Recherche zu antidemokratischen Netzwerken, autoritären Ideologien und neoliberalen Machtstrukturen.
Frühanalysen zur AfD, zu Rechts“libertarismus“, Antifeminismus und elitären Gegenbewegungen.
AfD & faschistische Ideologien
Strukturanalysen zu Programmatik, Akteursnetzwerken und ideologischer Entwicklung.
Klassismus & Klassengesellschaft
Untersuchung sozialer Ausschlussmechanismen, Bildungsbenachteiligung und Klassenideologie.
Proprietarismus & Privatstaat-Modelle
Recherchen zum sog. Rechtslibertarismus sowie zu antidemokratischen Privatstadtprojekten.
Antifeminismus & reaktionäre Netzwerke
Analyse antifeministischer Narrative, Männerrechtsbewegung und familistischen Adelsnetzwerken.
Tagebuch zum Neoaristokratismus
Fortlaufende Analysen zur Aristokratie des Antifeminismus sowie zu proprietaristischen und privatstaatlichen Projekten.
Publikationen
Aktuelle Analysen
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CPOV-Konferenz in Leipzig
Am 25 und 26. September 2010 findet in Leipzig eine CPOV-Konferenz statt. CPOV steht für „Critical Point of View“ und lehnt sich an einen der Grundpfeiler Wikipedias an, dass Wikipedia-Artikel von einem „neutralem Standpunkt“, einem „Neutral Point of View“ geschrieben werden müssen. Während der CPOV-Konferenzen tauschen sich Wissenschaftler_innen mit einem kritischen Blick über Wikipedia aus und stellen Forschungsergebnisse vor. Die Konferenz wird deutschsprachig sein. Thematische Schwerpunkte sind:
- Wikipedia & the Politics of Open Knowledge
- Wikipedia & Governance
- Wikipedia & Education
Hier ist ein Link zur entsprechenden Ankündigung.

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Innerer Reichsparteitag im Deutschlandfahnenmeer
Das Fußballblog „11 Freunde“ kommentiert das erste Spiel der deutschen Mannschaft während der WM 2010:
Da waren wir auf einmal zu sehr wieder wer. Katrin Müller-Hohenstein geriet ob des Tores von Miroslav Klose so stark in Verzückung, dass sie ihrem Sidekick Oliver Kahn entgegen jubelte: »Und für Miroslav Klose muss das doch ein innerer Reichparteitag sein, jetzt mal ganz im Ernst, dass der heute hier trifft.« Andreas Bock: Ein innerer Reichsparteitag
und endet mit der Frage: „Im Eifer dieser Zeilen: Wie zur Hölle fühlt sich so etwas eigentlich an? Ein innerer Reichsparteitag?“
Dieser Frage möchte ich mich anschließen und bin zudem verwundert über diese Formulierung, die ich jetzt zum ersten Mal bewusst höre. Eine schnelle Internetrecherche ergibt folgendes:1. Gefühl tiefster Befriedigung / Genugtuung
2. private Zelebration rechtsradikalen Gedankengutes Redensarten-IndexZu den ersteren Formulierungen gehören affirmative Verwendungen wie: „Es war ein innerer Reichsparteitag für mich, diesen wichtigen Sieg, also den Aufstieg, in Oberhausen feiern zu dürfen!“, zu den Äußerungen zweiter Art eher negative Zuschreibungen: „Fehlgeleitete können an einem germanischen Runenstein ihren inneren Reichparteitag feiern.“ Entgegen vielen Twitter- und Blogmeldungen war diese Formulierung tatsächlich affirmativ gemeint und nicht in einem negativen Sinn zuschreibend. Katrin Müller-Hohenstein wollte wohl ausdrücken, dass in der Psyche Miroslav Kloses etwas tolles passierte, ein Befreiungsmoment gleichsam. Die Formulierung ist ihr rausgerutscht. Die Fragen, die sich mir stellen: wo kommen solche Formulierungen her? Wo und wie setzen sie sich fort? Wer benutzt diese Formulierungen in einem affirmativen, positiven Sinn? Es geht hier nicht um die Verurteilung Katrin Müller-Hohensteins. Wie der Twitterer Sascha Lobo ganz richtig anmerkt: „Sich über Müller-Hohenstein aufregen, aber bei Sarrazin ruhig bleiben. Unterm Wasserfall über den Nieselregen meckern.“
Mich erschrecken solche Formulierungen vor allem vor dem Hintergrund des naiven Massengebrauchs der Detuschlandfahne. Meine Kritik hieran wird in der Regel reflexhaft abgewehrt mit den Sprüchen: „Das ist doch normal, in allen Ländern werden die eigenen Fahnen geschwungen“ und „Der Nationalsozialismus ist so lange her, wir sollten doch allmählich zur Normalität zurückkehren.“ Es ist eben nicht normal, in anderen Ländern sprechen Sportreporterinnen nicht vom „inneren Reichsparteitag“ ihrer Torhelden. Ganz einfach deshalb nicht, weil es diesen Reichsparteitag der NSDAP nur in Deutschland gegeben hat. Und es ist keine Formulierung, die Katrin Müller-Hohenstein sich mal eben ausgedacht hat, sondern eine, die sich in bestimmten Kreisen fortpflanzt – warum auch immer.
Wie zur Hölle fühlt sich ein „innerer Reichsparteitag“ an und gibt es da noch andere individuelle Äquivalente zur NSDAP-Politik? Klaus Theweleit hatte in seiner Analyse des Nationalsozialismus („Männerphantasien“) die Innenwelten der Nazis erforscht. Leider wird er heute kaum noch gelesen, was die Kommunikation über Deutschlandfahnen kompliziert. So gesehen ist es ein Glücksfall, dass einer ZDF-Reporterin dieser „Innere Reichsparteitag“ rausrutschte.
Nachtrag: In der Welt-Online wird das Idiom „Innerer Reichsparteitag“ als „Berliner Mutterwitz“ erklärt. Dazu der Kommentar eines Lesers namens Moritz: „??? für was berliner Mütter so alles herhalten müssen“.
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Ausbeutung – Ungleichheit – soziale Kämpfe in der Gegenwart
Konferenz 2./3.07 2010 in Jena:
Erste Jenaer Klassenkonferenz
„Sowohl für die kritische Gesellschaftstheorie als auch für die sozialen Bewegungen ist ungeklärt, welche analytischen und handlungsrelevanten Einsichten die Anwendung des Klassenbegriffs auf die heutige Sozialstruktur bietet, ja ob es überhaupt möglich ist, von sozialen Klassen zu sprechen.
Class Counts – selbst wer am Klassenbegriff festhält, weil alle Alternativangebote (Schicht, Milieu, Multitude) kapitalismustheoretisch fragwürdig sind, steht vor Unklarheiten: Wie ist die gegenwärtige Klassenlandschaft zu kartographieren? Welche bekannten Klassenformationen existieren in welcher Gestalt fort, welche entstehen neu? Lässt sich in den Prozessen der Neuzusammensetzung die Ausbildung von Klassenbewusstsein beobachten? Wie entscheidend ist der (Nicht-)Besitz von Produktionsmitteln – zumal der informationstechnischen, die sich mehr und mehr verallgemeinern? Wie hängt der „arbeitsweltliche“ Klassenbegriff mit außerbetrieblichen kulturellen Praxen zusammen? Darüber hinaus: Wie artikulieren sich Klassen(-fraktionen) auf der Ebene der (staatlichen, zivilgesellschaftlichen) Politik? Welche Konsequenzen (für Gewerkschaften und soziale Bewegungen) sind aus einer aktuellen Klassenanalyse sinnvoller Weise zu ziehen?
Die Veranstaltung soll sowohl zeitdiagnostische Fragen diskutieren als auch mögliche theoretische Zugänge prüfen und nicht zuletzt Folgen für Strategie und Praxis emanzipatorischer Politik abwägen. Herausforderung, aber auch Chance liegen in der Integration wissenschaftlicher und bewegungsorientierter Perspektiven.“


