Das braune Netzwerk – Ergänzung

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Im WDR lief am 11.01.2017 der Dokumentarfilm „Das braune Netzwerk“ von Caterina Woj und Andrea Röpke über die Verbindungen von Nazis mit der AfD. Am Ende des Films wurde auf die Verbindung zwischen dem Neonazi Thorsten Heise und dem AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke eingegangen. In der Kürze der Zeit, die meinen Recherche-Ergebnissen gewidmet wurde, konnte nur auf drei Indizien eingegangen werden, die nahelegen, dass Björn Höcke 2011 und 2012 unter dem Pseudonym „Landolf Ladig“ neonazistische Texte in den Magazinen Thorsten Heises schrieb. Genannt wurde hier die Wortwahl „organische Marktwirtschaft“, „aufpotenzierende Krisendynamik“ und „Entelechie“, die sich sowohl in den Texten von „Ladig“ und denen von Höcke finden. Bei „organische Marktwirtschaft“ und „aufpotenzierende Krisendynamik“ handelt es sich nicht einfach nur um „ungewöhnliche“ Begriffe, sondern eine Internetrecherche ergab, dass ausschließlich „Ladig“ und Höcke diese Wortwahl benutzt. Das heißt. gibt man die Wortwahl „organische Marktwirtschaft“ in einer Internet-Suchmaschine ein, so wird nur ein einziger Treffer gefunden, nämlich ein Text von Höcke. Das selbe gilt für die Wortwahl „aufpotenzierende Krisendynamik“. Auch hier findet die Suchmaschine ebenfalls nur einen einzigen Treffer, nämlich einen Text von Höcke. Hinzu kommen dann noch weitere sehr ungewöhnliche Begriffe („Entelechie“, „Perturbation“, „Entropie“, „Homöostase“, „Vernutzung“). Diese Überschneidungen lassen nur die beiden Alternativen zu, dass Höcke von „Ladig“ abgeschrieben hat oder dass Höcke „Ladig“ ist. Sollte „Ladig“ von Höcke abgeschrieben haben, wäre dies schon schlimm genug. Denn das würde heißen, dass Höcke eine neonazistische Ideologie weiterverbreitet.

In zwei kurzen Youtube-Videos bin ich konkret auf die Textüberschneidungen eingegangen: Verfasste Björn Höcke Neonazi-Texte?

Im Fernsehbeitrag kamen viele weitere Indizien nicht zur Sprache. So basiert der erste Text von „Ladig“ auf einen drei Jahre zuvor von Höcke geschriebenen Leserbrief. Dieser Leserbrief wurde quasi plagiiert und Textstellen des Leserbriefs tauchen an verschiedensten Stellen im Text von „Ladig“ auf. Gehen wir von der harmloseren Alternative aus, dass Höcke nicht „Ladig“ ist, so müssen wir konstatieren, dass seit 2011 „Ladig“ von Höcke abschreibt und Höcke von „Ladig“ abschreibt. Es handelt sich also um eine gemeinsame Theorieproduktion. Höcke und „Ladig“ haben aber – falls wir davon ausgehen, dass es zwei verschiedene Personen sind – nicht nur von einander abgeschrieben, sondern sie scheinen sich getroffen zu haben. Ein „Ladig“-Text von 2012 beschreibt das Wohnhaus von Björn Höcke. Und „Landolf Ladig“ scheint auch die Kinder von Björn Höcke zu kennen und von ihnen angetan zu sein, zumindest vom ältesten Sohn, denn der heißt so ähnlich wie „Landolf“ und sein Vorname ist sogar noch etwas ungewöhnlicher. Blieben also nur die Alternativen, dass Höcke entweder seit Jahren intim mit einem unbekannten Neonazi „Ladig“ zusammenarbeitet oder dass Höcke mit „Ladig“ identisch ist. Beide Varianten müsste eigentlich zum Rauswurf Höckes aus der AfD führen.

Nehmen wir weitere Indizien hinzu:

„Ladig“ bewirbt in seinem ersten Text das Buch „Der deutsche Genius“ von Peter Watson. Aber er preist es mit den Worten, dieses „Opus Magnum“ „Genius der Deutschen“, ein tausendseitiges Werk, müsste unbedingt gelesen werden. Höcke pries wenige Jahre später ebenfalls das Buch und sprach ebenfalls vom „Opus Magnum“ und benannte es ebenfalls mit dem falschen Titel „Genius der Deutschen“ statt „Der deutsche Genius“. Wenn man von einem tausendseitigen Buch so begeistert ist, dass man es öffentlich weiterempfiehlt, dann muss man es selber gelesen haben. Es kann sein, dass man den Titel leicht falsch wiedergibt. Es kann aber nicht sein, dass sich zwei Menschen in der selben Weise irren.

Gegenüber Dieter Stein hatte Höcke bereits 2007 gesagt, dass er zukünftig unter Pseudonym schreiben wird, weil er Lehrer sei. Unter welches Pseudonym hat Höcke geschrieben? Es finden sich keine Texte in der Vergangenheit, die den Duktus Höckes haben – außer den „Ladig“-Texten. Und es ist ebenso erstaunlich, dass Ladig ausgerechnet mit dem Entstehen der AfD und dem Aufstieg von Höcke nicht mehr publiziert. Keine Texte, die nach 2012 entstanden sind, haben Ähnlichkeit mit den „Ladig“-Texten – sieht man von den Höcke-Verlautbarungen ab.

Es ist daher extrem unwahrscheinlich, dass es sich bei Höcke und „Ladig“ um zwei verschiedene Personen handelt. Alles spricht dafür, dass Höcke als Geschichtslehrer 2011/ 2012 unter Pseudonym neonazistische Texte für seinen Nachbarn und Bekannten, den Neonazi Thorsten Heise, verfasst hat.

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