Warum die Männerrechtsbewegung nicht zur Männerbewegung zählt

· Allgemein, Artikel (Gender)

Antifeministische Männerrechtler wie Arne Hoffmann und Michael Klein benutzen in letzter Zeit den Begriff „Männerbewegung“ um damit die „Männerrechtsbewegung“ zu bezeichnen. Dies geschieht wahrscheinlich zum Zweck, die Männerrechtsbewegung größer wirken zu lassen, Unterschiede zwischen Pro- und Antifeminismus zu verwischen und die Geschichte zu vernebeln. Tatsächlich ist aber die Männerrechtsbewegung noch nicht einmal ein Teil der Männerbewegung. Die Männerbewegung entstand in den 1970er Jahren parallel zur Frauen- und zur Homosexuellenbewegung. Sie teilte inhaltlich die Kritik am Patriarchat und an Sexismus. Mit der zunehmenden Etablierung der Männerbewegung ab den 1980er Jahren wurde sie unpolitischer. Was die Männerbewegung ausmacht ist neben den Inhalten vor allem die personelle Zusammensetzung: es sind Männer, die sich kritisch mit Männlichkeit und Geschlechterfragen befassen. Die Männerbewegung unterscheidet sich von der Frauenbewegung dadurch, dass in der Männerbewegung Männer und in der Frauenbewegung Frauen organisiert sind. Inhaltlich sind beide Gruppierungen an den verschiedenen Feminismen orientiert. Die Männerrechtsbewegung hingegen grenzt sich inhaltlich vom Feminismus und von der Frauenbewegung ab. In der Männerrechtsbewegung befinden sich auch Frauen wie Monika Ebeling und Christiane Hamprecht. Das heißt, die Männerrechtsbewegung ist im Gegensatz zur Männerbewegung gar nicht durch das Geschlecht ihrer Beteiligten konstituiert, sondern lediglich durch Inhalte. Die Männerrechtsbewegung kann somit schon kategorial nicht Teil der Männerbewegung sein. Hinzu kommen inhaltliche Divergenzen (Feminismen versus Maskulismus / Maskulisnismus), die sich in zentralen Punkten gegenseitig ausschließen.

35 Kommentare

Comments RSS
  1. basementboi

    Was sind denn das für Differenzen genau?

    • Andreas Kemper

      Du meinst die Divergenzen? In Bezug auf die Frage, ob die Männerrechtsbewegung zur Männerbewegung zählt ist es der Unterschied in der Positionierung zum Feminismus. Selbst der männeridentifizierteste Teil der Männerbewegung geht davon aus, dass wir in einer patriarchalen Gesellschaft leben, während sogar der sogenannte „linke Flügel“ der Männerrechtsbewegung dies bestreitet. Kritik an Männlichkeit und Patriarchat waren konstitutiv für die Männerbewegung. Allein inhaltlich zählt daher die Männerrechtsbewegung nicht zur Männerbewegung. Wesentlicher ist aber: Die Männerbewegung ist eine Bewegung (antipatriarchaler) Männer, die Männerrechtsbewegung ist gemischgeschlechtlich und kann daher kein Teil der Männerbewegung sein.

      • BasementBoi

        Ist es wirklich noch so, das wir im Patriachat leben?
        Es mag ja durchaus noch Überreste davon geben, aber Frauen können heute Ihre Sexualität frei ausleben, und brauchen eigentlich keinen Mann mehr, um Kinder großzuziehen? In anderen Teilen der Welt mag das anders sein. Dennoch, in Deutschland hat sich doch in diesen Bereich viel getan?
        Ich möchte dazu sagen, das ich mich mit dem Thema nicht wirklich auskenne.

  2. Also eine Männerbewegung fordert erst einmal Leute, die etwas für Männer bewegen wollen. Warum nur etwas Männerbewegung sein soll, was sich am Feminismus orientiert leuchtet mir nicht ganz ein und scheint mir eine unnötige Einengung des Begriffs zu sein.

    Warum sollte die ideologische Vorgabe, dass wir in einem Patriarchat leben, für Männer bindend sein?
    In einer Frauenbewegung gibt es ja solche Vorgaben auch nicht.

    • Andreas Kemper

      Du kannst natuerlich gerne fuer dich persoenlich irgendwelche Definitionen vornehmen. Aber die Maennerbewegung ist nun mal die Bewegung der Maenner, die in den 1970er Jahren im Zusammenhang mit der Frauenbewegung und der Schwulenbewegung entstand. In der Frauenbewegung sind schliesslich auch nicht Maenner aktiv. Wenn Maenner sich feministisch aeussern, dann zaehlen sie eher zur (profeministischen) Maennerbewegung. Aber die Frauenbewegung ist die Bewegung der Frauen. Die MaennerRECHTSbewegung ist nicht eine Bewegung von Maennern, sondern setzt sich vermeintlich fuer die Rechte von Maennern ein.

      • @andreas

        „Du kannst natuerlich gerne fuer dich persoenlich irgendwelche Definitionen vornehmen. Aber die Maennerbewegung ist nun mal die Bewegung der Maenner, die in den 1970er Jahren im Zusammenhang mit der Frauenbewegung und der Schwulenbewegung entstand.“

        Und? Der Feminismus hat auch neue Richtungen nach seiner Entstehung ausgebildet. Und wie du selbst darstellst, wird der Begriff eben teilweise auch anders verwendet. Das ist ja der Anlass deines Artikels.
        Ich würde sagen, dass die meisten Leute mit einer Männerbewegung eher keinen Profeminismus verbinden..

      • Andreas Kemper

        @Christian:
        Die Maennerbewegung ist per Definition eine Bewegung von Maennern. Die Strategie von Arne Hoffmann, Michael Klein und anderen Maskulinisten, permanent fuer die Maennerrechtsbewegung den Begriff „Maennerbewegung“ zu nutzen, aendert nichts daran.

      • Tino

        Nicht vermeintlich, und vor allem hat sie schon den einen oder anderen kleinen Erfolg erzielt.

        Was konkret hat denn die promfeministische Männerbwegung für mich als Mann getan?

        Hat sie die Wehrpflicht abgeschafft? Sorgerecht geändert?

        Was genau hat die Männerbewegung mir als Mann gebracht? Bitte konkrete Gesetzesänderungen anführen und dann werden wir mal schauen ob die sog. Männerbewegung irgendwas zustande gebracht hat

      • Andreas Kemper

        @Tino
        Die Männerbewegung hatte gar nicht den eingeengten Fokus auf Gesetze. Die Politik der Männerbewegung besteht vorrangig darin, dass das Politische persönlich ist. Sie ging mit der Schwulenbewegung einher und hat diese mitunterstützt. Das Männer keine harten kalten Männer mehr sein müssen, dazu hat auch die Männerbewegung beigetragen. Das ist so ziemlich das wichtigste Ergebnis der Männeremanzipation, es ist aber noch lange nicht vorbei, da die meisten Männlichkeiten noch immer Zwangskorsette sind, die den Männern gleichzeitig patriarchale Dividenden versprechen.

  3. Dabei gleich noch eine Frage:

    Wie ordnest du meinen Blog eigentlich in Männerbewegung, Maskulismus und Antifeminismus ein?
    Genug Kritik an feministischen Strömungen dürfte er ja enthalten und ich bespreche häufig Männerrechte.
    Diverse Feministinnen haben daher schon entsprechende Label verteilt. Und mit ca. 65.000 Zugriffen im Monat ist er ja inzwischen auch aus den Kinderschuhen heraus.

    • Andreas Kemper

      Dein Blog ist deutlich antifeministsch, vielleicht auch maskulistisch, hat jedenfalls ueberhaupt nichts mit der Maennerbewegung zu tun. Es sei denn indirekt, so wie rassistische Blogs auch irgendwie was mit der Antifa-Bewegung zu tun haben.

      • Tino

        antifeministisch….BINGO

        maskulistisch…BINGO

        rassistisch….BINGO…

        fehlt nur noch antisemitisch ;), dann hätteste du jetzt eine Reihe voll

        Nice so ein Bullshit Bingo…so und nachdem wir das geklärt haben:

        Kommen auch noch andere Sachen ausser sterotypische Totschlagbegriffe?

      • Andreas Kemper

        Sorry, ich wurde nach solchen Zuschreibungen gefragt und habe ehrlich geantwortet. Ein Forenkommentar ist keine Doktorarbeit.

  4. Links (3) « sanczny linked to this post.
  5. James T. Kirk

    Na, das ist ja mal eine wichtige Feststellung. Die Männerbewegung unterscheidet sich von der Männerrechtsbewegung.

    Gratulation.

    Ein Frage noch: Im Ankündigungstext Ihres neuen Buchs wird von „FeministInnen“ und „Maskulisten“ gesprochen. Offenbar gibt es also auch männliche Feministen, aber keine weiblichen Maskulisten. Wo bleibt das Binnen-i für die Maskulisten?

    Mich wundert dies sehr, da Menschen ihres Schlags ja gerne für eine „geschlechtergerechte“ Sprache eintreten.

    Wie ist das zu erklären?

    • Andreas Kemper

      Die meisten Maskulinist_innen sind maennlich, daher ist der Titel verkuerzt. Im Vorwort wird darauf eingegangen. Aber schoen, dass wir uns in der banalen Feststellung einig sind, dass zwischen Maennerrechtsbewegung und Maennerbewegung differenziert werden muss.

    • M. Bader

      Also wenn die Zahl der Kommentare hier proportional zur Auflage des angekündigten Buches steht, dann sehe ich schwarz für die mediale Resonanz, die es auslösen wird. Genauso wie das letzte Buch ein völliger Flop war: Warum tun Sie sich das an, Herr Kemper?

      • Andreas Kemper

        Hallo M. Bader, ich veroeffentliche hier nicht alle Kommentare. Und ihre Kenntnis der Resonanz und Auflage des Buches (R)echte Kerle basiert auch auf einem Informationsdefizit.

      • Tino

        Ich frage mich auch wieso er solche Männerhasserinen wie diese sog. ISI zu Wort kommen lässt:

        Herr Kempner:

        Wieso lassen sie diese Person in ihr Buch, die selbst ganz böse Sachen sagt: ISt das nicht irgendwie widersprüchlich?

      • Andreas Kemper

        Isi ist mit Sicherheit keine Männerhasserin. Kritik an Männlichkeiten, an Antifeminismus, an Maskulinismus ist etwas anderes als Hass auf Männer.

  6. John

    „Profeministische Männebewegung“? Die gibt es doch längst gar nicht mehr. Wieso also sollte man dann zwischen Männerbewegung und Männerrechtsbewegung differenzieren? Allein aus historischen Gründen?
    Abgesehen davon finde ich, daß Männer selbstverständlich das Recht haben sollten eine Interessenvertretung zu haben, ohne gleich Feminist sein zu müssen, bzw. feministische Positionen teilen zu müssen.
    Ich glaube man kann sagen, daß die profeministische Männerbewegung eher von links kam, und die aktuellen Männerrechtler eher, aber nicht nur, rechts anzusiedeln sind. Hier wird deutlich, daß die gesellschaftliche Linke vielen Männern schlicht keine attraktiven Angebote macht um sie einzubinden. Egal ob Sorgerecht, Beschneidung, Wehrpflicht, Gesundheitsfürsorge, Beruf usw.: In all diesen Bereichen fordern linke PolitikerInnen Vorrechte für Frauen und Benachteiligungen für Männer. Da ist es dann kein Wunder, wenn viele Männer hier schlicht die Nase voll haben und sich einer Graswurzelbewegung wie den Männerrechtlern anschließen.

    • Andreas Kemper

      Im deutschsprachigen Raum ist es tatsaechlich still geworden um die profeministische Maennerbwegung. In den USA existieren hingegen Gruppen wie NOMAS. Die Gleichsetzung von profeministischer Maennerbewegung und Maennerbewegung habe ich nie vorgenommen. Es existiert z.B. neben dem profeministischen Fluegel der geschlechterdemokratische, wie er sich im Bundesforum Maenner niederschlaegt, welches ich im Gegensatz zu den Gruppierungen der Maennerrechtsbewegung der Maennerbewegung zurrechne.
      Die Maennerrechtsbewegung ist zum Teil fuer das Recht auf Beschneidung von Jungen. Fragen Sie mal bei wgvdl.net und Michael Klein nach. Gesundheitsfuersorge war immer schon ein wesentlicher Bestandteil der profeministischen Maennerbewegung, in Bremen trafen sich hierzu Anfang der 1980er Jahre ca. 1000 Maenner. Aehnlich sieht es mit den Fragen zur Kriegsdienstverweigerung, bzw. Maennlichkeit und Militaer, und zu Fragen von Beruf, Arbeit und Maennlichkeit aus.

  7. Hallo, “ die Männerrechtsbewegung ist im Gegensatz zur Männerbewegung gar nicht durch das Geschlecht ihrer Beteiligten konstituiert, sondern lediglich durch Inhalte. “

    DaS wär JA SCHON MAL sorry ihr rationaler Vorteil, oder? Aber im Grunde ist es natürlich trotzdem so, dass da überwiegend Männer drin organisiert sind + ein paar Männerversteherinnen, die selber ein Problem mit ihrer Mutti haben…

  8. Peter

    Das ist so ziemlich das wichtigste Ergebnis der Männeremanzipation, es ist aber noch lange nicht vorbei, da die meisten Männlichkeiten noch immer Zwangskorsette sind, die den Männern gleichzeitig patriarchale Dividenden versprechen.

    Und wie steht es mit ihrer Dividende, Herr Kemper? Sollen wir sie eine matriarchale nennen, die Art Dividende, die jeder Opportunist einstreicht? Es ist ein trauriges Geschäft, das Sie betreiben. Eine Bürgerrechtsbewegung zu diffamieren, um sich in seinem Milieu Anerkennung zu verschaffen!
    Wie John bereits treffend festgestellt hat, ist die Männerrechtsbewegung deshalb mehrheitlich politisch rechts verortet, weil die Pseudolinke, zu der ich auch Sie zähle, ihre Ideale schon lange verraten hat.
    Weiss der Teufel was an diesem reaktionären Muddigedöns, dieser Idealisierung der Weiblichkeit bei gleichzeitiger Kritik an „Männlichkeiten“ links sein soll, diese lächerliche Anbiederung, diese devot-kriecherische Haltung, die sich jeder Kritik an feministischen Zumutungen enthält.

    • Andreas Kemper

      Die Männerrechtsszene ist keine „Bürgerrechtsbewegung“. Im Gegenteil. Es werden Geschlechterunterschiede essentialisiert, wo doch emanzipatorische Bewegungen eigentlich Unterschiede aufheben. Wie stehen Sie zu dem Artikel in der Emma: http://www.emma.de/ressorts/artikel/kinder-jugendliche/vater-im-rock/ Die Frauenbewegung ist eine emanzipatorische Bewegung, sie war immer daran interessiert, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen aufzulösen. Dies wird von Maskulinisten als „Genderismus“ diffamiert. Bürgerrechtsbewegung setzen sich für Positive Maßnahmen ein, für Affirmative Action. Die Männerrechtsszene bekämpft Affirmative Action-Programme und benutzt die Ideologie der Anti-Politcal-Correctness. Und die Männerrechtsszene verbündet sich mit anderen Opfer-Täter-Umkehrungsstrategien. Viele Maskulinisten sind heterosexistisch und wähnen sich in einer Homodiktatur, ebenso sehen sie eine vermeintliche Inländerdiskriminierung als Problem.

    • spin

      wer hier opportunist ist, herr peter, ist noch nicht gesagt. andreas kemper ist jedenfalls kein opportunist des männerstammtischs. im gegenteil, ich finde sein engangement für reflektierte männlichkeit, für eine offenheit für feministische kritik sehr richtig. und in der tat, er ist belesen und offenbar bewegungshistorisch bewanderter als die gesamte antifeministische bewegung.
      im übrigen sehe ich keine diffamierung in seiner (und vieler anderer leute!) kritik an der männerRECHTSbewegung. im gegenteil ist diese bewegung eine diffamierungsbewegung, wie sich unschwer in ihren hochaggressiven foren lesen lässt. eine minute wgdvl oder wikimannia zeigt das sehr deutlich.

  9. Peter

    Wie stehen Sie zu dem Artikel in der Emma: http://www.emma.de/ressorts/artikel/kinder-jugendliche/vater-im-rock/

    Geringe Relevanz. Das Recht, als Mann einen Rock zu tragen würde ich etwa an der 385-igsten Stelle in meiner Prioritätenliste der „Männerrechte“ aufführen.

    Die Frauenbewegung ist eine emanzipatorische Bewegung, sie war immer daran interessiert, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen aufzulösen.

    Mehr Freiheiten für Frauen bedeutet eben nicht automatisch mehr Freiheiten für Männer, auch wenn das andauernd behauptet wird. Die Partei mit einer klar sexistischen Satzung ist die Partei „die Grünen“ mit ihrem sogenannten „Frauenstatut“.
    Männer müssen ihre Anliegen schon selbst formulieren. Konflikte mit dem feministischen Etablishement sind unvermeidbar.

    Viele Maskulinisten sind heterosexistisch …

    Und Feministen sind in der Regel sexistisch. Um auf den Artikel in der Emma zurückzukommen: Ärgerlich ist nicht, dass ein Mann einen Rock trägt, sondern die ideologische Botschaft, die damit transportiert wird. Wir sind uns doch einig, dass es hier um etwas mehr als eine Kleiderordnung geht. Die ideologische Botschaft ist: Der Mann und der Knabe ebenso ist ein defizitäres Wesen. Er muss sich ändern und so werden wie die Frau.
    Wer tatsächlich das Geschlechterverhältnis kritisch aufarbeiten will, der sollte der kritischen Männerforschung eine ebenso kritische Frauenforschung gegenüberstellen.

    und wähnen sich in einer Homodiktatur … Inländerdiskriminierung als Problem.

    Was natürlich Blödsinn ist und von mir so nie vertreten wird.

  10. Jan P.

    Ich versteh nicht ganz, worin nun eigentlich das Problem besteht. Es gibt also scheinbar zum Einen eine pro-feministische „Männerbewegung“, die wie Feministinnen davon ausgeht, dass wir in einem Patriarchat leben. Zum Zweiten gibt es also eine „Männerrechtsbewegung“, die jünger ist, sich inhaltlich vom Feminismus absetzt und für Rechte von Männern eintritt. Soweit hab ich es verstanden. Aber wo ist jetzt das Problem?

    Der Autor wirft der sogenannten “Männerrechtsbewegung” vor sich diesen Namen zu geben, um „größer [zu] wirken“ und um „Unterschiede zwischen Pro- und Antifeminismus“ zu verschleiern. Als dürften sich nur feministische Männer Männerrechtler nennen. Stellt sich nur die Frage, wie sollen sich nach Ansicht des Autors Männer, die für Männerrechte aktiv sind und gleichzeitig keine Feministen sind, sich denn sonst nennen ? Ich bin mir sicher, dass es kein Patent auf diesem Namen gibt. Ob nun „Männerbewegung“ oder „Männerrechtsbewegung“ – lasst die Leute doch einfach machen!

    Was ich auch nicht verstehe: Was machen feministische Männer denn konkret für Männer? Streiten sie für ein gerechteres, gemeinsames Sorgerecht, für mehr Chancengleichheit in der Bildung, gegen häusliche Gewalt gegen Männer, gegen eine einseitige Wehrpflicht für Männer, für bessere Angebote für Männer im Gesundheitswesen, gegen den Missbrauch von Jungen (und so weiter)? Wenn ja, könnten sie dies doch auch zusammen mit den nicht-feministischen Männern machen ! So wirkt das alles irgendwie ein bisschen wie im Kindergarten.

    Ich bin übrings kein Feminist, ich halte das Patriarchat auch eher für ein ideologisches Konstrukt – aber ich zieh aus dem Grund nicht über Menschen mit anderer Meinung her. Nein wirklich, ich finds ok ! Nur vielleicht sollte man wieder mehr inhaltlich argumentieren als einfach zu schreiben die (vermeintlich) Anderen „verschleiern“ alles mit ihrem Namen oder ähnliches. Das find ich eher abstrus.

    • Andreas Kemper

      Es ist völlig okay, wenn sich die Männerrechtsbewegung „Männerrechtsbewegung“ nennt, nicht aber, wenn sie sich „Männerbewegung“ nennt und damit einen bestehenden Begriff enteignet.
      Profeministische Männer haben sich nicht erster Linie organisiert, um etwas für Männer zu machen, sondern um gegen Diskriminierung vorzugehen. Und diskriminiert werden in unserer Gesellschaft eher Frauen als Männer. Die profeministischen Männer haben sich gegen die männliche Zurichtung gewehrt und damit mehr für Männer unternommen als Maskulinisten, die zurück wollen zum einengenden Männerkorsett.

  11. Jan P

    Dann habe ich mich tatsächlich in ihrem ersten Satz verlesen. Statt „Männerbewegung“ habe ich „Männerrechtsbewegung“ gelesen. Die beiden Begriffe sind ja auch nicht ganz unähnlich 😉 Aber ok. Das heißt, die wollen also nur nicht, dass sich die „Männerrechtsbewegung“ „Männerbewegung“ nennt, weil eben dieser zweite Begriff schon von den älteren pro-feministischen „Männerbewegung“ besetzt ist.

    Das Problem (sofern es denn ein Problem darstellt) ließe sich doch relativ leicht lösen ! Gibt es denn darüber hinaus noch eine Sammelbezeichnung, die beide Strömungen, also sowohl die „Männerbewegung“als auch die „Männerrechtsbewegung“ in einem Begriff zusammen fasst ?

    Ich frage mich allerdings bei ihrem letzten Kommentar auch, ob Sie dann das Gleiche machen, das sie ihrem politischen Gegner vorwerfen, wenn Sie wiederum die „Männerrechtsbewegung“ pauschal als “ Maskulinisten“ oder „antifeministisch“ bezeichnen? Warum können nicht beide Seiten verbal abrüsten und sich bei den Namen nennen, die sie selber für sich beanspruchen – also „Männerbewegung“ und „Männerrechtsbewegung“.

    Soweit ich es verfolgt habe, versteht sich Manndat zum Beispiel zwar als Feminismus-kritisch, aber nicht als maskulinistisch oder antifeministisch (oder ähnliches). Wäre beiden Seiten nicht eher gedient, statt solch einem Namens-Hickhack nicht eher sachlich-inhaltlich zusammen zu arbeiten?

    Ganz offen: Ich glaube ich finde den Themenbereich Männer-/Väterrechte auch nicht uninteressant und bin zugleich (wie ich ja schon schrieb) kein Anhänger des Feminismus oder der Vorstellung eines Patriarchats. Aber dennoch versteh ich mich nicht als Vertreter eines rückwärts gewandten Gesellschaftsbildes, tradierter Rollenbilder oder ähnliches. Ich bin auch kein Antifeminist oder Maskulinist oder ähnliches. Von daher denke ich mir, muss es doch möglich sein, dass Männer unterschiedlichster politischer oder ideologischer Richtung zusammen kommen können, wenn es um die Durchsetzung von Interessen von Männern geht (Beispiel Beschneidung, männliche Gesundheit, Missbrauch von Jungen und so weiter). Ich versteh halt nicht, warum es diesen tiefen Graben zwischen beiden Strömungen gibt. Die einen sind pro-feministisch, die anderen feminismus-kritisch, die anderen vielleicht auch wirklich antifeministisch – aber man kann doch dennoch zusammen arbeiten, dort wo es wirklich Sinn macht ! Oder zumindest anfangen sich wieder inhaltlich und sachlich zusammen zu setzen – statt der anderen Seite immer die ein- oder andere Krücke vorzuwerfen ! Ich glaube, das wäre mein Wunsch an die Männer-/Männerrechts-Bewegung (also an beide Seiten).

    • Andreas Kemper

      Hallo Jan,

      also ich möchte nicht, dass die Männerrechtsbewegung sich „Männerbewegung“ nennt. Antifeminist_innen wie Arne Hoffmann versuchen ja gerade den Begriff Männerbewegung als antifeministisch neu zu besetzen.
      In meinen Vorträgen differenziere ich zwischen organisiertem Antifeminismus, Maskulismus, Maskulinismus und Männerrechtsbewegung. Dies ist allerdings in der Regel eine analytische Trennung. In der Praxis überschneidet sich das.
      Es gibt einen gemeinsamen Oberbegriff für Männerbewegung und Männerrechtsbewegung: Gesellschaftspolitische Strömung. Aber vielmehr haben sie nicht gemein, außer vielleicht noch, dass sie sich mit Fragen zum Thema Geschlecht befassen.
      Ein Kennzeichen der Männerrechtsbewegung ist, dass sie generell gegen Gleichstellungsmaßnahmen zu sein scheinen. Auch fehlen Ansätze zur Emanzipation von Männlichkeits-Zuschreibungen. Ich habe da noch nicht viel gefunden.

      • Jan P.

        Ist es nicht nur ein Postulat von Ihnen, wenn sie behaupten, dass die Männerrechtsbewegung „generell gegen Gleichstellungsmaßnahmen zu sein scheinen“. Wenn Männerrechtler/jungenrechtler zum Beispiel analog zur Förderung von Mädchen in naturwissenschaftlichen Fächern, die Förderung der Lesekompetenz von Jungen in sprachlichen Fächern fordern – dann ist das doch Gleichstellung/Gleichberechtigung im besten Sinne ! Ebenso wenn Männerrechtler analog zu Beratungsstellen für von häuslicher/sexueller Gewalt betroffener Frauen auch solche für von häuslicher/sexueller Gewalt betroffener Männer einfordern oder auf Beschneidungen von Jungen aufmerksam machen usw. Sich für die Rechte von Männern, Vätern und Jungen einzusetzen, heißt ja im Umkehrschluss nicht automatisch gegen Frauenrechte zu sein.

        Verstehen Sie – ich finde es nicht ganz richtig, wenn Männerrechtler per se von Ihnen unterstellt wird, dass diese zum „einengenden Männerkorsett zurück wollen“. Für mich ist das alles einfach viel zu pauschal – und ich denke es verbaut auch ganz viel. Denn grundsätzlich müssten doch auch Gemeinsamkeiten zum Beispiel im Kampf gegen Beschneiddungen oder sexuelle Gewalt da sein – oder will sich die pro-feministische Männerbewegung gar nicht für Männer einsetzen (sie schrieben weiter oben ja, dass die pro-feministische Männerbewegung sich nicht gegründet habe, um etwas für Männer zu machen – warum eigentlich nicht?) ?

        Ich selber habe viel Symphatie für die Forderungen der Männerrechtsbewegung – versteh mich deswegen aber noch lange nicht als Maskulist oder Antifeminist oder ähnliches. Und egal wie man zum Feminismus steht (der ja auch ganz und gar nicht einheitlich ist), würd ich mir wünschen, dass es wieder mehr inhaltliche Debatten (und vielleicht sogar eine Zusammenarbeit gibt) statt immer wieder nur solche Pauschalurteile zu wiederholen.

      • Andreas Kemper

        Hallo Jan P.,

        bei den Männerrechtler_innen handelt es sich um ein komplexes Netzwerk. Es ist ja nicht eine klar abgrenzbare Organisation. Selbst bei Themen wie Beschneidung von Jungen handelt es sich nicht um eine genuin männerrechtliche Forderung. Während viele Feministinnen sich sehr deutlich für ein Verbot von frühkindlicher Beschneidung von Jungen aussprachen, gab es in den bekannten Blogs aus der Männerrechtsszene nicht nur Verbotsforderungen, sondern die Blogs WGvdL.net und sciencefiles.org sprachen sich deutlich gegen ein Verbot aus, weil sie Rechte von Religionen und Familien über das Recht der Unversehrtheit von Jungen stellten. Innerhalb der Männerrechtsszene war selbst so ein Thema wie das Verbot von Beschneidung von Jungen umstritten. Einige verhasste Feministinnen haben sich hier viel deutlicher für Jungen positioniert.

        Das liegt daran, dass die Männerrechtsszene nicht im luftleeren Raum schwebt. Es gibt zum einen Überschneidungen zu konservativ-katholischen/ evangelikalen Ideologien, die aus der Religion Einstellungen zum Geschlechterverhältnis und Familienpolitik herleiten. Hier stehen dann nicht die Menschenrechte im Mittelpunkt, sondern religiöse Ideologie. Und es gibt Überschneidungen zu den rechtslibertären Netzwerken, die generell gegen Gleichstellungsmaßnahmen sind. Der größte Blog der Männerrechtsszene heißt nicht umsonst „Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land?“.

        Ich wüsste nicht, mit welcher Gruppe aus der Männerrechtsszene zusammengearbeitet werden könnte. Auch die gemäßigten Blogs wie MANNdat haben sich als Diskussionspartner_innen diskreditiert. Einige Kommentare von Eugen Maus waren dafür zu sehr unter dem Niveau einer sachlichen Auseinandersetzung. Arne Hoffmann hatte – wenn ich es richtig verstanden habe – nach einer Aufforderung im Männerrechtsforum von MANNdat, rassistische Kommentare zu tolerieren („wenn man aus der Tatsache, dass Breivig (sic) sich gegen den Feminismus wendet, nicht schließen kann, dass sich gegen den Feminismus zu wenden, schlecht ist, dann kann man auch aus seinem rechstpopulistischen und anti-Islamistischen Salbader nicht schließen, dass man Rechtspopulisten den Mund verbieten muss.“) ein halbes Jahr seine Blogtätigkeit eingestellt. Danach versuchte er kurze Zeit eine „linke Männerrechtsbewegung“ auf zu bauen. Dass aber auch dieser Ansatz nicht emanzipatorisch ist, zeigt eine genaue Analyse seines Textes „Eckpunkte einer linken Männerpolitik“.

      • Andreas Kemper

        Jan, du kannst an diesem Interview sehen, dass sich Feministinnen durchaus für Jungen einsetzen. Zum Beispiel für das Recht, ein rosa Kleid tragen zu können, oder für eine Sprache, die nicht automatisch nach Geschlechtern differenziert und Jungen auf eine Männlichkeit festlegt: http://www.taz.de/Nicht-normative-Kinderbuecher/!108029/ Bitte lese auch die Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: