Wikipedias Kategorie:Frauenrechtler


Wikipedia listet Frauenrechtler_innen in der Kategorie:Frauenrechtler auf. Seit mindestens einhundert Jahren weisen Frauenrechtlerinnen darauf hin, dass der Sexismus auch im sprachlichen Unsichtbarmachen von Frauen besteht. Daher war ein wesentlicher Punkt der Frauenbewegung das Infragestellen des generischen Maskulinums. In der männlich dominierten Wikipedia wurden diese feministischen Bedenken beiseite gefegt und rigoros das generische Maskulinum durchgesetzt. Bereits 2004 wurde kritisiert, dass die Kategorie zu Artikeln über Frauenrechtlerinnen mit Kategorie:Frauenrechtler bezeichnetwurde. Mittlerweile sind dort 680 Artikel über Frauenrechtler_innen direkt und über die Kategorien DFD-Funktionärin und Feministischer Theologe 52 bzw. 33 Personenartikel aufgelistet. Insgesamt konnte ich gerade mal sieben unter den 765 Personenartikeln entdecken, in denen es um einen Mann geht – diese Männer, die ja immerhin Frauenrechtler sind/waren, werden nun benutzt, um aus 758 Frauenrechtlerinnen Frauenrechtler zu machen. Sobald auch nur ein Mann auftaucht, werden alle Frauen sprachlich zu Männern. Sollte also irgendwann der Deutsche Frauenbund einen männlichen Funktionär aufweisen, so würden automatisch in Wikipedia alle DFD-Funktionärinnen zu DFD-Funktionären mutieren. Das hat nichts mit sprachlicher Genauigkeit zu tun, die einer Enzyklopädie geziemen würde, sondern schlicht mit Androzentrismus.

Person der Frauenrechtsbewegung

Vom generischen Maskulinum wird Wikipedia nicht abrücken. Dennoch ist die Frage, warum nicht schon längst der Kompromiss, nämlich die Kategorienbezeichnung Person der Frauenrechtsbewegung bzw. Person der feministischen Theologie als Kategorienbezeichnungen umgesetzt wurde und warum es immer noch Kategorie:Bürgerrechtler und Kategorie:Menschenrechtler heißt statt Kategorie:Person der Bürgerrechtsbewegung oder Kategorie:Person der Menschenrechtsbewegung. Das Problem ist, dass nicht einfach nur die Kategorie umbenannt werden muss, sondern dass in jedem einzelnen der 680 Artikel die Kategorie:Person der Frauenrechtsbewegung umgeschrieben werden müsste. Dies wäre eine öde und anstrengende Arbeit zumal man damit rechnen müsste, dass an der ein oder anderen Stelle extreme Verfechter des generischen Maskulinums den Vorgang wieder rückgängig machen würden. In der Regel wird daher so eine Arbeit von bots, also von Programmen durchgeführt. Es würde mich nicht wundern, wenn das Wissen darum, wie das mit den bots geht, auch wieder nur bei Männern liegt, die kein Priorität darin sehen, die Kategorie „Menschenrechtler“ in „Person der Menschenrechtsbewegung“ umzuschreiben. Auf einen Versuch käme es an: Kategorien-Diskussion in Wikipedia

3 Kommentare

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  1. Passant

    Wieder einer der die deutsche Sprache nicht verstanden hat. Schon komisch worauf man beim Suchen im Netz alles trifft.

  2. Dennis C.

    Was für ein Stuss. Demnach wäre die englischge Sprache ja noch „böser“ als die deutsche gegenüber Frauen.
    Der Autor des Artikels hat das Sprachsystem ganz einfach nicht verstanden und keine Ahnung von einem GRAMMATISCHEN Geschlecht.

    • Andreas Kemper

      Ich empfehle hier Luise F. Pusch: Das Deutsche als Männersprache. http://www.suhrkamp.de/buecher/das_deutsche_als_maennersprache-luise_f_pusch_11217.pdf

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