben. Aber das ist auch nicht ganz ungefährlich, da bereits seit Aristophanes das Unten auch reaktionär gegen Intellektualität gewendet werden kann – bis hin zur Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis mitsamt Bücherverbrennungen. Diese reaktionären Bilder gegen das Hohe finden sich auch bei der AfD, wenn etwa Bernd Lucke sagt, Friedrich Wilhelm I. sei sein Vorbild oder wenn Alexander Gauland von der „Eisen-und-Blut“-Rede Bismarcks gegen die Majoritätsentscheidungen begeistert ist. Ich denke, diese reaktionären Wendungen gegen das Oben beruhen auf dem Glauben, dass nicht das Oben an sich schlecht sei, sondern dass die Falschen oben sind, Emporkömmlinge ohne wahre Größe, die nur durch Verschwörungen und Intrigen an der Macht bleiben, etwa durch den Parlamentarismus, hinter dem sie sich verkriechen und verstecken können. So ungefähr.

      • Irene (@irene_muc)

        Danke für den weiteren Bogen, jetzt verstehe ich eher, was du meinst. Die Bibel hat den Himmel-Hölle-Gegensatz wahrscheinlich von den Zoroastriern übernommen.

        Das zeigt, dass die Bilder für die Psyche durchaus gegenläufig sind – da kann Höhe durchaus ein Synonym für Verrücktheit sein.

        Ja, wichtiger Unterschied!

        Bei den finanziellen Verhältnissen kann es ja ähnlich polare Effekte geben. Wenn ich mich so in meinem Alltag umsehe, finde ich die anstrengendsten Persönlichkeiten nicht irgendwo im Mittelfeld (arbeiten gehen, Wohnung und Urlaub zahlen können), sondern bei den Selfmade-Erfolgreichen und den Arbeitslosen. Kann natürlich Zufall sein, und was zuerst da war, kann ich auch nicht pauschal sagen. Bei einigen scheint es aber offensichtlich, dass die fehlende Bereitschaft, sich irgendwo einzufügen, nach oben oder unten geführt hat.

      • Andreas Kemper

        Danke für den Hinweis auf die Zoroastrier. Seine Übermenschen-Theorie arbeitete Nietzsche bekanntlich auch in „Also sprach Zarathustra“ aus.

        Beim letzten Punkt würde ich nicht so sehr die individuelle Ebene fokussieren. Der Kaptialismus basiert auf einer industriellen „Reservearmee“, er braucht Arbeitslose. Von daher ist es egal, wie sie die Menschen verhalten, wenn sich alle anstrengen, werden die Bedingungen verschärft. Das ist sehr plausibel in dem Film In Time dargestellt.

      • Irene (@irene_muc)

        Ich meinte die individuelle Ebene zusätzlich zur gesellschaftlichen, denn die gibt es ja auch. Und dabei vor allem den Anteil, den man kaum durch Anpassung und Anstrengung ändern kann.

  7. Angelika H.

    @ George Schau nach Griechenland. Dort kannst Du die Folgen der zentralistischen EU-Politik mit Schaudern beobachten: Neo-Nazis in der Regierung und auf der Straße, Hatz nach Migranten. Die Wirtschaft, welche in den letzten Jahren zurückgefahren wurde (öffentlicher Dienst war lukrativer) ist nun vollends zusammengebrochen. In Portugal läuft es nicht anders. Die Regierungen der Schuldenländer sind aufgefordert, öffentliches Eigentum zu privatisieren: Wasserversorgung, Verkehrsanlagen. Preissteigerungen um 500 % . Wer dahinter steckt, kannst Du Dir denken. Von unseren Rettungsschirmen kommt kein Cent beim Normalo an. Das kassieren die Gläubigerbanken. Die AfD will diese Entwicklung blockieren. Was ist daran falsch? Willst Du, dass es so bleibt? Bei Einführung von Euro-Bonds durch SPD/Grüne wird es unweigerlich zu Steuererhöhungen kommen müssen. Eine Erhöhung der MWST wird besonders die Kleinverdiener und Familien mit vielen Kindern treffen. Diese verhängnisvolle Entwicklung scheinen die Kritiker/Gegner der AfD vorzuziehen. Schau Dir das Video mit Brinkhaus/CDU und Lucke/AfD an, dann weißt Du, wer der aalglatte Politiker und wer der Fachmann ist: http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-08/deutschlandduell-euro

    • George

      Mit nichten, liebe Angelika, mit nichten. Die Menschen sind der AFD vollkommen egal. Im Gegenteil- für viele ihrer Anhänger wäre es sogar am liebsten, die Rigionen südlich der Alpen wären vollkommen Menschenleer und könnten die Gebiete mit Antipersonenminen vollstopfen, damit keine bösen, bösen Scheinasylanten, die angeblich ja in jährlichen Multimillionenraten nach Deutschland kommen keine Möglichkeit mehr haben, nach Norden vorzustoßen! Ein paar schöne Ecken bleiben dann noch für die reichen Nordeuropäer übrig… Diese Eurobondsgeschichten usw. find ich selber auch nicht gut und anfangs habe ich die AFD ernsthaft in Erwägung genommen zu wählen aber durch viele, viele Facebookbeiträge und anderer Foren ist mir das gründlichst vergangen! Die NPD-Leute sind nicht mehr ein hauch schlimmer! Die AFD ist leider zu einem Sammelbecken verschiedenster rechter Gesinnungen verkommen, von LIbertär über einen Euthanasiebejahenden Wirtschaftsfaschismus, Rechtspopolismus bis hin zu strammen Neonazis! Das wirst du schon nach der Wahl mit aller warscheinlichkeit selber mitbekommen. Und wie die Geschichte uns lehrt: Nur mit einem brutalen Faschismus lässt sich eine skrupellose, sozialdarwinistische Wirtschaftspolitik durchziehen!

  8. Anita Gribofsky

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht was die Aufregung um den Begriff „Bodensatz“ soll.
    In der Volkswirtschaft werden damit Menschen bezeichnet, die sogar in der Vollbeschäftigung aus persönlichen Gründen keinen Arbeitsplatz bekommen.
    Als persönliche Gründe zählen z.B. mangelnde Ausbildung, Krankheit, Unwillen für eine Arbeitsstelle umzuziehen, hohes Alter…..

    Luncke hat Volkswirtschaft studiert, also ist es nur naheliegend, das er den Begriff kennt und nutzt.

    Hätten sie sich mit dem Thema beschäftigt, anstatt sich nur auf den Begriff zu konzentrieren hätten sie es gewußt. Sie haben schlampig gearbeitet.
    Oder kann es sein das sie um die Bedeutung gewußt haben, aber bloss wieder AfD Bashing betreiben wollten?
    In diesem Fall sind sie der Populist und sollten sich was schämen.
    Das sie sich durch den Begriff angestoßen fühlen hat nicht mit dem Begriff zu tun, sondern mit ihnen und wie sie den Begriff interpetieren.
    Oder:
    Luncke ist nur für das verantwortlich was er sagt, nicht das was sie verstehen.

    • Andreas Kemper

      Eine Richtung der Volkswirtschaftslehre, die solche Bezeichnungen wie „Bodensatz“ für Menschen bezeichnet, ist das Problem. Es gab schon immer Affinitäten bestimmter Richtungen der Volkswirtschaftslehre zu sehr menschenverachtenden Ideologien wie bspw. der Eugenik. Es macht es also keinesfalls besser, wenn Lucke dieses Vokabular aus der VWL übernommen hat. Umso schlimmer für diese Richtungen der VWL.

      Können Sie genauer lokalisieren, zu welcher Schule diese Spielart der VWL gehört, die Menschen als Bodensatz kennzeichnet?

  9. Anita Gribofsky

    Leider nein da ich nicht VWL studiert habe.

    Der Begriff kam auf als ich einen Kurs in VWL auf Bezug zur Handelspraxis gemacht habe.
    Der Dozent (Volkswirt aus Regensburg) ging etwas genauer auf den Begriff ein und erklärte seine Verwendung, mehr nicht.
    Wir haben uns mehr darauf konzentriert wie man im Handel die Werkzeuge der VWL nutzen kann.

    Und was für ein Begriff wäre dann besser ?
    Schwervermittelbare ? Unwillige ?

    M. M. nach paßt das Wort Bodensatz perfekt.
    Egal wie stark die Strömung (Wirtschaft) ist, manche Besandteile verharren an Ort und Stelle und bleiben übrig.

    Wie sie den Sprung von der Volkswirtschaft auf die Eugenik schaffen erschließt sich mir wirklich nicht. Und menschenverachtend ?
    Ich bitte sie. Wenn sie solche Wörter derartig inflationär verwenden verlieren sie an Bedeutung.

    • Andreas Kemper

      Bodensatz ist deswegen problematisch, weil es eine Metapher ist, die soviel wie Unwerwertbarkeit, Müll, Ausschuss meint. Zudem kann man dass, was sich unten absetzt, nicht mischen, es landet doch wieder unten. Darüber kann man – ja muss – hinwegtrampeln. Und diese Oben-Unten-Denkweise ist an sich bereits problematisch.

      Nein, solche Wörter verlieren nicht an Bedeutung, auch nicht durch inflationären Gebrauch. Sie bestimmen unsere Denkmuster und verklären unser Denken. Wir sprechen ja bewusst nicht mehr von verschiedenen Rassen oder vom N-Wort.

      Der Sprung von der Volkswirtschaftslehre zur Eugenik ist nicht so weit. Es gibt beispielsweise die Clubtheorie, die von der „Qualität der Kinder“ spricht und davon, dass die „Bevölkerungsqualität“ steigt, wenn die „Kinderqualtität“ steigt, es müsse also dafür gesorgt werden, dass mehr Kinder mit „hoher Qualität“ geboren werden. Die Eugenik kommt eher aus der Volkswirtschaftslehre als aus der Humanbiologie.

  10. Anita Gribofsky

    Okay, ich verstehe Ihre Bedenken bezüglich des Wortes Bodensatz. Sie assoziieren andere Worte damit als ich, somit ist das geklärt.
    Ich denke aber trotzdem nicht das man es Lucke anhängen kann, das er das Wort benutzt, da es (wahrscheinlich) für ihn nur ein wissenschaftlicher Terminus ohne besondere soziale Gewichtung ist. Und da Lucke m. M. nach nun mal pragmatischer Denker ist hat er das Wort benutzt ohne die verschiedenen Interpretationmöglichkeiten in Betracht zu ziehen.
    Rein wissenschaftlich ist das Wort richtig, aus humanistischen/sozialen Aspekten wohl bedenklich. Ich bin eher wie Lucke, pragmatisch und wissenschaftlich, daher kam mir Ihre Interpretation nicht in den Sinn.

    Von daher danke ich Ihnen für einen neuen Aspekt den ich in Zukunft beachten kann.

    Aber wie gesagt, was für einen Begriff soll man dann verwenden ?
    Der Sinn eines Terminus/Fachbegriffs ist nun mal, eine komplizierte Situation schnell abzuhandeln um im Gespräch weiterzukommen, also zusammenzufassen.

    Ich bin durchaus der Meinung das Begriffe an Bedeutung verlieren wenn sie zu oft verwendet werden. Vor allem „menschenverachtend“, „rechtsextrem“ und „rechtsradikal“ sind für mich ohne Bedeutung geworden.

    Solche Worte werden verwendet um Personen und Gruppierungen als Monster und Ungestalten zu kennzeichnen/diffarmieren.

    Als radikal und extrem bezeichne ich Gruppierungen die zur Gewalt aufrufen oder diese selbst anwenden und trotzdem werden diese Wörter immer im Bezug zur AfD verwendet. Wenn also die AfD „rechtsradikal und -extrem“ ist, was ist dann die NPD ?

    Rechtsradikaler ? Rechtsexxxtrem ?
    Dem Begriff „menschenverachtend“ geht es nicht besser. wenn also die VWL mv handelt, weil sie Gruppen von Menschen in Fachbegriffe einteilt, was ist dann ein Diktator der Giiftgas einsetzt (Sadam Hussein) ?

    Es wird m. M. nach heutzutage zu schnell zum extrem in der Sprache geriffen, der ultima ratio, wenn Sie es so wollen, es fehlen die Abstufungen.

    • Andreas Kemper

      Dadurch dass der Begriff vermeintlich oder wirklich „wissenschaftlich“ ist, ist er noch nicht okay.

      Es ist schon schwierig, wenn bestimmte volkswirtschaftliche Ansätze Herrschafts- und Gewaltverhältnisse ausblendet. Noch problematischer wird es, wenn diese Ansätze Herrschafts- und Gewaltverhältnisse noch durch die Erfindung abwertender Ausdrücke verschärfen.

      Ausdrücke wie „rechtsradikal“ oder „rechtsextrem“ taugen nicht viel. Radikal sind Rechte sowieso schon nicht, weil sie eben nicht die Probleme von der Wurzel her (radix) betrachten, sondern Ursachen und Wirkungen oftmals vertauschen. Und auch der Ausdruck extrem ist nicht so günstig, weil er sämtliche ideologische Positionen auf einer Geraden abbildet.

      Ich selber würde die AfD als nationalliberal bezeichnen.

  11. Anita Gribofsky

    Bei der Einstufung der AfD greife ich gern auf einen Kommentar der auf Heise.de veröffentlicht wurde zurück:
    http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Die-AfD-ist-keine-Tea-Party/forum-253624/msg-23393973/read/

    Ich sehe wie gesagt die AfD auch eher im konservativen Lager, evtl. mit liberalem Einschlag.

    Aber denken wir mal zurück, wie mußten den die Piraten mit den Vorwürfen des rechten Sammelbeckens kämpfen. Das wurde auch nur gemacht um sie zu diffarmieren.
    Btw, auch ich habe die Piraten seit der Gründung des deutschen Ablegers immer gewählt. Nicht aus Protest, sondern ich war überzeugter Pirat. Nur die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen hat die Partei für mich unwählbar gemacht.
    Und was manche Personen in Deutschland von der Demokratie halten kann man hier ganz gut nachlesen:
    http://gewaltgegendieafd.wordpress.com/2013/08/11/dokumentation-gewalttatiger-ubergriffe-gegen-die-alternative-fur-deutschland/

    Ich finde es geradezu faszinierend zu sehen wie manche Menschen in Deutschland die Demokratie verteidigen wollen, indem sie gegen Mitglieder und Eigentum einer Partei gewaltsam vorgehen.

    Im Übrigen kommt es mir so vor als wenn Sie der VWL im Gesamten sehr negativ gegenüber stehen, liege ich da richtig ?
    Wenn ja, woher kommt das ?

  12. DirtyDickDaddy

    … würde auch eher ein „horizontales“ Menschen- und Gesellschaftsbild bevorzugen, doch leider leben wir in einer „kranken“ Gesellschaft, in der sich zwangsläufig kranke Geister tummeln. Zunächst einmal verhält es sich so, dass jeder Mensch eine Bereicherung der Gesellschaft darstellt – aktuell und hierzulande ist dies nicht der Fall, aber ich spreche vom Idealzustand. Man darf hierbei auch nicht vergessen, dass es sich bei der Masse an Menschheit, die sich derzeit auf dem Planeten tummelt, um eine künstlich herangezogene Arbeiter- und Konsumentenpopulation handelt, die alleine zum Zweck des „vermeintlich“ unbegrenzten Wachstums forciert wurde (um 1800 wurde die erste Milliarde gezählt, heute sind es über 7 Mrd.!!!) -, das Problem besteht lediglich in unserem monetären/kapitalistischen System, welches den Wert des Individuums nur anhand seiner wirtschaftlichen Verwertbarkeit bemisst. Auch hat unsere Gesellschaft ein völlig falsches Bild von Integration, das lediglich auf erzwungener Anpassung basiert – doch Integration beruht immer auf Gegenseitigkeit und dazu bedarf es einer offenen und freien Gesellschaft. Wir sind aber keine offene und freie Gesellschaft, im Gegenteil: wir sind armselige Spießbürger, leider. Eine gesunde Gesellschaft beruht auf Vielfalt, doch wir fröhnen stattdessen dem Konformismus – und wohin der Konformismus letztendlich führt, ist allseits bekannt. Die ersten Ausläufer dieser Zwangskonformität macht sich bereits in der geistigen Armut bemerkbar, welche gesamtgesellschaftlich grassiert – es geht also nicht nur wirtschaftlich bergab!
    Würde sich nicht jede/r insgeheim eine Welt wünschen, in der sie/er als Person geachtet würde, statt nur (Kosten)Faktor zu sein? 🙂

  13. Susanne_Meyer

    Es ist ja echt ekelhaft.

    — Ein dauerhaftes Leben in Hartz IV aber wäre nicht menschenwürdig. Man solle sie aus Verantwortungsgefühl auch für sie nicht ins Land lassen. Um sie zu schützen.”—

    Aha, es wird mit dem Schutz dieser Leute vor sich selbst begründet. Verachtender Paternalismus übelster Sorte oder einfach nur abstrus. Was einem alles angetan werden soll, um vor sich selbst geschützt zu werden…..

    — Da kann man doch nicht einfach sagen, die müssen jetzt noch mit den schwer erziehbaren Kindern von der Hauptschule umgehen und deren Probleme lösen. —

    Ach so, Hauptschüler sind schwer erziehbare Kinder. (Und Gymnasiasten Genies und Engel?)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: