Working Class Academics – Zur doppelten gesellschaftlichen Wirksamkeit ihrer politischen Selbstorganisierung: Soziale Selektion abschaffen und Faschisierungsprozesse verhindern

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In diesem Artikel werden drei Thesen vertreten:

  1. Es finden aktuell Faschisierungsprozesse, also gesellschaftliche Entwicklungen mit faschistischen Tendenzen statt;
  2. ermöglicht wird diese faschistische Tendenz unter anderem durch das sozial selektive Bildungssystem;
  3. gefordert sind Working Class Academics bzw. Working Class Intellectuals, also Menschen mit „niedriger“ sozialer Herkunft, die sich ohne oder mit Studium intellektualisieren, die das Bildungssystem von der sozialen Selektivität befreien können und zudem noch Kontakt haben zu den gesellschaftlichen Gruppen, die zunehmend extrem rechte Parteien wählen.

Entsprechend dieser drei Thesen ist der Artikel in drei Abschnitte aufgeteilt.

Faschismusgefahr

Spätestens mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem damit verbundenen Schock ist die Frage erlaubt, ob ein neuer Faschismus droht. Beispielhaft hierfür sind die Aussagen von Jakob Augstein in einer Spiegel-Kolumne:

„Alle reden von Rechtspopulismus. Das ist eine Verharmlosung. Wir erleben die Rückkehr des Faschismus. Die Demokratie hat die Gefahr verschlafen. Jetzt ist es zu spät: In den USA ist ein Faschist an die Macht gekommen. […] Faschismus. Das Wort hatten wir lange nicht. Alle reden vom Rechtspopulismus – blanke Verniedlichung. Donald Trump ist kein Rechtspopulist – er ist ein Faschist. Marine Le Pen ist keine Rechtspopulistin – sie ist eine Faschistin. Und was Frauke Petry ist, das werden wir noch sehen.“

Bis zur Wahl von Trump waren es vor allem Pegida-Teilnehmer*innen und AfD-Politiker*innen, die von „Faschismus“ sprachen: von den „rot-lackierten Faschisten“, von der „SA-Antifa“, vom „Meinungsfaschismus“ (mit der Vereinahmung des Antifaschisten George Orwell), von der Gleichsetzung des „Gutmenschentums“ mit dem „Dritten Totalitarismus“ und dem „Nationalsozialismus“, der als „Sozialismus“ angeblich eine „linke“ Bewegung gewesen sei. Allen voran forderte Jürgen Elsässer im Editorial seines „Compact-Magazins“, wir dürften nicht mehr vom „braunen Faschismus“, wir müssten vom „roten Faschismus“ reden. Im Zusammenhang mit der Vereinnahmung des Begriffs „Alternative“, der gegen die Alternativbewegung gewendet wurde, besteht auch die Tendenz, den Begriff „Faschismus“ gegen emanzipatorische und demokratische Intitiaven zu wenden, also Antifaschismus als „Faschismus“ zu diffamieren. Dies allein macht nötig, den Begriff „Faschismus“ zu definieren.

Was ist Faschismus? Zunächst ist nicht das Faschismus, was Elsässer / Pediga / AfD gerne als Faschismus diffamieren würden. Ich war dieses Jahr in Barcelona und habe dort George Orwells „Homage to Catalonia“ gelesen. Genau vor siebzig Jahren, 1936, hatte sich Orwell bei den Internationalen Brigaden gemeldet, um als Antifaschist in Barcelona und Katalonien gegen die falangistischen Putschisten unter Franco zu kämpfen. Ideologischer Kopf und „Mätyrer“ der Falangisten war José Antonio Primo de Rivera. George Orwell und Primo de Rivera stehen sich ideologisch so sehr diametral gegenüber, dass Orwell freiwillig sein Leben riskierte (ein Halsdurchschuss hätte ihn beinah getötet), um Katalonien vor dem Falangismus zu schützen. Der neurechte AfD-Flügel um Björn Höcke hingegen steht in der Tradition des Falangismus. Höcke berief sich noch vor kurzem auf den neurechten Vordenker Armin Mohler, der sich wiederum positiv und explizit auf den Faschismus Primo de Riveras bezog: Mohler sagt über sich selber, er sei ein Faschist „im Sinne Primo de Riveras“. Im Artikel Höckes zum „Konservatismus“ ist Armin Mohler die einzige positive Referenz („Armin Mohler, ein großer konservativer Denker“). Ich hatte bereits vor einem Jahr in einer Expertise herausgearbeitet, dass Höcke keine konservative Ideologie vertritt, sondern eine faschistische Ideologie („»… Die neurotische Phase überwinden, in der wir uns seit siebzig Jahren befinden«. Zur Differenz von Konservativismus und Faschismus am Beispiel der »Historischen Mission« Björn Höckes (AfD)“).

Mit meiner Auswertung der Reden und Interviews von Björn Höcke als zentraler Figur des rechten Flügels in der AfD konnte ich nachweisen, dass Björn Höcke idealtypisch eine faschistische Ideologie vertritt, wie sie der britische Faschismusforscher Roger Griffin definiert. Griffin und viele weitere Faschismusexperten lehnen es ab, Trump, Le Pen oder die AfD als „faschistisch“ zu definieren.http://www.vox.com/policy-and-politics/2015/12/10/9886152/donald-trump-fascism https://divinity.uchicago.edu/sightings/last-trump Was Höcke von der Mainstream-AfD, von Trump, UKIP und dem Front National unter Marine Le Pen unterscheidet, ist vor allem das Beharren auf einen radikalen Systemwechsel. Wie ich nachweisen konnte, arbeitet Höcke zudem mit dem Netzwerk des militanten Neonazis Thorsten Heise zusammen. Es gibt derart viele „Überzufälligkeiten“ zwischen den Verlautbarungen Höckes mit denen eines Autoren von Thorsten Heises Magazinen mit dem Pseudonym „Landolf Ladig“, dass die einzige plausible Erklärung die Identität von Höcke und „Ladig“ ist. Und „Ladig“ forderte eine Revolution, um die NS-Wirtschaftspolitik mit ihrer rassenbiologischen Grundierung wieder herzustellen. Der alte AfD-Vorstand unter Lucke und Henkel forderte kurz vor seiner Absetzung eine Klärung in dieser Sache, Höcke sollte mich anzeigen und eine juristische Klärung anstreben, eine eidestattliche Versicherung abgeben, dass meine Recherche-Ergebnisse falsch seien. Obwohl Höcke nicht zimperlich ist, wenn es gilt, politische Gegner anzuzeigen, unternahm er hier keine Schritte der Verteidigung. Sollten meine Schlussfolgerungen richtig sein – und andere bieten sich nicht an – würde Höcke nicht einfach nur eine faschistische, sondern eine nationalsozialistische Ideologie vertreten. Hinzu kommt die Rhetorik Höckes, die nicht nur eine faschistische Ideologie widerspiegelt, sondern in weiten Teilen eine NS-Rhetorik ist. Wenn aber ein Geschichtslehrer wie Höcke beinahe jede Verlautbarung nutzt, um neue NS-Begrifflichkeiten aufzunehmen, so kann dies ebenfalls nicht mit „Zufall“ verhamlost werden, sondern er macht dies absichtlich. Die Frage ist, warum er die NS-Sprache wieder sprechbar machen möchte. Es wäre also falsch zu behaupten, Höcke sei kein Nazi. Die Achtsamkeit, die im Umgang mit dem Begriff „Nazi“ geboten ist, gilt in zwei Richtungen: Wir dürfen nicht vorschnell Menschen als „Nazis“ bezeichnen, wir dürfen allerdings Nazis bei hinreichenden Indizien auch nicht vorschnell davon freisprechen, Nazis zu sein, nur weil sie Anzüge statt Bomberjacken tragen und angesehene Geschichtslehrer statt ALG-II-Bezieher sind.

Während Trumps Ideologie oder der Mainstream der AfD nicht unbedingt als faschistisch bezeichnet werden kann, gehören zu ihren Netzwerken deutlich radikalere Bewegungen. In der AfD ist dies der Höcke-Flügel und die Neue Rechte, in Trumps Mannschaft ist dies Stephen Bannon und die Alternative Right, die sich wie die Neue Rechte ebenfalls auf die deutsche demokratiefeindlich-elitäre „Konservative Revolution“ der Weimarer Republik bezieht. Trump und die Parteiführung der AfD sind daher treffender als faschistoid zu bezeichnen in dem Sinne, dass sie faschistische Bewegungen erheblich stärken, auch wenn sie selber keine genuin faschistische Absichten verfolgen.

Wenn ich mit Roger Griffins Definition zum Schluss gelange, dass Höckes Ideologie faschistisch sei, dann kann ich die Kritik gut annehmen, dass es falsch sei, Faschismus vorrangig an der Ideologie fest zu machen. Klaus Weber kritisiert entsprechend in seinem Artikel „schreiben, als ob alles davon abhinge… Notizen zur Faschisierungsfrage“ im Argument 318/ 2016, dass eine bloße „Abgleichung“ nicht sinnvoll sei, die Gefahren einer Faschisierung auszuloten (ebd.: 488). Er schreibt sehr richtig: „Sowohl die Formen faschistischer Politik in den 1920er und 1930er Jahren als auch deren Inhalte wären also zu studieren, um aktuelle Gefahren zu erkennen.“ (ebd.: 489). Als ich Ende 2014 anfing, Höckes Reden und Interviews auszuwerten, fingen gerade erst die Pegida-Demonstrationen an und die Erfurter Demonstrationen von Björn Höcke gab es noch nicht – ich konnte mich also zunächst nur auf die Ideologie beziehen. Dies hat sich heute geändert und es zeigt sich, dass der Ideologie nun Aktionen folgen und sich eine Bewegung formiert, deren Charakter hinsichtlich einer Faschisierung zu untersuchen wäre. Dass Höcke die AfD als „fundamentaloppositionelle Bewegungspartei“ sieht, die es mit der Parlamentsarbeit nicht übertreiben solle, unterstreicht die Wichtigkeit, sich mit den „Bewegungen“ am rechten Rand von AfD, Front National, FPÖ und Trump zu befassen. Hier wäre der Bloc Identitaere, die Identitäre Bewegung zu nennen, die sich an der faschistischen Casa Pound in Italien orientieren, und sich als dezidiert aktionsorientiert verstehen.

Bildungsselektion

1947 verfasste die alliierte Zook-Kommission ein Papier zum Bildungssystem und empfahl die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems in Deutschland. Es sollte durch ein Schulsystem ersetzt werden, in dem die Schüler*innen vom 6. bis zum 15. Lebensjahr durchgehend gemeinsam unterrichtet werden, also ohne eine Differenzierung in Volks-, Mittel- und Oberschule. Diese Maßnahme wurde nicht nur empfohlen, um die Bildungsbenachteiligung von Arbeiter*innenkindern abzuschwächen, sondern vor allem auch als antifaschistische Maßnahme zur „Reeducation“. Das sozial-selektive Schulsystem wurde als Ursache für die deutsche Untertanenmentalität (Höcke: „positive Unterordnungsfähigkeit“) ausgemacht, die einen wesentlichen Beitrag zur Etablierung des Nationalsozialismus hatte.

Die soziale Selektivität ist bis heute beibehalten worden. Es muss an dieser Stelle nicht ausführlich wiederholt werden, dass es nach wie vor eine sehr starke Diskriminierung im Bildungsbereich aufgrund der sozialen Herkunft gibt. Sie beginnt vorgeburtlich (Elterngeld-Regelung), setzt sich über die KITA-Praxis bis in die Grundschule fort (IGLU-Studie: Arbeiterkinder

müssen sehr viel bessere Leistungen erbringen als Akademikerkinder, um eine Gymnasialempfehlung zu erhalten); in der Sekundarstufe (PISA-Studie; DSW-Studie) wird weiter sozial selektiert und auch in der Hochschule finden sich entsprechende institutionalisierte Benachteiligungen (DSW-Studie); selbt nach Erreichung eines Doktorgrades geht die Ungerechtigkeit entsprechend weiter (Elite-Studien von M. Hartmann). Auch außerhalb der Bildungssektors wird die Benachteiligung fortgesetzt, bspw. werden zwischen 2015 und 2014 ca. 3,1 Billionen Euro in Deutschland vererbt, allerdings nur in der reicheren Hälfte der Bevölkerung, denn die ärmere Hälfte der Bevölkerung hat nichts mehr zu vererben. Zusätzlich zur permanenten Bildungsprivilegierung erhalten Akademikerkinder 3100 Milliarden Euro geschenkt. Dies wäre alles nach dem Grundgesetz verboten, denn dort heißt es explizit, dass eine Benachteiligung aufgrund der Herkunft – womit die soziale Herkunft gemeint ist – nicht geben darf.

Nicht nur das Bildungssystem trägt dazu bei, dass die soziale Herkunft entscheidend ist für beruflichen Erfolg, Einkommen, Vermögen, Gesundheit und Lebensdauer. Es gibt sehr viele klassistische Faktoren, die die Benachteiligung aufgrund der sozialen Herkunft gewährleisten. Aber das Bildungssystem trägt erheblich zu dieser Benachteiligung bei. So ist die Kopplung von beruflichem Erfolg mit Bildungszertifikaten in Deutschland enger als in anderen europäischen Staaten und das ist in einer Zeit, in der Einkommensunterschiede einen vorläufigen Höchststand erreichten sehr relevant. Zudem hat sich parallel zur Bildungs- und Einkommens-/ Vermögensschere eine Schere der politische Partizipation nach sozialer Herkunft geöffnet. Menschen mit geringen Bildungsabschlüssen sind nicht nur immer seltener zu Wahlen gegangen sondern haben sich auch immer seltener politisch engagiert. Und es sind vor allem Männer mit niedriger sozialer Herkunft, die hier „abgekoppelt“ werden.

Otto Rühle sprach bereits in den 1920er Jahren in seinem Aufsatz „Die Seele des proletarischen Kindes“ davon, dass die „proletarische Protestmännlichkeit“ dazu neige, „abwegig“ zu werden. Ziel müsse es sein, die „proletarische Protestmännlichkeit“ der jugendlichen Männer in eine politisch reflektierte Widerständigkeit gegen die Benachteiligungen zu überführen. Dies wäre nur durch eine politische Selbstorganisierung der proletarischen Jugendlichen ermöglichbar.

Heute sehen wir im Westen, was es heißt, wenn eine proletarische Protestmännlichkeit „abwegig“ wird. Ursache dieser Abwegigkeit ist einerseits die Bildungsselektion und die folgende Segregation, das Erlernen einer überholten fordistisch-proletarischen Männlichkeit, die Hinwendung der sozialdemokratisch/sozialistischen Parteien in Europa zur „Mitte“ und Verinnerlichung neoliberaler Ideologien, die Sockelarbeitslosigkeit, das Leiharbeitssystem bzw. die Prekarisierung der Beschäftigungsverhältnisse und schließlich das demütigende Workfare-System von Hartz-IV. Hinzu kommt die Informationsflut der social media, die eine sinnvolle Auswahl von Informationen immer schwieriger macht. Rechtsextreme Internetmagazine wie „Breitbart-News“ haben inzwischen mehr Leser*innen als die drei größten renommierten Zeitungen der USA zusammen. Es ist für Menschen, die frühzeitig vom Bildungssystem aufgrund ihrer Herkunft ausselektiert wurden, schwer zu entscheiden, welche von den sich widersprechenden Medien die „Lügenpresse“ ist.

„Proletarisch Protestmännlichkeit“ hat die Tendenz „abwegig“ zu werden, konstatierte Otto Rühle vor einhundert Jahren. Diese „Abwegigkeit“ personalisiert sich in Stephen Bannon, langjähriger Herausgeber der Breitbart-News, dann Chefstratege in Donald Trumps Präsidentsschaftswahlkampf und nun Chefstratege im Weißen Haus. Bannon ist Arbeitersohn. Eine Ferntherapie verbietet sich, dennoch kann gemutmaßt werden, dass seine proletarische Männlichkeit „abwegig“ wurde durch seine jahrelange Tätigkeit als Soldat der US-Marine. Der Psychoanalytiker Arno Grün spricht von einer „Identifikation mit dem Aggressor“ und Männlichkeit ist ein Konzept, welches zur „Identifikation mit dem Aggressor“ tendiert, da Ohnmacht und Männlichkeit sich konzeptionell ausschließen und Identifikation mit mächtigen Personen das Gefühl erlaubt, nicht mehr ohnmächtig zu sein. Ein Hinweis auf Machiavellis berüchtigte Schrift „Il Principe“ sei hier als Paradigma einer männlichen „Identifikation mit dem Aggressor“ erlaubt. Der republikanische Beamte Machiavelli wurde nach der Eroberung von Florenz durch die antirepublikanischen Medici mehrfach gefoltert. Nach seiner Entlassung verfasste Machiavelli mit verkrüppelten Händen „Il Principe“ und widmete diese Schrift seinen Folterern. In dem im Wahnzustand verfassten Werk geht es zentral um die „Virtú“, einer Form männlicher Tüchtigkeit, die Herrschaft ermöglicht, in dem sie alles Schwache, allen voran die weibliche Schicksalsgöttin Fortuna mit den Füßen tritt. Es handelt sich um eine typisch männlich-defizitäre Aufarbeitung einer extrem traumatischen Erfahrung und es handelt sich um ein Männlichkeitskonzept, welches immer wieder zum Klassenverrat führt: siehe Stephen Bannon, ein Arbeitersohn, der einem Millionärssohn zum Präsidentschaftsposten der USA verhalf. Und ähnlich „abwegig“ ist das Wahlverhalten von Millionen von Proletariern.

Hierbei ist entscheidend: Noch droht keine unmittelbare faschistische Machtübernahme. Der Faschismus braucht nicht nur eine faschistische Ideologie, eine faschistische Miliz bzw. entsprechenden Staatsapparat und eine faschistische Partei. Er benötigt vor allem die entsprechenden Menschen mit autoritärem Charakter. Auch wenn die sozial-selektiven Elemente des Bildungssystem aus der Nazi-Zeit nach 1945 fortgeführt wurden, so wurde doch spätestens in den 1960er Jahren die Prügelstrafe abgeschafft und seit 1968 sind die sogenannten „preußischen Tugenden“, die Sekundärtugenden wie Fleiß, Ordnung, Pünktlichkeit, nicht mehr die primären Bildungsziele – auch nicht für Arbeiter*innenkinder. Die Bildungsinhalte sind zwar auf kapitalistische Verwertung, aber auch auf eine demokratische Struktur gerichtet, die sich explizit von der nationalsozialistischen Vergangenheit abgrenzt und die im Unterricht kritisch reflektiert werden soll. Dies verhindert bislang die umfassende Entstehung von faschistischen Persönlichkeitsstrukturen – noch. Genau dies möchte die AfD mehrheitlich ändern: sowohl die angeblich „verengte Erinnerungskultur auf den Nationalsozialismus“ soll ersetzt werden durch eine national-identitäre Bildungspolitik werden als auch die „perverse“ 68er-Pädagogik soll ersetzt werden und zwar durch preußischen Tugenden. Letzeres soll auch ermöglicht werden durch die Senkung des Strafmündigkeitsalter von Kindern auf 12 Jahre. Die AfD Sachsen hat noch weitere Abscheulichkeiten in der Schublade. In einem internen Papier wurde gefordert, Schüler*innen, die gegen ein Leitbild verstoßen, vom Unterricht in gesonderte „Benimmkurse“ zu schicken. Wenn sie dort weiter gegen das Leitbild verstoßen, wird nach einer einzigen Ermahnung Jugendarrest bis zu vier Wochen angeordnet. Solche zu Korrektionsanstalten mutierte Schulklassen erziehen Kinder zu potentiellen Faschist*innen, vor allem, wenn die Wehrpflicht bewusst als zweite Sozialisationsinstanz wieder eingesetzt wird, damit junge Männer „Vaterlandsliebe erlernen“ (Höcke) und ihnen der angebliche „Pazifismus der Deutschen“ (Gauland) ausgetrieben wird.

Es gilt also zum einen, faschistoide Tendenzen im Bildungssystem zu verhindern, zum anderen, die Empfehlung der Alliierten von 1947 ernst zu nehmen und das Bildungssystem von der sozialen Selektivität, also z.B. von der Mehrgliedrigkeit, zu befreien. Doch wer soll das machen?

Working Class Intellectuals

Zur Veranschaulichung möchte ich gerne eine kleine Geschichte voranschicken: Als Ende der 1990er Jahre die europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien als Gesetzesgrundlagen erarbeitet wurden, sollten von sieben Diskriminierungformen nur drei übrig bleiben. Zunächst war vorgesehen, Diskriminierung aufgrund von sexueller Ausrichtung, soziale Herkunft, Alter und Behinderung nicht in die europäischen Nationalgesetze zu verankern. Doch nach Interventionen von Schwulen/Lesben-Gruppen und Organisationen, die sich gegen Altersdiskriminierung oder Behindertenfeindlichkeit einsetzten, blieben diese drei Diskriminierungsformen im Gesetz. Soziale Herkunft war das einzige Merkmal, welches nicht in die Antidiskriminierungsrichtlinien aufgenommen wurden, weil es keine Organisation gab, die sich gegen Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sozialen Herkunft einsetzten. Schwule und Lesben sind politisch für ihre Gruppe organisiert, alte Menschen sind politisch für alte Menschen organisiert und Menschen mit Behinderungen sind politisch für Menschen mit Behinderungen organisiert. Es gibt aber keine Organisation von Arbeiter*innenkindern, die sich dezidiert gegen die Benachteiligung von Arbeiter*innenkindern einsetzt. Diese kurze Geschichte erklärt, weshalb nach wie vor das Bildungssystem in Deutschland sozial selektiv ist: Wenn Benachteiligung abgeschafft werden soll, dann wäre es sehr hilfreich, wenn sich die benachteiligten Gruppen politisch zusammenschließen.

Dass sich Arbeiter*innenkinder nicht politisch als Interessengruppe zusammenschließen hängt auch mit dem politischen Bewusstsein und indirekt mit der Kollektivsymbolik der sogenannten „Europäischen Standardsprachen“ zusammen. Gesellschaftliche Verhältnisse werden räumlich verortet: Die Reichen und „Gebildeten“ werden in dieser Kollektivsymbolik „oben“ verortet, die Armen und „Ungebildeten“ hingegen „unten“. „Geist“ „schwebt“ „oben“, strahlt nach „unten“ aus, verliert aber an Kraft und „ganz unten“ ist dann nur noch die Dunkelheit der Unwissenheit. Wer sich bilden möchte, muss „aufsteigen“, den mühsammen Weg des „Bildungsaufstiegs“ beschreiten. Hierzu sei es wichtig,

sich von der „Unterschicht“ zu separieren, da diese nur „herunterziehe“. Die gesamte klassenbezogene Kollektivsymbolik basiert auf dieser Raummetaphorik. In dieser Bildersprache, die vorbewusst unsere Gedanken strukturiert, erscheint es nicht stimmig, dass Arbeiter*innenkinder sich zusammenschließen, denn niemand kann sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen, die Kollektivsymbolik der sozialen Vertikalität legt im Gegenteil eher nahe, dass Arbeiter*innenkinder sich gegenseitig „runterziehen“. Diese Kollektivsymbolik der sozialen Vertikalität ist in der deutschen Sprache mit über einhundert Begriffen / Begriffspaaren vertreten und selbst so zentrale Begriffe wie „Wert“ sind sozial vertikalisiert, man könnte mit einem kleinen Sprachspiel auch von einer „Wertikalisierung“ der westeuropäischen Kollektivsymbolik sprechen. Und Kollektivsymbole bestehen nicht einfach nebeneinander, sondern sie sind miteinander „synchronisiert“, bilden ein kohärentes Ganzes, wie Jürgen Link in zahlreichen Wir müssen uns diese vorbewusste Strukturierung in ihrer Kohärenz bewusst machen und darüber klar werden, dass diese Kohärenz studierende Arbeiter*innenkinder inkohärent macht. Das heißt, studierende Arbeiter*innenkinder müssen sich dieser Kollektivsymbolik verweigern, sie müssen sich anders denken, mit anderen Symbolen und sie müssen eine eigene Kohärenz herstellen. Sie müssen sich „kohärent arbeiten“, um eine Formel von Antonio Gramsci aufzunehmen. Eine Drehung der Vertikalsymbolik um 90° in die Horizontale bietet sich an. So gibt es im us-amerikanischen Sprachgebrauch die Bezeichnung „straddler“ für „Bildungsaufsteiger*innen“. „Straddler“ kommt von „to straddle“ (spreizen) und meint, dass „Bildungsaufsteiger*innen“ mit einem Bein in der arbeiter*innenlichen Herkunftskultur und mit einem Bein in der akademischen Kultur stünden. Beide Kulturen stehen nebeneinander. Und die Aufgabe der „straddler“ bestünde nun darin, beide Kulturen zusammen zu bringen, statt sich immer weiter zu spreizen, beide Beine aneinander zu ziehen. Diese wäre die Kohärentarbeitung und diese lässt sich nicht allein individuell lösen, denn die verschiedenen Kulturen sind institutionell verankert. Sich kohärent zu arbeiten bedeutet also vor allem gesellschaftliche Veränderung und die Abschaffung der Gymnasien als ein Schritt des Beines der akademischen Kultur in Richtung des Beines in der Arbeiter*innenkultur erscheint schon fast unrealistisch, ist aber nur einer von vielen Schritten der Auflösung der sozialen Selektion, die Ausweitung der Arbeiter*innenbildung wird genau so schwierig.

Im Zuge dieser Arbeit wäre eine kollektive „Rückkehr nach Reims“ denkbar. Viele studierende Arbeiter*innenkinder sind ähnlich wie Didier Eribon, der Verfasser der Autobiografie „Rückkehr nach Reims“, mit der Herkunftsfamilie zerstritten oder wünschen sich, dieser zu entfliehen. Oftmals ist der Grund dieser Zerstrittenheit die als Inadäquat empfundene proletarische Männlichkeit des Familienvaters. Wenn sich studierende Arbeiter*innenkinder zusammenschließen, könnte auch dieses Problem bearbeitet werden, denn das Persönliche ist oftmals politisch. Die Frauenbewegung hat in den 1970er Jahren nicht nur begonnen, die Institutionen der Frauenunterdrückung zu bekämpfen, sondern sie haben sich in den Frauengruppen auch gegenseitig gestärkt, den Sexismus in Beziehungen mit Männern nicht mehr länger zu dulden. Kleine Gruppen von WCPCAs können Vertrauenshältnisse schaffen, die konstruktive individuelle Umgänge mit den Herkunftsfamilien ermöglichen, statt massenhaft aus „Reims“ zu fliehen. Mit dem Re-Evaluations-Counselling steht eine seit Jahrzehnten erarbeitete Form der Selbstorganisierungs-“Therapie“ zur Verfügung, die für eine solche Arbeit ideal ist. Ein Effekt der Kohärenzarbeit von WCPCAs bestünde darin, dass der Ausbreitung abwegiger Ideen – wie bei Trump, Front National, FPÖ oder AfD ein Kreuz bei den Wahlen zu machen – deutliche Grenzen gesetzt werden.

Wir benötigen also eine politischen Selbstorganisierung von Menschen mit sogenannter ^niedriger^ sozialer Herkunft, wenn wir die soziale Selektion aus dem Bildungssystem entfernen wollen. Einen E-Mail-Verteiler gibt es bereits (WCPCA_de) und es existiert bereits ein erstes autonomes Referat für studierende Arbeiter*innenkinder an der Uni Münster („Fikus-Referat“ – die politische Ausrichtung wird dort durch halbährliche Vollversammlungen von studierenden Arbeiter*innenkindern bestimmt). Bislang wurde diese beginnende Selbstorganisierung misstrauisch beäugt. Dies könnte sich nun vor dem Hintergrund der drohenden Faschisierung der Gesellschaft ändern.

17 Kommentare

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  1. Quax

    Die „Mainstream“-AFD kommt mir zur Zeit recht klerikalfaschistisch vor.
    Was bringt „politischen Selbstorganisierung“, wenn sie nicht von Dauer ist oder in Parteien untergebracht werden kann. CDU, selbst der „Arbeitnehmerflügel“ findet das aktuelle deutsche Bldgssstm toll, SPD hat auch nur halbherzige Bemühungen (Ganztagsschulen) getutentan genau wie Die Linke. Nicht mal den konfessionellen Religionsunterricht gegen Philosphie, Ethik oder vergleichende Religionslehre auszuwechseln wird in Angriff genommen. Stattdessen wird zu den 2 existierenden konfessionellen RU regional noch ein 3. RU eingeführt.Immer weiter die Schüer trennen.
    Und dann noch, LGBT POC usw. bleibt der mensch, aber arbeiterkinder bleiben zwar arbeiterkinder, nur sie gehören auf einmal zur Schicht, wo sie hinwollten. Diskriiminierungen gibts kaum noch, besonders wenn man weiss und auch ansonsten norngerecht ist.
    Es heisst dann immer: Ich habs doch auch geschafft
    Harte Arbeit, lernen …
    Ich musste auch nebenbei arbeiten …
    Viele sind nicht so, sehen aber kaum eine Möglichkeit, politisch wirksam sein zu können.
    Es lebt sich einfacher, politisch inaktiv zu sein aber sein Wahlrecht wahrzunehmen.

  2. Melanie

    Ihre sogenannte Thesen sind eigentlich typisch für die heutigen „Pseudo-Wissenschafftler und Vordenker“ dir von nichts eine Ahnung haben und versuchen dies mit vielen Worten, abstrakt zu formulieren.
    Ihre These, das sich die studierten Kinder von den „Arbeitereltern“ entfernt haben würden, ist sowas von irrsinnig wie viele Ihrer dubiosen Texte. Sorry, aber das mußte mal gesagt werden !!
    Ich stamme auch wie meine drei anderen Geschwister aus einer Arbeiterfamilie und wir haben alle vier studiert und trotzdem ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Eltern.

    Das Problem vieler Pseudo-Erzähler wie Sie ist, das Sie noch nie wirklich im Leben standen und für Ihr Geld hart arbeiten mußten. Man hat so Vorahnung, das Sie bei Ihren Texten immer mit vielen Vorurteilen rangehen und aus Prinzip gegen konservative Werte und Ansichten sind.
    .
    Statt sich mal mit den wirklichen Ursachen zu beschäftigen, werden die üblichen Vorurteile schön weiter gepflegt. Warum ist denn die AFD und ähnliche Parteien so im Aufwind, dies sollten Sie anschauen. Hauptgrund sind die verlogen und korupten Politiker und Lobyisten, die meinen alles besser zu wissen, selbst dann wenn diese von Nichts die Ahnung haben.

  3. Thorsten

    “ Ein Effekt der Kohärenzarbeit von WCPCAs bestünde darin, dass der Ausbreitung abwegiger Ideen – wie bei Trump, Front National, FPÖ oder AfD ein Kreuz bei den Wahlen zu machen – deutliche Grenzen gesetzt werden.“

    „Wir benötigen also eine politischen Selbstorganisierung von Menschen mit sogenannter ^niedriger^ sozialer Herkunft“

    Ich glaube das es dafür schon zu spät ist. Ich habe einen mittelmäßigen Realschulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung im Handwerk. Ich kann ihnen meinen Gesellenbrief gerne schicken falls sie mir nicht glauben sollten.

    Für mich ist die AFD die einzige wählbare Partei die auch! meine Interessen vertritt. Also die des einfachen Menschen. Nicht die Linken und schon gar nicht CDU/CSU, FDP, Grüne oder SPD. Es waren Grüne und SPDler die Hartz 4 eingeführt haben. Nicht vergessen.

    Diese Parteien sind alle nicht (mehr) wählbar. Sie hatten ihre Chancen das Leben von normalen einfachen Arbeitern zu verbessern. Stattdessen haben sie uns das Leben noch zusätzlich zur Hölle gemacht und sich stets für etwas besseres gehalten. Das habe ich nicht vergessen.

    Teilweise wurden wir von solchen Leuten noch als „Krebs“ der Gesellschaft/Menschheit bezeichnet. Wir die jeden Tag schuften gehen!!! Auch das habe ich nicht vergessen.

    Ich vertraue Björn Höcke.

    Mit freundlichen Grüßen

    Thorsten.

    • Andreas Kemper

      Sie vertrauen Björn Höcke, weil Sie ihm vertrauen möchten. So etwas kann man kleinen Kindern zugestehen, die an den Weihnachtsmann glauben möchten. Aber sie sind erwachsen. Und zum Erwachsensein gehört, dass man nicht blindlings vertraut, sondern dass man mit Würde Vertrauen gibt. Und Höcke kann man nicht vertrauen, wenn er die Landolf Ladig Geschichte nicht aufklärt. https://andreaskemper.org/2016/01/09/landolf-ladig-ns-verherrlicher/

      • Thorsten

        Genau diese Arroganz und Überheblichkeit meine ich und Melanie.

        Sie checken gar nichts. Wie so viele Linke zur Zeit.

        Was für einen Mehrwert hätte ich davon zu wissen ob Björn Höcke Landolf Ladig, der Yeti oder der Kaiser von China ist?

        Werden dadurch meine Rechnungen bezahlt?

        Ja oder nein? Bitte nicht ablenken oder relativieren.

        Einfach mal mit ja oder nein antworten. Klare Verhältnisse schaffen. Klartext reden.

        Das wollen wir. Nichts zerreden.

        Und dann sehen sie was mich das interessiert ob Björn Höcke Landolf Ladig ist oder nicht.

        Ihr Linken werdet mir immer fremder.

        Im Übrigen:

        Sie haben die Anschuldigungen erhoben, sie! müssen die Beweise dafür beibringen.

        Wenn sie keine haben dann haben sie sich eben irgendwo verrannt. Das führt zu nichts.

        Irgendwann sollte man sich das eingestehen in einer Sackgasse gelandet zu sein.

        Abgesehen davon haben wir in Deutschland im Moment ganz andere Sorgen. Die Vorfälle zu der Silvesternacht in Köln wurden z.B. nicht richtig aufgearbeitet usw.

        Also Dinge die die Sicherheit meiner Familie betreffen. Das geht vor.

        In welcher Scheinwelt leben sie denn??

        Für Herrn Höcke und mich ist die Sache mit Landolf Ladig geklärt.

        Krude Verschwörungstheorie!

        Diesmal habe ich meine richtige email Adresse angegeben.

        Sie können mir ja gerne schreiben und ich kann ihnen mal meinen Verdienstabrechnungen schicken und wie sehr ich durch den Euro gelitten habe. Früher konnte ich mir auch mal nen Urlaub leisten.

        Heute habe ich kaum mehr Geld um etwas zu sparen.

        Ihr kümmert euch um Dinge die keinen normalen Menschen mehr interessieren.

        Das ist ein zusätzlicher Schlag für mich in die Fresse.

      • Andreas Kemper

        „Landolf Ladig“ ist ein Nazi.

        Dass Björn Höcke etwas mit „Landolf Ladig“ zu tun hat, ist bewiesen.

        Hier noch einmal die Fakten:
        1. Björn Höcke hat den Herausgeber der drei „Ladig“-Artikel, Thorsten Heise, mehrfach getroffen, das haben beide zugegeben.
        2. „Ladig“ beschreibt in einem Artikel das Wohnhaus von Björn Höcke in Bornhagen.
        3. „Ladigs“ erster Artikel von 2011 basiert auf Höckes Leserbrief von 2008, es wurden mehrere Teilsätze komplett abgeschrieben.
        4. Höcke hat 2007 gegenüber Dieter Stein angekündigt, zukünftig unter Pseudonym zu schreiben.
        5. Ladig bezeichnete irrtümlich Peter Watsons Buch „Der deutsche Genius“ als das „Opus Magnum ‚Genius der Deutschen'“
        6. Höcke und nur Höcke bezeichnete ebenfalls irrtümlich Peter Watsons Buch „Der deutsche Genius“ als das „Opus Magnum ‚Genius der Deutschen'“
        7. Ladig benutzte die Wortwahl „aufpotenzierende Krisendynamik“
        8. Höcke und nur Höcke benutzte ebenfalls drei Jahre später die Wortwahl „aufpotenzierende Krisendynamik“
        9. Ladig benutzte die Wortwahl „organische Marktwirtschaft“
        10. Höcke und nur Höcke benutzte ebenfalls drei Jahre später die Wortwahl „organische Marktwirtschaft“
        11. Ladig forderte eine „populationsökologische“ „Postwachstumsökonomie“
        12. Höcke forderte drei Jahre später eine „populationsökologische“ „Postwachstumsökonomie“
        13. In den gerade mal zehn Seiten, die „Ladig“ 2011 und 2012 mit drei Artikeln verfasste, benutzte er die ungewöhnlichen Begriffe „Perturbation“, „Entelechie“, „Entropie“, „Vernutzung“.
        14. Höcke benutzt seit 2013 ebenfalls die ungewöhnlichen Begriffe „Perturbation“, „Entelechie“, „Entropie“, „Vernutzung“.
        15. Sie wissen, wie Höcke seinen ältesten Sohn genannt hat?

        Wenn Sie erwachsen sind, werden Sie sich weigern zu glauben, dass es sich hier nur um Zufälle handelt. Es kann vielleicht eine andere Erklärung geben als die, dass Höcke nicht unter dem Pseudonym „Ladig“ geschrieben hat – hätten Sie eine Idee, welche Erklärung es noch geben könnte? Mir ist bislang keine eingefallen, jedenfalls keine plausible. Und wenn es eine einfache Erklärung geben sollte, warum verschweigt Höcke diese? Wenn aber Höcke dieser „Ladig“ ist und „Ladig“ ein Nazi ist, dann wäre Höcke ein Nazi. Also warum vertrauen Sie Höcke, wenn dieser verheimlicht, was er mit dem Nazi „Ladig“ zu tun hat? Oder finden Sie es gar nicht so schlimm, wenn jemand ein Nazi ist?

  4. Quax

    @Thorsten

    „Was für einen Mehrwert hätte ich davon zu wissen ob Björn Höcke Landolf Ladig, der Yeti oder der Kaiser von China ist?“
    Wenn Sie gegen Nationalsozialismus/Faschismus sind, würden Sie ihn oder seine Partei wahrscheinlch nicht wählen. Wenn Sie Faschismus als nicht so relevant ansehen, würden Sie ihn unter gewissen Umständen wählen. Wenn Sie Nationalsozialist/Faschist sind, können Sie sicher sein, den Richtigen zu wählen. Kein Mehrwert zu wiissen, wen man wählt?
    „Für mich ist die AFD die einzige wählbare Partei die auch! meine Interessen vertritt“
    Wenn Sie, wie Sie suggerieren, Lohnempfänger sind, sollten Sie belegen, wie die AFD Ihre Interessen vertreten will. Durch Rente mit 70, Privatisierung der Altersvorsorge, Kürzungen im Bildungsbereich (zugunsten eines privaten Bildungsmarktes, der finanziell besser-,bestgestellten und religiösen Fundamentalisten zugute kommt), Abschaffung Erbschaftsteuern, Steuersenkungen usw?
    Oder doch nur mit Ausländer Raus?
    Bitte, bitte zeigen Sie mir die Punkte im Wahlprogramm der AFD,
    die Lohnempfängern oder sogar Kleinbetrieben Verbesserungen versprechen und bei Umsetzung auch halbwegs funktionieren würden!
    MfG

    • Thorsten

      Jeder einzelne Punkt in dem Parteiprogramm würde dafür sorgen das es mir besser geht.

      Mir ist wichtig:

      Mitbestimmung durch Volksabstimmungen (beugt Korruption vor).

      Steuerverschwendung wird ein Straftatbestand.

      Sicherheit (sichere Grenzen).

      Rede- und Meinungsfreiheit auch für Deutsche (Ganz wichtig).

      Diese Punkte sind mit Geld nicht aufzuwiegen.

      Ich dachte Linke sind so liberal und für Meinungsfreiheit und Volksabstimmungen?

      Und die AFD ist die einzige Partei die solche Forderungen im Wahlprogramm hat.

      Hartz 4 wurde von rot-grün eingeführt. Nicht vergessen!

      Das wird immer gerne vergessen.

      Ausserdem ist die AFD nicht verkrustet und man kann dort noch etwas bewirken. Eine Mitmachpartei eben.

      Bis vor kurzem war ich noch in der Piratenpartei. Aber die hat fertig. Das Wichtigste: Die von der AFD nehmen meine Sorgen ernst…von Linken, Grünen werde ich noch beschimpf und verlacht.

      Die Antwort wird in der Wahlkabine gegeben.

      • Andreas Kemper

        Sie weichen aus. Erst sagen Sie, es geht nur ums Geld. Jetzt bringen Sie andere Punkte. Auf die Argumentation von Quax, dass es NICHT unerheblich ist, ob Höcke ein Nazi ist oder nicht, sind Sie gar nicht eingegangen.

        Sie wissen, dass die Reichen in Deutschland immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Dies ist unter anderem die Folge der Steuersenkungen für die Unternehmen und der Reichen. Die AfD will noch mehr Steuersenkungen durchsetzen. Vor allem wollen sie die Vermögens- und die Erbschaftssteuer komplett abschaffen. Und die AfD fordert außerdem im Bundesprogramm, dass die Staaten untereinander um die geringsten Steuern in Konkurrenz treten müssen. Dann kann nämlich der Milliardär seine Drohung wahr machen, ins Ausland zu gehen, wenn sich die AfD nicht durchsetzt und Steuern für Reiche erhöht werden. Und was macht „Ihr“ Höcke? Er sagt, wir dürfen nicht mehr über die Vermögensunterschiede zwischen arm und reich reden. Das ist egal. Das sind ja alles Deutsche. Und wenn die Albrechts einen Vermögenszuwachs von einer halben Millionen Euro pro Stunde haben und die Hälfte der Deutschen kein Vermögen mehr hat, dann ist das ja eigentlich egal, weil es sind ja alles Deutsche. Da können die Unterschiede auch ruhig noch größer werden. Und wenn eine Kommune pleite geht, weil sie keine Steuern mehr einnehmen kann, dann fordert die AfD ein VERBOT der Unterstützung durch das Land und den Staat.

        Verstehen Sie, es ist wie Ende der 1920er Jahre, als es eine Weltwirtschaftskrise gegeben hat. Auch damals gab es dann plötzlich solche Leute wie Höcke, die gesagt haben: „Nein, es liegt nicht an den Reichen, schuld sind die Nicht-Deutschen!“ Sagt Ihnen der Begriff „Sündenbock-Prinzip“ etwas?

      • Quax

        @Thorsten
        „Steuerverschwendung wird ein Straftatbestand.“ Wer enscheidet, was Steuerverschwendung ist? Der Autobesitzer, der ÖPNV für Verschwendung hält? Steuerverschwendung scheint mir durch Antikorruptionsgesetze eher vermeidbar.
        „Sicherheit (sichere Grenzen).“ Da bin ich mal gespannt, wo Sie die zeihen wollen. EU, Deutschland, jedes Bundesland?
        „Rede- und Meinungsfreiheit auch für Deutsche (Ganz wichtig).“ Rede-, Meinungsfreiheit heisst nicht, dass man nicht kritisiert werden darf. Ich sehe die entprechenden Leugnungs-, Gewaltverherrlichungsparagraphen auch kritisch, aber die besonders von konservativen „denkt auch mal jemand an die Kinder“-Leuten eingeführten und unterstützten FSK/FSF/USK-Systeme scheinen mir da problematischer, da diese direkter und öfter einschränkend wirken.
        Volksabtimmungen, das Fass ist mir z.Zt. zu finster, da muss ich erstmal mehr lernen.
        Ansonsten nehme ich an, Sie sind kein Lohnempfänger.

      • Andreas Kemper

        Höcke hat bereits für das „Zerknüllen“ von Deutschland-Fahnen drei Jahre Haft gefordert. Und er hat allein in diesem Jahr ein halbes Dutzend Anzeigen gegen politische Gegner*innen gestartet bzw. damit gedroht. Wenn diese Leute wie Höcke an die Macht kommen wird es vorbei sein mit der Meinungsfreiheit.

      • thorsten

        @ Quax

        Zum Glück habe ich alle meine Gehaltsabrechnungen aufgehoben. Nicht das irgendwann sich Linke hinstellen und sagen: Früher gings dir auch nicht besser. Ich kann sie ihnen gerne per email schicken.

        Ich habe noch zu DM-Zeiten gelernt. Ich hatte zu DM Zeiten fast 1800 Mark im dritten Lehrjahr verdient.

        Und heute bekomme ich als ausgelernter weniger in Euro.

        Es geht eben nicht nur ums Geld, aber ohne Moos nix los.

        @Andreas Kemper

        Aber wer waren die Reichen in den zwanziger Jahren?

        Deutsche wohl nicht. Wir wurden ja völlig ausgeplündert…deutsche Kinder sind verhungert usw.

        Also wer waren die Reichen in Deutschland wenn es keine Deutschen waren??

      • Andreas Kemper

        Hallo Thorsten, ich bin Gesellschaftswissenschaftler und befasse mich hauptsächlich mit Armut. Ich befasse mich mit der AfD weil ich mich hauptsächlich mit der Benachteiligung von Arbeitern und Arbeiterinnen und deren Kindern befasse. Ich habe mich 2009 und 2010 mit Thilo Sarrazin befasst, weil Sarrazin in „Deutschland schafft sich ab“ gefordert hat, dass das Kindergeld komplett gestrichen werden soll. Das eingesparte Geld soll dann an Studentinnen mit einer Pauschale von 50.000 Euro ausgezahlt werden, die ihre größere „Erbintelligenz“ (Sarrazin) an ihre Kinder weitergeben. Ich bin selber Arbeitersohn und das Buch von Sarrazin hat mich extrem sauer gemacht. Ich habe dann geschaut, welche Netzwerke Sarrazin unterstützen und bin auf Netzwerke gestoßen, aus der sich dann die AfD entwickelt hat. Die AfD ist neoliberal, die setzen sich in erster Linie für die Reichen ein, weitere Senkungen von Steuern usw.

        Haben Sie die 1920er Jahre aktiv erlebt („Wir wurden ja völlig ausgeplündert“)? Zunächst einmal war auch Deutschland ein imperalistischer Staat mit Kolonien. Also nicht „Deutschland“ wurde ausgeplündert, sondern die deutschen Kapitalisten plünderten die nicht industrialisierten Länder aus. Durch den 1. Weltkrieg hat Deutschland die Kolonien verloren. Aber danach wurde Deutschland nicht sozialistisch, das Kapital hielt sich an der Macht und auch der Adel wurde nicht enteignet – das geschah im Osten erst 1946 (Junkerland in Bauernhand – Herzogin Beatrix von Storch, stellvertretende AfD-Vorsitzende, würde das ja gerne rückgängig machen: Bauernland in Junkerhand). Die Krupps und Thyssens und Flicks haben in den 1920er Jahren nicht gehungert. Mich irritiert, dass sie sagen, es habe in den 1920er Jahren keine Reichen gegeben. Wie kommen Sie auf die Idee?

  5. Agztse

    Haha kemper, du hast wirklich einen minderwertigkeitskomplex. Arbeiterkinder hatten sich schon mal zusammengerottet. Heraus kam der Stalinismus. Brauchen wir nicht wieder. Du redest dir unterbewusst selber ein „unten“ zu sein. Unsere Gesellschaft ist offen, schon lange. Was immer du für „oben“ hältst, sei es materieller Reichtum, Bildung oder was auch immer ist für jeden erreichbar. Klar hat alles seinen Preis und jede gesellschaftliche Gruppe ihre regeln. Aber klar so ein Kämpfer für die entrechteten „unten“ zu sein, am besten mit pensionsanspruch das wünschst du dir gelle

    • Andreas Kemper

      Agztse – ein Musterbeispiel für klassistische Hasssprache.

  6. Totengräber

    Bin selbst Arbeitersohn und kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen könnte wenn ich sone Scheiße lese. Zunächst mal haben sich die Nazis primär aus der abgestiegenen Mittelschicht der WR rekrutiert, womit deine komplette These in sich zusammenfällt. Aber der ganze Artikel zeigt dass du vom blanken Hass gegen dein Herkunftsmilieu getrieben bist denen du jetzt sogar die schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte in die Schuhe schieben willst. Ihre psychologischen „Defizite“ sollen sie dann in Selbsthilfegruppen besprechen und dem System schön Leistung zuführen um genau so bourgeoise, selbsthassende Klassenverräter zu werden wie du. Als Belohnung wird dann das selektive Schulsystem etwas abgeschwächt – na fein sitz und platz gemacht! Schön bourgeois-feministische Sprachcodes auswendig gelernt!

    Ich hoffe für die guten „abwegigen“ Jungs war Hamburg nur ein kleiner Auftakt.

    • Andreas Kemper

      Hmm, wo genau soll ich Arbeiter*innen für die Entstehung des Nationalsozialismus verantwortlich gemacht haben? Kann es sein, dass du was in meine Texte hineinlegst, was dort gar nicht steht?

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