Arne Hoffmanns Geister

· Allgemein, Artikel (Gender)

Arne Hoffmann, der (einstige) Star-Autor des organisierten Antifeminismus, bloggt wieder. Im August 2011 stellte er mit einem Blogbeitrag dar, warum er nicht mehr zu bloggen gedenke. Der Grund war die rassistische und islamfeindliche Positionierung größer Teile der Männerrechtsbewegung nach dem Osloer Anschlag durch Breivik. Breivik posititionierte sich inhaltlich mit seinem Antifeminismus, seiner Anti-Political-Correctness-Sprache, seiner Feindschaft gegenüber dem Islam und den „1968ern“ bzw. dem „Kulturmarxismus“ in einer Weise, die weitgehend identisch ist mit dem Denken vieler Maskulisten. Ausschlaggebend für Hoffmanns Beschluss, vorerst nicht mehr zu bloggen,  war eine Diskussion im männerrechtsorientierten Männerforum der MANNdat-Seite, wo Michael Klein an Arne Hoffmann schrieb:

Bei all dem Richtigen, das Du schreibst, frage ich mich, warum Du nicht den letzten Schritt gehst, der unsere Debatte auf sciencefiles.org abrundet, denn wenn man aus der Tatsache, dass Breivig sich gegen den Feminismus wendet, nicht schließen kann, dass sich gegen den Feminismus zu wenden, schlecht ist, dann kann man auch aus seinem rechstpopulistischen und anti-Islamistischen Salbader nicht schließen, dass man Rechtspopulisten den Mund verbieten muss. link

Dass selbst der sich seriös und wissenschaftlich gebende Teil der Männerrechtsbewegung sich gegen Hoffmanns Kritik am Rechtspopulismus wandte, scheint für ihn der Tropfen gewesen zu sein, der das Fass zum überlaufen brachte. Allerdings scheint es da mehrere Fässer zu geben, denn merkwürdigerweise gab er keine drei Monate später, im November 2011 dem rechtspopulistischen KOPP-Verlag ein längeres Interview, wo er sich damit brüstete „in politischen Magazinen wie eigentümlich frei, der Freien Welt, Jürgen Elsässers Compact“ zu publizieren. Alle drei Magazine sind rechts positioniert: „eigentümlich frei“ ist rechtslibertär, die Freie Welt rechtskonservativ-christlich, Elsässers „Compact“ würde ich zur Querfront rechnen. Es ist mehr als verwunderlich, dass ein „linker“ Autor für diese Magazine schreibt. Nicht aufgelistet hat er die „Junge Freiheit“, für die er beispielsweise ein Porträt des Männerrechtlers Michail Savvakis, auch  bekannt als „Der Maskulist“ verfasste: „Wenige Menschen haben es geschafft, mit ihrem Den­ken eine politische Bewegung ins Leben zu rufen. Michail Savvakis gehört dazu, auch wenn „seine“ Bewegung noch ein überaus zar­tes Pflänzchen ist“. Savvakis aber gehört zu den Breivik-Verstehern: „Dieser Mann wollte sprechen, er wollte sich und seinen Ansichten auf die grauenvoll kalkulierte Weise Aufmerksamkeit verschaffen, er wollte gehört werden.“ Angeklagt werden müsse „die Methode Politische Korrektheit, die durch Okkupation der Schaltstelle Sprache das Individuum zu der Schizoidität nötigt, sich über zwei widersprüchliche Ausgaben seiner selbst zu verstehen und zu äußern“, „all jene Konstrukteure der Sprachlosigkeit, die allenthalben ihr frömmelndes Herz für universale Menschenrechte zu proklamieren pflegen“ also die „widerwärtige[n] ‚Pharisäer'“ gehören angeklagt für die Morde von Oslo, also solche Leute wie die Ermordeten. Der von Hoffmann in der Jungen Freiheit hofierte Savvakis kritisiert, dass „die Geistesfolterer der Korrektheit, Feministen und andere, keinen Fußbreit von ihren politischen und kulturellen Ansprüchen zurück zu treten gedenken“. Er hofft vor dem Hintergrund der Morde Breiviks, dass „die kommende Zeit den Klügeren dazu gereichen wird, das Fanal von Norwegen auch als das blutige Zerplatzen einer kulturpolitischen Blase zu begreifen, von Kräften aufgebläht, die weiter munter so vieler Seelen kulturelle Heimat ‚dekonstruieren'“. Das Fazit Savvakis zu den 77 von einem Faschisten ermordeten Menschen:

„Die Achtundsechziger röcheln sich nun weiter hin aus. Nach dem kulturpolitischen Un-Fall von Norwegen kann nichts bleiben wie es war. Nicht in Norwegen, nicht in Europa, nicht in der gesamten westlichen Welt. Denn allzu viele sind es, die endlich sprechen wollen – sprechen und gehört werden müssen! In einer erneuerten Demokratie mit rechts, links und Mitte. Andernfalls fände sich Norwegen in absehbarer Zeit fatal erweitert.“

Dass Savvakis so argumentiert, ist nicht verwunderlich. Inhaltlich weitgehend ähnlich mit dem Manifest Breiviks ist das zeitgleich von Savvakis veröffentlichte Papier mit dem Text „Feminismus als Ausdruck spätabendländischer Selbstentfremdung“ auf den er auch im obigen Text verwies. Dieser Text zur spätabendlichen Selbstentfremdung war sein Vortrag auf dem „Zweiten Antifeminismus-Kongress“ in der Schweiz. Arne Hoffmann distanziert sich inzwischen von den Breivik-Verstehern. Um diese Geister, die er rief, wieder loszuwerden, wäre der erste Schritt die Übernahme von Selbstverantwortung.

30 Kommentare

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  1. Peter

    Ähnlich wie bei Rassismus, Sexismus oder Heterosexismus geht es nicht allein um die „ökonomische Stellung im Produktionsprozess, sondern immer auch um Aberkennungsprozesse auf kultureller, institutioneller, politischer und individueller Ebene.“ (S. 13)

  2. Wolfgang Wenger (Odin)

    Ich fürchte, es geht weniger um die Geister die ER rief, als um die, die Sie und andere gerufen haben.
    Das Dilemma in den „Männerrechtsforen“ entstand ja gerade dadurch, dass sich vernüftige Schreiber zurückgezogen haben oder zurückziehen mußten. So entstand für uninformierte Außenstehende der Eindruck, dort würden sich rechtsradikale tummeln und die Männerrechtsbewegung wäre daher rechtsradikal.
    Bei „informierten“ Personen hätte man da etwas anderes erwarten müssen. Leider war z.B. IHRE Hetze gegen ALLE Männerrechtler Wasser auf die Mühlen der rechtsradikalen.
    Dankenswerter Weise haben Sie uns damit aber auch zum Handeln gezwungen. Leider nur zum Handeln innerhalb der Interneterscheinung. Praktisch waren wir ohnehin schon ganz schön ausgelastet – daher hatten wir auch viel weniger Zeit zum schreiben wie andere 🙂

    Vorsichtshalber fasse ich das bei Ihnen nochmal zusammen: die Männerrechtsbewegung innerhalb der Foren konnte nur deshalb rechtsradikal erscheinen, weil sich die MASSE der Männerrechtler, die NICHT rechtsradikal waren zurückgezogen haben (man beachte, dass ich zwischen rechts und rechtsradikal unterscheide. Ich weiß, dass sich diese Mühe viele bei „links“ nicht machen)

  3. Andreas Kemper

    Was sagen Sie denn zum Artikel von Arne Hoffmann in der Jungen Freiheit über Miachail Savvakis? Für mich ist die Junge Freiheit nicht „rechts“ sondern hat eine Schanierfunktion, um konservative und rechtsextreme Positionen zu vermitteln.

    Warum fühlen sich Rechtsextreme von den Männerrechtsforen angezogen?

    Warum haben sich die nicht rechtsextremen Männerrechtler aus „ihren“ Foren zurückgezogen und den Rechtsextremen das Feld überlassen?

  4. Andreas Kemper

    Ergänzend möchte ich noch hinzufügen, dass ich erst angefangen habe, mich mit dem Thema Maskulismus/ Maskulinismus zu beschäftigen, nachdem Arne Hoffmann eine Kampagne gegen mich gestartet hat und dabei auf einen verleumderischen Artikel aus der extrem rechten „Jungen Freiheit“ zurückgriff. Ich wurde aufgrund der Genderama-Einträge von Arne Hoffmann wie diesen http://genderama.blogspot.com/2009/06/wikipedia-wer-steckt-hinter-schwarze.html im wgdvl.com-Forum mit Foto und Kommentaren, die ich hier nicht wiederholen möchte, massiv angegriffen. Als ich Rainer Hamprecht anrief und ihn auf das Foto und die Kommentare aufmerksam machte und ihn bat, das zu löschen, schrie er mich an und knallte den Hörer auf. wgvdl.com hat sich inzwischen der deutschen Gerichtsbarkeit entzogen. Der Server steht in der Türkei und verantwortlich sind angeblich Büros in Ost-Asien und den Vereinigten Staaten.

    Hoffmann hat an dieser Diffamierungskampagne nicht nur mitgearbeitet, sondern er war der Urheber des ganzen. Und ich kaufe ihm nicht ab, dass er ein ernsthafter Antifaschist ist. Er hat ein strategisches Verhältnis zum Rechtsextremismus. Am 03.04.2009 schrieb Thorsten Hinz unter seinem Pseudonym „Doris Neujahr“ einen Artikel in der Jungen Freiheit unter dem Titel „Deutschland verblödet“. Noch bevor Thilo Sarrazin dem Lettre sein berüchtigtes Interview „Klasse statt Masse“ gab, noch ein Jahr bevor er „Deutschland schafft sich ab“ herausgegeben hatte, wurde Sarrazin hier bereits genau in der Weise zitiert, in der er sich später selber äußern wollte. Grundlage für diesen Artikel war natürlich nicht Sarrazins Buch, er hatte ja gerade erst angefangen, daran zu schreiben, sondern die Arbeiten des Spritus Rector Sarrazins, nämlich Volkmar Weiss. http://www.jf-archiv.de/archiv09/200915040337.htm

    Wenige Ausgaben später, am 12.06.2009 erschien dann ebenfalls von Thorsten Hinz / Doris Neujahr der verleumderische Artikel in der Jungen Freiheit http://www.jf-archiv.de/archiv09/200925061264.htm , auf den sich dann Arne Hoffmann positiv in seiner Diffamierungskampagne gegen mich berief. Hintergrund dieses Artikels war, dass ich die Manipulationsversuche von Volkmar Weiss in Wikipedia prüfen ließ, worauf diesem dann in einem umfangereichen Benutzersperrverfahren die Schreibrechte entzogen wurden.

    Erst nach dieser Zusammenarbeit von Männerrechtlern wie Arne Hoffmann und Eugenikern wie Volkmar Weiss zur Diskreditierung meiner Person, begann ich mich mit den Männerrechtlern zu befassen.

    Ich halte Arne Hoffmanns Sarrazin-Kritik für wenig glaubwürdig, wenn er sich unhinterfragt positiv auf Thorsten Hinz bezieht, der hinter Volkmar Weiss Thesen und damit natürlich auch hinter den Kernthesen Sarrazins steht.

  5. Wolfgang Wenger (Odin))

    Tut mir leid, ich kann über die Junge Freiheit wenig sagen. Wenn ich dort etwas lese, dann die Artikel von Arne Hoffmann. Der Hintergrund einer Zeitung ist mir dann egal. Ich lese auch in der Bildzeitung, wenn mich ein Artikel interessiert – und das will was heißen.
    Über Arne Hoffmann möchte ich auch nichts sagen, da ich die Hintergründe nicht kennen, die sie hier schildern. Ich würde ihnen raten, sich da an Herrn Hoffmann selbst zu wenden.
    Persönlich kann ich sagen, dass man bestimmte Tendenzen mitmacht und erst irgendwann eine Entwicklung bemerkt. Vielleicht versucht man dann, diese Entwicklung aufzuhalten. So ging es mir mit dem gelben Forum. Von außen sieht das dann so aus: „der hat ja dort auch mitgeschrieben“. Vielleicht war es bei Herrn Hoffmann bzgl. der von ihnen geschilderten Diskussionen ähnlich. Sie dürfen ihm jedenfalls glauben, dass er bzgl. Sarrazin so denkt, wie er schreibt. Er hat sich mit genügend Leuten innerhalb der Männerrechtsbewegung genau deswegen angelegt und das fiel ihm bestimmt nicht leicht.

    Vielleicht lese ich mir ihre Links am WE durch. Komme gerade erst von der Arbeit und hab dazu im Moment keine Lust.

    Zu den letzten Fragen in der ersten Antwort auf mich dürften sie inzwischen Antwort in meinem Interview gefunden haben (Genderama): ich bin nicht gegangen, ich bin gesperrt worden. Zu den Anfeindungen, die sie erlebt haben sage ich nur: „willkommen im Club“. Dass sich rechtsextreme generell von den Männerrechtsforen angezogen fühlen kann ich so nicht sagen. Es war halt eine Entwicklung. Ich habe es selbst lange Zeit für wichtig gehalten, dass sich die Leute auch mal auskotzen können (Kindesentzug usw….) und merkte zu spät, dass das falsch war und den Leuten auch nicht hilft. Die ersten wirklich rechtsextremen (ich kann mich an einen Simon erinnern) hatten keine Chancen im Forum.
    Warum diese Entwicklung zugelassen wurde? Soll das ein Witz sein? Warum schreiben SIE nicht im Forum und machen was dagegen. Einige – sogar nicht weniger – Schreiber im Forum würden eine Unterstützung begrüßen (ein Tipp: schreiben sie NICHT unter Kemper *g* ……… wenn ichs mir so überlege…. möglichst auch nicht unter „Odin“ *g*)
    Mir persönlich ist die Zeit inzwischen zu schade. Außerdem habe ich bemerkt, dass die meisten der Schlimmsten gar nicht an der Männerrechtsbewegung interessiert sind. Was tu ich als Veilchenliebhaber in einem Rosenforum???
    Mich regts nur auf, wenn dann jemand behauptet, alle Blumenliebhaber sind rechtsradikal!!!

  6. Wolfgang Wenger (Odin))

    Herr Hoffmann jedenfalls – soviel kann ich, denke ich, verraten – hat sich aus dem gelben Forum zurückgezogen, nachdem er mehrere Male vergeblich den Forenleiter aufgefordert hat, den extremsten Sprüchen im Forum Einhalt zu gebieten. Der Forenleiter war dazu wiederholt nicht bereit. Daraufhin hat er sich entschieden, eben selber nicht mehr mitzuschreiben. Ich hielt ein wenig länger durch und mußte erst rausgeworfen werden.

    • Andreas Kemper

      Hallo Wolfgang Wenger,
      ich finde das Gespräch sehr konstruktiv und teile fairerhalber mit, dass ich wahrscheinlich erst Samstag abend die Zeit haben werde, ernsthaft auf ihre Beiträge zu antworten.
      Voraussichtlich bis Samstag!

  7. Andreas Kemper

    Doch noch eine Anmerkung. Nachdem ich nun in Bern einen der berüchtigsten Maskulisten getroffen habe, Manifold vom Blog „Söhne des Perseus“, bin ich mir nicht sicher, ob diese rechtsextremen Maskulisten nicht tatsächlich nur „Papiertiger“ bzw. „Blogtiger“ sind. Er war während der ganzen Veranstaltung nicht couragiert genug, den Mund aufzukriegen oder sich gar als Maskulist erkennen zu geben.

    Natürlich sind diese rechtsextremen Maskulisten aus verschiedenen Gründen gefährlich. Aber ist ein „akadmischer Maskulismus“ nicht viel gefährlicher, wie dieser Männerkongress 2012 an der Hochschule Düsseldorf http://maennerkongress2012.de/ ?

  8. Wolfgang Wenger (Odin))

    Das freut mich, dass sie den Dialog konstruktiv finden, insbesondere, weil das gerade jene Typen ärgert, die ich sehr gerne ärgere. Sie werden es nicht glauben, aber die Dummheit, andere für Verräter zu halten, nur weil sie mit vermuteten Gegnern reden ist nicht nur in „IHREN“ Reihen weit verbreitet 🙂
    Ich hatte sogar einmal einen kurzen Dialog mit einer Isquierda in meinem Forum. Ich fand ihn gut, allerdings war mir ihre „hate-speach“ aus anderen Beiträgen wohlbekannt.

    Zu ihrem zweiten Posting: Natürlich ist ein „akademischer Maskulismus“ viel „gefährlicher“. Er zwingt eher zum nachdenken und ist nicht so leicht unter „böse“ einzuordnen. Da tut sich so mancher geborene Borderliner schon schwer. Vielleicht eignet er sich daher eher dazu, die eigenen Positionen zu überdenken – und das wollen wir doch vermeiden, oder?
    (PS: ich konnte den Flyer der Veranstaltung nur kurz überfliegen und kenne die Hintergründe nicht – aber was kann „man“ gegen so eine Veranstaltung haben? Das würde mich doch brennend interessieren)
    (PPS: ich bin zeitlich stark beansprucht, kann daher auch nicht alle Links von ihnen lesen. Ich bin ca 14 Stunden täglich aus dem Haus und arbeite auch mindestens einen Tag am Wochenende. Also muß ich mich immer kürzer fassen als ich eigentlich will und bin auch nicht mehr allzu gut informiert,w as sich gerade unter „Maskulisten und solchen, die es sein möchten“ tut.

    • Andreas Kemper

      Wolfgang Wenger, ich glaube wir sollten uns über Unfreundlichkeiten und Hate-Speach unterhalten. Eine Unfreundlichkeit wäre z.B. „geborener Borderliner“. Hate-Speach sieht anders aus, nämlich so:

      „… dem Voll-Spasti ham’se wohl die Eier rausgeschnitten, zertreten und anschließend mit Senf zu fressen gegeben! … BUAHAHAHAHA … PHUUUUUUUUUU – kann den ja mal fragen, ob ich auch zwischen die Beine treten darf, wenn ich den irgendwann sehe – weil ich das nicht glauben würde, das mit dessen Klöten … *Bauchfesthalt* – vermutlich ist der nach dem Vortrag nach Hause gekrochen, weil der keinen einzigen Rückenwirbel hat – also völlig entgrätet.“

      und so:

      „Antifeministen arbeiten intensivst daran, sozialistisches Gesocks […] von der Platte zu putzen. Und der Kemper ist einer von den Maden – hat bereits jahrelang seine, von Neid und Hass auf anderleuts Wohlstand zerfressenen Lügen mittels Wikiprawda verbreitet.
      Wer Sozen, Kommunisten (und wie sich das linke Masenmord-Gesindel noch so nennt) abservieren hilft, der rettet Leben – millionenfach.“

      Dies sind Kommentare zu meinen Beitrag an der Uni Bern. „Manifold“, der Betreiber des maskulinistischen Forums „Sons of Perseus“, war während der Veranstaltung in Bern anwesend und hatte nicht die Courage, sich zu erkennen zu geben, sich der Diskussion zu stellen. Stattdessen postete er einen sogenannten Bericht, der dann die obigen Kommentare von „Morpheus“ provozierte.

      Ich kann gerne erläutern, warum ich einen akademischen Maskulinismus problematisch finde. Zum einen war die Hochschule seit ihrer Entstehung fest in Männerhand. Die gesamte Forschung hat immer mit einem männlichen Bias stattgefunden. Heutzutage studieren in etwas gleichviele Männer und Frauen, Deutschland ist einer der wenigen (oder der einzige?) Industriestaaten, in dem immer noch weniger Frauen als Männer studieren. Je weiter „nach oben“ geschaut wird, um so weniger Frauen sind anzutreffen. Ich kenne jetzt nicht die aktuellen Zahlen, aber ich denke, dass der Anteil der Frauen an den C4-Stellen bei ca 10% liegt oder andersrum: 90% der C4-Professuren sind von Männern besetzt. Wenn wir davon ausgehen, dass es keine biologisch bedingten kognitiven Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt, dann sollte dringend daran gearbeitet werden, diesen Bias aufzuheben. Das heißt, es sind positive Maßnahmen geboten, den Frauenanteil innerhalb der C4-Professor_innenschaft zu erhöhen. Was gar nicht geht vor dem Hintergrund einer 90%igen Professor_innenschaft, sind Konferenzen, die Frauen ausschließen. Die Konferenz in Düsseldorf scheint so eine zu sein.

      Zudem werden während der Konferenz in Düsseldorf abseitige Positionen hofiert, die nicht als wissenschaftlich belegt gelten: z.B. das PAS oder die Idee ADHS werde durch egozentrische Mütter ausgelöst.

      • Michael Klein

        Hallo Herr Kemper,

        ich weiß nicht, ob es Sinn macht, über geschätzte Zahlen zu diskutieren und selbst wenn die Verteilung 90:10 richtig wäre, wäre noch zu klären, ob die Verteilung nicht Ergebnis einer Lebensstil-Wahl war, wie dies z.B. Catherine Hakim in ihren Studien eindrücklich belegt hat oder Ergebnis einer bislang vermuteten und bislang nie belegten Diskriminierung von Frauen.

        Abgesehen davon: Es gibt keine C4-Stellen mehr. Neu zu besetzende Professuren erfolgen in W seit dem letzten HRG. Insofern würde sich an der C4-Verteilung durch Intervention sowieso nichts mehr ändern.

      • Andreas Kemper

        Dieses „Argument“ der „Lebensstil-Wahl“ kenne ich als Arbeiterkind sehr gut. Auch Arbeiterkinder wollen ja eigentlich gar nicht studieren. Sie seien doch ganz zufrieden damit, ihnen „gemäße“ Jobs einzunehmen. Warum sollte man mit „verbohrten linken Ideologien“ im Hintergrund Arbeiterkinder zwingen, zu studieren? Das sind die üblichen Argumente, die Diskriminierung legitimieren. Uralt, auf vermeintlich essentielle Gruppenunterschieden beruhend, tausendmal wiederlegt, aber immer wieder gut für die Legititmierung sozialer Ungleichheit.

        Wenn Sie schon in meinem Blog auftauchen, dann erklären Sie mir bitte, weshalb Sie „Sons of Perseus“ auf ihrer sogenannten „Wissenschaftsseite“ verlinken?

  9. James T. Kirk

    Warum fühlen sich Rechtsextreme von den Männerrechtsforen angezogen?

    Hallo Herr Kemper,

    was würden Sie denn machen, wenn der Teufel, Darth Vader, und Dieter Bohlen sich von den Männerrechtsforen angezogen fühlen würden?

    Ich selbst bin Grün-Wähler und vertrete viele als „links“ bezeichnete politische Ansichten.
    Ich fühle mich komischerweise auch von diesen Foren angezogen.

    Beruhigt Sie dies?

  10. Wolfgang Wenger (Odin)

    Hallo,
    nun, in Punkte „unfreundlicher Sprache“ war ich selbst auch nicht gerade kleinlich. Ich hatte mich deswegen auch nicht so, wenn ich mal in der Nehmerrolle war. Was sie unter „hate-speach“ zitieren ist Ton, der an Volksverhetzung grenzt. Das geht halt in der Anonymität eines Forums und wenn man sich hinter einem Nickname versteckt. Mein Realname war sehr schnell bekannt innerhalb der Forenwelt. Das bremst einen dann schon etwas beim Schreiben 🙂
    Unterlegenheitsängste mit Omnipotenzphantasien wettmachen zu wollen ist gängig, hat aber nie so recht geklappt. Auf dieser Grundlagen werden dann auch Schwerverbrecher (wobei wohl eher Geisteskranke) wie Breivik beklatscht – und keiner weiß so recht, warum.
    Eigentlich hätte ich von Ihrer Seite oder von Gesterkamp oder von feministischer Seite erwartet, daß ein Zusammenhang zwischen Breivik und Maskulisten konstruiert wird. Das Maskulisten selbst so hohl sind, sich selbst freiwillig zu melden, hätte ich wirklich nicht gedacht. Aber das kommt davon, wenn man es gewohnt ist, beim Schreiben von Texten wenig Gehirnzellen zu investieren 😦
    Ich habe mich übrigens von Anfang an als Linker in den Männerrechtsforen vorgestellt. Das war zu Beginn auch überhaupt kein Problem. Es gab genug Linke. gibt sie auch jetzt noch, nur schreiben sie kaum noch in den Foren…. einige wenige doch noch, die vermutlich einen Druiden mit Zaubertrank besitzen. Anders kann ichs mir nicht vorstellen….

    Das einzige, was die rechten tun konnten, war schreiben – in Foren und eigenen Blogs. Zuwege bringen konnten sie wenig. Das wirklich erste Handfeste war IGAF. Ich bin dort nicht Mitglied, obwohl ich sonst begeistert wenigstens mit meinen Beiträgen unterstütze, was ich halbwegs vernünftig finde. Die Bezeichnung „Anti-feminist“ stieß mich ab (und einige, die ich schon als Gegner erkannte und dort Mitglied sind). Ich bin Pro-Mann – nicht Anti-irgendwas.
    Das könnte ich noch als Geschmacksache bewerten, aber wenn mir Leute zeigen, dass ich in ihren Augen „der Feind“ bin, dann brauchen sie auch mein Geld und meine Mitarbeit nicht.
    Trotzdem kann ich vieles gutheißen, was IGAF sagt und denkt, einiges tolerieren, manches ablehnen – und kann trotzdem sagen, dass auch solche Ideen einen Platz finden müssen und auch unangenehmes geäußert werden darf. Ich lege sehr viel Wert auf Vielfalt. Das Richtige setzt sich schon durch. Ich schreibe gerade an einem linken Manifest für den Maskulismus (sowie an einem Vortrag) und versuche dort auch den Gedanken an Vielfalt und „leben und leben lassen“ zum Ausdruck zu bringen.

    Was sie zum Schluß schreiben: Ich halte Frauen nicht für behindert. Tatsächlich gibt es keine kognitiven Unterschiede zwischen Männer und Frauen. Es gibt belegbare Unterschiede im Verhalten: Männer setzen sich eher durch, sie erwarten nicht, dass ihnen Türen geöffnet werden sondern erkämpfen sich ihre Vorteile. Genau dies erwarte ich von Frauen. Ich bin nicht dazu geboren, Frauen glücklich zu machen und sie zu beschenken.
    Frauen wollen nach oben? Es wird ihnen dies genau so wenig geschenkt, wie den Männern. Ich ERWARTE von Frauen, dass sie endlich ihren Hintern hochheben und Anschluß an die Männer finden. Es ist für mich ein SKANDAL, dass Frauen nach 40 Jahren milliardenschwerer Förderung noch immer den Anschluß nicht gefunden haben.
    Im Stern stand letzte Woche, dass der Anteil von männlichen Akademikern mit Führungsabsichten von 2003 bis heute von 32% auf 23% zurückgegangen ist. Ich habe NICHT das Gefühl, das Frauen in der Lage und bereit sind, ihren Anteil an Verantwortung zu übernehmen.
    Und das ist mehr als traurig!!!

  11. Anmerker

    >> Arne Hoffmann distanziert sich inzwischen von den Breivik-Verstehern.

    Das ist im besten Falle ungenau recherchiert: A. H. hatte von Anfang an keine Sympatie oder Rechtfertigung für die Breijvik-Versteher. Kann man zum Glück auf seinem Blog nachlesen.

    • Andreas Kemper

      Arne Hoffmann galt bis zur Etablierung der Männer-AG in der Piraten-Partei im wgvdl.com-Forum als der maskulistische Vorkämpfer für die gemeinsame Sache. Irgendwelche nennenswerten Distanzierungen gab es nicht. Selbst sein Geburtstag wurde auf dieser Seite gefeiert – wenige Wochen bevor die Männer-AG in der Piraten-Partei eine Distanzierung vom rechtspopulistischen Hate-Speech notwendig machte. Ebenso verhält es sich mit Breivik. Man muss sich entscheiden: entweder akademischer Maskulismus oder Pakt mit den Breivik-Verstehern.

  12. Dummerjan

    Wann Herr Kemper sprechen wir mal im Zusammenhang mit dem Geschlecht mal von den elementaren Fakten – Lebensdauer, Gesundheits, Gesundheitsversorgung, Suizid usw.?
    Darum machen Sie immer einen Bogen – und ich kann mir vorstellen, aus gutem Grund.

    Ach so, und das mit dem Arbeiterkind ist bescheudert, weil die Kinder von Arbeiterkindern die ihrerseits studiert haben, dann keine Arbeiterkinder mehr sind. Ich hoffe ich habe mich hinreichend klar ausgedrückt.

    • Andreas Kemper

      Wir können gerne über Gesundheitsverhalten und -fürsorge sprechen.

      Wir können auch gerne über Berufe mit Gesundheitsrisiko sprechen. Beispielsweise Dachdecken oder Kellnern in Gaststätten mit Raucherbereich. Sie werden sehen, dass diese Jobs vor allem klassenspezifisch und nicht genderspezifisch aufgeteilt sind.

      Zitat: „Ach so, und das mit dem Arbeiterkind ist bescheudert, weil die Kinder von Arbeiterkindern die ihrerseits studiert haben, dann keine Arbeiterkinder mehr sind. Ich hoffe ich habe mich hinreichend klar ausgedrückt.“

      Nein, ganz im Gegenteil. Sie haben sich möglichst unklar ausgedrückt. Der Satz ist banal und hat somit keinen besonderen Erkenntniswert.

  13. Dirk

    „Man muss sich entscheiden: entweder akademischer Maskulismus oder Pakt mit den Breivik-Verstehern.“

    Ja, welch eine Vereinfachung: Was ist mit den „nichtakademischen“ Väterrechtlern (von Ihnen ja in die Gruppe der Maskulisten eingeordnet), die den Breivik-Vertehern (oder nach Ursachen suchenden?) entschieden entgegentreten und entgegengetreten sind?

    Noch etwas zu dem „Arbeiterkind“. In der DDR wurden Arbeiterkinder bei der Erlangung höherer Bildung bevorzugt. Ist in Ordnung so. Nun studierte das Arbeiterkind. Was ist mit dem Kind des studierten Arbeiterkindes? In der DDR war es dann kein Arbeiterkind mehr, wenn der Vater nicht eindeutig politisch auf Linie lag. Das Kind des Arbeiterkindes wurde der Zugang zu Abitur und Studium zugunsten eines Arbeiterkindes stark erschwert.

    Wenn der Vater, das studierte Arbeiterkind aber politisch perfekt die vorgegebenen Ansichten vortäuschte (und damit der DDR mehr schadete als nützte und zum Untergang beitrug), ja dann war das Kind des Akademikers wieder im Status eines Arbeiterkindes. Komplizierte Realität war dies.

    Jaja, das Kind des hohen Staatsfunktionärs, der mal eine Lehre in einem Handwerksberuf begonnen hatte, das galt als Arbeiterkind.

    Es sollte Chancengleichheit geben!

    • Andreas Kemper

      Was soll mit den Väterrechtlern sein, die angeblich den Breivik-Verstehern entschieden entgegentreten? Haben Sie da einen Link, der ihre These bekräftigt? Ich sprach übrigens von Hoffmann, nicht von den Väterrechtlern.

      Arbeiterkinder wurden in der DDR nicht bevorzugt. Es gab eine kurze Phase in der DDR in den 1950er Jahren, wo Benachteiligungen von Arbeiterkindern abgebaut gewesen waren. Seit den 1960er Jahren waren wieder Akademikerkinder bevorzugt, weil diese häufiger führende Positionen in den Jugendorganisationen innehatten. Und seit den 1960er Jahren galt Parteiengagement mehr als soziale Herkunft.

  14. Michael Klein

    Hallo Herr Kemper,
    „Dieses “Argument” der “Lebensstil-Wahl” kenne ich als Arbeiterkind sehr gut. Auch Arbeiterkinder wollen ja eigentlich gar nicht studieren. Sie seien doch ganz zufrieden damit, ihnen “gemäße” Jobs einzunehmen. Warum sollte man mit “verbohrten linken Ideologien” im Hintergrund Arbeiterkinder zwingen, zu studieren? Das sind die üblichen Argumente, die Diskriminierung legitimieren. Uralt, auf vermeintlich essentielle Gruppenunterschieden beruhend, tausendmal wiederlegt, aber immer wieder gut für die Legititmierung sozialer Ungleichheit.“

    Wie ulkig, ich bin auch ein Arbeiterkind und sehe überhaupt nicht, wo die Frauenquote und die in den Studien von Hakim BELEGTE Lebensstil-Wahl, es gibt also empirische Daten und nicht nur Behauptungen, etwas mit der Benachteiligung von Arbeiterkindern, die schon in der Grundschule beginnt, zu tun hat. Wenn Sie Arbeiterkind sein wollen, dann wissen sie vermutlich, wie es in Schulen ausgelegt wird, dass Arbeitereltern zum Elternabend um 16.30 Uhr nicht erscheinen können, weil sie arbeiten, Mittelschichtsmamas aber in der Regel nicht mehr. Wo sehen Sie noch einmal die Analogie zur Frauenquote?

    „Wenn Sie schon in meinem Blog auftauchen, dann erklären Sie mir bitte, weshalb Sie “Sons of Perseus” auf ihrer sogenannten “Wissenschaftsseite” verlinken?“

    Ich wusste nicht, dass Ihr Blog nur Ausgwählten offensteht. Aber gut: Ich erkläre gerne, wenn Sie mir erklären, wieso Sie denken, Sie könnten sich die Frage anmaßen, die sie sich angemaßt haben.

    • Andreas Kemper

      Den Zusammenhang habe ich Ihnen oben erklärt. Es ist das selber Muster: Strukturelle Benachteiligung wird als eigene freiwillige Wahl der Benachteiligten interpretiert. Noch vor wenigen Jahren war die Zahl der Studentinnen deutlich geringer als die der Studenten. Ich bin mir sicher, dass dies von einigen auf die Lebensstil-Wahl der Studentinnen zurückgeführt wurde. Studentinnen wollten gar nicht studieren, sie hätten andere Lebensziele, wurde argumentiert. Jetzt, wo die Barrieren entfernt wurden und (fast) gleichviele Studentinnen an den Hochschulen zu finden sind wie Studenten, findet sich dieses Argument nicht mehr, dass Studentinnen gar nicht studieren wollen, jetzt wurde dieses Argument dahin verschoben, wo es noch geschlechterspezifische Barrieren gibt, nämlich beim Zugang zu W2/C3 bzw. W3/C4-Professor_innen-Stellen.

      Mein Blog steht tatsächlich nur Ausgewählten zur Verfügung, offensichtliche Rechtspopulisten und Neo-Nazis lasse ich hier nicht bloggen. Sie sehen das anscheinend anders und verlinken auf die rechtspopulistische Hate-Speech-Seite „Sons of Perseus“. Warum? Was versprechen Sie sich davon, Rechtspopulisten zu hofieren?

  15. Dirk

    „Arbeiterkinder wurden in der DDR nicht bevorzugt. Es gab eine kurze Phase in der DDR in den 1950er Jahren, wo Benachteiligungen von Arbeiterkindern abgebaut gewesen waren. Seit den 1960er Jahren waren wieder Akademikerkinder bevorzugt, weil diese häufiger führende Positionen in den Jugendorganisationen innehatten. Und seit den 1960er Jahren galt Parteiengagement mehr als soziale Herkunft.“

    Das ist unrichtig. Habe ich selber erlebt. Notenschnitt 1,2 reichte nicht für die Abi-Zulassung, Kumpel, (2,8) reichte es. Arbeiterkind!
    Und dies ist kein Einzelbeispiel.

    • Andreas Kemper

      Als Grund für die Zulassung wurde genannt „Arbeiterkind“?

      • Dirk

        JA. Der notwendige Zensurenschnitt war für eine Zulassung (Delegierung) für AK anders angesetzt. Nicht AK brauchten einen wesentlich Besseren und „freie Plätze“. (die natürlich bereits belegt waren). Eigenartigerweise galten Lehrerkinder als AK.

        Da ist natürlich wenig -oder Nichts?- großartig veröffentlicht worden, denn dann wäre auch die Bevorzugung der Kinder der „Nomenklatura“ aufgeflogen.
        In dieser DDR gab es den Widerspruch zwischen der Selbstdarstellung und den eigenen Ansprüchen zum Einem und der Realität zum Anderen.
        Die Realität waren eben die diktatorischen Entscheidungen einer sich wie Fürsten benehmenden „Arbeiterführer“. Dieser „Sozialismus“ hatte verdammt viele Elemente eines Feudalsystems, bis hin zum Petitionsrecht bei Auseinandersetzung mit dem „Staat“.

        Leider wird da heute Vieles verklärt. Ein Beispiel, vielleicht etwas zum Thema passend:

        Jede Frau konnte frei entscheiden, ob sie einer Berufstätigkeit nachgeht, bereits kurz nach einer Geburt stand ein Krippenplatz bereit. Klingt sehr gut.
        Dieser Platz kostete den Staat etwa 1000 Mark pro Monat. Es wurden also diese Gelder gezahlt, die Frau konnte ihrer Arbeit mit einem Durchschnittslohn so unter 600 Mark (!) nachgehen. Näherin bei Vestis (haben für Quelle gearbeitet), 320 M

        Echte Auswahl hätte sie gehabt, wenn sie diese 1000 M erhalten hätte um dann ihre Entscheidung zu treffen. Kind selber betreuen und 1000 M „Betreuungsgeld“ oder Krippe plus 600,- Erwerbseinkommen.

        Leider wird da heute Vieles verklärt.

  16. Andreas Kemper

    So weit ich weiß, gab es kurzzeitig noch in der 1960er Jahren die Regelung, dass Arbeiterkinder, die knapp den Notendurchschnitt von 1,7 verfehlten, trotzdem zur EOS zugelassen wurden. Dies ist im Sinne einer Leisungsorientierung legitim, da sie als Nicht-Akademikerkinder nicht vom Wissen ihrer Eltern profitieren konnte und daher größere Schwierigkeiten haben dürften, die gleichen Leistungen wie Akademikerkinder zu erbringen. Allerdings wurde hiervon immer mehr Abstand genommen und die Ideologie wurde wichtiger als die soziale Herkunft. In einer Verordnung von 1981 hieß es:
    „Für die Erweiterte Oberschule und für die Berufsausbildung mit Abitur sind Schüler auszuwählen, die sich durch gute Leistungen im Unterricht, hohe Leistungsfähigkeit und -bereitschaft sowie politisch-moralische und charakterliche Reife auszeichnen und ihre Verbundenheit mit der Deutschen Demokratischen Republik durch ihre Haltung und gesellschaftliche Aktivität bewiesen haben“
    Da steht nichts mehr von Arbeiterkindern oder sozialer Herkunft, sondern nur „Verbundenheit mit der DDR“.

    Ich verstehe nicht, warum sie Frauen mit Krippenplätzen in Verbindung bringen. Gab es in der DDR keine biologischen Väter, die sich um Kinder kümmern können? Oder ist das Kümmern um Kleinkinder „Frauensache“?

    • Wolfgang Wenger (Odin)

      Hallo Herr Kamper,
      ich habe ein wenig die Übersicht über die Diskussion verloren, daher weiß ich gar nicht, ob jemand auf mein letztes Posting geantwortet hat. Außerdem verliert sich die Diskussion zunehmend in Einzelheiten, über die man jahrelang diskutieren kann – oder auch nicht. Ich habe persönlich keine Lust auf Argementen-ping-pong, weil ich nicht glaube, dass sich dann etwas weiter bewegt und wir dann nur auf der Stelle treten.
      Eine Distanzierung von Breivik ist nur notwendig geworden, weil einige rechte bis rechtsradikale Maskulisten so dumm waren, einen Zusammenhang zwischen Anti-feminismus (NICHT Maskulismus) und Breivik herzustellen. ich habe das oben schon erwähnt. Tatsächlich muss jeder vernünftige Maskulist dies entschieden zurückweisen. Das wurde auch genügend gemacht. Wie sie in Arnes Blog ja vielleicht mitverfolgt haben, versuchen wir gerade aus dieser Notwendigkeit heraus einen „linken Maskulismus“ zu formulieren. (Mir gefällt der Begriff nicht, weil er zu sehr die Frage nach linken und rechten Parteien ins Spiel bringt. Aber ein anderer fällt mir momentan auch noch nicht ein. Vor allem grenzt er „rechte“ Maskuslisten aus, die nicht rechtsradikal sind, also eher konservative. Nicht jeder der die Haare rauft bzgl. der Breivik-erklärungen ist auch gleich ein Linker).

      Seis drum, bevor ich mich hier ausklinke, weil ich dieses Ping-pong für sinnlos halte, eine Frage:
      Wie sie in meinem Blog odingerman.blogspot.com oder youtube.com/odingerman sehen, interviewe ich neuerdings Diskussionspartner. Hätten Sie Lust sich mal interviewen zu lassen? Dauer 3-7 Minuten, läuft über Skype und einem zusätzlichen, kostenlosen Programm, damit ich Ton und Bild aufzeichnen kann. Normalerweise darf sich der Interviewte die Fragen selbst auswählen, was er halt gerne erzählen möchte. In ihrem Fall hätte ich aber doch ein paar Fragen auch selbst – die natürlich vorher besprochen und per Mail geklärt sind, damit sie sich auch vorbereiten können.
      Die April-sendung ist schon belegt, ebenso die Julisendung. Aber Mai und Juni hätte ich noch frei für einen Interviewpartner.
      Interessantes Thema wäre z.b. für mich Ihre Haltung zu AGENS, da ich dort selbst Mitglied bin und sie sich in Ihrem Buch mehr auf das wgvdl.com forum beziehen.
      Spannend wäre ja ein Streitgespräch zwischen Ihnen und Hoffmann, aber das macht leider meine Software nicht mit. Außerdem ist Arne ein Schreiberling. Diskussionen mag er soviel ich weiß überhaupt nicht.

  17. Michael Klein

    „Es ist das selber Muster: Strukturelle Benachteiligung wird als eigene freiwillige Wahl der Benachteiligten interpretiert. Noch vor wenigen Jahren war die Zahl der Studentinnen deutlich geringer als die der Studenten. Ich bin mir sicher, dass dies von einigen auf die Lebensstil-Wahl der Studentinnen zurückgeführt wurde. Studentinnen wollten gar nicht studieren, sie hätten andere Lebensziele, wurde argumentiert. Jetzt, wo die Barrieren entfernt wurden und (fast) gleichviele Studentinnen an den Hochschulen zu finden sind wie Studenten, findet sich dieses Argument nicht mehr, dass Studentinnen gar nicht studieren wollen, jetzt wurde dieses Argument dahin verschoben, wo es noch geschlechterspezifische Barrieren gibt, nämlich beim Zugang zu W2/C3 bzw. W3/C4-Professor_innen-Stellen.“

    Nun, der Kern des Problems besteht doch darin, dass eine Lebensstil-Wahl voraussetzt, dass man einen Lebensstil wählen kann. Nehmen wir an, Sie haben Recht, und vermutlich hat es tatsächlich jemanden gegeben, der den geringeren Anteil von Frauen an Studierenden als Wahl des Lebensstils interpretiert hat (und vielleicht war er das sogar in manchen Fällen, wer weiß, ich kenne dazu, wie zu so vielen Dingen in Deutschland keine Daten, Sie?). Heute gibt es mehr Frauen an Unis als Männer und es gibt mehr weibliche als männliche Absolventen und dennoch gibt es wenig Frauen in z.B: Führungspositionen von Unternehmen. Heute haben wir aber Daten zur Verfügung, die uns zumindest Hinweise auf die Gründe geben. Die von mir so gerne zitierte Catherine Hakim hat z.B. eine ganze Reihe von Befragungen ausgewertet und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass man Frauen hinsichtlich ihrer Berufspräferenzen in drei Gruppen einteilen kann: solche, die keine berufliche Karriere machen wollen (rund ein Viertel), solche, die eine berufliche Karriere anstreben (rund ein Viertel) und der Rest, der zwischen beiden Positionen unentschieden ist. Denken Sie nicht, das ist mehr als ein Indiz dafür, dass es eine recht große Anzahl von Frauen gibt, die keine berufliche Karriere anstreben? Außerdem halte ich Familie und berufliche Karriere für unvereinbar, da durch die Zweiteilung von Aufmerksamkeit Spezialisierungsgewinne verloren gehen und diesen Verlust können sich große Unternehmen nicht leisten.

    Mein Blog steht tatsächlich nur Ausgewählten zur Verfügung, offensichtliche Rechtspopulisten und Neo-Nazis lasse ich hier nicht bloggen. Sie sehen das anscheinend anders und verlinken auf die rechtspopulistische Hate-Speech-Seite “Sons of Perseus”. Warum? Was versprechen Sie sich davon, Rechtspopulisten zu hofieren?

    Dann freue ich mich, dass ich zu den Auserwählten gehöre. Ich sehe es tatsächlich anders als Sie, denn ich beurteile die Leute, die bei mir kommentieren und auf die ich verlinke nicht nach irgendwelchen Ismen, sondern nach den Inhalten und den Argumenten, die sie machen. Sofern jemand etwas inhaltlich Korrektes zu sagen hat, ist es mir völlig wurscht, aus welchem Lager er kommt. Ich glaube, das nennt man unter Linken (sofern ich mich richtig an meine Zeit in der SPD erinnere) auch Toleranz…

  18. Dirk

    „Ich verstehe nicht, warum sie Frauen mit Krippenplätzen in Verbindung bringen. Gab es in der DDR keine biologischen Väter, die sich um Kinder kümmern können? Oder ist das Kümmern um Kleinkinder “Frauensache”?“

    Wie auch in der BRD war es gelebte Realität, das sich bevorzugt Mütter um die Jüngsten und Neugeborenen Kümmerten.
    Schon aus rein biologischen Gründen, Väter waren nicht in der Lage zu stillen, bei allergrößtem Bemühen nicht. Wobei medizinisch belegt ist, das Stillen für Kinder das Beste ist.

    Es ging in dem Beispiel auch nicht um einen Mutter-Vater -Konflikt, den man natürlich nun konstruieren kann.

    Es ging um die freie Entscheidung des betreuenden Elternteiles (die Korrektheit macht die Sprache hier unnötig kompliziert), die freie Entscheidung hätte dann gezählt, wenn der gesellschaftliche Aufwand sowohl in der Kindereinrichtung dem der Eigenbetreuung gleichgestellt worden wäre.
    So, also Bevorzugung des einen Modells, brachte es mit sich, dass der betreuenwollende Elternteil aus ökonomischen Gründen keine freie Entscheidung hatte, im Gegenteil zum subventionierten Modell blieb sonst kaum eine ökonomische Lebensgrundlage.

    Warum betonen sie eigentlich den „biologischen Vater“ ? Den Begriff „biologische Mutter“ hört man recht selten. Ist es nicht so, das die „biologischen“ die Mutter und der Vater sind. Die „unbiologischen“ Mütter und Väter, denen übrigens meine Hochachtung gebührt, sind und bleiben doch Ersatzeltern. Wobei „Ersatz-“ hier keinesfalls abwertend angedacht ist!

  19. Edgar

    Aah, der Ghostwriter M.Klein kommt zu Besuch:

    Ihm sind „irgendwelche Ismen“ egal (außer natürlich der böse „Genderismus“, für den er extra eine Rubrik einrichtet), und klar, der rechtspopulistische „Manifold“, der seinen Antifeminismus mit sexistischen Fantasy-Bildchen garniert, ist da ein dufter Kumpel („The Masculist — Noble Defender of Masculinity“ im Breivik-Stil).

    Und natürlich der Faschismus, der gerade durch die Gleichstellungspolitik Einzug halte: „Brüder, nein, Schwestern zur Sonne, zum Faschismus (…) Was ist nur aus der SPD geworden? Einst eine Arbeiterpartei, die den Faschismus bekämpft hat, befördert sie heute die Beseitigung von Freiheiten aller Art und hat nur ein Ziel: die Gleichschaltung und Planung noch des letzten Zipfels privater Entscheidungsräume.“ (http://sciencefiles.org/2012/06/05/bruder-nein-schwestern-zur-sonne-zum-faschismus-ein-kommentar/)

    Die üblliche Demagogie der Antifems wird hier nochmal überboten.

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