Grenzt die Neue Rechte, also die AfD, aus

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Gestern Abend, nach einem Vortrag in Köthen, ging die Diskussion wieder los. Wir müssen doch mit der AfD reden, wir dürfen sie nicht ausgrenzen, usw.. Es war zwar eine Minderheitenposition, allerdings eine sehr lautstarke. Richtig ist: wir sollten mit AfD-Wähler*innen und Sympathisant*innen reden (wenn es geht, auch da gibt es Grenzen (Rassismus, Sexismus, Klassismus…)). Auf keinen Fall aber sollten AfDler*innen zu Gesprächen oder auf Podien eingeladen werden. Dazu ist die AfD inzwischen viel zu verwoben mit der Neuen Rechten. Gerade das letzte Wochenende hat die Stärke des Höcke-Flügels in der AfD gezeigt. Der Höcke-Gegner Petr Bystron wurde in Bayern abgestraft, Frauke Petry musste in Sachsen gleich mehrere Niederlagen gegen den Höcke-Flügel einstecken, in Sachsen-Anhalt wurde dem Landesvorstand unter dem Höcke-Kumpel André Poggenburg freie Hand für Sanktionen gegen interne Kritiker*innen gegeben. Der sogenannte „gemäßigte Flügel“ unter Frauke Petry ist in den letzten Monaten unentwegt nach rechts gerückt. In Koblenz, beim gemeinsamen Treffen mit FPÖ, Front National, Lega Nord, PVV, Vlaamse Belang, benutzte Petry einschlägige Begriffe aus dem Vokabular der NPD bzw. der Neuen Rechten.

Ich möchte an dieser Stelle nicht zum x-ten Mal ausführen, dass alle Indizien dafür sprechen, dass Björn Höcke unter dem Pseudonym Landolf Landig 2011 und 2012 neonazistische Texte verfasst hat. Dies lässt sich auf dieser Homepage ausführlich nachlesen. Sondern ich möchte auf einen aktuellen Beitrag der Neuen Rechten verweisen, der deutlich macht, wie naiv und lächerlich es ist, mit den Funktionären der Neuen Rechten einen „offenen Diskurs“ führen zu wollen. Das Institut für Staatspolitik hat das Buch „Der Weg der Männer“ von Jack Donovan übersetzt und im hauseigenen Antaios-Verlag herausgegeben. Aktuell wird sein neues Buch „Becoming a Barbarian“ übersetzt und soll auch im Antaios-Verlag herausgegeben werden. Vor kurzem hielt Donovan eine Rede im Institut für Staatspolitik. Auf seinem T-Shirt prangte ein Totenkopf und der Spruch „Golden Violence“. Donovan führte dann aus, dass Gewalt „golden“ sei, dass wir eine Kultur der Gewalt, eine Kultur der Stärke bräuchten. Diese männliche Gewaltkultur müsste in Stämmen kultiviert werden. Er sprach den anwesenden Burschenschaftlern, die eine Narbe im Gesicht hatten, seine Bewunderung aus. Die Gewalt der Vorfahren müsse geehrt werden. Nach Innen müsse die Kultur der Gewalt entwickelt werden, nach Außen aber solle nicht die Wahrheit gesagt werden. Kein Fremder habe das Recht auf Wahrheit, es wäre okay, Fremde zu belügen. Irgendwann werde dann die Kultur der Gewalt, die männliche Kultur der Stärke über die derzeit vorherrschende Kultur der Schwäche siegen.

Diese durchgeknallte Position von Jack Donovan wird vom Institut für Staatspolitik massiv verbreitet. Das Video mit der Rede wurde bei Youtube hochgeladen. Und das Institut für Staatspolitik ist als Zentralinstitut der Neuen Rechten inzwischen verwoben mit der AfD. Nicht nur in Sachsen-Anhalt oder den anderen östlichen Bundesländern. Andreas Lichert beispielsweise ist Vorsitzender des Vereins „Institut für Staatspolitik e.V.“ und zugleich Vorstandsmitglied der AfD Hessen.

Ich darf an dieser Stelle auch Alexander Gaulands Bewunderung für das Blut-und-Eisen-Zitat Bismarcks erwähnen: „nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden […] sondern durch Eisen und Blut.“ Mit diesem Zitat gegen die Demokratie und für die Gewalt endete sein Artikel gegen den Pazifismus der Deutschen – kurz darauf gründete Gauland die AfD.

Allen, die noch immer sagen, wir müssen mit der AfD reden, wir müssen mit ihnen auf Podien diskutieren, um sie „argumentativ zu stellen“, empfehle ich dringend das Video von Jack Donovan. Solange die AfD die Neue Rechte nicht komplett aus den eigenen Reihen entfernt, ist die AfD kein Gesprächspartner. Und hier stellt sich die Frage, ob nicht inzwischen auch Frauke Petry und Marcus Pretzell nicht längst zur Neuen Rechten gehören und lediglich strategisch einen anderen Weg wählen. Das heißt, nach dem kompletten Rauswurf des Höcke-Flügels als notwendige Voraussetzung für einen Dialog mit der AfD stellt sich die Frage, ob dieser Rauswurf als Voraussetzung für einen Dialog mit der AfD hinreichend ist. Aber diese Frage könnte später entschieden werden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist klar: Wer im Namen der Demokratie den offenen Dialog über Podien mit AfD-Funktionär*innen fordert, macht sich in den Augen der neurechten Donovan-Fans lächerlich und unterstützt antidemokratische Kräfte, die Dialog für Schwäche und Gewalt für Stärke halten.

Hier ein Artikel zu Jack Donovan (leider nur auf Englisch): A Chorus of Violence: Jack Donovan and the Organizing Power of Male Supremacy

9 Kommentare

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  1. Peter Friedrich

    Ich tue mir das Video von Grausamkeits-Jack aus gesundheitlichen Gründen nicht an…

    • Andreas Kemper

      Ich habe einen englischsprachigen Artikel angehängt, der über Donovan informiert.

      • Peter Friedrich

        Danke!

  2. Werner

    Völliger Blödsinn. Man kann gesellschaftliche Strömungen nicht einfach ignorieren. Die AFD ist nur Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Bewegung hin nach rechts. Die gesamte Entwicklung in Europa beweist das. Durch Ausgrenzen stärkt man nur die AFD. Derzeitige Versuche, die AFD „fertig“ zu machen, haben bestenfalls Auswirkungen auf die nächste Bundestagswahl. die Probleme bleiben aber und damit auch die AFD. ein Krebsgeschwür wird nicht dadurch harmloser, dass man es zudeckt.

    • Andreas Kemper

      Natürlich darf man die AfD nicht ignorieren. Man muss sie genau beobachten, analysieren und bekämpfen. Das heißt aber nicht, dass man sie zu Podiumsgesprächen etc. einlädt. „Krebsgeschwür“ ist ein sehr unpassender Ausdruck und kommt eher aus dem Vokabular der AfD.

  3. Wolfgang Brosche

    Ganz herzlichen Dank für den Hinweis auf Donovan…schon vor einigen Jahren, als der Rechtsruck noch in seinen Anfängen war, schienen mir Machotum und Tribalismus als dessen tiefste Urgründe. Das dazu auch eine höchst gewaltbereite Sexualisierung gehört, mochte damals kaum einer wahrnehmen. Die Ursachen einzig sozialökonomisch zu sehen ist eingeengt und zeigt auch nur, wie durchkapitalisiert das politische Denken ist.
    Ich bin dankbar, daß Du auch immer wieder auf den Maskulismus(z.B. von Höcke) hinweist….
    Figuren wie Donovan erinnern mich an Charaktere in den Werken deSades,an das barbarisch-kaniblistische Fressen und Ficken (salve veniam) der vier Wüstlinge in den „120 Tagen von Sodom“ – die kenien anderen Grund zu den Grausamkeiten haben als den „es zu können“.
    Natürlich ist eine große Antriebskraft eine archaische Gier des Einverleibens und des Zerstörens-das sind Motive auch der Faschisten des 20. Jahrhunderts, die leider nie genügend erforscht und berücksichtigt wurden.
    Die erotische Motivation Donovans, David Bergers oder Milo Yiannopoulos wird leider ignoriert. Aber selbst bei Frauen wie Marine LePen, Petry und sogar von Storch findet sie sich; es sind gleichwohl männliche Gelüste..Höckes Schwadronieren von der „verlorenen Männlichkeit“ ist vor allem eine Impotenz-Phantasie…und diese Impotenz braucht Ersatzbefriedigung durch Zerstörung…
    DeSade beschreibt einmal einen Adligen, der immer wieder große Gesellschaften einlädt und während des Festes mit einer besonderen Apparatur den Boden unter den Gästen wegzieht, so daß sie in ihr Verderben stürzen; derMann kann sich nur noch auf diese Weise sexuelle Befriedigng verschaffen…
    Dieser Thanathos-Aspekt der neofaschistischen Strömungen wird zu wenig beachtet…weshalb rennen diesen Spukgestalten eben nicht nur sozial Depravierte hinterher? Weil sie die Möglichkeit bieten, sich schadlos an anderen: Flüchtlingen, sexuellen Minderheiten, Frauen etc. zu halten – und zwar nachdem die „political correctness“ abgeschafft wurde, ungestraft und ohne schlechtes Gewissen…das müßte näher ausgeführt werden…hie
    r ist nicht der Platz dafür…aber noch mal Danke für die Hinweise!

    • W-Day

      Thanatos, Einverleibung, gigantische Zerstörung: Klaus Theweleit hat das erforscht und erklärt nicht nur in „Männerphantasien“, sondern auch in den Werken danach: Er entblösste den Faschismus als die Liebe zum Tod und Verwesung, den Versuch des etwas-Fühlens durch Folter und Mord, usw. Sein Buch „Das Lachen der Täter“ ist ebenfalls empfehlenswert.

      • Wolfgang Brosche

        Genau! Leider ist das Theweleit-Buch nicht so wahrgenommen worden, wie es das verdient hätte… Der beständige und sich erschöpfende Versuch, die neuen/alten nationalistisch-faschistischen Tendenzen nur über soziale-ökonomische Schieflagen zu erklären, greift zu kurz. Er sind elementarere Antriebe am Werk. Obwohl sie dringend nötig ist, wird eine neue Sozialpolitik oder ein Überdenken der kapitalistischen Ideologie nur unter sozio-ökonomischen Aspekten ohne eine Untersuchung dieser Antriebe und ihrer Ursachen, nichts ausrichten… Vor allem ist Homo Homini Lupus keine Erklärung…natürlich erzeugen Kapitalismus, Konsumismus und Leistungsgesellschaft diese Dispositionen und idealisieren sie auch noch (Frau Weidel ist ein fleischgewordenes Beispiel dafür). Aber einzig Korrekturen am Sozialsystem o.ä. werden nichts fruchten. Tatsächlich können die nötigen „Veränderungen“ nur in der gerade von den Rechten glorifizierten Familie als Nukleus der sozialen, emotionalen und sexuellen Prägung beginnen. Um ihr Weltbild der Unmenschlichkeit und der Beherrschung durch Brutalität und Sadismus zu erhalten, kämpfen inzwischen wieder viele rechte Organisationen um „die Familie“!
        Es wird Zeit die Arbeiten von Alice Miller, Erwin Ringel oder Lloyd deMausse neu zu lesen und neu zu bewerten in ihrer Dringlichkeit…

  4. Kris

    Zur „Kultur der Schwäche“, die es zu überwinden gilt, fiel mir gleich das Wahlplakat der AfD ein, das hier in NRW überall zu sehen ist: „Die Antwort auf kraftlose Politik? Marcus Pretzell“ https://goo.gl/images/7yQ41B

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