Erpresst die NPD die AfD?

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Das Gutachten des Parteiausschlussverfahrens gegen den Landesfraktionschef der AfD in Thüringen, Björn Höcke, basiert vor allem auf eine vermutete Identität mit dem Neonazi-Autoren „Landolf Ladig“, der 2011/2012 Artikel in den Magazinen des Thüringer NPD-Chefs Thorsten Heise verfasste. Am heutigen Tag wird nun von zwei Seiten behauptet, Höcke sei nicht Ladig. Es werden gleich zwei unterschiedliche vermeintliche Personen präsentiert, die behaupten, der „wahre Ladig“ zu sein. Doppeltgemoppelt hält besser? Wohl kaum. Hier scheint ein Konflikt vor zu liegen. Eine plausible Erklärung in diesem Verwirrspiel kann gefunden werden, wenn wir uns vor Augen halten, was es heißt, wenn Höcke „Ladig“ sein sollte, was das Gutachten des Parteivorstandes für zweifelsfrei erwiesen hält: Björn Höcke und damit die AfD wären durch den NPDler und Neonazi Thorsten Heise erpressbar. Denn dieser könnte dann die ganze Geschichte platzen lassen. Dies würde erklären, warum gleich zwei Ladigs präsentiert werden, es wird an einer Alternativgeschichte zu der von Heise gebastelt.

Doch der Reihe nach…

Die 1.Mai-Demo 2018 in Erfurt

2017 wurde die größte 1.Mai-Demo der rechten Szene nicht von der NPD, vom Dritten Weg oder DIE RECHTE durchgeführt, sondern von der AfD. Sie fand in Erfurt statt, Björn Höcke hatte hier schon vorher mehrfach Demos für die AfD organisert. Bislang wurden 1.Mai-Demos in der rechten Szene immer von Gruppierungen wie der NPD, DIE RECHTE, Dritter Weg usw. veranstaltet. Das heißt, die AfD nimmt der NPD nicht nur die Wählerstimmen weg, sondern klaut ihnen jetzt auch noch die Straße. Ein Desaster.

Verschiedene NPDler wie Pastörs oder Franz sehen in der AfD daher ein großes Problem. Nicht so der neue stellvertretende NPD-Vorsitzende Thorsten Heise. Es läuft alles bestens, behauptet er gelassen. Denn Heise sieht die AfD als „Vorfeldorganisation der NPD“. Heise sucht vielmehr die Nähe zur AfD, zumindest zum Höcke-Flügel der AfD. So kündigte er an, dass 2018 genau in der Stadt, in der Höcke 2017 seine erfolgreiche 1.Mai-Demo durchführte, die NPD zusammen mit der Partei DIE RECHTE aus Dortmund und mit „freien Kameradschaften“ eine 1.Mai-Demo stattfinden wird.

Es ist unklar, wie sich die AfD unter Höcke 2018 verhalten wird. Wird sie stur ihre Demo wie 2017 in Erfurt durchführen und so tun als gäbe es parallel keine NPD, die mit weitgehend identischen Inhalten eine Demo durchführt? Wird sie in einer Weise kooperieren, wie wir das jetzt in Dresden sehen: Pegida macht eine Demo, AfD direkt anschließend eine Kundgebung vor den Demonstrierenden, die nach der Demo einfach geblieben sind? Oder wird Höcke die 1.Mai-AfD-Demo in der Thüringer Hauptstadt der NPD überlassen?

Höckes Zwickmühle und Heises Joker

Ich gehe davon aus, dass die AfD, also der Bundesvorstand und weite Teile der Basis, sich im Mai 2018 (noch) nicht mit der Naziszene um Thorsten Heise öffentlich verbrüdern möchte. Sie wäre andernfalls nicht nur in der öffentlichen Meinung unten durch, sondern müsste mit einem Parteiverbotsverfahren rechnen, weil sie anders als die als „irrelevant“ eingeschätzte NPD 2018 in fast allen Parlamenten mit Fraktionsstärke sitzen wird. Die Bundes-AfD wird also eher darauf hinwirken, dass sich die AfD Thüringen nicht mit der NPD verbrüdert oder auch nur in der Nähe der Neonazis demonstriert.

Heise hat allerdings einen Joker: er kann als Herausgeber der Texte des Neonazis Landolf Ladig in „Volk in Bewegung“ und „Eichsfeldstimme“ aufklären, was Höcke mit Ladig zu tun hat. Dass es zwischen Höcke und Ladig eine enge Verbindung gibt, ist sicher. Im Gutachten des Parteiausschlussverfahrens gegen Höcke wird davon ausgegangen, dass Zweifel an der Identität von Höcke mit Ladig ausgeschlossen seien. Ich sehe es ähnlich: Die zahlreichen Indizien können plausibel nur dadurch erklärt werden, dass Höcke und Ladig identisch sind. Es könnte sein, dass einige Indizien ganz einfach nur komische Zufälle sind. Es ist aber ausgeschlossen, dass alle Indizien einfach nur Zufälle sind. Das heißt, selbst wenn Höcke nicht Ladig sein sollte, bliebe eine extreme Nähe zwischen Höcke und Ladig in Form einer gemeinsamen Textarbeit/Ideologieproduktion bestehen. Ob Höcke Ladig ist oder ob er „nur“ mit dem Neonazi Ladig Texte/Textgrundlagen über Jahre gemeinsam erarbeitet hat, dies könnte Heise klären. In beiden Fällen würde es Höcke sofort die Parteimitgliedschaft kosten und er würde zudem als Lehrer entlassen werden.

Thorsten Heise präsentiert den „wahren Ladig“: den Reichsbürger Rigolf Hennig

Bislang hatte Heise immer abgestritten, dass Höcke der Nazi Ladig sei. 2016 erschien in „Volk in Bewegung“ sogar ein vierter Text eines „Landolf Ladig“. Der passt allerdings stilistisch nicht zu den vorangegangenen drei Texten, die 2011/2012 erschienen. Vielmehr scheint es sich um eine Finte zu handeln. Denn eines der vielen Indizien für die Identität von Höcke mit Ladig bestand darin, dass just in dem Moment, in dem Höcke anfing, öffentlich Politik zu machen, also mit dem Eintritt in die AfD 2013, von Landolf Ladig nichts mehr zu hören war. Mit dem Publizieren dieses vierten Ladig-Artikels würde dann – vorausgesetzt Höcke ist Ladig – eine Übernahme dieses Avatars passieren und Heise hätte Höcke noch mehr in der Hand.

Für den heutigen Tag hatte Thorsten Heise versprochen, den „wahren Landolf Ladig“ in einem Livestream auf der NPD Thüringen Facebookseite vorzustellen. Er wollte noch keine genauen Angaben machen, nur so viel sei sicher: Höcke sei dies nicht. Das heißt, Heise, der bislang zur Causa Ladig immer nur wortkarg behauptete, Höcke sei nicht Ladig, geht nun in die Offensive. Sollte Höcke Ladig sein, wovon nach der Indizienlage ausgegangen werden muss, wäre das für Höcke nicht unbedingt erfreulich, weil Höcke dadurch in eine immer größere Abhängigkeit zu Heise gerät. Dies ist nicht nur hinsichtlich einer möglichen Erpressung für Höcke problematisch, sondern auch dadurch, dass Heise sich verplappern könnte und immer mehr verstrickt und dadurch unfreiwillig die Identität von Höcke und Ladig offenbart (immer vorausgesetzt, sie sind identisch). Tatsächlich hat Heise sich im ersten NPD-Livestream, in dem er sich zu Ladig äußerte, bereits verplappert. In einer geradezu klassischen Freudschen Fehlleistung brachte er Höcke und Ladig durcheinander.

Als der „wahre Ladig“ wurde von Thorsten Heise der „Reichsbürger“ und NPDler Rigolf Hennig präsentiert. Rigolf Hennig klingt vom Namen etwas wie Landolf Ladig, schreibt in der Volk in Bewegung und ist rechtsextrem. Das wären dann aber auch schon die Überschneidungen mit den Texten von Landolf Ladig. Ladig schreibt über Postwachstumsökonomie, Peak Oil, über Themen, die bei Hennig nicht vorkommen, entsprechend schreibt Ladig nicht reichsbürgerlich. Es werden auch keinerlei Indizien aufgeklärt. Warum basiert der erste Ladig-Text auf einen Leserbrief von Höcke? Warum handelt der dritte Ladig-Text ausgerechnet vom 300-Seelen-Dorf von Höcke? Warum finden sich nach den Ladig-Texten Übernahmen aus den Texten von Ladig bei Höcke und nicht beim ViB-Autoren Hennig? Es müsste doch umgekehrt sein. Die Geschichte ist extrem fadenscheinig. Hennig ist über achtzig Jahre alt, wurde im April 2017 zu einer mehrmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. „Jawohl, Deutschland ruft, ich bin jetzt gefragt“ so kennzeichnet Thorsten Heise seinen Kameraden Rigolf Henning. Diesmal scheint Deutschland in Erscheinung von Heise gerufen zu haben und Hennig steht zur Verfügung.

Die F.A.Z. präsentiert den „wahren Ladig“: Herr H.

Genau am Tag der abendlichen vermeintlichen Offenbarung des „wahren Landolf Ladig“ durch Heise, erschien morgens ein Artikel in der F.A.Z.. Justus Bender präsentierte ebenfalls den „wahren Landolf Ladig“ und auch dieser sei nicht Höcke. Allerdings sei dies auch ein anderer als der, der abends von Heise präsentiert werde. Bender wurde untersagt, den richtigen Namen vom „wahren Landolf Ladig“ zu nennen. Er kürzte ihn mit Herrn H. ab. Der F.A.Z. sei der wahre Name von Herrn H. bekannt, dieser habe aber mit einem Gerichtsprozess gedroht, sollte die F.A.Z. den Namen preisgeben.

Herr H. erzählt folgende Story:

2008 habe sich ein Trio zusammengefunden: der Vater von Herrn H., ein Freund und Herr H. selber. Die anderen beiden seien vor wenigen Jahren verstorben. Der Freund von Herrn H. sei als Kriegsgefangener nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Auschwitz inhaftiert gewesen und habe dort Dinge erfahren, die nicht zum herrschenden Geschichtsbild passen würden. Die drei hätten seither gemeinsam Artikel geschrieben und diese unter wechselnden Pseudonymen Zeitungen angeboten. 2011 hätten sie sich das Pseudonym „Landolf Ladig“ angeeignet, weil ein Mieter von Herr H., ein Vietnamse, einen anderen Mieter mit dem Namen „Randolf Radig“ immer mit „Landolf Ladig“ angesprochen habe. Er könne beweisen, dass er Ladig sei, weil er einen entsprechenden Kontoauszug habe. Eine Kopie habe er dem Bundesschiedsgericht geschickt. Der FAZ könne er den Kontoauszug nicht zuschicken, weil er diesen Monat dafür „keine Zeit“ (?!) habe. Das Bundesschiedsgericht hat sich zum Kontoauszug nicht geäußert.

Die Geschichte stinkt. Wichtige Indizien, die die Identität zwischen Höcke und Ladig aufzeigen, werden nicht widerlegt, noch nicht einmal angesprochen. Herr H. will Höcke von gelegentlichen Treffen kennen, sei aber kein Fan von Höcke. „Seine Abwertung von Höcke aber geht immerhin so weit, dass er Folgendes sagt: Als ‚Ladig‘ habe er sich durch den Vergleich mit Höcke schon in seiner ‚Ehre gekränkt gefühlt‘.“ schreibt Justus Bender in der F.A.Z. Wenn sich „Ladig“ durch den Vergleich mit Höcke „in seiner ‚Ehre gekränkt gefühlt'“ habe, weshalb basiert dann der erste Ladig-Artikel auf einen Leserbrief von Höcke, der fast komplett plagiiert wurde, und weshalb wird dann im dritten Ladig-Artikel das Wohnhaus von Höcke beschrieben?

Ist Heiner Hofsommer Herr H.?

Ich gehe davon aus, dass an dieser Geschichte etwas Wahres dran ist. Und ich vermute, dass sich hinter „Herr H.“ Heiner Hofsommer verbirgt.

Heiner Hofsommer war, wie Björn Höcke, Lehrer. Er hatte seinen Job an den Nagel gehängt, nachdem sich Eltern und Schüler*innen über rassistische Äußerungen im Unterreicht beklagt hatten. Hofsommer war ursprünglich CDU-Landtagsabgeordneter und danach in kleineren rechten Parteien unterwegs. Heute ist er AfD-Mitglied, ein väterlicher Freund Höckes und er trat auch schon zusammen mit Höcke öffentlich auf, z.B. letztes Jahr in Büdingen.

In der AfD machte schon länger das Gerücht die Runde, dass Hofsommer „Ladig“ sei. 2008 kannten sich Heiner Hofsommer und Björn Höcke bereits. Sie haben sich tatsächlich über Geschichte ausgetauscht. Höcke hat 2009 sogar eine Rezension zu einem Geschichtsbuch von Hofsommer geschrieben. Der dritte im Bunde könnte Höckes Vater gewesen sein. Zumindest ist bekannt, dass sich Höcke und Hofsommer so gut kannten, dass auch Familienmitglieder sich kennengelernt haben. Höckes Vater ist tatsächlich vor ein paar Jahren gestorben – allerdings vor Erscheinen der drei Ladig-Texte. Die dritte Person tut hier auch nicht viel zur Sache.

Sollte Hofsommer der Herr H. sein und sollte seine Geschichte soweit stimmen, dass ein Trio die Artikel verfasst hat, dann ist so gut wie sicher, dass Höcke zu diesem Trio gehört. Dann wäre Höcke Landolf Ladig, genau wie Heiner Hofsommer und die dritte Person in diesem Trio. Ich bin vor ein Monaten bereits auf die Frage eingegangen, ob Hofsommer „Ladig“ sein kann. Tatsächlich weisen einige Inhalte der Ladig-Texte auf Hofsommer hin. Ich bin zum Schluss gelangt, dass Hofsommer nicht Ladig ist, weil ihm bestimmte Fehler, die sich in identischer Weise bei Ladig und Höcke finden, nicht nachzuweisen sind. Außerdem hat Hofsommer keinen Kontakt zum Herausgeber der Ladig-Texte, Thorsten Heise, sondern diesen Kontakt hat Björn Höcke. Höcke ist ein Bekannter von Heise, bezeichnet ihn als Nachbarn, tatsächlich wohnen sie in Nachbardörfern und haben Kinder in gemeinsamen Kitas und Schulen. Auf dem Land kennt man sich. Hofsommer hingegen wohnt in Hessen, bewegte sich durchaus in rechtsnationalen Kreisen, aber einen Kontakt mit Heise halte ich da eher für unwahrscheinlich und wenn, dann erfolgte er über Höcke.

Es wäre durchaus möglich, dass Hofsommer an den Ladig-Texten beteiligt gewesen ist. Und es kann sein, dass Hofsommer sein Konto für die Texthonorare zur Verfügung gestellt hat. Es macht sich nicht gut, wenn ein verbeamteter Geschichtslehrer wie Björn Höcke Honorare von einem Nazi-Verlag erhält und auf die hundert Euro kann ein Oberstudienrat auch gerne mal verzichten.

Aber es macht die Sache für Höcke nicht besser, wenn auch sein Freund Hofsommer an den Ladig-Texten mitgearbeitet haben sollte.

Soll der FAZ-Ladig Höcke von Heise emanzipieren?

Dass sich ausgerechnet vor der vermeintlichen Enthüllung des „wahren Landolf Ladig“ durch den NPDler Thorsten Heise nun dieser „Herr H.“ (Heiner Hofsommer?) zu Wort meldet, kann meiner Meinung nach nur damit zu tun haben, dass Höcke sich aus der von mir vermuteten Abhängigkeit von Thorsten Heise mit dieser überraschenden Aktion befreien möchte. Mit dem FAZ-Artikel wäre der vierte „Ladig“-Text als Konstruktion entlarvt. Und es stellt sich die Frage, warum Heise, der bislang aktiv für Höcke eingesprungen ist, jetzt einen falschen „Ladig“ präsentieren möchte und damit Höcke belastet. Tatäschlich hat Heise, als er in der Vergangenheit auf Ladig/Höcke angesprochen wurde, immer aktiv bestritten, dass Höcke Ladig sei. Er hätte auch sagen können, dass er es nicht weiß, oder dass er sich zu unter Pseudonym schreibenden Autoren nicht äußern werde. Das wäre die normale Reaktion nicht nur in diesen Kreisen gewesen. Stattdessen gab er aktive Rückendeckung für Höcke. Er schloss aus, dass Höcke Ladig sei, mit dem Effekt, dass Medien die Ladig-Sache für abgeschlossen erklärten. Es ist also nicht davon auszugehen, dass Heise Höcke beschädigen will. Meine Erklärung: Hätte er Höcke verraten, wäre er für ihn wertlos geworden.

Jetzt aber scheinen Höcke und Hofsommer – wenn ich mit meinen Vermutungen richtig liege – in die Konfrontation gegangen zu sein. Und Heise muss dann damit rechnen, dass er die Kontrolle über die Ladig-Sache und damit, wenn Höcke und Ladig identisch sind, auch über Höcke verliert. In der Präsentation von Rigolf Hennig als „Landolf Ladig“ ist er auf den F.A.Z.-Artikel, in dem ein anderer „Ladig“ präsentiert wurde, nicht eingegangen. Die Geschichte von Herrn H. scheint glaubwürdiger, zumindest in Teilen, denn Herr H. ist – wenn es sich um Heiner Hofsommer handeln sollte – inhaltlich und thematisch näher an „Ladig“ als Rigolf Hennig.

Die gute Nachbarschaft zwischen Höcke und Heise dürfte am heutigen Tag beendet sein.

 

 

13 Kommentare

Comments RSS
  1. nobbie

    Hat dies auf AfD Watch rebloggt.

  2. Denis Deppe

    Damit ich das richtig verstehe: Eine Textinterpretation, eine recht eigenwillige und ideologisch motiverte noch dazu, soll jetzt recherchierte Fakten beweiskräftig aufwiegen?

    Desperate much? 🙂

    • Andreas Kemper

      Ich weiß nicht, ob Sie das richtig verstehen, Herr Deppe, weil ich Ihre Frage nicht verstehe. Was meinen sie mit „eigenwillige Textinterpretation“ und was mit „recherchierten Fakten“?

      • denisdeppe

        Ach, Sie verstehen das schon ganz gut.

      • Andreas Kemper

        Nein.

      • Andreas Kemper

        Hab einen weiteren Kommentar von ihnen gelöscht. Versuchen Sie es mal ohne Klassismus.

      • denisdeppe

        Danke, aber nein danke. Keinerlei Interesse mich Ihren gesellschaftspolitischen Verwirrtheiten zu unterwerfen.

    • Denker

      Kemper arbeitet hier nicht anders als die Spezialisten der Polizei. Es sind eben nicht ein paar Kleinigkeiten, die zwischen Ladig und Höcke übereinstimmen. Ganze Absätze finden sich wortgleich bei Höcke und Ladig. Aber es ist im Grunde die gesamte Ideologie, die da identisch ist. Nur den bei Ladig vorkommenden offen positiven Bezug auf den Nationalsozialismus hat sich Höcke bisher öffentlich weitgehend verkniffen. Obwohl Höcke mehrfach nur kurz davor Halt gemacht hat, als er behauptete, die Deutschen hätten durch die Befreiung vom Nazi-Regime eine psychische Störung erlitten („neurotische Phase“ ab 1945) und seien „unsere Wurzeln gerodet“ worden. Bedeutet nach den Gesetzen der Logik, dass in Höckes Weltsicht die unter Führung Hitlers massenmordenden und judenvergasenden Deutschen noch psychisch gesund waren und die Naziideologie eines extremen völkischen Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus zu den deutschen Wurzeln gehört, deren Verlust zu bedauern wäre.

      Die Beweislast ist jedenfalls erdrückend, dass Höcke in die Ladig’sche Textproduktion zumindest stark verstrickt ist. Die von Kemper akribisch zusammengetragenen Beweise hätten vor jedem deutschen Gericht bestand. Das ist auch der Grund, warum Höcke nicht gegen Kemper klagt. In anderen Fällen, in denen weit weniger Schwerwiegendes über Höcke behauptet wurde als ein knallharter Neonazi zu sein, ist Höcke ja nicht als Prozessmuffel in Erscheinung getreten (z.B. in der Auseinandersetzung mit Ex-AfD-MdL Helmerich).

      Ich befürchte übrigens, dass nicht nur Neonazi-Verbrecher Heise ein Spiel treibt. Wo Leute wie Heise sind, ist ja auch der tendenziell nazifreundliche „Verfassungsschutz“ nicht weit. Denn die Geheimdienstler sollten ja wissen, wer mit einer der Zentralfiguren des deutschen Neonazismus so zusammenarbeitet. Oder sie wissen es nicht, dann wäre das kriminell inkompetent. So oder so bahnt sich sich damit auch der nächste riesige „Verfassungsschutz“-Skandal an.

  3. Frank

    Du analysierst das Verhalten der Akteure unter der Prämisse, Höcke wäre Ladig, und kommst damit zu plausiblen Folgerungen. Drehen wir es doch einmal um und sehen uns an, wie plausibel sich das Geschehen erklären ließe, sollte Höcke nicht Ladig sein.
    Fall 1, Rigolf Hennig wäre der wirkliche Ladig. Dann wäre die allererste Frage, wieso Hennig/Heise/NPD das nicht längst klargestellt haben, denn bei den Ladig-Texten handelte es sich um ihre eigenen ideologischen Verwüstungen. Die zweite Frage, die sich unittelbar aufdrängt, ist, warum der Herr H. dem leichtgläugigen FAZ-Journalisten dann seine Story auftischt. Intellektuelle Eitelkeit scheidet in diesem Fall aus, weil er seinen Identität nicht preisgibt. Eventuell ein lächerlicher Versuch, Höcke zu schützen, weil Herr H. annimmt (oder weiß?), Höcke sei Ladig? Aber, dass Heise „seinen“ Ladig präsentieren wollte, war lang genug bekannt, um die Geschichte noch zurückzuziehen.
    Fall 2, Herr H. wäre der wahre Ladig. In diesem Fall würde die Halbherzigkeit seines Coming Outs verwundern. Dass er seinen Namen nicht preisgeben will, lässt sich noch mit persönlichen Nachteilen, die er vermeiden wollte, erklären. Aber einen Journalisten „anzufüttern“ und dann die angeblich vorhandenen Beweise nicht vorzulegen, ist mindestns merkwürdig (denn normaler Weise wäre so ein Bericht gar nicht erschienen, weil er einzig auf der Aussage eines einzigen Zeugen beruht). Und warum präsentiert dann Heise seinen Ladig, wo er doch spätestens am Morgen von der Bekanntgabe des in dieser Version echten Ladig erfahren hätte?
    Erpressungspotential Heises gegenüber Höcke wäre in beiden Fällen nicht gegeben – also hätte Heise längst mit großem Gelärme den wahren Ladig bekannt geben können. Oder er hätte weiter den Ehrenmann spielen können, der niemals das Pseudonym seiner Autoren auflösen würde.
    Beide Versionen erscheinen mir wenig einleuchtend.

  4. Robert Meier

    Ich wundere mich schon seit Jahren, warum Herr Höcke nicht einfach ehrenwörtlich versichert, dass er nicht Landolf Ladig ist. Das wäre doch wohl ganz einfach.

    • Andreas Kemper

      Oder warum er mich nicht anzeigt. Er ist sonst nicht so zimperlich.

  5. Rosco Rosien

    Off topic: Die CDU in Sachsen-Anhalt nimmt einen abtrünnigen AfD-Abgeordneten auf. Macht den Rechtsruck der Union noch etwas deutlicher.

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