Grenzt die Ausgrenzung aus. Kubitschek ausladen

· Allgemein

Gestern las ich zwei Mitteilungen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: (1) alle Bundesländer verstoßen bei der Zulassungspraxis von Privatschulen gegen das Grundgesetz, weil Akademikerkinder privilegiert werden; (2) der neurechte Chefideologe Götz Kubitschek wird vom Theater Magdeburg zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Das Verbindende dieser beiden Meldungen ist die Antwort auf die Frage: Wer wird kulturell gepuscht und wer muss draußen bleiben?

2010: Klassenrassistische Medienkampagne für die Ausgrenzung

2010 fand eine Medienkampagne für ein „Sachbuch“ statt, die alles bisherige in den Schatten stellte. Eine Woche vor dem Erscheinen von Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“, herausgegeben von Europas mächtigstem Medienkonzern Bertelsmann, brachte die BILD vom 23. bis zum 28.9.2010 sechs mal einen ganzseitigen Vorabdruck. Auch der SPIEGEL ließ sich nicht lumpen und brachte eine Woche vorher, am 23.09., einen Vorabdruck über mehrere Seiten. Der FOCUS brachte am 23.09. einen längeren Kommentar über Thilo Sarrazin, in dem er parallel zur Medienkampagne für Sarrazin als Opfer „jagdfiebriger Medienwächter“ stilisiert wurde („Die verlorene Ehre des Thilo S.“ war der anmaßende Titel). Jedes noch so dämliche Buch wäre mit einer solchen Medienkampagne von BILD, Bertelsmann, SPIEGEL, FOCUS (ja, und auch die FAZ machte mit) zum Megabestseller geworden. Zentrale Forderung im Buch von Sarrazin war Ausgrenzung: Die Grenzen müssen dicht gemacht werden, die „Unterschicht“ dürfe nicht mehr so viel Kinder kriegen, Abschaffung des Kindergeldes und Ersetzung durch eine 50.000 Euro-Pauschale für „erbintelligente“ schwangere Studentinnen, usw. Menschenkorrekturen, Bevölkerungskorrekturen, Ausgrenzung.

Pierre Bourdieu nennt das, was 2010 von den Mainstreammedien gepuscht wurde, „Rassismus der Intelligenz“ oder auch „Klassenrassismus“. Die extreme soziale Selektivität, die unser Bildungssystem grundgesetzwidrig durchzieht und machtvoll und interessengeleitet aufrecht erhalten wird, bekam durch Sarrazin noch eine biologistische Rechtfertigung nachgeliefert. Sarrazin brachte die Nazi-Vokabel der „Bildungsunfähigkeit“ bestimmter Gesellschaftsschichten ins Spiel. Seither erfreuen sich lustige Bücher über die „Kevins“ und „Schantalls“ großer Beliebtheit – wie blöd doch die „Unterschicht“ ist… hahaha.

Wer wird ausgegrenzt, wer wird gepuscht?

Wer wird in die „Hochkultur“ inkludiert, wer wird aus der Kultur exkludiert? Exkludiert werden nach wie vor und eher zunehmend die Menschen, die freundlicherweise nicht als „Untermenschen“, sondern als „Unterschicht“, die freundlicherweise nicht als „Asoziale“, sondern als „Sozialschwache“ bezeichnet werden. Inkludiert in die „Hochkultur“ werden Personen wie Sarrazin, also zweitklassige Plagiatoren von Rassenhygienikern, die auf inhaltliche Kritik mit Schweigen oder Opferselbststilisierung antworten. Inkludiert werden Exkludierer. Inkludiert werden Personen, die Menschen- und Bevölkerungskorrekturen wollen, die am liebsten wieder Korrektionsanstalten hätten, die Korrektheit ohne politische Hinterfragung wünschen, die emanzipatorische Korrektheit hassen, weil sie die Korrektheit des Obrigkeitsstaates, die preußische Korrektheit der Untertanenmentalität herbeisehnen, wo wieder jeder weiß, wer über einen, aber zum Glück aber auch, wer unter einen sei.

Vor dem Hintergrund der sozialen Selektion, die wir in Deutschland haben, und die vor allem im kulturellen Bereich stattfindet, denn gerade hier werden Arbeiterkinder zu einem Studium sehr selten zugelassen, hatte es mich damals sehr erbost, dass ausgerechnet das Brecht-Ensemble Thilo Sarrazin eine Bühne geben wollte. Die Bühne wurde gestürmt, es wurde eklig, was hatten die Verantwortlichen erwartet? Nun also will das Theater Magdeburg Götz Kubitschek eine Bühne geben. Natascha Strobl, die mehrere Bücher zu der Neuen Rechten und der Identitären Bewegung mitverfasste, schrieb bei Facebook den Kommentar: „Oh Mann, wieder so abgehobene Kunstmenschen, die meinen sie könnten ganz edgy mit Rechtsextremen diskutieren, weil sie ganz anders sind als alle anderen.“ Damit trifft sie genau den Punkt. Götz Kubitschek könnte man einladen, um ihm genau eine Frage zu stellen: Wer ist der Neonazi „Landolf Ladig“, handelt es sich um Björn Höcke, dem Kubitschek seinen letzten Artikel widmete? Diese Bühne dürfte man Kubitschek geben, mehr nicht. Das wäre genau genommen keine Podiumsdiskussion, sondern eine Vorladung. Das wäre in Ordnung. Aber das ist wohl kaum geplant.

Der Kampf gegen „entartete Kultur“

Kubitschek und seine Leute sind nicht an egalitären Diskussionen interessiert. Er selber störte mit seiner „Konservativ-subersiven Aktion“ 2008/2009 sechs Veranstaltungen, unter anderem eine Lesung von Günther Grass. Er gilt der sogenannten „Identitären Bewegung“ als Vorbild. Martin Sellner, Obmann der „Identitären Bewegung“ (IB) in Österreich, war Anfang des Jahres mehrere Wochen in Kubitschek „Rittergut Schnellroda“ und machte dort eine Art Praktikum. Die IB störte im September diesen Jahres eine Veranstaltung mit Margot Käßmann im Maxim Gorki Theater. In Österreich stürmten ca 30 Mitglieder der IB eine Theateraufführung von Elfriede Jelinek „Die Schutzbefohlenen“. Sie gingen mit Gewalt vor, es gab acht Anzeigen wegen Körperverletzung. Die IB entrollte ein Transparent mit der Aufschrift „Unser Widerstand gegen eure Dekadenz“. „Entartete Kultur“ hätten die Nazis gesagt und das Wort „Entartung“ gehört selbstverständlich zum Repertoire dieser Leute und sie meinen damit durchaus „rassische“ „Entartung“.

Zum Sortiment von Kubitscheks Antaois-Verlag gehört Philippe Rushtons „Rasse, Evolution und Verhalten“. Auf dieses Buch bezog sich Björn Höcke während seiner Rede in Kubitscheks „Institut für Staatspolitik“, als Höcke rassenbiologisch vom „europäischen Platzhaltertypen“ und „afrikanischen Ausbreitungstypen“ sprach. Höckes Problem: Der „europäische Platzhalteryp“ sei heute „dekadent“, seit 1945 „neurotisiert“ und seit 1968 „pervertiert“. Die AfD sei die „letzte evolutionäre Chance“, es ginge um „Sein oder Nicht-Sein der Völker“, es ginge beim „Weg zum totalen Triumph“ vor allem um „Begriffsherrschaft“ und das heißt bei Höcke anscheinend, um die Wiederherstellung von NS-Rhetorik. Rushton war zudem der Chef vom rassenbiologischen Pioneer Fund, welches mit dem rassenbiologischen Magazin „Mankind Quarterly“ zusammenhängt, aus dem wiederum Thilo Sarrazin indirekt seine „Erkenntnisse“ über „Erbintelligenz“ bezog.

Ausgrenzung ausgrenzen

Vor dem Hintergrund der transatlantischen Faschisierungsprozesse wäre es wichtig, die soziale Selektion, die kulturelle Ausgrenzung schnellst möglich zu beenden. Kulturelle Einrichtungen sollten gegen Klassismus und Klassenrassismus vorgehen, sie sollten sich selber hinterfragen, sie sollten dazu beitragen, dass Menschen mit sogenannter „niedriger“ sozialer Herkunft sich autonom politisch organisieren und sie sollten Eltern aus dem akademischen Milieu einen Spiegel vorhalten, der die Folgen ihres Klassismus im Bildungsbereich zeigt. Die Alliierten forderten 1948 nach der Befreiung vom Nationalsozialismus im Zuge der Entnazifizierung ein einheitliches Bildungssystem in Deutschland, in dem Kinder vom 6. bis zum 15. Lebensjahr gemeinsam in eine Klasse gehen, ohne Selektion (Direktive 54). Dies sei wichtig, um die Untertanenmentalität der Deutschen zu beenden. Vor allem die bessergestellten Eltern wollten davon nichts wissen und bis heute verhindern sie aktiv die Beendigung der Bildungsbenachteiligung von Arbeiterkindern. Spiel nicht mit den Schmuddelkindern. Aufgabe von Kulturträgern wäre es, diesen Eltern die Leviten zu lesen, diese ausgrenzende Einstellung zu problematisieren und zu beenden. Unsere Gesellschaft hat seit Jahrzehnten einen Teil der Gesellschaft abgespalten und für überflüssig und mangelhaft erklärt. Sie hat zudem mit großem Aufwand der Mainstream-Medien die menschenverachtende Positionen von Sarrazin und Co. normalisiert. Dies rächt sich nun durch ein abwegiges Wahlverhalten eines großen Teils der männlichen sogenannten „Unterschicht“, die erfahrenen Klassenrassismus in aktiven Rassismus umwandelt. Und es droht, dass die proletarische Protestmännlichkeit komplizenhaft an Höcke und Kubitschek andockt. Statt also in Selbstüberschätzung den Sarrazins, Höckes und Kubitscheks weiter Podien zu bieten, sollte der Trump-Schock als zweite Warnung nach dem PISA-Schock verstanden werden: Grenzt die „untere“ Klasse nicht weiter von Bildung und Kultur aus, grenzt die Ausgrenzung aus, ladet Kubitschek aus.

33 Kommentare

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  1. thorsten

    “ Dies sei wichtig, um die Untertanenmentalität der Deutschen zu beenden“

    Das weise ich entschieden zurück. Der deutsche Geist ist der Geist der Freiheit.

    Welch Anmaßung.

    • Andreas Kemper

      Und hatte der Nationalsozialismus nicht mit Deutschland zu tun oder wehte dort der Geist der Freiheit? Haben Sie Heinrich Manns „Der Untertan“ gelesen?

    • Horst

      Der deutsche Geist existiert nicht. Es gibt keine Geister. Außer unter euren braunen Betten.

  2. alexxshirazi

    Inzwischen wurde Kubitschek wieder ausgeladen. Was mich an der ganzen Sache aber am meisten stört, ist die Tatsache, dass die Neuen Rechten so oder so gewonnen haben. Hätte man Götz Kubitschek doch eingeladen, hätte man ihm Aufmerksamkeit und buchstäblich eine Bühne gegeben. Sobald man ihn auslädt, fängt die Opferstilisierung an. Bisher ist zwar noch kein Artikel diesbezüglich auf der Internetseite der Sezession aufgetaucht dafür aber ein Artikel, der mit dem Gedanken spielt, das Klassenwahlrecht wieder einzuführen. Das bestätigt im Übrigen Kempers These, dass es sich bei der Neuen Rechten um ein Milieu handelt, in dem gesellschaftliche Ausgrenzung als selbstverständlich angesehen wird. Dass ein solcher Artikel, in dem Kubitschek sich selbst als Opfer einer vermeintlichen Political Correctness sieht, bald erscheinen wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

    • thorsten

      Ganz im Gegenteil. Er hat einen Artikel auf Sezession.de veröffentlich der eigentlich genau das kritisiert was auch ein Herr Kemper kritisiert. Das Wahlrecht nicht von der Klasse und Bildung abgängig sein darf. Das hat gesessen.

      Ihr steht ziemlich nackt da.

      Die AfD nimmt den Linken jetzt die Themen weg. Einfache Steuermodelle usw.

      Jetzt fehlt nur noch das ein Herr Höcke für die Abschaffung von Hartz 4 und die Legalisierung von Hanf ist und die AFD wird Volkspartei.

      • Andreas Kemper

        Die AfD ist für die soziale Selektion des Bildungssystems. Sie wollen die Mehrgliedrigkeit beibehalten. Sie wollen die Schere zwischen „Oben und Unten“, die immer größer wird, nicht thematisieren, sondern mit einem Sündenbockprinzip, die Wut auf Nicht-Deutsche lenken. Höcke hat schon vor der Flüchtingsdebatte gesagt, dass wir uns den Sozialstaat nicht mehr leisten können. Höcke ist ein Lehrerkind, der hat immer nur von Staatsknete gelebt. Wieviel Geld bekommt Höcke vom Staat als Fraktionsvorsitzender? 10.000 Euro pro Monat und als Oberstudienrat und Berufspolitiker bekommt er später eine satte Pension. Da ist es leicht zu behaupten, dass „Deutschland“ sich die „dekadente Anspruchshaltung“ der Sozialhilfeempfänger nicht mehr leisten könne. Haben Sie sich inzwischen mit den Nazi-Texten von „Landolf Ladig“ befasst und mit den vielen Verbindungen, die zwischen Höcke und „Ladig“ bestehen und keine andere plausible Möglichkeit zulassen als die, dass Höcke dieser Nazi „Ladig“ ist?

      • thorsten

        Nochmal zum Mitschreiben:

        Es interessiert mich nicht ob Höcke Ladig oder die weinende Jungfrau Maria ist.

        Es interessiert überhaupt kein Schwein. Das sie darüber anscheinend nicht klar kommen ist ist ihr Problem.

        Wenn sie Beweise haben und dieser Ladig irgendwas strafrechtlich relevantes geschrieben haben soll dann gehen sie zur Polizei oder Staatsanwaltschaft.

        Die sind verpflichtet jede! Anzeige aufzunehmen.

        Also worauf warten sie? Oder wollen sie nur andere für ihr Scheitern verantwortlich machen?

        Im Übrigen scheinen sie kein Problem damit zu haben das solche wie Claudia Roth (Deutschland verrecke) von Steuergeldern bezahlt werden…

      • Andreas Kemper

        Nach ihrem letzten Posting gehe ich davon aus, dass sie nichts gegen Nazis haben, sondern sich Nazis sehr gut als Volkstribune vorstellen können und diese sogar unterstützen würden.

        Wenn Sie weiterhin auf dieser Seite diskutieren wollen, erwarte ich eine deutliche Distanzierung vom Nationalsozialismus. Ich werden NS-Sympathisanten – und sie scheinen einer zu sein – hier keine Plattform bieten.

      • thorsten

        Sie sollten nicht anderen Leuten Dinge in den Mund legen die sie so nie gesagt haben.

        Sie sind in der Beweispflicht. Ich lehne jegliche! totalitären Systeme ab. Das ist Distanzierung genug.

        Das Problem ist das heute ja schon Leute als Nazis bezeichnet werden die:

        Gegen Krieg und Rüstungsindustrie sind
        Gegen Kinderschaender sind
        Fuer sichere Grenzen sind
        Fuer Volksabstimmungen sind usw.
        Gegen maennerhassenden Feminismus sind
        Für Meinungsfreiheit sind.
        Gegen Verstümmelung und Quälen von Tieren sind.

        Meine Ansichten decken sich mit den oben aufgeführten Punkten und sind als liberal und human zu bezeichnen. Oder finden sie daran irgendwas nationalsozialistisches?

        Ich denke mal an meinen Ansichten gibt es nichts auszusetzen.

        Solange nicht bewiesen ist das Höcke Ladig ist sehe ich Höcke auch eher im national-liberalen Bereich.

        Und SIE sind in der Beweispflicht. Nicht ich oder Herr Höcke.

      • Andreas Kemper

        Gut, das nehme ich als Distanzierung vom Nationalsozialismus.

        Dann zur Frage des Beweises:

        Es ist nicht schwer zu beweisen, dass jemand, der als Geisterfahrer auf einer vielbefahrenen Autobahn unterwegs ist, einen Unfall verursachen wird. Dennoch ist die Aussage plausibel, dass man nicht auf vielbefahrenen Autobahnen als Geisterfahrer unterwegs sein sollte, weil dies sehr wahrscheinlich zu Unfällen führen wird.

        Auf Höcke übertragen heißt dies, dass auch, wenn kein Beweis in dem Sinne vorliegt, dass beispielsweise der Neonazi Thorsten Heise ein belastendes Schriftstück mit einer Unterschrift Höckes, oder eine belastende Videoaufnahme oder ähnliches vorlegt, dennoch eine Plausibilität besteht. Und diese Plausibiltät muss ernst genommen werden, da ein Nazi als Bundeskanzler sehr viel mehr Leid erzeugen würde als ein Autounfall, der durch einen Geisterfahrer provoziert wird.

        Meine Aussage, dass die einzige plausible Erklärung für die „Überzufälligkeiten“ in der Thematik Höcke-„Ladig“ darin besteht, dass Höcke „Ladig“ sei, ist bislang von niemanden begründet zurückgewiesen worden, auch von Höcke nicht, auch von Ihnen nicht. Es wird lediglich gesagt, das sei nicht bewiesen. Das wäre so, als würde man auf einer Autobahn wenden und Gas geben mit dem Argument, es sei doch nicht bewiesen, dass das zum Unfall führe.

        Wenn Sie also den Nationalsozialismus ablehnen, dann müssen sie doch in jedem Fall plausible Argumente der These entkräften, dass Höcke ein Nazi ist, bevor sie Höcke öffentlich positiv darstellen.

        Wir kommunizieren hier auf der Grundlage nachvollziehbarer Argumente. Mein Argument ist, es reicht nicht aus, Plausibilitäten damit abzutun, dass Plausibilitäten keine Beweise sind. So verhält sich niemand im Alltag, der den Abend noch lebendig und unversehrt erleben möchte.

      • alexxshirazi

        @thorsten
        Da haben Sie Recht, ich habe den Artikel von Nils Wegner auf der Internetseite der Sezession nicht aufmerksam genug gelesen. Vorab möchte ich klarstellen, dass ich Sandro Gayckens Vorschlag für undemokratisch halte und daher ablehne. Allerdings halte ich die Kritik von Wegner an Gayckens Vorschlag für nicht glaubhaft. Wegner nennt zwar zu Beginn seines Artikels Stephen Bannons Vorschlag zur Einschränkung des Wahlrechts und verweist auf einen Vorschlag von Konrad Adam. Allerdings kritisiert er diese Positionen nicht, sondern nimmt sich eine Glosse eines kaum bekannten und in keiner Partei engagierten IT-Forschers heraus, der im weitesten Sinne dem linken Spektrum zuzuordnen ist. Der Artikel von Wegner stellt keine fundierte Kritik an einer Einschränkung des Wahlrechts dar, sondern erfüllt eher die Funktion, eine angebliche Scheinheiligkeit der vermeintlich Linken zu offenbaren frei nach dem Motto: „Siehe, die sind doch genauso schlimm wie wir!“

        Und nur noch einmal klarzustellen, wer ein Klassenwahlrecht fordert: Das AfD-Mitglied Konrad Adam forderte, Nettostaatsempfängern das Wahlrecht zu entziehen. Er wurde, nachdem er diese Aussage tätigte, zum AfD-Bundessprecher gewählt. Oder es sind Leute wie Hermann Behrendt, die die Abschaffung aller Parlamente fordern, da diese nicht mit harter Hand gegen „Arbeitsscheue“ vorgehen. Behrendt war im NRW-Parteivorstand der AfD.

        Bei meiner Internetrecherche bin ich zufällig auf folgende Textstelle bei der Sezession gestoßen, die zwar nicht unmittelbar etwas mit dem diskutierten Thema zu tun hat, die ich Ihnen aber auf keinen Fall vorenthalten will. Nur damit Sie wissen, mit welchen Leuten Sie es bei der Sezession zu tun haben: „Schließlich standen und stehen an prominenter Stelle in diesem Konsens historisch unzutreffende Überzeugungen wie eben die von der Demokratie als Westimport, vom »unprovozierten Überfall auf Polen« oder dem »Überfall auf die friedliche Sowjetunion«“ (http://www.sezession.de/53460/demokratie-in-deutschland-ein-doppeltes-spiel.html/5).

        Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

        Victor Sherazee

      • hans

        Na klar, vorläufig will die AfD natürlich noch kein Klassenwahlrecht. Noch braucht die AfD ja die 30 % der für sie abgegebenen Proteststimmen, die von Arbeitern oder Arbeitslosen kommen. Da wäre ein Klassenwahlrecht erst mal ein Schnitt ins eigene Fleisch. Was später kommt, das wird man sehen. Dass aber „einfache Steuermodelle“ (Merz‘ berüchtigter Bierdeckel) ein „linkes“ Thema wären, ist mir vollkommen neu.

  3. Christian

    Hallo Andreas,

    danke Dir für deine Analysen und Recherchen zur AfD. Ich lese deinen Blog sehr gerne. Vor einigen Jahren hattest du mal etwas zur Unterstützung der AfD durch die „mittelständische“ Kapitalfraktion geschrieben. Wie schätzt du in dem Kontext die Wahl Trumps ein? Bislang liefen die Geschäfte der transatlantischen Kapitalfraktion in den USA und man hielt die liberalen Werte hierzulande hoch.
    Würde Merkel deren Unterstützung bald verlieren, sollte Trump dem deutschen Kapital die Geschäfte erschweren?
    Bislang schien der Standortnationalismus traurigerweise der letzte Schutz vor offenen Faschismus – trotz staatlicher Tolerierung von rassistischen/menchenfeindlichen ANgriffe auf Geflüchtete, scheinen die Nazis in Politik, Verwaltung und Diensten noch zu zögern, sich ganz offen als Nazis zu zeigen – selbst die AfD/CSU-Spitzenkräfte sprechen bisher ’nur‘ von konsequenter Abschiebung obwohl man nicht viel Phantasie braucht, um abzuschätzen, was dieses „Volk“ in ihrer Untertänigkeit bereit ist zu tun, wenn die Obrigkeit „das Abendland“ in Gefahr sieht.

  4. Márcór Micháelson

    Thilo Sarrazin Buch aus Zahlen, Statistiken und Fakten haben augenscheinlich ein wissenschaftliches Buch, das eine von vielen „gefühlte Wahrheit“ präsentiert. Die schwer überschaubaren Thesen sind uneindeutig und bieten Grundlagen für noch mehr verirrte Prämissen, als schon vorher da waren. Das könnte eine Erklärung dafür sein, warum sich das Buch von den anderen unterscheidet, die noch unterirdischer sind und bizarrere Titel tragen („Merkel und Ihre Helfer: Das schlimmste seit Hitler“ von Paula Miller oder „Umvolkung – wie die Deutschen still und leise ausgetauscht werden“ )
    Ich glaube das ist die Brisanz.
    Sarrazin fungierte praktische als Vertreter dieser inakzeptablen Literatur. Es musste einfach mal darüber diskutiert werden.

  5. Quax

    @Thorsten
    „Es interessiert mich nicht ob Höcke Ladig oder die weinende Jungfrau Maria ist.

    Es interessiert überhaupt kein Schwein. Das sie darüber anscheinend nicht klar kommen ist ist ihr Problem.“
    Einige Schweine interressiert das schon.
    Allerdings haben Sie recht, Herr Höcke muss nicht belegen, dass er unidentisch mit Ladig ist. Eine Erklärung, das Herr Höcke die in den Ladigtexten vertretenen Ansichten nicht komplett mit seinem Weltbild vereinbart, wäre ja möglich.
    Ansonsten ist es mittlerweile egal, denn was Herr Höcke als Herr Höcke sagt, reicht mir, um ihn als Faschist oder sogar Nationalsozialist bezeichnen zu wollen.
    Nur diese scheiss Political Correctness hält mich manchmal zurück.

    • Andreas Kemper

      Es gibt keine „Political Correctness“. Das ist ein falscher Begriff.

      • Quax

        Das war ironisch gemeint, hab die Anführungszeichen vergessen oder die Ironietags.

  6. leftwingedbastard

    „Ausgrenzung ausgrenzen“; wenn man schon meint, jemanden auszugrenzen, sei eine verurteilenswerte Sache, warum dann selbst dieses Mittel ergreifen? Was soll diese politmoralische Diffamierung der Faschos? Man gewinnt der Eindruck, die Kritiker der Faschos können am Faschismus gar nichts kritikables finden – warum sonst weichen sie aus auf deren Rethorik, Kleidung und „wer da wen kennt und mag“! Die meisten Linken erkennen die Blödheit und Brutalität der faschistischen Politik nicht an den politischen Einlassungen der Faschos. Welch bessere Gelegenheit als die Diskussion vor Publikum gäbe es schon, einmal politisch (!) aufzuzeigen, womit man es da zu tun bekommt?

    • Andreas Kemper

      „Welch bessere Gelegenheit als die Diskussion vor Publikum gäbe es schon, einmal politisch (!) aufzuzeigen, womit man es da zu tun bekommt?“ Zum Beispiel eine kritische politische Analyse. Ich halte jeden zweiten Tag einen Vortrag zur AfD, da kann ich besser aufzeigen, wer die AfD ist, als wenn ich mich mit diesen Leuten um Redezeit streiten müsste. Eine Podiumsdiskussion ist eine Art Wettkampf, der nicht einmal gerecht ist, weil die Kollektivsymbolik den Rechten in die Händen spielt. Die Sprache, die eine Herrschaftssprache ist, eine Sprache der Ungleichheit, sitzt quasi mit auf dem Podium. Nach meinen Vorträgen wurde oft positiv angemerkt, dass ich alle Fremdworte verständlich übersetzt. Nur einmal wurde kritisch angemerkt, dass ich zu viele Fremdworte benutzt habe und man mir nicht gut folgen konnte. Das war eine Podiumsdiskussion und ich befand mich im Kampf um Zeit, mir wurden von der Moderation „falsche“ Fragen gestellt, also Fragen, zu denen ich gar nichts sagen wollte oder konnte. Und das war noch nicht einmal eine Diskussion, bei der Rechte dabei waren.

      • heinzelmann

        Andreas: Stellen Die Leute Dir die Frage, wem sie sonst politsch vertrauen können?

      • Andreas Kemper

        Nach meinen Vorträgen zur AfD sind die Leute erst einmal erschlagen, weil sie nicht wussten, wie weit rechts die AfD und einige ihrer Protagonist*innen sind. Es ist dann erst einmal klar, dass man der AfD keinesfalls politisch vertrauen kann, sondern dass man sie bekämpfen muss. Und unter dieser Prämisse wird dann auch über andere politische Parteien diskutiert.

  7. heinzelmann

    Andres: Es geht mir nicht darum, die AFD als besonders toll zu sehen!aber: Kannst Du nicht mrd. nachvollziehen, dass Menschen unzufrieden sind und ein polit. Ventil benötigen, diesen Frust loszuwerden?Wahltechnisch betrachtet! Wähle ich SPD, CDU usw. besteht die Gefahr, dass alles so bleibt, in Ordnung, AFD ist nicht gerade toll, aber wie will man darauf aufmerksam machen, dass man unzufrieden ist! Die Linksparte oder die Grünen agieren nicht so, dass man ihnen vertrauen will!Bin kein Fan der AFD!!

    • Andreas Kemper

      Nunja, Linkspartei und Grüne sind tausendmal vertrauenswürdiger als die AfD. Schon alleine deswewgen, weil sie keinen faschistischen Flügel haben. Und auch der Neoliberalismus ist dort weniger ausgeprägt (vorsichtig ausgedrückt) und sie sind auch bei weitem nicht so frauenfeindlich. Ich kann nur dann verstehen, dass man die AfD wählt, wenn man die AfD nicht kennt. Aber auch das verstehe eigentlich nicht, weil ich nicht verstehen kann, weshalb man eine Partei wählt, die man nicht kennt.

  8. heinzelmann

    Die LInken und die Grünen sind für offene Grenzen und gegen Abschiebungen, die ist nicht mehrheitsfähig! Das Frauenbild der AFD ist sicher altbacken, aber das Beamtenbild der Union ebenfalls, außerdem ist die AFD für mehr Bürgerbeteiligung, was sie zwar für sich nutzen will, was aber demokratietheoretisch durchauspositiv zu bewerten ist, die Linken udn Grünen allerdings auch!Kennst Du eien Partei, die demokratsicher ist als die AFD und auch für Abschiebungen eintritt, nicht die Union nennen!?

    • Andreas Kemper

      Ich bin generell gegen Abschiebungen, weil ich gegen das Konzept von Nationen bin. Niemand kann etwas dafür, wo er geboren wurde. Also muss es offene Grenzen für alle geben. Alles andere wäre zutiefst egoistisch und würdelos.

  9. heinzelmann

    Andreas: Stehe keiner Partei nahe!!

  10. heinzelmann

    Andreas: Ich bekenne mich zu Abschiebungen! Jeder kann überall leben? Halte ich für nicht möglich!

  11. heinzelmann

    Andreas: Kann es sein, dass Du doch nicht für absolute Meinungsfreiheit einstehst?

  12. heinzelmann

    Andreas: Kann man diese Antidemokratie tolerieren?

    • Andreas Kemper

      Man müsste das, wofür die AfD steht, möglichst weit zurückdrängen. Die AfD selber ist ja nicht das Problem, sondern das, wofür sie steht. Und das sind die antidemokratischen und anti-egalitären Tendenzen in unserer Gesellschaft.

  13. heinzelmann

    Andreas: Habe mal eine Frage, ernst gemeint: Du bist eher gegen mehr direktedemokratsiche Elemente, weil „Arbeiterkinder“ zu kurz kommen würden, willst aber jeden , der möchte, in der BRD leben lassen, richtig? So bekommt man die Anzahl der „Armen“ nie runter!

    • Andreas Kemper

      Du meinst, wenn die Armen nicht in Deutschland leben, gibt es keine Armen mehr? Aus den Augen aus dem Sinn?

    • Andreas Kemper

      Ich bin in erster Linie nicht Deutscher, ich bin in erster Linie ein Mensch. Ich denke nicht national, ich denke menschlich.

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