Hermann Behrendt wurde heute zum Vorstandssprecher des Landesverbandes der AfD in NRW gewĂ€hlt. Er war bereits stellvertretener Sprecher und zustĂ€ndig fĂŒr die Arbeitsgruppen „Arbeit und Soziales“ und „Demokratie“ der Programmkommission der AfD-NRW. Eine Neuwahl wurde nötig, weil der NRW-Sprecher Jörg Burger der AfD zurĂŒckgetreten ist aufgrund des autoritĂ€ren FĂŒhrungsstils von Bernd Lucke.
Hermann Behrendt fordert in seinem 2011 herausgegebenen Buch „Mandative Demokratie“ die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie. Dies sei notwendig, um unliebsame MaĂnahmen durchzufĂŒhren wie die Abschaffung des Streikrechts, die Abschaffung des KĂŒndigungsschutzes, die EinschrĂ€nkung der betrieblichen Mitbestimmung und die EinfĂŒhrung eines verpflichtenden Dienstjahres fĂŒr 18jĂ€hrige Frauen und MĂ€nner. Dieses Dienstjahr kann genutzt werden, um einen „Ordnungsdienst“ zu rekrutieren, der bei GroĂveranstaltungen wie Demonstrationen eingesetzt werden könne. Durch die „Mandative Demokratie“ sei zudem gewĂ€hrleistet, dass konsequenter gegen „Arbeitsscheue“ und „Migration der Falschen“ vorgegangen werden könne.
Hier einige AuszĂŒge aus dem noch immer im Internet frei zugĂ€nglichen Buch von Hermann Behrendt, die ich schon in einem frĂŒheren Beitrag gepostet hatte. Dem NRW-Vorstand dĂŒrfte klar sein, wen sie da zum Sprecher gewĂ€hlt haben.
„Mein Traum rĂŒttelt an den Prinzipien des Grundgesetzes …“ (Behrendt, Vorwort zur „Mandativen Demokratie“)
Abschaffung der parlamentarischen Demokratie
âDas AusmaĂ der hier angesprochenen Probleme ist viel gröĂer als auf den ersten Blick zu vermuten ist. Es geht sowohl um die Gesaltung der demokratischen Insitutionen, wie auch um die politischen Inhalte. Letztere sind in erheblichem MaĂe von den bestehenden Spielregeln abhĂ€ngig. Policy determines politics. Politics determine policies. Die Schuldenpolitik, eine von der Bevölkerungsmehrheit abgelehnte Multi-Kulti-Gesellschaftt oder der unbezahlbar gewordene Sozialstaat sind Ergebnis von Entscheidungsmechanismen, die durch die Institutionen vorprogrammiert sind.â (S. 14)
âDie parlamentarische Demokratie ist nicht etwa durch neue technische Entwicklungen obsolet geworden, weil heute oder in naher Zukunft der WĂ€hler per Internet direkt zur Entscheidung gerufen werden könnte. Die parlamentarische Demokratie hat sich selbst demontiert. Sie ist ĂŒberflĂŒssig geworden: FĂŒr die Wahl der Regierung ist der Abgeordnete nur noch Mitglied eines WahlmĂ€nnergremiums. Dann sollte man doch lieber gleich unmittelbar die Regierung wĂ€hlen.â (S. 14f.)
Bildungspolitik
âRichtig wĂ€re ein Apell, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die Chancen wahrzunehmen. Noch haben wir ein gegliedertes Schulsystem, das jedem Aufstiegschancen bietet.â (S. 62)
âWer aus einem âbildungsfernenâ Elternhaus stammt, ist faktisch benachteiligt, nicht durch den Staat, sondern durch das Elternhaus, weil Einsicht und Förderung fehlen.â (S. 64)
âWir haben ganz ĂŒberwiegend die Unterschicht aus den HerkunftslĂ€ndern einwandern lassen. […] SelbstverstĂ€ndlich zieht diese dann den Intelligenz-Durchschnitt in der aufnehmenden Bevölkerung nach unten. Und das gilt nicht nur fĂŒr die eingewanderte Generation, sondern wegen der vererbten Veranlagung auch fĂŒr die folgenden Generationen.â (66f.)
â[Man habe] das Demokratieprinzip fĂ€lschlicherweise auf die UniversitĂ€ten ĂŒbertragen, obwohl das Studium eine geistesaristokratische Angelegenheit sei.â (69)
âEinwanderung der Falschenâ
âBisher war es Konsens aller Parteien, daĂ es so etwas wie einen nationalen Selbstbehauptungswillen nicht gibt, weil es ihn nach Auschwitz nicht geben durfte. Nicht wenige Politiker arbeiten offen oder klammheimlich an der Abschaffung Deutschlands.â (S. 86)
âDie Einwanderer partizipieren an dem vorgefundenen Wissens- und Kapitalstock in Deutschland, der von der hiesigen Bevölkerung in Generationen aufgebaut wurde. Nur durch diesen Umstand genieĂen sie hohe Löhne, Sozialhilfe und eine vorbildliche Infrastruktur.â (S. 88)
âWer die hier geltenden Wertvorstellungen nicht akzeptiert, die Sprache nicht lernt, sich von den MitbĂŒrgern alimentieren lĂ€Ăt, der kommt als Kolonist.â (S. 88)
â>Die Gemengelage unterschiedlicher Ethnien hat noch nirgends in der Welt funktioniert. Es gibt unzĂ€hlige Beispiele in der Welt, wo das Neben- und Durcheinander von Ethnien zu Konflikten und sogar blutigen Revolten gefĂŒhrt hat.â (S. 91)
âAusufernder Sozialstaatâ
âDas Hochschaukeln der Sozialleistungen scheint in parlamentarischen Demokratien Gesetz zu sein.â (111)
âUnsere Politiker ĂŒberbieten sich gegenseitig mit immer neuen VorschlĂ€gen, Benachteiligte oder solche, die sich selbst dafĂŒr halten, mit immer neuen Wohltaten zu beglĂŒcken. [âŠ] Das gröĂte Problem besteht in der Massenarbeitslosigkeit bei Geringqualifizierten. […] Sie ist eine direkte Folge der Lohnpolitik der Gewerkschaften, die den Preis fĂŒr Arbeit immer weiter in die Höhe getrieben hat â meist mit âsozialer Komponenteâ, d. h. mit einem Zuschlag fĂŒr Geringverdiener.â (113)
âHeute benötigen wir fĂŒr jede Hartz IV-Mutter die Steuern von zwei voll erwerbstĂ€tigen BĂŒrgern. 40 % der Geburten in Deutschland betreffen die Hartz-IV-Unterschicht. Man stelle sich vor, was in Deutschland los wĂ€re, wenn hier jemand Hartz IV fĂŒr Kinder streichen wollte!â (127)
Fehlentwicklungen: âArbeitsscheueâ und âMigration der Falschenâ
âAber es gibt auch bedenkliche Fehlentwicklungen, die sich in den letzten Jahrzehnten eher verstĂ€rkt haben. Nur beispielhaft sind zu nennen: eine konzeptlose Einwanderungspolitik mit der Folge einer miĂglĂŒckten Integration, ein ausufernder Sozialstaat, der die wachsende Unterschicht eher konserviert als abbaut, âŠâ (S. 15)
âEin ausufernder Sozialstaat lĂ€dt zum MiĂbrauch ein. NatĂŒrlich gibt es Arbeitsscheue, SubventionsbetrĂŒger oder Einwanderer, denen es nur auf das soziale Netz ankommt. Allein der Hinweis auf die Existenz derartiger MiĂbrauchsfĂ€lle wird von vielen als politisch unkorrekt gebrandmarkt. Ăber die âMigration der Falschenâ wurde bereits oben in Kap. 1.2.4 gesprochen. Vielfach wird sie auch als âZuwanderung in die sozialen Netzeâ bezeichnetâ (S. 124)
âDie Parteien können und wollen aus dem Teufelskreis von immer weitreichenderen Versprechungen und damit steigenden Erwartungen der BĂŒrger nicht ausbrechen. Sie haben sich selbst gefesselt. [âŠ] Der wertkonservative NormalbĂŒrger, verheiratet mit Kindern, Lohnsteuerzahler in der freien Wirtschaft und ohne Migrationshintergrund hat in der gegenwĂ€rtigen Parteienlandschaft keine Heimat.â (S. 127)
âDemokratie und Schulden sind Zwillingeâ (S.161)
âWenn sozialer Frieden mit schuldenfinanzierten Wohltaten erkauft wird und alle Parteien mitmachen, dann taucht der böse Verdacht auf, ob die parlamentarische Demokratie nicht doch nur eine Schönwetter-Veranstaltung ist.â (S. 165)
âAusufernde Schulden sind ein PhĂ€nomen, das uns ĂŒberall in den Demokratien begegnet. Politiker, die gewĂ€hlt werden wollen, erkaufen sich Wohlwollen durch ungedeckte Schecks auf die Zukunft.â (S. 166)
âReprĂ€sentation durch ein Parlament ist keine essentielle Voraussetzung fĂŒr eine freiheitlich demokratische Grundordnung,â (S. 344)
âSchmerzhafte Entscheidungenâ im Konfliktfall
âEin globaler konventioneller oder atomarer Krieg ist Gott sei Dank unwahrscheinlich geworden. Regionale Konflikte um Ressourcen (Rohstoffe, Wasser, Energie) sind aber zu erwarten. DarĂŒber hinaus werden Terrorismus, innere Unruhen oder Aktionen des Organisierten Verbrechens die neuen Plagen sein. Demokratische Staaten können darauf nur reagieren, wenn sie ĂŒber handlungsfĂ€hige Regierungen verfĂŒgen. Eine von der Mehrheit der Bevölkerung direkt gewĂ€hlte Regierung hat den nötigen RĂŒckhalt auch fĂŒr schmerzhafte Entscheidungen.â(S. 349)
âSachgerechteâ Probelmlösungen durch âmandative Demokratieâ
âDer Sinn der folgenden Themenauswahl [S. 358-387, A.K.] liegt darin aufzuzeigen, was an sachgerechten LösungsvorschlĂ€gen im gegenwĂ€rtigen Politikbetrieb chancenlos ist, im Modell der mandativen Demokratie dagegen eher realisierbar wĂ€re.â (S. 358)
âKennzeichen aller Antworten, zu denen unsere parteiendominierte parlamentarische Demokratie fĂ€hig war, ist die â wie Sinn es formuliert hat â âschier grenzenlose Ignoranz der Sozialpolitiker gegenĂŒber ökonomischen Anreizmechanismenâ.â (S. 359)
KĂŒndigunggschutz abschaffen
âDer KĂŒndigungsschutz ist als soziale Regelung gut gemeint, wirkt sich aber leider arbeitsplatzverhindernd aus, weil ein Arbeitgeber im Zweifel lieber keinen neuen Arbeitnehmer einstellt, wenn er befĂŒrchten muĂ, ihn bei der nĂ€chsten Konjunkturdelle nicht wieder loszuwerden. DĂ€nemark hat mit der Abschaffung des KĂŒndigungsschutzes beste Erfahrungen gemacht. In Deutschland ist eine solche Regelung nicht durchsetzbarâ (S.359)
Keine Sozialleistung ohne Gegenleistung
âKeine Sozialleistung ohne Gegenleistung. [âŠ]Wer arbeiten kann, muĂ arbeiten […] Man scheut den Vorwurf der âZwangsarbeitââ (S. 360f.)
Streiks gehören abgeschafft
âStreiks gehören abgeschafftâ (S. 362)
EinschrÀnkung der betrieblichen Mitbestimmung
âZu beanstanden ist [âŠ] der Versuch des Gesetzgebers, gewerkschaftlichen EinfluĂ zu sichern.â (S. 366)
âDie âDemokratisierung der Wirtschaftâ ist vom Ansatz her verfehlt, weil sich Staatsverfassungsstrukturen nicht auf Wirtschaftsunternehmen ĂŒbertragen lassen.â (S. 366)
â>Die Mitbestimmung hat zur SchwĂ€chung des deutschen Wirtschaftsstandortes beigetragenâ (S. 367)
âDie Vertretung der Arbeitnehmer ist richtig, aber bitte im Betriebsrat und auf Unternehmensebene im Gesamtbetriebsrat. Dort ist auch die Mitbestimmung in bestimmten wirtschaftlichen Angelegenheiten angemessen. Denkbar sollten z.B. auch gemeinsame Sitzungen von einem â gegnerfreien â Aufsichtsrat und dem Gesamtbetriebsrat sein. Die ĂŒbrige Mitbestimmung auf Unternehmensebene ist dagegen ersatzlos zu streichen.â (S. 367f.)
Rente mit 70
âRente mit 70 [âŠ] Ich wage die Prognose, daĂ wir fĂŒr ein solides, nachhaltiges Rentenkonzept ein Regel-Eintrittsalter von 70 Jahren benötigen.â(368f.)
Zwang zur privaten Krankenversicherung
âWie wĂ€re es mit einem gesetzlichen Zwang zur Krankenversicherung, aber freier Wahl der privaten Versicherungsgesellschaft?â (S. 371)
Dienstpflicht / Ordnungsdienst
âWir brauchen eine qualifizierte Armee; wir brauchen darĂŒber hinaus aber auch einen Ordnungsdienst im Inland. [âŠ] Bei Staatsbesuchen, bei Demonstrationen, bei groĂflĂ€chigen Absperrungen etc. â immer werden Hundertschaften von Polizisten benötigt, die von anderen Aufgaben abgezogen werden mĂŒssen. [Anmerkung 124 von Behrendt hierzu: âĂhnlich Scholz: ‚Deutschland â In guter Verfassung?‘, S. 181, der von einem militĂ€rĂ€hnlichen ‚Heimatschutz‘ sprichtâ] [âŠ] Man wende nicht ein, daĂ diese EinsĂ€tze nur von bestens geschulten Polizisten bewĂ€ltigt werden könnten. Zum einen mĂŒĂte natĂŒrlich jeder Dienstverpflichtete einen Grundkurs fĂŒr die von ihm gewĂ€hlte Sparte absolvieren, und er stĂŒnde im Einsatz selbstverstĂ€ndlich unter der Aufsicht von polizeilichem Fachpersonal. Zum anderen aber könnte gerade die Mitwirkung von âNormalbĂŒrgernâ aus der Bevölkerung vieles entspannen. Ein solcher Ordnungsdienst hat von vornherein nicht das âBullenâ-Image. [âŠ] Ăbergriffe auf Polizisten im Einsatz sind lĂ€ngst alltĂ€gliche Erscheinungen geworden, und die Solidarisierung gerade von Immigranten mit TatverdĂ€chtigen ihres Milieus ist fĂŒr Polizisten leider eine alltĂ€gliche Erscheinung. Jeder und jede sollten dienstpflichtig sein, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, wie Krankheit oder Unabkömmlichkeit. Die Dienstpflicht sollte ein Jahr dauern. [âŠ] Die lĂ€ngste Zeit davon wĂŒrde die entsprechende Ausbildung erfordern, die ja nicht verloren ist, sondern unabhĂ€ngig von dem Beruf des Jugendlichen eine Bereicherung bedeuten wĂŒrde. Mit ReserveĂŒbungen mĂŒĂte das Wissen regelmĂ€Ăig wieder aufgefrischt werden. Die Dienstleistung sollte, Ă€hnlich einem Wehrsold, vergĂŒtet werden. [âŠ] Ich höre natĂŒrlich schon die empörten Zwischenrufe: Das haben wir doch alles schon mal im Dritten Reich gehabt: Wehrdienst, Reichsarbeitsdienst, Pflichtjahr fĂŒr MĂ€dchen. Mit der Nazi-Keule kann man natĂŒrlich jede Diskussion beenden.â (S. 374ff.)
âAuch dieser Vorschlag einer allgemeinen Dienstpflicht wĂ€re unpopulĂ€r. Doch auch hier gilt, was bereits zur Rente mit 70 gesagt wurde: Nur unter den Bedingungen der mandativen Demokratie ist eine Realisierung vorstellbar.â (S. 377)
Ăkologie
âDie Politik folgt […] der Stimmung in der Bevölkerung, denn die Mehrheit in Deutschland ist gegen Atomenergie, wenn auch viele verlĂ€ngerte Auslaufzeiten im Interesse der internationalen WettbewerbsfĂ€higkeit Deutschlands akzeptieren wĂŒrden. Diese insgesamt skeptisch bis ableh1nende Haltung ist freilich Ergebnis einer konsequenten Desinformation insbesondere durch die öffentlich-rechtlichen Medien â anders kann man es leider nicht nennen.â (380f.)
âDie âökologische Umgestaltung der Wirtschaftâ ist ein gigantisches VabanqueâSpiel und vergleichbar nur mit dem anderen Menschheitsexperiment, der âsozialistischen Umgestaltung der Wirtschaftâ. Letzteres ist nach 70 Jahren und Erfahrungen in âzig LĂ€ndern gescheitert und hat Millionen von Menschen Leben und Wohlstand gekostet.â (S. 385)
Schlusssatz
âDie parlamentarische Demokratie ist tot, sagt Dahrendorf. Nun denn: Es lebe die mandative Demokratie!â (Schlusssatz, S. 396)
Fortsetzung: Behrendt (AfD) rudert zurĂŒck: Realutopie soll nur Denkmodell sein
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