Andreas Kemper

Recherche zu antidemokratischen Netzwerken, autoritären Ideologien und neoliberalen Machtstrukturen.
Frühanalysen zur AfD, zu Rechts“libertarismus“, Antifeminismus und elitären Gegenbewegungen.

AfD & faschistische Ideologien

Strukturanalysen zu Programmatik, Akteursnetzwerken und ideologischer Entwicklung.

Klassismus & Klassengesellschaft

Untersuchung sozialer Ausschlussmechanismen, Bildungsbenachteiligung und Klassenideologie.

Proprietarismus & Privatstaat-Modelle

Recherchen zum sog. Rechtslibertarismus sowie zu antidemokratischen Privatstadtprojekten.

Antifeminismus & reaktionäre Netzwerke

Analyse antifeministischer Narrative, Männerrechtsbewegung und familistischen Adelsnetzwerken.

Tagebuch zum Neoaristokratismus

Fortlaufende Analysen zur Aristokratie des Antifeminismus sowie zu proprietaristischen und privatstaatlichen Projekten.

Publikationen

Antifeministische Narrative

Privatstädte

Klassismus

Aktuelle Analysen

  • Wissen statt Suche – bleibt daher Googles Knol?

    Larry Page strukturierte als Google-Chef Mitte April 2011 die Ressorts bei Google um. Die „Search Group“ wurde nun zur „Knowledge Group“. Laut Michael Arrington von TechCrunch verstehe sich Google mit dieser Umorganisation nicht (mehr) nur als ein Projekt, dem es um das Auffinden von Informationen oder der Organisation von Wissen ginge, sondern als eines, dem vor allem die Vermehrung von Wissen wichtig sei. Seit Jahren wundern sich Blogger_innen, dass Google-Knol nie zu den vielen Projekten gehörte, die verworfen wurden. In den verschiedenen Katalogen mit Projekten, die Google schließen sollte, gehört Knol seit mindestens zwei Jahren zum Stammkunden. Dennoch weigert sich Google beharrlich, Knol zu beenden. Obschon Google seit anderthalb Jahren die aktive Weiterentwicklung von Google-Knol gestoppt hat, überlebt dieses Wissensportal ein Google-Projekt nach dem nächsten. Ist Knol vielleicht der missratene Lieblingssohn von Google? Oder ist das Bild von Knol-Beta als Statthalter passender, der in der Warteschleife ist, bis er vom wahren, neuen Knol beerbt wird?

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  • Sloterdijk: Zwei deutsche Großexperimente

    Heinsohn sah am Ende des philosophischen Quartetts mit dem Thema: „Weniger Deutschland. Sterben die Deutschen aus?“ (18.10.2010) unglücklich aus. Sloterdijk hingegen konnte darstellen: es gibt keinen Rassismus. Am Anfang der Sendung hatte er betont, dass die Sendung mitnichten aufgrund der aktuellen Sarrazin-Debatte angesetzt worden sei, sondern bereits im Frühjahr die Redaktion beschlossen hatte, diese Sendung zum Thema Demografie durchzuführen.

    Tatsächlich blieb Sarrazin außen vor. Sloterdijk hatte noch vor einem Jahr Sarrazins Interview im Lettre International, wo dieser bereits eugenisch argumentierte, verteidigt – und zwar im Cicero, dessen neuer Chef Naumann heute ebenfalls beim Philosophischen Quartett mitdiskutierte und als einziger durchgehend intelligente Kommentare von sich gab. Auch Heinsohn hatte Sarrazin bis vor kurzem noch verteidigt, ja sogar die umstrittenste Vokabel aus dem Lettre-Interview in einem eigenen Artikel frech wiederverwendet: „auswachsen“. Safranski machte mehrere Anläufe in Richtung Unterschichten-Intelligenz-Vererbung, aber weder Heinsohn noch Sloterdijk stiegen hierauf ein.

    Sloterdijk sprach hingegen davon, dass die deutsche Gesellschaft sich zwei große Experimente leiste. Das eine sei die Bereitschaft, alle Bedürftigen nach Deutschland einwandern zu lassen. Das zweite Experiment bestehe darin, zwei Millionen Kinder aus der Unterschicht ihren Eltern zu entfremden um ihnen ein anregendes Reizklima zu geben.

    Heinsohn bezweifelt, dass diese Experimente funktionieren. Alle Studien zeigten, dass unser Schulsystem gut sei. 10% der Türken machen Abitur, es könne also nicht schlecht sein. Wenn Deutschland so schlecht abschneide in PISA, dann läge es an einem Trick und dieser bestehe darin, dass Länder wie Kanada nur hochqualifizierte Einwanderer zulasse. Auch Deutschland müsste sehr viel mehr hochqualifizierte Einwanderer haben. Das Problem seien nicht Türken mit Abitur, sondern die Unterschichten. Bei einem sechsjährigen Kind könne man bereits vorhersagen, wo es mit 18 landet. Daher will Frau von der Leyen ja auch das Großexperiment mit den Krippen für Einjährige. Ob sie es schaffe, in 25 Jahre die Kinder aus der Unterschicht zur Weltelite zu bringen, dürfe bezweifelt werden. In jedem Fall aber koste jedes dieser Kinder dann 200.000 Euro und das müsse bezahlt werden aus dem bezahlt werden aus dem bezahlenden Sektor, also von denen, die nur ein Kind haben. Wenn aber diesen Menschen aus dem bezahlenden Sektor noch mehr Geld genommen werde, dann würde sich der hochqualifizierte potentielle Einwanderer zweimal überlegen, nach Deutschland einzuwandern. Die Länder würden aufgrund der Kinderknappheit durch die Verlohnarbeiterung inzwischen um ihre Hochqualifizierten konkurrieren mit dem Effekt, dass sie sich gegenseitig kannibalisieren. Hier müsse man aufpassen. Wir sollten nicht den Balkan kannibalisieren, weil diese absterbenden Räume letztlich durch die EU finanziert werden müsse, sondern China, wo Deutschland nicht zuständig sei.

    In der Sendung fehlten die einfachen und provozierenden Antworten, für die Sloterdijk und Heinsohn sonst bekannt sind. Unterm Strich aber implizieren sie diese. Der Versuch, Kinder aus bildungsfernen Schichten zu bilden sei zu teuer und entfremde die Kinder von ihren Eltern. Dieses „Großexperiment“ hat also zu viele negative Nebenwirkungen. Das andere „Großexperiment“, die offene Einwanderung, hätte dazu geführt, dass wir uns wegen 25 Millionen Einwanderern mit 40 Euro pro Kopf verschuldet hätten, also eine Billionen Euro Schulden haben. Auch dieses Großexperiment sei somit gescheitert. Die Lösung: keine weiteren dieser „Experimente“ wie offene Grenzen und Bildung für alle, sondern Steuersenkung und Kannibalisierung der Hochqualifizierten Chinas. Heinsohn sah am Ende dennoch bedrückt aus, obwohl der den Löwenteil des Gesprächs hatte. Warum?

    Den Anschluss an Sarrazins Thesen boten sie also. Auf seine Eugenik-Thesen verzichteten sie – warum auch immer.

  • Neue Vermögensstudie

    In Kürze erscheint eine neue Vermögensstudie. Wolfgang Lauterbach, Thomas Druyen und Matthias Grundmann untersuchten das „Vermögen in Deutschland. Heterogenität und Verantwortung“. Im aktuellen ManagerMagazin-Spezial „Die 500 reichsten Deutschen“ findet sich ein Interview mit Wolfgang Lauterbach. Hier heißt es zum Thema Klassenaufstieg:

    Der Aufstieg ist sogar die Regel. 64 Prozent der Befragten stammen aus einem Elternhaus der Mittelschicht. Zählt man die 21 Prozent dazu, die von „ganz unten“ aufgestiegen sind, handelt es sich bei stattlichen 85 Prozent der Vermögenden um Aufsteiger. Diese rekrutieren sich jedoch nicht repräsentativ aus der Bevölkerung, sondern stammen eben sehr viel häufiger aus der Mittelschicht, wo mit Bildung und einem gewissen materiellen Hintergrund bereits die Fundamente gelegt wurden.

    Auf The Dishwasher. Magazin für studierende Arbeiterkinder habe ich soeben einen Artikel von der „Working Class Students Union“ aus den Vereinigten Staaten übersetzt (Eishockey und der Mythos der Meritokratie), in dem Malcolm Gladwells „Outliers: The Story of Success“ besprochen wird. Er macht anhand von Aufsteiger-Biografien deutlich, wie sehr diese durch Zufall bestimmt waren.

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