„Die Auflösung Deutschlands wird jetzt beendet.“ Höcke-Putsch? JA marschiert?

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Angela Merkel hatte in ihrer Neujahresansprache vor der Pegida-Bewegung gewarnt.

Diese Kritik rief die AfD auf den Plan. Wie zuvor Gauland kritisierte auch Lucke die sogenannten „Altparteien“ für deren Kritk an Pegida. In AfD-Kreisen ist die Pegida-Bewegung sehr beliebt. 71 Prozent der AfD-Wähler*innen halten die Pegida-Demonstrationen für gerechtfertigt. Da es aktuell einen harten Machtkampf im Vorstand der AfD gibt, müssen sich die AfD-Vorständler*innen natürlich in ihrer Empörung über Merkel überbieten.

Und auch Björn Höcke, der Landeschef der AfD Thüringen, ließ sich nicht lumpen. Vor wenigen Tagen hatte er in einem Interview mit der Zeitschrift der Neuen Rechten, Sezession, angemahnt, die Pegida-Bewegung dürfe sich nicht pauschal für „sexuelle Selbstbestimmung“ aussprechen, außerdem müsse sie berücksichtigen, dass das Abendland neben christlich-jüdischen auch antike und germanische Wurzeln habe.

Nun legte er noch einmal nach:

Die Deutschen seien ein „gutes und barmherziges Volk“, ließ er sich auf der Website der AfD Thüringen zitieren, die Pegida-Bewegung sei ein „hervorragender Teil“ dieses Volkes. Merkel habe sich vom „Volksempfinden, dass im gesunden Menschenverstand gründe“ entfernt. Der „rote Block“ unterstützte auch noch ihre Ansprache.

Warum spricht Höcke nicht gleich vom „Gesundes Volksempfinden“? Weil erst einmal eine Herleitung von der bisherigen AfD-Formulierung „AfD= Partei des gesunden Menschenverstandes“ gebastelt werden muss zum „Gesunden Volksempfinden“?

Die „Altparteien“ lösten Deutschland auf wie „ein Stück Seife unter lauwarmen Wasser“ heißt es beim gerne metaphorisierenden Höcke weiter. Und er beendet die PM mit der Aussage: „Dieses seit Jahrzehnten abdaufende Projekt wird jetzt beendet.”

Wie jetzt? Plant Höcke aus den Tiefen des Thüringen Waldes einen Marsch auf Berlin. Oder mit Pegida von Dresden aus? Oder mit seiner Jungen Alternative aus Stuttgart? JA marschiert? Höcke-Kubitschek-Putsch?

Oder ist mit Höcke der pädagogische Gymnasiallehrer durchgegangen? Inszeniert er dieses ganze faschistoide Auftreten nur, um den rechten Mitläufer*innen den Spiegel vorzuhalten, wie der Gymnasiallehrer Rainer Wenger in dem Film „Die Welle“?

Es ist zu befürchten, dass Höcke seine Äußerungen ernst meint. Und das Ganze ist nicht witzig.

Höcke behauptet von sich, ein „historisches Tiefenbewusstsein“ zu haben, „in Generationen“ zu denken. Weiß er nicht, dass mit der Floskel „Gesundes Volksempfinden“ im NS-Staat die Rechtsprechung außer Kraft gesetzt wurde? Das mit dem „Gesunden Volksempfinden“ gegen „Entartungen“ vorgegangen wurden? Oder denkt sich Höcke: Wer „Entartung“ sagt (Lucke), muss auch „Gesundes Volksempfinden“ sagen (Höcke)? Mit den entsprechend faschistisch-aufgeladenen Begriffen „Dekadenz“ und „Degeneration“ geht Höcke ebenfalls nicht spärlich um.

Es gibt einen Spiegel-Artikel, der vor mittlerweile 50 Jahren geschrieben wurde. Damals zeigte sich das deutsche Volk mit seinem „Gesunden Volksempfinden“ als sehr barmherzig. „Bei einer Umfrage der Tübinger Wickert-Institute sprachen sich 63 Prozent der Männer und 76 Prozent der Frauen dafür aus, mit der Verfolgung von Nazi-Verbrechern aufzuhören.“ Diese Prozentzahlen entsprachen in etwa der Frage nach der Wiedereinführung der Todesstrafe, merkte der Spiegel dazu lakonisch an. Im Spiegel-Artikel fanden sich daher einige drastische Schilderungen von Nazi-Verbrechen, die dem Gymnasiallehrer Höcke eigentlich bekannt sein dürften und die seiner Aussage, die Deutschen seien ein „barmherziges Volk“ widersprechen.

10 Kommentare

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  1. Chris

    Die Ansichten der AFD – besser gesagt einiger Mitglieder- ist zu einigen Themen sonderbar. Beispiel: Abtreibungsklinik in Stuttgart. Man kann ja durchaus gegen Abtreibungen sein.
    Den Arzt als „Massenmörder“ zu beschimpfen und die Klinik als „Massenvernichtungsanlage“ zu benennen geht jedoch eindeutig zu weit.

    Natürlich war „Pro Familia“ auch „Anti Familia“. Der neue Vermieter und dessen Mieter wurden scheinbar auch belästigt.

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article134416582/Hasskampagne-gegen-Abtreibungsklinik.html

  2. Oliver

    Das Volksempfinden wird auch schon vom Dresdener Politikwissenschaftler Werner J. Pazelt in Bezug auf die Pegida bemüht:
    >>Pegida ist eher die Kristallisation von allgemeinem Volksempfinden, … .
    In dem Ausmaß, in dem begriffen wird, was hier tatsächlich vonstatten geht, nämlich, dass eine Art schweigende Mehrheit, eine Art abgehängte Bevölkerungsschicht hier sich artikuliert und allein durch physische Präsenz sagt, uns gibt es auch noch, wir haben auch unsere legitimen Anliegen,<<
    Quelle: Deutschlandfunk, http://tinyurl.com/ko5egsr
    Im Interview mit der "Jungen Freiheit" schlägt dieser Wissenschaftler dann ein neues Einwanderungsgesetz als Kompromiß für und mit der Pegida vor.
    Auch der Dresdener Kommunikationswissenschaftler Walter Donsbach erkennt in den Pegida-anhängern "den Normalbürger", der sich von der Presse nicht mehr vertreten sieht und schägt damit in die gleiche Kerbe, wie der Organisator der Pegida-Bewegung Bachmann (Quelle: http://tinyurl.com/od224dc ).
    Letzteren und seinesgleichen lobte Prof. Donsbach übrigens in einem Interview mit der Bildzeitung als Leserreporter derselbigen. Das Wort des Grünen-Politikers Ozdemir, der die Pegida als "Mischpoke" bezeichnete, scheint auch noch manche Dresderner Wissenschaftskreise treffend mit einzuschließen.

    • Oliver

      Kleine Fußnote zum Dresdener Politikwissenschaftler Patzelt. Während die Dresdener Polizei ein erhebliches Gewaltpotential bei der Pegida wahrnimmt, schreibt die sz-online.de:
      „Beim letzten Pegida-Marsch am vergangenen Montag hatte der Dresdner Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt als Augenzeuge dagegen eher die Gegendemonstranten mit ihren Sprechchören als aggressiv wahrgenommen. Er sah Pegida an diesem Abend als „moralischen Sieger“.“
      Quelle: http://www.sz-online.de/sachsen/polizeichef-sieht-hohes-gewaltpotenzial-bei-pegida-demos-3015764.html

  3. ribi

    andreas: was interessiert es die menschen, was die ehemailhe fdj-propagangadame, die europa an die usa ausliefern will, über demoanstranten sagt! demokratie kannte sie im osten natürixh nicht!

  4. walterfriedmann

    Hat dies auf Forum Politik rebloggt und kommentierte:
    Björn Höcke, Landeschef der AfD Thüringen

  5. ribi

    andreas: merke, hier wird eher zensiert, naja

  6. rutronik@freenet.de

    Habe schon an dem Gender Stern gesehen welche Mitbürger hier disskutieren. Hoecke ist sicherlich radikal und versteht Parteiarbeit nicht. Trotzdem gibt es aber erhebliche Sorgen der deutschen Bevölkerung in Bezug auf Kriminalitaet, Wohnungsnot, Steuererhöhungen und die Wahrheit der Pressemeldungen. Im Oktober wurde die AFD noch stark kritisiert fuer ihre Beschwerde über die zu Gute Presse über Kriminalitaet, heute nach Koeln kommt endlich alles auf den Tisch was der Normalbuerger laengst wusste. Immer den Bezug zum 3. Reich zu nehmen nur weil mal jemand ausdrücke wie dieNazis verwendet hilft nicht wirklich wenn der Normalbürger es als angemessen ansieht. Und ganz ehrlich warum sollte mannicht Ausdruck ke benutzen die man zur Beschreibung einer Situation braucht nur weil die Nazis das vor 70 Jahren verwendet haben? Die meisten Leute wissen gar nicht dasdiese Begriffe Teil der Nazi-Propaganda waren.Also Ball flach halten und akzeptieren das es keine Wohlfuelargumentation gibt und jeder das Recht hat dagegen zu argumentieren nur sollte er nicht immer die Nazi Keule schwingen wenn es um heutige Probleme geht.

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