Warum Aufklärung über Höcke wichtig ist

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Björn Höcke ist Fraktionsvorsitzender der AfD in Thüringen. Auf zahlreichen Demonstrationen skandierten Tausende seinen Namen, vor allem, wenn er davon spricht, dass Deutschland einen neuen Bundeskanzler braucht. Zugleich benutzt er bewusst zahlreiche Nazibegriffe, um die vermeintliche „Neurotisierung“ des „deutschen Volkes“ seit 1945 zu durchbrechen.

Er betont seine „Vaterlandsliebe“, bezieht sich aber auch immer wieder auf seine männlichen Vorfahren.

In seinen Reden bringt er die politischen Ansichten seines verstorbenen Vaters ins Spiel. So beispielsweise in seiner Rede am Institut für Staatspolitik, kurz bevor er über „afrikanische Ausbreitungstypen“ doziert, die es brauchen, dass wir ihnen Grenzen setzen. Höcke ruft die Erinnerung an die Ankündigung der DDR-Maueröffnung von 1989 wach:

„Mein Vater und ich schauten uns diese Tageschau-Sendung gemeinsam an und diese Ankündigung hat uns gefühlsmäßig überwältigt. Wir lagen uns anschließend in den Armen und ich spürte die Tränen meine Wangen herunterlaufen. Als wir uns voneinander lösten und uns anschauten, sagte mein Vater einen Satz, den ich niemals vergessen werde. Er sagte: „Das ist das Ende des deutschen Volkes.“ Natürlich lehnte mein Vater die kommunistische Diktatur in der DDR ab. Aber er verfolgte auch die seit Jahrzehnten laufende Multikulturalisierung Westdeutschlands und er sah das Anwachsen der nicht-assimilierten Parallelgesellschaften in den Ballungsgebieten des Westens. Die DDR war – trotz ihrer ideologischen Ferne zu uns – eben ein Staat, in dem die über Jahrhunderte gewachsene und belastbare Vertrauensgemeinschaft intakt war.“

Wenn er selber seinen verstorbenen Vater für politische Reden vereinnahmt, sollte er sich nicht wundern, wenn sein Vater in den Fokus der Öffentlichkeit gerät. Höcke macht in dem Absatz deutlich, dass er sein völkisches Denken von seinem Vater übernommen hat. Um zu verstehen, wie Höckes Provokationen mit den Nazibegriffen einzuschätzen sind, wäre es wichtig, mehr über seine Sozialisation zu erfahren.

1995 berichtete Report Baden-Baden über den Holocaust-Leugner Thies Christophersen. Christophersen hatte das Buch „Die Auschwitz-Lüge“ verfasst, auf das sich nachfolgend alle Holocaust-Leugner positiv bezogen. Christophersen entzog sich den Justiz-Organen in Deutschland und publizierte von Dänemark aus eine Zeitschrift in Din-A-5-Format mit dem harmlos klingenden Namen „Die Bauernschaft“. Als ich diese Zeitschriften analysierte, musste ich immer wieder Pausen einlegen. Allein die Titelbilder waren abschreckend: Mal fanden sich Porträts, die Adolf Hitler darstellten, mal fanden sich Gemälde vom „Künstler“ Hitler selber. Christophersen bezog sich positiv auf Hitler. Die Ausgaben der Zeitschrift waren in Deutschland indiziert, das heißt, verboten. Was passiert mit einem Jugendlichen, der in einer Familie aufwächst, in der das Nazi-Blatt „Die Bauernschaft“ zur normalen Lektüre gehört?

In der Report-Sendung wurde von einer Abonnenten-Liste der „Bauernschaft“ gesprochen, die ihren Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Auf dieser Abonnenten-Listen fand sich der Großteilt der Neonazi-Größen der damaligen Zeit. Und in einer Datei findet sich die Kundennummer 1563, die dem Namen und dem Wohnsitz des Vaters von Björn Höcke zugeordnet ist.

Björn Höckes Vater war zudem, wie bereits seine Großeltern, Mitglied in der Landsmannschaft Ostpreußen und sein Name taucht in unterschiedlichen Publikationen mit neurechtem Zusammenhang auf.

Für die deutsche Nachkriegsgeschichte ist es wichtig zu verstehen, wie Ideen des Nationalsozialismus von einer Generation auf die nächste übertragen werden. Björn Höcke hat seinen Kindern nordische Vornamen gegeben.

Wichtig ist allerdings dieser Zusammenhang auch, um Björn Höcke richtig einschätzen zu können. Meiner Meinung nach gibt es nur eine plausible Erklärung für eine ganze Reihe von „Zufälligkeiten“ im Zusammenhang mit dem NS-Verherrlicher „Landolf Ladig“ und Björn Höcke – nämlich die, dass Björn Höcke „Landolf Ladig“ ist. Ich habe diese „Zufälligkeiten“ mehrfach ausgeführt, zum letzten Mal hier: https://andreaskemper.wordpress.com/2016/01/09/landolf-ladig-ns-verherrlicher/

AfDler, die in meinen Vorträgen zur AfD immer wieder zugegen sind, habe ich mehrfach mit diesen Zufälligkeiten konfrontiert. In einem meiner letzten Vorträge war Martin Renner, AfD-NRW-Landesvorsitzender. Er gab zu, sich mit „Landolf Ladig“ nicht befasst zu haben. Nächste Woche wird er einen Gastauftritt bei Höckes „Erfurter Demonstration“ haben.

Wenn sich AfDler nicht mit der Causa Höcke befassen, ist dies in einer machiavellistischen Parteilogik vielleicht verständlich – sie machen sich natürlich mitschuldig. Problematisch wird es, wenn Journalisten auflagenstarker Zeitungen wie DIE WELT diesen Zusammenhängen nicht nur nicht nachgehen, sondern diese abwehren. Ich spreche hier vom gerade entlassenen WELT-Journalisten Günther Lachmann.

Kurz vor dem AfD-Bundesparteitag in Essen im Sommer 2015, als entschieden wurde, ob die Gruppe um Henkel und Lucke oder ob der rechte Rand um Höcke die AfD verlassen muss, griff Lucke auf meine Recherchen zu „Landolf Ladig“ zurück. Björn Höcke wurde aufgefordert, eine eidesstattliche Versicherung abzugeben, nicht für die NPD geschrieben zu haben, und mich anzuzeigen, um den Verdacht aus der Welt zu räumen. Günther Lachmann bezeichnete in einem Artikel dieses Vorgehen von Lucke als „perfide NPD-Attacke“, ging nicht weiter auf die Recherche-Ergebnisse aus dem „linken Blog“ ein und behauptete, diese Ergebnisse seien nicht geprüft. Höcke ließ das Ultimatum verstreichen, er gab keine eidesstattliche Erklärung ab und zeigte mich nicht an. Sanktionen gegen Höcke gab es nicht. Lucke hatte verloren und Höcke wurde immer mächtiger. Wenig später diente sich Lachmann beim neuen Bundesvorstand unter Petry an, was in den letzten Tagen heraus kam. Stefan Aust entließ Lachmann und kündigte eine kritische Überprüfung an. Es bleibt zu hoffen, dass von der WELT auch aufgerollt wird, wie das Verhältnis von Höcke und „Ladig“ ist, denn „Ladig“ schrieb für den militanten Neonazi Thorsten Heise, der weiß, wer sich hinter „Ladig“ verbirgt und mit der Offenlegung des Klarnamens drohen könnte – und Björn Höcke sitzt im NSU-Untersuchungsausschuss.

Hier zwei aktuelle Porträts von ZEIT  und ZEIT OLINE über Björn Höcke:

3 Kommentare

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  1. Oliver

    „Wenn er selber seinen verstorbenen Vater für politische Reden vereinnahmt, sollte er sich nicht wundern, wenn sein Vater in den Fokus der Öffentlichkeit gerät.“ So wird für Höcke ein Schuh daraus. Bei der biografischen Erzahlung in der Zeit, die in der gedruckten Fassung den Allerweltstitel „Der Grenzgänger“ trägt, darf gefragt werden, ob die biografischen Details nicht zur Aufwertung der Person beitragen, schließlich wird nicht jeder mit einer detailreichen biografischen Schilderung bedacht, ‚geehrt‘. –
    Die DDR als Staat, „in dem die über Jahrhunderte gewachsene und belastbare Vertrauensgemeinschaft intakt war.“ (Höcke) Das klingt mal wieder besonders perfide, gerade auch in Bezug auf die DDR, die doch allzu oft als Stasi-Staat bezeichtnet wird. Und selbst Forscher, die die dieser Bezeichnung widersprechen, konstatieren:“ Aber ohne die Staatssicherheit zu verstehen, kann man die DDR nicht verstehen.“ Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/stasi-differenziert-erforschen.1148.de.html?dram:article_id=226864

  2. Wolfgang Brosche

    Sehr aufschlußreich – dazu kommt das Phänom der Menschenverachtung, das jetzt nicht „plötzlich“ aufritt“, sondern durchaus über Generationen weitergegeben wird. Wer in einem nicht-autoritären, respektvollen Miteineinander aufwächst, der ist nicht anfällig dafür.
    Nationalistische Ideen sind ohne eine inhärante Menschnverachtung nicht denkbar; sie brauchen eine Hierarchie, die bestimmte Gruppen ausgrenzt, damit sie „stimmig“ werden.
    Da muß Höcke sen. nicht mal große Vorträge gehalten haben – sein Verhalten prägt bereits das ganz junge Kind. – Nazis ploppen nicht einfach in die Welt; ihre Mentalität wird in der Erziehung auch subkutan vorbereitet. Das „Autoritäre“ wird schon dam ganz jungen Kind vermittelt und ohne Worte – indem z.B. der Vater den Sohn der Tochter vorzieht oder beim Spaziergang demonstrativ auf Distanz geht geht zu optisch andersartig wirkenden Menschen.
    Um ein Beauvoir-Diktum abzuwandeln: man wird nicht so einfach zum Nazi, man wird schon ganz früh dazu gemacht.
    Daß in den 20er und 30er Jahren die Nazi-Ideologie (also der Überbau) soviele Deutsche überzeugen konnte, liegt in der anerzogen Bereitschaft zum Autoritären – das wiederum behinhaltet auch das Verbot des Widerspruchs und Nachfrage/es Hinterfragen, des Zweifels. Nur so läßt sich erklären, weshalb kaum jemand nachdachte, als z.B. die Hetze gegen Juden begann, die dann in der Hatz mündete und im Mord.
    Höcke ist ein solch muckerhafter autoritärer Charakter, Sein Habitus, seine ganze Haltung widersprichen seiner Großspurigkeit. Während er seine Parolen rausspuckt, genügt jedoch ein Blick auf seine Kopfhaltung und seinen Blick – die sagen beständig: „Hab ich es auch richtig gemacht,Papa?“

  3. Wolfgang Brosche

    Gerade nach entdeckt als Ergänzung zu meinem vorigen Post – http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-02/bjoern-hoecke-afd-rechtspopulismus-portraet

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