Die Buchenwald-Provokation Höckes und die völkische Rede Kubitscheks

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Björn Höcke, der Landessprecher der AfD in Thüringen, provozierte diese Woche mit einer geplanten Kranzniederlegung in der KZ-Stätte Buchenwald. Mit dem Kranz sollte auch den Opfern des Stalinismus gedacht werden. Diese Relativierung und die daraus entstandene Empörung war ein gezielter politischer Akt.

Götz Kubitscheks völkische Rede

Parallel zu dieser Provokation in Buchenwald hielt Götz Kubitschek eine völkische Rede während der Legida-Demonstration in Leipzig, begleitet von „Wir sind das Volk!“, „Deutschland! Deutschland!“- und (gerichtet an die SPD) „Volksverräter! Volksverräter“-Rufe. Hier einige Auszüge:

„Unser Volk hat schon immer Fremde begrüßt und aufgenommen, die zu Deutschen werden wollten. Das war nie ein Problem. Aber unser Volk darf nicht ausgetauscht werden. […] Unser Volk hat sich in der schwierigen Mitte Europas behauptet. Es hat Kriege geführt und es wurde mit Krieg überzogen. […] Wir tragen die Geschichte der Zerstörung mit. Die Geschichte der gefallenen Soldaten, der getöteten Juden, die Geschichte der zerbombten Städte und die Geschichte der Millionen Vertriebenen. […] Mein größter Wunsch: Wir müssen dafür sorgen, dass unser Volk ohne Riss an seiner Zukunft baut. Und Eurer ist es auch, oder?“ (Video von Kubitschek Rede, ab 2:30:00)

Die Parallele der Verharmlosungen der Shoa ist deutlich. Es wird nicht vollständig ignoriert, dass Juden und Jüdinnen ermordet („getötet“) wurden, aber die Shoa wird relativiert.

Kubitschek, Scholdt, Höcke: fundamentalistische Neue Rechte

Björn Höcke hatte Götz Kubitschek nicht nur eine Reihe von Interviews für sein neurechtes Magazin „Sezession“ gegeben. Kubitschek betonte, dass er Höcke schon länger kannte und es fällt in gemeinsamen Interviews auf, dass er Höcke duzt, andere Interviewpartner hingegen siezt. Höcke hatte noch vor der Europa-Wahl Günter Scholdt zu einer Tagung der AfD Thüringen eingeladen, in der Scholdt zur „Historischen Mission der AfD“ referierte. Scholdt hielt ebenfalls eine Rede zur 50, Ausgabe der Sezession. Höcke, Scholdt, Kubitschek gehören zur selben ideologischen Gruppe der Neuen Rechten, die sich fundamentalistisch absetzt von realpolitischen Flügel der Neuen Rechten, wie er z.B. in Dieter Steins Wochenzeitung „Junge Freiheit“ auftritt.

Die Buchenwald-Provokation und die völkische Rede in Leipzig müssen daher in einem Zusammenhang gesehen und interpretiert werden.

Modernisierter Geschichtsrevisionismus

Der Geschichtsrevisionismus von Höcke, der Nationalsozialismus und Stalinismus als „Totalitarismen“ gleichsetzt, wird seit ein paar Jahren weiterentwickelt. Höcke, Scholdt, aber auch Ernst Nolte sprechen inzwischen von einem dritten „Totalitarismus“. Es handelt sich um den „Totalitarismus der Political Correctness“. Dieser liege wie „ein Mehltau“ auf unserem Land. Die historische Mission der AfD bestünde darin, Deutschland von diesem „Mehltau“ zu befreien.

Noch abschließend eine Bemerkung zu dieser Metapher. Sie ist klug gewählt, da Mehltau ähnlich wie Krebs parasitär die Zellen angreift und auf der metaphorischen Ebene die Familie als „Keimzelle der Nation“ dargestelllt wird: Die Keimzelle der Nation wird parasitär vom PC-Mehltau der „Genderisten“ ausgelaugt und zerstört. Man sagt in der Neuen Rechten heute „Mehltau“ weil das Wort „Krebsgeschwür“ zu sehr an Nazi-Jargon erinnert.

4 Kommentare

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  1. walterfriedmann

    Hat dies auf Forum Politik rebloggt und kommentierte:
    Geschichtsrevisionismus

  2. Rolf Steiner

    Wer bei uns heute noch von der Thule-Gesellschaft als „Vorbild“ schwafelt, der will auch die verbrechserischen Schandtaten der Nazis vergessen machen. Auf den Möller v.d.B. oder den zwielichtigen Sebottendorf hinzuweisen, zeigt eine nicht zu überbietende Geschichtsvergessensheit. Dass Kubitschek nicht zu Unrecht aus der Bundeswehr geworfen wurde, ist in dessen verbohrter rechtslastiger Ausrichtung begründet. Solche Leute wollen keine Demokratie, auch wenn sie es 1000mal beteuern. .

  3. Telipinu Hatti

    Interessante Wortwahl: „der getöteten Juden“, aber „der Millionen Vertriebenen“. Das klingt danach, dass er die Zahl von ca. 6,5 Millionen getöteter Juden nicht bestätigen will! Das passt gut zu seiner Forderung, § 130 StGB abzuschaffen! Die gängige Argumentation der Geschichtsrevisionisten geht ja nicht dahin, dass überhaupt keine Juden getötet worden seien, sie streiten nur die Zahl ab; mit aberwitzigen „Argumenten“ natürlich!

    Und ich habe noch nicht gesehen, dass jemand im Namen der Political Correctness ein KZ errichtet hätte, so skeptisch ich der Euphemismus-Tretmühle auch gegenüber stehe!

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