Höckes völkische Postwachstumsökonomie

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Björn Höcke verfolgt eine völkische Postwachstumsökonomie. Dass Höcke diese Idee auch unter dem Pseudonym „Landolf Ladig“ verfolgte, ist sehr wahrscheinlich. Ich zitiere hier zunächst einen Leserbrief von Björn Höcke von 2008 in der Jungen Freiheit:

Dritte Wege diskutieren

Die gegenwärtige Krise ist definitiv keine des herrschenden Wirtschaftssystems, also der Marktwirtschaft, sondern eine des korrespondierenden Geldsystems, des zinsbasierten Kapitalismus.

Enorme Buchgeldschöpfungen, gigantische Kapitalakkumulationen und globale Konzentrationsprozesse führen zwangsläufig zu zyklischen Krisen einer hochgradig vernetzten, monokulturalisierten Weltwirtschaft.

Wenn es der Menschheit nicht bald gelingt, ein Geldsystem zu erschaffen, das nicht darauf angewiesen ist, ein ewiges Wachstum in einer endlichen Welt zu generieren, wird die letzte Hoffnung auf eine Selbstregulation von Mensch und Natur aufgegeben werden müssen.

Die JF sollte schleunigst in eine Diskussion über „Dritte Wege“ einsteigen.“

Dieser Leserbrief findet sich weitgehend identisch, aber nicht als Zitat kenntlich gemacht, in dem Text von „Ladig“ in „Volk in Bewegung“ aus dem Jahr 2011:

Das Wirtschaften für den Markt läßt sich bei vernünftiger Steuerung mit Gerechtigkeit und Erhaltung der Natur versöhnen, der Kapitalismus nicht. So ist denn die gegenwärtige Krise definitv keine des herrschenden Wirtschaftssytems, sondern eine des korrespondierenden Geldsystems, des zinsbasierten Kapitalismus. Dieses die Gier schamlos belohnende System ermöglicht enorme Buchgeldschöpfungen, gigantische Kapitalakkumulationen und globale Konzentrationsprozesse. […] Dieser systemimmanente Wachstumszwang überfordert unsere endliche Welt, führt daher zu den bekannten zyklischen Zusammenbrüchen und verhindert eine Homoöstase von Mensch und Natur sowie eine Freisetzung des Menschen zu sich selber. […] die weiter oben angeführte synonyme Verwendung der Begriffe Kapitalismus und Martkwirtschaft und die Verteufelung sogenannter „Dritter Wege“ [hat] dazu geführt, daß die medienmanipulierte Mehrheit heute noch keine Alternative zum herrschenden System denken kann. […] Die Weltwirtschaft mit ihrer globalen Arbeitsteilung ist extrem vernetzt. Pertubationen breiten sich rasend schnell aus.“

Im Leserbrief sprach Höcke 2008 noch von „Selbstregulation von Mensch und Natur“, „Ladig“ hingegen schreibt von der „Homöstase von Mensch und Natur“. 2014 greift Höcke seine Idee einer völkischen Postwachstumsökonomie wieder auf und übersetzt dann „Homöstase“ mit „Selbstregulation“:

„Ich selbst betone immer wieder [sic!], daß ich die Frage nach der Identität für die zentrale Frage der Menschheit im 21. Jahrhundert halte, denn sie ist der Schlüssel zu ökonomischen und ökologischen Homöostasen, also ausgleichenden Selbstregulierungen einer Gesellschaft.“

Und er scheut sich auch nicht, die anderen Begriffe aus den Texten von „Ladig“ wie z.B. „Entelechie“, „Behaiviorismus“ oder „Pertubation“ weiterhin zu benutzen:

Ich möchte jetzt nicht auf meine Schwierigkeiten mit dem Wachstumsansatz zu sprechen kommen, sondern lieber auf die Gefahren hinweisen, die mit einer Verstetigung bzw. der Ausweitung der deutschen Exportabhängigkeit einhergehen. Volkswirtschaftliche Rechnungen müssen immer vor dem Hintergrund geopolitischer Entwicklungsszenarien aufgemacht werden […] Hier als Staat in zu großflächig und engmaschig vernetzten Räumen gefangen zu sein, kann im Falle einer Perturbation, die sich über das ganze System fortpflanzt, fatale Folgen haben.“

Zahlreiche weitere Textbeispiele könnten hier angeführt werden, bspw. die Verwendung „organische Marktwirtschaft“, die sich im Internet ausschließlich bei „Ladig“ und Höcke finden. „Landolf Ladig“ hatte nicht nur dazu aufgerufen, die NPD zu wählen, sondern er verherrlicht den Nationalsozialismus und ruft die „Identitäre Systemopposition“ auf, in der vermeintlich kommenden Revolution ihren „Führungsanspruch“ durchzusetzen mit der noch existierenden „Glut“ der Antiglobalisierungsbewegung aus dem nationalsozialistischen Deutschland.

4 Kommentare

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  1. Peter

    Wenn dermaßen viele gleichlautende Textpassagen bei Texten von Ladig und Höcke zu finden sind, gibt es ja nur zwei mögliche Erklärungsansätze. Entweder hat Ladig bei Höcke abgeschrieben oder Ladig ist Höcke. Es gilt der Satz vom ausgeschlossenen Dritten. Beide Möglichkeiten bleiben derzeit offen, auch wenn ich persönlich ziemlich sicher bin, dass Ladig ein(!) Höcke-Pseudonym ist. Die Frage, wann(!) Höcke als Ladig enttarnt wird, könnte politisch höchst bedeutend werden. Höcke schickt sich an, die Macht in der AfD zu übernehmen und eine auf sie aufbauende breitere völkische Bewegung zu etablieren. Derzeit noch(!) könnte es das politische Aus für Höcke bedeuten, wenn er als Lading enttarnt würde. Dann würde Petry ihn wohl sofort ausschließen. Aber lange dürfte sie nicht mehr die Macht haben, das durchzusetzen. Petrys Autorität schrumpft mehr und mehr auf Sachsen zusammen und selbst dort mehren sich die Widerstände. Sollte Höcke erst einmal Führer der AfD und einer neuen breiten völkischen Bewegung sein, dürfte die Wahrheit ihm politisch kaum noch schaden, wenn sie dann ans Licht kommt. Das wird niemanden mehr dazu bringen, Höcke fallen zu lassen. Erst recht nicht, sollten sich die verschiedenen Krisen bzw. die Wahrnehmung derselben verschärfen. Der Wind in der Asyldebatte hat sich bereits gedreht, dabei haben die allermeisten Menschen gar keine sie persönlich betreffenden negativen Auswirkungen zu spüren.

    • Andreas Kemper

      Genau das befürchte ich auch. Wenn sich die AfD wie in den letzten Wochen weiterentwickelt, wird sie irgendwann nichts „schlimmes“ mehr an der Identität von Höcke und „Ladig“ finden. „Na gut“ wird es dann heißen, „dann hat er eben für die NPD geschrieben. So what? Es gab ja damals noch keine AfD. Ihm blieb ja nichts anderes übrig. Und dass am NS nicht alles schlecht war, dass weiß doch jeder, der nicht von der Lügenpresse neurotisiert wurde.“ So oder ähnlich.

      • bastimaxi

        Sehr geehrter Herr Kemper,

        selbst wenn! Höcke das geschrieben haben sollte ist doch folgende Frage am Wichtigsten:

        Ist davon irgendetwas strafbar? Und ist die NPD eine verbotene Partei?

        Wenn beide Fragen mit nein beantwortet werden können, dann sehe ich kein Problem an den Texten selbst wenn sie von Höcke stammen.

        Gut, man hat damals auch einen Herrn Hohmann aus der Fraktion und aus der Partei ausgeschlossen wegen seiner Rede zum 3. Oktober 2003. Aber die AFD ist eben nicht due CDU.

        Herr Höcke ist auch für die Abschaffung des Volksverhetzungsparagraphen im StGB.

        Aber auch das ist eine legitime Forderung, auch wenn so manchem nicht gefällt.

        Mfg

        .
        .

      • Andreas Kemper

        Sie haben soeben gesagt, dass Sie kein Problem damit haben würden, wenn die oben zitierten Texte von Höcke stammen.

        Sie sehen darin kein Problem, wenn ein Landesfraktionsvorsitzender der AfD den Nationalsozialismus verherrlicht.

        Gut zu wissen. Sind Sie AfD-Mitglied?

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