Freie Welt hetzt weiter

· Artikel (Gender), Artikel (Klassismus)

Ein Handelsblatt-Artikel von Dietmar Neuerer griff vor kurzem einen kleinen Nebenaspekt aus meiner Folgestudie zur „Geschlechter- und Familienpolitik der AfD“ auf. Hier wurden auf einen Schmähartikel des Autoren Akif Pirincci eingegangen, der sich gegen Sexualwissenschaftler*innen richtete. Ermuntert durch die Hass-Sprache Pirinccis folgten Mord- und Vergewaltigungsdrohungen in den Kommentaren gegen die Wissenschaftler*innen. Begonnen hatte diese Kampagne durch einen Artikel von Birgit Kelle, seither gab es eine Reihe von Angriffen, die schließlich in die Hass-Attacken von Akif Pirincci mündeten. Diese Beiträge wurden vom Netzwerk der Zivilen Koalition gespiegelt oder verlinkt. Der Verlagsleiter von Akif Pirinccis Hass-Buch „Deutschland von Sinnen“ ist Autor bei der „Freien Welt“, dem Zentralorgan der Zivilen Koalition der AfD-Europaabgeordneten Beatrix von Storch.

Zur Expertise „Geschlechter- und Familienpolitik der AfD nach der Europawahl“

In der Studie zur Geschlechterpolitik der AfD werden ultrakatholische und evangelikale europäische Organisationen dargestellt, die für extrem rückschrittliche Forderungen (radikales Abtreibungsverbot, Kampf gegen die Homoehe, …) kämpfen. Hierin ist das Netzwerk der AfD-Europaabgeordneten Beatrix von Storch involviert. Beatrix von Storch arbeitet entsprechend mit ihren christlich-fundamentalistischen Cousins Paul von Oldenburg und Philip von Preußen zusammen, die den Kampf gegen Gleichheit in der Familienpolitik mit antidemokratischen Symphatien für die Monarchie verknüpfen. Die Angriffe auf Geschlechterforscherinnen, die u.a. von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie scharf verurteilt wurden, stellen nur einen Aspekt des aggressiven Vorgehens dar. Ein umfangreicher Teil der Studie analysiert zudem die Geschlechter- und Familienpolitik, wie sie in jüngst zurückliegenden Wahlkämpfen der AfD formuliert wurden. Nur auf zwei Seiten ging es um die Kampagne gegen die Sexualwissenschaftler*innen.

Unschuldslamm Zivile Koalition lässt andere die Drecksarbeit machen

Beatrix von Storch, die zentrale Person des Kampagnennetzwerkes Zivile Koalition, wies die Vorwürfe weit von sich. Dass die Zivile Koalition hier ein doppeltes Spiel fährt, wird durch einen Link auf einer Website deutlich, der über meine Person informieren soll. Das Magazin „Freie Welt“ hätte hier auf diese Website verlinken können, die sie gerade lesen, damit sich die Leser*innen selber ein Bild über meine Texte machen kann. Oder „Freie Welt“ hätte auf den Wikipedia-Artikel zu meiner Person verlinken können. Auf solche objektiven Informationen verzichtet die Zivile Koalition lieber. Es wurde auf eine illegale Hetzseite verlinkt, auf WikiMANNia. WikiMANNia ist ähnlich wie die inzwischen aufgelöste Seite kreuz.net eine illegale Seite, die sich der deutschen Rechtsprechung bewusst entzieht, um ungehindert Urheberrechtsverletzungen und schmähende Falschbehauptungen publizieren zu können. In Wikipedia ist WikiMANNia bereits in die Black-List verbannt worden. Kreuz.net hatte ähnliche Strukturen, irgendwann führten die Fahndungen zum Erfolg.

Die Zivile Koalition/ Freie Welt hat eine leicht zu durchschauende Strategie. Sie selbst enthalten sich der direkten Diffamierung. Die Drecksarbeit tun andere. Wenn die Zusammenhänge aufgedeckt werden, ist die Empörung groß, man stellt sich selber als Mobbing-Opfer dar.

Nachtrag 28.09.2014

Beatrix von Storch, die die Hetze gegen Sexualforscher*innen empört von sich weist, schreibt in einem Kommentar am 23.9. 15:31 Uhr in ihrer Facebook-Seite, sie bleibe dabei, die von ihr kritisierte Sexualforscherin sei „pervers“. Und „Massive Kritik ist nicht nur zulässig, sondern erforderlich!„. Derart aufgestachelt finden sich dann Kommentare wie folgender:

„Ich sehe zu, dass ich die Museleltern darüber aufkläre, was da mit den Kindern passiert. Einheimische Eltern wissen sich zu artikulieren, und die Mohammedaner sind dann froh, wenn sie nur unterschreiben müssen. Als Gegenleistung für unseren Service zeigen sie sich dann erkenntlich, wenn es um das „Grobe“ geht. Man muss sie nur richtig lenken und instrumentalisieren – zum Wohle unserer Kinder natürlich! […] Klar werden „wir“, die pragmatisch tickenden christlich-abendländischen Eltern die Muslime lenken und instrumentalisieren, denn können Sie mir einen Punnkt nennen, wozu diese Herrschaften in unseren Ländern sonst noch nützlich sind? (Fachkräfte etwa? Oder Kulturbereicherer?) Es ist schliesslich auch und gerade zum Wohle von deren Kindern, und so werden sie uns dankbar sein und ihren Dank auch zu zeigen wissen, indem sie für das „Grobe“ sorgen, während wir uns auch in deren Namen artikulieren.

Was hier wie der überdrehte Kommentar eines Faschisten klingt, ist in Paris in den Banlieus umgesetzt worden.

Am 26.09. um 15:02 Uhr rückte Beatrix von Storch die Sexualpädagogik der Vielfalt in die Nähe von Sex mit Tieren, wohlwissend, dass beides nichts miteinander zu tun hat. Der Beitrag wurde 25mal in Facebook geteilt und danach auf die zweite offizielle Facebook-Seite von Frau Storch übertragen.  In diesen Weiterverlinkungen entsteht der Eindruck, als würde in Schulen jetzt Sex mit Tieren propagiert werden – man muss sehr fanatisiert sein, um so etwas glauben zu wollen, aber es funktioniert.

„Das also ist die sexuelle Vielfalt: Homosex, Inzest, Sodomie. Und wann wird wieder ueber Paedophilie diskutiert, liebe Grueninnen und Gruene?“ kommentiert
Gert Teska aus dem Vorstand der AfD Bad Dürkheim, als hätte Sexualpädagogik tatsächlich irgendwo „Sex mit Tieren“ propagiert.

Weitere Kommentierungen:

Kommentare Storch

Mit diesem Inszenieren von Hoaxes, den krassen Überzeichnungen, wird gearbeitet, um Empörungen zu generieren. Wird diese Strategie kritisiert, wie in meiner Studie geschehen, aus der das Handelsblatt berichtete, wird diese Kritik als Mobbing zurückgewiesen, um nach einer kurzen, sehr kurzen Pause die Strategie genau so fort zu setzen. Beatrix von Storch und ihr Kampagnennetzwerk Zivile Koalition sind ein Fall für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

3 Kommentare

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  1. heldenverbund

    Im Grunde ist diese Taktik wirklich leicht durchschaubar. Ich hoffe einfach, dass diese Partei wieder in der Versenkung verschwindet, oder zumindest bei 3 Prozent herumdümpelt. Ich hoffe, dass das innerhalb von 3 Jahren geschieht.

  2. Heinz

    Ist die Studie bereits veröffentlicht?

    • Andreas Kemper

      Der erste Teil der Studie ist veröffentlicht, der zweite ist quasi fertig, also zumindest die Schreibarbeit von meiner Seite.

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