Bildungsbenachteiligung

Selbstorganisierung von Arbeiter_innenkindern

Ich gehe davon aus, dass die Bildungsbenachteiligung von „Arbeiter_innenkindern“ im Zusammenhang steht mit der Privilegierung von „Akademiker_innenkindern“. Oder anders gesagt, für die Bildungszertifikate, den Wert der Bildungsabschlüsse auf dem Arbeitsmarkt, gilt eine alte Weisheit von Bertolt Brecht:

Armer Mann und reicher Mann/ standen da und sahn sich an / und der arme sagte bleich / wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.

Eine bildungspolitische Verbesserung der Situation der benachteiligten Gruppen muss einhergehen mit ihrer politischen Selbstorganisierung. Dabei geht es nicht um ein Nullsummenspiel in der Bildungsverwertung auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch um die Selbstbestimmung dessen, was Bildung ist und sein soll. Hierfür ist politische Selbstorganisierung wichtig. Das ist bei allen Kämpfen gegen Diskriminierung so. Die fehlende Selbstorganisierung führte bei der Verabschiedung der europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien dazu, dass Soziale Herkunft aus dem Katalog der Diskriminierungsmerkmale gestrichen und nicht wieder aufgenommen wurde – mit erheblichen Konsequenzen für die aktuelle Antidiskriminierungspolitik.

2003 gründete ich mit Unterstützung von Freund_innen das erste Referat für Arbeiterkinder an einer Hochschule. Das „Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende“ (FikuS-Referat) im AStA der Uni Münster wird einmal jährlich von einer Vollversammlung der studierenden Arbeiter_innenkinder gewählt. Die Referent_innen verfügen über eine Aufwandsentschädigung, ein Büro und einen geringen Etat, um sich politisch für Arbeiter_innenkinder im Bildungssystem einzusetzen. Hier gehts zur Internetpräsenz des Referates:  Fikus-Referat.

Im Januar 2010 entstand das crossmediale Projekt „The Dishwasher“. Es handelt sich hierbei um ein Blog und ein Papier-Magazin von und für studierende „Arbeiter_innenkinder“: Dishwasher. Magazin für studierende Arbeiterkinder Damit hatte das Fikus-Referat erstmals eine Möglichkeit, über Münster hinaus die Kommunikation zu suchen.

Der Dishwasher wird bislang hauptsächlich vom Fikus-Referat des AStA der Uni Münster finanziert. Diese Finanzierung soll demnächst durch einen eigenständigen Verein geleistet werden. Unter anderem um Spendengelder für die Weiterführung des Dishwasher zu erhalten, haben wir den Verein zum Abbau von Bildungsbarrieren gegründet.

2011 organisierte ich die 15. Tagung der Working Class / Poverty Class Academics, was zur Etablierung eines deutschsprachigen Chapters bzw. eines deutschsprachigen E-Mail-Verteilers der WCPCA führte. Weitere Infos zur Tagung finden sich hier: 15. WCPCA-Conference

Publikationen

  • Regelmäßige Beiträge in The Dishwasher. Magazin für studierende Arbeiterkinder
  • Interview (Rudolf Stumberger): Eingeschüchtert vom Uni-Bluff, Der Freitag, 09.07.2011 Online-Text
  • Utopien eines nicht-ausgrenzenden Bildungssystems, in: Erler, Ingolf (Hg.) Keine Chance für Lisa Simpson? Soziale Ungleichheit im Bildungssystem, Wien 2007
  • Möglichkeiten der Bildungspolitik für Arbeiterkinder am Beispiel der Uni Münster, unveröffentlichte Magisterarbeit 2005

4 Kommentare

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  1. freiheit

    hi,

    hast du eigentlich schon mal überlegt wieviele stunden arbeiter schuften müssen um faule langzeitstudenten durchzufüttern?

    und solche leute wie du behaupten dann noch sie würden für die sozial benachteiligten reden. eine größere schande, frechheit und lüge kann man sich gar nicht vorstellen!

    für ein SOZIOLOGIE!!!!-studium (das man normalerweise zügig locker am abend nebenher!! „studieren“ kann) 23 jahre!!! zu brauchen und dann die frechheit besitzen für die BENACHTEILIGTEN in der gesellschaft sprechen zu wollen!
    sich damit an die öffentlichkeit zu trauen ist unfassbar!

    deine faulheit und dein asozialer lebenswandel (gerade gegenüber den armen) spottet jeglicher beschreibung!

    • Andreas Kemper

      Ein Soziologie-Studium kann man nicht abends nebenher bewältigen. Man kann Bachelor- und vielleicht auch Master-Abschlüsse erreichen – wenn alles gut geht vielleicht auch neben her. Man hat dann einige Grundkenntnisse soziologischer Theorien erworben. „Zuende“ studieren lässt sich Soziologie jedoch nicht. Zum einen, weil das Erschließen der gesamten bisherigen soziologischen Theorien nicht innerhalb eines Menschenlebens möglich ist (bedenken Sie, dass sich einige Soziolog*innen auf Philosophen wie Hegel beziehen (haben Sie versucht, Hegel zu verstehen?), andere hingegen Wirtschaftstheorie, dritte die Psychologie, usw.); zum anderen, weil die Soziologie die Wissenschaft von der/den Gesellschaft/en ist – und diese entwickeln sich ständig weiter, so dass das Studium ebenfalls keinen Abschluss finden kann.

      Die Kosten in diesem Studium fallen für die Seminarräume und die Lehrkräfte an sowie für die Instandhaltung der Räume und für die Verwaltung – das sind überschaubare Kosten. Wer allerdings als Studierende*r „nur“ liest und die Bibliotheken nutzt, der*die verursacht keine besonderen Kosten, da die Hochschulbibliotheken allen Menschen offen stehen.

      So richtig „faul“ bin ich ebenfalls nicht. Gerade eben habe ich ein 200 Seiten Buch zu Sarrazin fertiggestellt, innerhalb von zweieinhalb Monaten. Und ich beantworte zudem dumme Mails in der Hoffnung, dass meine Gegenübers nicht denkfaul sind.

  2. weltman

    hallo,

    durch die gleichschaltung in der gesellschaft muss ich stets mit den faulen in der gleichen klasse sein (die nicht mal durchfallen können und deshalb immer stören). ich kann dabei nichts lernen. ich werde voll benachteiligt (sogar vom lehrer!), ich kann im unterricht nichts mehr lernen und werde damit voll diskriminiert.

    könnten Sie auch bitte hierzu noch forschen??
    ich werde voll diskriminiert durch die flachpfeifen und faulen! hilfe! warum hilft mir niemand???

    hilfe!

    • Andreas Kemper

      Sie können das doch sicher ausführen. Ich bin neugierig.

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