Emanzipatorisch wertevoll aufwachsen

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Für den Oktober 2018 hat die Elterninitative Nordrhein-Westfalen die Tagung „Wertevoll aufwachsen“ geplant. Es handelt sich um ein Vernetzungstreffen christlich-fundamentalistischer Sexualpädagogik, also um einen Gegenentwurf zur emanzipatorischen Sexualpädagogik. Die Elterninitative NRW war bereits 1978 am Volksbegehren gegen die Koop-Gesamtschulen beteiligt. Dieses Volksbegehren stellte eine Zäsur in der Bildungspolitik dar, die Sozialdemokratie erlitt mit ihrem pädagogischen Ansatz für die Bildungsemanzipation von Arbeiterkindern eine ^Niederlage, die man als „demütigend“ bezeichnen kann. Seit 78 gibt es von der SPD keine mutige Bildungspolitik für Arbeiterkinder mehr. Die SPD hat Angst und sie wird entweder ihre Angst vor Recklinghäusern wie die Elterninitiave NRW oder Thilo Sarrazin überwinden oder sie wird an ihr letztlich zugrunde gehen.

Das Agitationsfeld von anti-emanzipatorischen Akteur*innen wie Michaela Freifrau von Heereman (Beiratsmitglied Elterninitative NRW) oder Josef Kraus, von 1987 bis 2017 Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, hat sich anscheinend verschoben. Vorrangiges Thema ist derzeit nicht die Erhaltung des sozial selektiven Bildungsystems, sondern die Abwehr einer emanzipatorischen Pädagogik der Vielfalt.

Die derzeitige Vorsitzende der Elterninitiative NRW, Andrea Heck, ist zugleich zweite Vorsitzende des Vereins „Wertevoll wachsen“. „Wertevoll wachsen“ gibt eine Buchreihe des katholischen Programms „Alive to the World“ heraus, mit dem Kindern Demut und Dienen beigebracht werden soll, Transzendenz statt „Gleichmacherei“, eine Vorbereitung für die Ehe statt „Genderideologie“. Vor solchen Ansätzen muss man keine Angst haben. Sie sind rückschrittlich und finden in Deutschland schon lange keine Mehrheiten mehr.

Die soziale Selektion der Schulstruktur wird vor allem von Organisationen verteidigt, die gleichzeitig eine christlich-fundamentalistische Pädagogik fordern oder in einer anderen Variante eine völkische Pädagogik (völkischer Flügel der AfD). Sollten sich Arbeiterkinder politisch für eine emanzipatorische Schulpolitik und -struktur engagieren, hätten sie sehr viel weniger Gegenwind als noch 1978.

 

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