AfD, Peak Oil und völkisch-nationale Revolution

· Allgemein

Anfang Februar veröffentlichte der Blog „Der Flügel“ vom rechten Rand der AfD einen Beitrag von Jan Moldenhauer zum Thema „Peak Oil, Globalisierung und die Grenzen der Machbarkeit“. Bevor auf diesen Artikel eingegangen wird, kurz zur Einordnung ein paar Worte zu Moldenhauer, Der Flügel usw.

Dr.  Jan Moldenhauer hat vor wenigen Jahren seine Dissertation in Liverpool zum Thema „Peak Oil“ geschrieben.  Moldenhauer publiziert aber auch in der „Sezession“, dem „völkisch-nationalen“ Magazin des neurechten „Institut für Staatspolitik“ von Götz Kubitschek. Das „Institut für Staatspolitik“ wurde Ende des Jahres bekannter, weil Björn Höcke dort seine rassistische Rede über „afrikanische Ausbreitungstypen“ gehalten hatte. Jan Moldenhauer gehört zu den Unterzeichnern der „Erfurter Resolution“, also dem Papier des rechten Randes der AfD, die sich selber „Der Flügel“ nennen und von Björn Höcke angeführt werden. Hört sich alles kompliziert an, ist aber relativ einfach: Moldenhauer, Kubitschek und Höcke scheinen ähnliche Positionen zu vertreten. Dies nur zum besseren Verständnis für Leser und Leserinnen, die sich noch nicht mit der aktuellen Neuen Rechten in Deutschland befasst haben. Kommen wir jetzt zum Inhalt des Artikels und der Frage, was daran problematisch ist:

Was meint „Peak Oil“?

Jan Moldenhauer definiert „Peak Oil“ in seinem Artikel „Peak Oil, Globalisierung und die Grenzen der Machbarkeit“ folgendermaßen:

„Der Begriff ‚Peak Oil‘ ist definiert als der Zeitraum, in dem das globale konventionelle Ölfördermaximum erreicht wird. Die weltweite tägliche Ölförderung kann fortan nicht mehr erhöht werden, stagniert also, und beginnt schließlich zu sinken.“

Es handelt sich bei „Peak Oil“ also um ein klassisches Thema der Ökologiebewegung. Damit wären wir beim ersten Problem:

Aufgrund der Endlichkeit der fossilen Brennstoffe werden seit einigen Jahren regenerative Energien gefördert. Genau diese Programme (EEG) werden jedoch zentral von der AfD abgelehnt. Wie also ist das Interesse des rechten Randes der AfD an einem klassisch linken Öko-Thema zu erklären?

Warum interessiert sich die Neue Rechte für Peak Oil?

Die Bundeswehr hatte 2010 eine Teilstudie zu Peak Oil veröffentlicht. Thema: „Peak Oil. Sicherheitspolitische Implikationen knapper Ressourcen“. Dort heißt es auf Seite 55:

 

Peak BW 1

Zum Vergrößern anklicken.

Die Forschungsgruppe der Bundeswehr schließt also ein Szenario nicht aus, in dem der Mangel bzw. die drastische Verteuerung von Erdöl „zu einem Stimmenzuwachs extremistischer und nationalistischer Parteien führen können.“ Es bleibt jedoch nicht nur bei einem parlamentarischen Stimmenzuwachs. Sondern es könnte zu einem Vertrauensschwund gegenüber regierenden Politikern bzw. Politikerinnen kommen. Konkret heißt es in der Studie:

Peak BW 2

Zum Vergrößern anklicken.

Die Bundeswehr-Forschungsgruppe spricht hier von einer „zunehmende(n) politische(n) Instabilität“. Und damit wären wir bei dem Punkt angelangt, der „Peak Oil“ für die Neue Rechte und völkisch-nationale Kreise interessant macht.

Auf die völkisch-nationale Revolution vorbereiten

Leser und Leserinnen dieses Blogs werden wissen, dass ich die These vertrete, der zu Folge Björn Höcke 2011 und 2012 unter dem Pseudonym „Landolf Ladig“ Texte in völkisch-nationalen und NPD-nahen Magazinen seines Bekannten Thorsten Heise (mehrfach vorbestrafter Neonazi) publizierte. In dem ersten dieser „Ladig“-Artikel in „Volk in Bewegung“ 5/2011 heißt es:

ladig revolution

Zum Vergrößern anklicken.

Zentral geht es in diesem Artikel von „Landolf Ladig“ um „Peak Oil“ bzw. um die oben zitierte Bundeswehr-Studie, die hier genussvoll wiedergegeben wird. In der BW-Studie wird beispielsweise von  „Vertrauensverlust“ gesprochen, der zu „Instabilitäten“ führen könne – „Ladig“ interpretiert diese „instabilen Situationen“ als Möglichkeit zur „Revolution“. Auf diese Revolution habe sich die „identitäre Systemopposition“ vorzubereiten. Denn es gelte im Sinne der „deutschen Ideenschmiede“ den Führungsanspruch durchzusetzen. Was „Ladig“ unter „deutscher Ideenschmiede“ versteht, hatte er kurz zuvor im Artikel erörtert: Die Deutschen hätten im Nationalsozialismus die erste „Antiglobalisierungsbewegung“ erfunden und staatlicherseits eingerichtet. Diese „Antiglobalisierungsbewegung“ sei so erfolgreich gewesen, dass schließlich die Fremdmächte das friedliche nationalsozialistische Deutschland überfielen und anschließend neurotisierten. Die Glut dieser „deutschen Ideenschmiede“ sei aber noch in einer Anvantgarde vorhanden, nämlich in der „identitären Systemopposition“.

Natürlich können Texte in solcher NS-Deutlichkeit nur unter Pseudonym geschrieben werden, erst Recht, wenn der Autor verbeamteter Geschichtslehrer sein sollte. Aber als eine harmlos klingende Variation und damit öffentlich vorzeigbare Variation könnte durchaus der Text von Dr. Jan Moldenhauer interpretiert werden. Auch Moldenhauer bezieht sich auf die Studie der Bundeswehr:

„Eine 2010 erstellte Studie der Bundeswehr greift die oben beschriebenen Zusammenhänge auf und bewertet den Peak Oil als systemisches Risiko für die Globalisierung, und von dorther ist nun eine abschließende konservative Perspektive sinnvoll […] Billige Energie (ver-)führt zu liberalem Machbarkeitswahn und resultiert in der Einengung des konservativen Machbarkeitsspielraums. Sich signifikant verteuernde Energie wirkt wider den liberalen Machbarkeitswahn, der sich in den liberalen Subideologien manifestiert (Ideologie des totalen globalen Marktes und des Individualismus, Fortschritts-, Konsum- und Wachstumsideologie), und führt zur Erweiterung des konservativen Machbarkeitsspielraums hinsichtlich der Verteidigung des Eigenen. In diesem Kontext entfaltet der Peak Oil eine – wenn auch indirekte – identitätsstiftende Wirkung.“

Hier ist von „Revolution“ keine Rede, obschon Moldenhauer die Ausführungen in der Studie zu den drohenden Instabilitäten kennt. Und sehr wahrscheinlich kennt Moldenhauer als Autor der „Sezession“ auch Kubitscheks Thesen zum „Vorbürgerkrieg“ und als Unterstützer der „Erfurter Resolution“ von Björn Höcke auch dessen Rede von der „AfD als letzte evolutionäre, das heißt letzte friedliche Chance“. Moldenhauers Position ist hier auch weniger relevant. Relevant ist, dass der Blog „Der Flügel“ nun Thesen zur „identitätsstifenden“ Funktion des Peak Oil publiziert, dem wesentlichen Thema von „Landolf Ladig“, auf das Björn Höcke selber aus verschiedenen Gründen wohl besser nicht zu sprechen kam.

Vor dem Hintergrund der Erfurter Demonstrationen der AfD und der Pegida-Demonstrationen sollte die Bezugnahme der Neuen Rechten auf die Bundeswehr-Studie aufhorchen lassen. Höcke und Co. wähnen sich in der Phase der Destabilisierung des politischen Systems, die in der BW-Studie beschrieben wird – im Jargon der Neuen Rechten: im Vorbürgerkrieg.

Nachtrag 09.03.2016

Jan Moldenhauer wurde am 05. März 2016 bei den Wahlen im neurechten Institut für Staatspolitik in Schnellroda in den Vorstand der Patriotischen Plattform gewählt. Zuvor hatte Götz Kubitschek eine Rede gehalten. Die Patriotische Plattform will sich konkret auf den Programmparteitag der AfD in Stuttgart und auf das Kyffhäusertreffen der „Erfurter Resolution“ („Der Flügel“) von Höcke vorbereiten.

 

 

 

8 Kommentare

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  1. gnaddrig

    Sehr interessant. Das bestätigt meinen Eindruck, dass es diesen Leuten überhaupt nicht um Deutschland an sich geht, schon gar nicht um das Wohl der Bevölkerung (nicht einmal nur des eigentlichen Deutschen Volkes™ im engeren Sinn), sondern nur um Macht. Wie es aussieht, träumen da welche vom „Systemwechsel“ und wollen um jeden Preis das Sagen haben. Wenn das Land dazu zerschossen und abgebrannt werden muss, bitteschön, das können wir ja schon ganz gut.

    Dagegen war ja Bismarck geradezu kuschelig mit seinem Anspruch: Ich werde entweder der größte Lump oder der erste Mann Preußens!

    • Andreas Kemper

      Jein. Ich denke, Höcke geht es schon um Deutschland und das „deutsche Volk“ – allerdings in einer sehr ideologischen Sichtweise. Und innerhalb dieser Sichtweise geht es ihm um Macht. Aber er will nicht Macht um der Macht willen.

      • gnaddrig

        Hm, mag sein. Dann geht es ihm um ein utopisches Idealvolk, das mit den Deutschen, die tatsächlich hier leben, wenig zu tun hat. Und wenn er sich in einem Vorbürgerkrieg wähnt, wirkt das schon so, als wolle er eventuell ausbrechende Unruhen nicht vermeiden helfen, sondern eher in seinem Sinn nutzen (und strategisch anheizen, darauf scheint ja das Engagement gegen alternative Energiequellen zu zielen).

        Anders gesagt, selbst wenn es nicht um Macht um der Macht willen geht, könnte der Unterschied akademisch sein. Deutschland und den meisten Deutschen würde es unter einer AfD-Regierung in vielen Belangen wohl schlechter gehen. Fragt sich, ob er naiv ist und das nicht sieht, oder zynisch. Opfer, die andere bringen müssen, nimmt ja mancher gern in Kauf.

      • Andreas Kemper

        Ja. Wobei ich mir nicht sicher bin, wie Höcke zu den erneuerbaren Energiequellen steht. Da müsste ich noch einmal konkreter nachschauen. Konsens in der AfD war aber immer schon, gegen die EEG-Richtlinie vorzugehen und auch die sogenannten „Klimaskeptiker“ bestimmen das Bild der Partei.
        In seinen Reden spricht er allerdings immer wieder davon, dass Deutschland durch ein „tiefes Tal gehen“ müsse, ein „Tal der Tränen“. Erst danach wieder Deutschland aus seinem Dämmerzustand neu erwacht sein. Und auch den „aufgeblähten Sozialstaat“ werden wir uns nicht mehr leisten können, von der „überzogenen Anspruchshaltung“ müsse Deutschland auch „befreit“ werden. Also da haben Sie ganz recht: es werden Opfer einkalkuliert.

  2. Oliver

    Soweit ich mich erinnere, hatte sich Höcke in der Eppelheimer Rede, die mittlerweile auf youtube gelöscht wurde, entschieden gegen die Enerigiewende geäußert. Ein Sympathisant und Parteikollege von Höcke, Dr. Marc Jongen, ‚der Parteiphilosoph der AFD‘ wie ihn die FAZ nannte, ist mittlerweile von der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG), an der er lehrte, geschasst worden: Er verlor „alle leitungsrelevanten Tätigkeiten und wird auch als Herausgeber der Schriftenreihe „HfG Forschung“ abgelöst.“ Quelle: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22583
    Hier zitiere ich eine Passage aus der FAZ, die die hier oben behandelte AfD-Strategie a la Höcke noch mal in gemäßigterer Tonlage beschreibt:
    >>Nicht widersprechen will Jongen auch den apokalyptischen Prophezeiungen von Björn Höcke. Bei der Kundgebung in Magdeburg hatte dieser das Jahr 2016 zum „Jahr der Entscheidung“ ausgerufen. „Wenn wir diese Entwicklung nicht stoppen, prognostiziere ich einen Bürgerkrieg.“ Denn wie die meisten anderen AfD-Politiker sieht Höcke die Gegenwart hauptsächlich durch Krisen bestimmt: Flüchtlingskrise, Währungskrise, Ukraine-Krise und Terrorgefahr kulminieren bei ihm in eine Insgesamt-Krise, die nach einer scharfen politischen Zäsur ruft. Ziel der AfD sei es, erklärte Höcke im Gespräch mit dieser Zeitung einmal, in das durch die „schwere Staatskrise“ herbeigeführte „Vakuum“ einzudringen. <<

  3. Anton

    Der Bernd lehnt EE ausdrücklich ab, er hat sich öfters massiv gegen Windkraft geäußert, evt. übernimmt er auch nur Möllers Aussagen, der bei zwei Stromkonzernen arbeitet…

  4. Markus Estermeier

    Sehen wir es mal positiv.
    Wenn „Peak Oil“ zutrifft, gibt es je nach Studie in 20 oder 30 Jahren keine Kriege mehr. Die Beweglichkeit der modernen Armeen hängt nun mal sehr an Treibstoffen. Da würde es auch nichts bringen wenn sich die global agierenden Mächte noch schnell die letzten Reserven sichern.
    Mal angenommen die USA würden die bereits zur Neige gehenden Ölquellen in Saudi-Arabien konviszieren. Schon allein der Schutz des „einverleibten Eigentums“ würde einen beträchtlichen Teil der Fördermenge kosten. Insbesondere schon deshalb weil vor Ort kaum Raffinerien existieren. Was dann noch für ein paar Jahre zur Verfügung steht, dürfte jeden Expansionswillen ad absurdum führen.
    Ein Horrorszenario für jedes Militär! Schöner Gedanke nicht wahr?

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