Desistierender Journalismus und faschistische Entwicklung

· Allgemein

Das Erstarken der AfD und vor allem das Erstarken der faschistischen Strömung um Björn Höcke kann weitgehend auf einen Journalismus zurückgeführt werden, der seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr genügt. Von konservativen Journalisten wurde vor knapp 25 Jahren die Newspeak-Vokabal PC zur Abwehr einer kritisch-emanzipatorischen Sprache importiert und sehr schnell und sehr breit in den allgemeinen Wortschatz eingeführt. Nicht nur die damals noch randständige Junge Freiheit, sondern auch ihr etablierterer Gegenpol, die taz, und alle möglichen Zeitungen dazwischen sorgten für die Verbreitung des Begriffspaares „Politische Korrektheit“, die es fortan ermöglichte, von Argumenten abzusehen, indem formal eine „Correctness“ unterstellt wurde. Mit dem konservativen Kampfbegriff „Politische Korrektheit“ wurde die Sprache um ein Element erweitert, welches mit Ankündigung die Kommunikation entpolitisierte. Denn bemängelt wird von den Benutzer*innen dieses Kampfbegriffs ja nicht die „Korrektheit“, im Gegenteil, gerade die Konservativen fordern ja mehr Korrektheiten entlang von Leitbildern, sondern kritisiert wird das Politische im Rahmen emanzipatorischer Wortergreifungen. Die Anti-PC-Strategie dient dem Desistieren, dem Absehen von Argumenten.

Mit Anti-PC als strategischer Vorbereitung konnte 2010 die Schraube der Anti-Emanzipation erheblich weitergedreht werden. Mit einer noch nie zuvor da gewesenen Medienkampagne wurde ein Buch im Bertelsmann-Verlag auf dem Markt geschmissen, dass unabhängig von Inhalten, alleine nur aufgrund der konzertierten Medienkampagne ein Bestseller werden musste. Inhaltlich hätte das Buch „Deuschland schafft sich ab“ eigentlich in einen rechtsextremen Kleinverlag gehört, wie „Die IQ-Falle“ von Volkmar Weiss, aus dessen Buch Thilo Sarrazin ja tatsächlich plagiierte. Eher noch hätte „Die IQ-Falle“ ein Bestseller werden können als sein Teilplagiat „Deutschland schafft sich ab“, weil der Rassist Weiss sich in seiner Materie der Rassenbiologie auskennt, während Sarrazin nur drittklassig abkupfern konnte. Dass dennoch „Deutschland schafft sich ab“ zu einem Mega-Bestseller wurde, lag an dem Willen der Verantwortlichen von Bertelsmann, BILD, SPIEGEL usw. dieses Buch zu einem Bestseller machen zu wollen. Dass es sich um ein Machwerk der Rassenhygiene handelt, hätte man wissen müssen. Im Vordergrund stand jedoch nicht der Inhalt – von diesem wurde abgesehen -, im Vordergrund stand die Aussage „Das wird man ja noch wohl sagen dürfen“. Der Journalismus-Professor Michael Haller sah die Medien auch in der sogenannten Sarrazin-Debatte in der Verantwortung: „Die Mainstrem-Medien setzen sich auf ein populäres Thema wie ein Heuschrecken-Schwarm und fressen das Thema kahl. Dann fliegen sie weiter zu einem neuen angesagten Thema. Diesen Medien geht es nicht um Aufklärung, sondern um das Spektakel. („Die Schuld der Medien am Spektakel um Sarrazin“, Interview in da.standard vom 30.07.2012)

Mit der Sarrazin-Debatte wurde ein Klima geschaffen, in welchem eine anti-emanzipatorische, rassistische, klassistische, sexistische Partei entstehen konnte. Damals wurde bereits gefragt, wo die „Sarrazin-Partei“ bliebe. Und kaum gab es die ersten Regungen für diese neue Partei, waren die Medien bereit, weitgehend unkritisch, also desistierend, in großen Lettern über sie zu schreiben. Die WELT hatte ausgerechnet Günther Lachmann zum Chef-Reporter der AfD gemacht. Und Lachmann war es auch, der die Vorgänger-Organisation der AfD, einen kleinen Verein mit dem Namen „Wahlalternative 2013“ mit einem Schlag bekannt machte. Zu diesem Zeitpunkt verfügte die „Wahlalternative“ gerade mal über eine kleine Facebook-Seite. Mit dem WELT-Artikel Lachmanns jedoch war sie in allen Medien Thema und noch vor dem Gründungsparteitag waren die Spitzenpolitiker der AfD in vier großen Talkshows zu sehen. Lachmann blieb der Journalist mit den besten Insider-Informationen, er berichtete häufiger als irgendein anderer Journalist über die AfD und die WELT bot ihm die entsprechende Verbreitungsplattform – zumindest solange bis die AfD von sich aus öffentlich machte, dass Lachmann sich ihnen andienen wollte. Erst dann entließ Stefan Aust seinen AfD-Top-Journalisten mit dem Hinweis auf „unseriösem Journalismus“. Wie weit rechts Lachmann tatsächlich stand, hätte mühelos an seinem Blog „Geolitico“ abgelesen werden können. Heute ist Lachmann angestellt in der Thüringer Landesfraktion der AfD und arbeitet als Medienberater für Björn Höcke.

Wären die Medien kritischer gewesen in den letzten Monaten, und mit „kritischer“ meine ich insistierender, wäre Höcke schon längst Geschichte. In seiner Auseinandersetzung um seine mehr als rechte politische Vergangenheit mit dem ehemaligen AfD-Vorstand um Bernd Lucke, hakten die Medien nicht nach. Lachmann sprang Höcke damals schon zur Seite und griff den AfD-Vorstand an: Es sei unglaublich, so Lachmann, dass der Bundesvorstand auf Grundlage eines „linken Blogs“ von einem Landeschef verlange, eine eidesstattliche Versicherung abzugeben und ihn zu drängen, einen Prozess gegen den „linken Blogger“ zu führen. Lachmann kann man kein „Versagen“ vorwerfen, er war schon immer Partei. Aber nicht so sehr die Parteilichkeit ist das Problem (diese wurde es für die WELT-Gruppe, die viel zu spät zu erkennen schien, wen sie da zum Chef-Journalisten in Sachen AfD gemacht hatte), sondern die desistierende Haltung. Für einen Redakteur der Thüringer Allgemeinen war entsprechend der Fall Höcke geklärt, als der mehrfach vorbestrafte Neonazi Thorsten Heise süffisant mitteilte, Höcke verberge sich nicht hinter dem Pseudonym eines Autoren seiner Magazine. Der Neonazi sagt, Höcke sei kein Neonazi – Fall geklärt. Ein derartiger Auswuchs von Anti-Journalismus (eigene Recherchen fanden nicht statt, eine hartnäckige Konfrontation mit den Fakten erst recht nicht) ist eher typisch als die Ausnahme. Selbst in einem der besseren Interviews in der Sarrazin-Debatte verzichtete seinerzeit Schirrmacher in der FAZ auf ein Nachbohren. Schirrmacher hatte Sarrazin gefragt, was er mit dem Rassisten Volkmar Weiss zu tun habe. Sarrazin behauptete, er habe sich auf Weiss nur als DDR-Experten bezogen, was nachweislich falsch ist, um nicht zu sagen, dreist gelogen. Doch ein weiteres Inistieren, Nachbohren, Überführen fehlte: dass Sarrazin die Unwahrheit gesagt hatte, warum er die Unwahreit sagte, ob er noch an anderen Stellen die Unwahrheit sagte usw. Und wie gesagt, das war damals eines der besseren Interviews, immerhin konfrontierte Schirrmacher Sarrazin mit Weiss, die meisten Journalisten wussten wahrscheinlich gar nicht was Eugenik/Rassenhygiene, geschweige denn, wer Weiss ist.

Björn Höcke ist einer der führenden AfD-Politiker. Und die AfD zieht seit dem Rechtsruck nach dem Essener Parteitag in jedes Parlament mit einem satten zweistelligen Ergebnis ein, sieht sich selbst inzwischen europaweit als „Klammer“ aller rechten Parteien und setzt sich in Deutschland an die Spitze einer gefährlichen nationalistischen Bewegung, die kontinuierlich stärker wird. Es wäre die Aufgabe des Journalismus zu insistieren. Und diese Aufgabe hat sie aus zweierlei Gründen. Zum einen, weil es um die Sache selber geht. Der Journalismus sollte ein Korrektiv zu den Halbwahrheiten und Schweigekartellen der Parteipolitik sein. Der Journalismus muss nerven, immer wieder und wieder die selben Fragen stellen, bis die Hintergründe endlich aufgedeckt sind. Er muss beharren, darf sich nicht auf irgendwelches Geschwätz einlassen. Wenn Höcke selbstherrlich mit der Einstellung von Lachmann als Medienberater verkündet, die „Zeit der Rechtfertigung“ sei beendet“, dann soll er eben in seiner selbstgewählten Verbannung vegetieren. Es gibt andere AfD-Politiker*innen und diese müssten dann mit Höcke konfrontiert werden, wieder und wieder, insistierend: Wie sah das letzte Amtsenthebungsverfahren gegen Höcke aus? Gibt es Protokolle? War das Schiedsgericht objektiv? Wird es ein neues Amtsenthebungsverfahren geben? Wie bewerten Sie die Anschuldigungen? Warum bewerten Sie sie so? Was sagen sie zu den Indizien, dass Höcke sehr wahrscheinlich unter Pseudonym NS-verherrlichende Texte geschrieben hat? Kennen Sie die Indizien? Tolerieren Sie einen Nazi als führenden AfD-Funktionär?

Zum anderen ist dieser insistierende Journalismus auch als Vorbild wichtig. Es geht um das Beharren auf den Austausch von Argumenten. Es geht um die Wertschätzung von Argumenten. Schaut man sich sogenannte „Diskussionen“ im Internet an, dann handelt es sich meistens um ein Zuklatschen mit Meinungen, egal was der*die andere sagt. Für eine argumentative Auseinandersetzung ist jedoch das Beharren auf Fragen, Antworten und Argumenten wichtig. Journalist*innen müssen solange auf die Beantwortung einer unangenehmen Frage beharren, bis sie beantwortet ist. Und diese Fragen müssen relevant sein, denn erst die Relevanz rechtfertigt das Insistieren. Relevante Fragen zuerst, gibt es hier keine erschöpfenden Antworten, muss insistiert werden, statt zu irrelevanten Fragen überzugehen. Wurde schon zuvor einem Kollegen oder einer Kollegin die Antwort auf eine relevante Frage verweigert, wird diese selbstverständlich wieder aufgegriffen. Der Journalismus hat hinsichtlich des detektivischen Insistierens auf gute Argumentation einen Vorbildcharakter für die Medienkompetenz der Bevölkerung, bzw. er sollte ihn haben. Aktuell scheint es eher, als nehme sich der Journalismus ein Vorbild am desistierenden Charakter der Kommentarspalten.

25 Kommentare

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  1. Jens

    Grundsätzlich haben Sie recht.

    Die Medien sind teilweise zu zahm. Nur gilt das auch für alle Seiten.

    Die AFD ist damals entstanden weil einige diese fortgesetzten Rechtsbrüche bezüglich der EU und dem Euro nicht mehr mit ansehen wollten. Jetzt im Zuge der sog. Flüchtlingskrise wieder.

    Ist man denn schon “ rechts“ wenn man einfordert das sich alles Recht und Gesetz zu halten haben?

    Sie sollten vielleicht auch mal an die Ursachen gehen. Und die heißen:

    Fortgesetzte schwere Rechtsbrüche der Politik und Exekutive. Wieso hört man da nichts von Ihnen?

    Wenn sich alle anderen Parteien weiterhin weigern diesen Zustand zu beenden dann wird die AFD noch mehr erstarken.

    Ich habe jahrelang die SPD gewählt. Anstatt die Probleme anzugehen beschimpfen diese Politiker uns noch als Pack.

    Ich bin dabei in die AFD einzutreten. Und auch andere von der SPD wie Herr Reil und Andere laufen zur AFD über.

    • Andreas Kemper

      Man ist rechts, wenn man zwischen den Menschen noch mehr gruppenbezogene Ungleichheit herstellen will und dies mit Ideologien der Ungleichheit zu rechtfertigen versucht. Man ist rechts, wenn man die Unlgeichheit zwischen arm und reich, Frauen und Männern, „Bio-Deutschen“ und „Nicht-Bio-Deutschen“ vergrößern will zugunsten der Privilegierten. Urteilen Sie selbst, ob Sie rechts sind.

  2. Jens

    Fragt sich nur wer die Privilegierten sind.

    Sind Männer die Privilegierten? Wohl kaum. Siehe Lebenserwartung.

    Wer ist privilegiert? Die deutsche Oma die fürs Schwarzfahren in den Knast kommt während sog. Flüchtlinge Freifahrtscheine bekommen?

    Ja ich will das diese ungerechten Privilegien aufhören.

    Zu den Rechtsbrüchen und Straftaten der Regierung haben sie ja nichts zu sagen. Ist es zuviel verlangt das die Gesetze von allen befolgt werden und nicht nur von „Biodeutschen“?

    Ich denke nicht. Was soll dran irgendwie falsch sein?

    Für mich ist auch rechts sein mittlerweile auch nichts anrüchiges mehr. Dennoch ist es schwachsinn Leute in die rechte Ecke zu schieben weil sie drauf pochen das die Gesetze für alle zu gelten haben.

    Sie wollen das nur nicht verstehen. Deswegen versuchen sie auch abzulenken. Diese Rechtsbrüche sind die Ursache für den Erfolg der AFD.

    Wieso sorgen sie nicht dafür das sich die Altparteien endlich wieder an die Gesetze halten?

    Das würde der AFD den Wind aus den Segeln nehmen.

    Ist es tatsächlich so das in Deutschland derjenige mehr Ärger bekommt der auf den Schmutz hinweist als der der ihn verursacht?

    • Andreas Kemper

      1. Männer sind gegenüber Frauen privilegiert. Die unterschiedliche Lebenserwartung folgt aus einem unterschiedlichen Gesundheitsverhalten, auch das hat strukturelle Gründe, die aber darin zu finden sind, dass Frauen historisch gesehen als das „kranke Geschlecht“ stigmatisiert wurden. https://www.welt.de/gesundheit/article118907639/Maenner-sind-kraenker-und-leben-kuerzer-als-Frauen.html Kennen Sie das „Männermagazin“ „Beef“? Eine strukturelle Benachteiligung, die sich in der Lebenserwartung ausdrückt, hat in allererster Linie klassenbezogene Ursachen, hängt mit einer Zweiklassenmedizin zusammen und mit einer klassenbezogener Verteilung riskanter Jobs. Betrachten wir weltweit die unterschiedliche Lebenserwartung, so zeigt sich, dass die Lebenserwartung in den ehemaligen Kolonialländern sehr viel höher ist als in den ehemaligen Kolonien. Dabei handelt es sich nicht nur Geschichte, die von Rechten immer gerne ausgeblendet oder verklärt wird, sondern es handelt sich um Folgewirkungen des Imperialismus, der bis heute anhält, wenn man sich die internationale Arbeits- und Vermögensverteilung anschaut. Wir können gerne über strukturellen Rassismus und internationale Arbeits- und Vermögensverteilung diskutieren. Wir können auch gerne über Umweltrassismus diskutieren, die ungerechten Ursachen und Folgen der Erderwärmung, die als Fluchtursachen noch gar nicht richtig in den Fokus genommen wurden. Wir können auch gerne über Reparationszahlungen und deutschen Kolonialismus diskutieren. Wir können gerne über Bayer und Monsanto diskutieren. Falls Ihnen das Thema „Lebenserwartung“ im Zusammenhang mit Diskriminierung und Privilegierung wichtig ist, dann müssen Sie das Thema breiter angehen.
      2. Weder „die deutsche Oma, die fürs Schwarzfahren in den Knast kommt“ ist privilegiert, noch sind Geflüchtete privilegiert, die Sachleistungen erhalten. Privlegierungen und Diskriminierungen sind zwei Seiten einer Medaille. Und es ist widersinnig, Geflüchtete dafür verantwortlich zu machen, dass heute immer noch in einer katastrophal hohen Zahl arme Menschen in den Knast kommen, weil sie ohne gültige Fahrkarte erwischt wurden, was eigentlich bestenfalls eine Ordnungswidrigkeit sein dürfte, keinesfalls aber eine Straftat. Sagen Sie bitte nicht „schwarzfahren“, denn ohne gültige Fahrkarte zu fahren, hat nichts mit „schwarz“ zu tun, suggeriert aber, dass Schwarze häufiger ohne gültiges Ticket fahren. Übrigens fahre ich sehr oft Bahn, in den letzten Monaten waren es nicht „deutsche Omas“, die erwischt wurden, sondern Menschen mit Migrationshintergrund. Wenn Ihnen dieses Thema wichtig ist, wenn es nicht nur ein vorgeschobener Grund ist, dann lassen sollten Sie gegen die deutsche Klassenjustiz kämpfen, die Steuerhinterziehungen in Millionenhöhe als Kavaliersdelikt betrachtet und Tausende von Menschen jährlich in den Knast wirft, die keine gültige Fahrkarte hatten.
      3. Ich werde keine Gesetze verteidigen, gegen die ich immer schon gekämpft habe. Ich habe bereits 1993 gegen die de-facto-Abschaffung des Asylgesetzes demonstriert. Heute zeigt sich, dass dieses Gesetz aufgrund seiner Inhumanität nicht haltbar war und ist.
      4. Als „rechts“ werden nicht Menschen bezeichnet, die für die Einhaltung von Gesetzen eintreten. Als „rechts“ werden Menschen bezeichnet, die mehr Ungleichheit fordern, die Fordern, dass die Privilegierten noch mehr privilegiert werden müssen. Wenn es Ihnen um soziale Gerechtigkeit geht, dann engagieren Sie sich gegen Monsanto, dann engagieren Sie sich gegen die Ursachen der Klimakatastrophe, dann engagieren Sie sich für Reparationszahlungen, dann engagieren Sie sich gegen die deutsche Klassenjustiz, dann engagieren Sie sich für Männergesundheit, dann engagieren Sie für eine diskriminierungsfreie Sprache und für eine entsprechende Sensibilisierung, die verhindert, dass man Migration mit Vokabeln wie „Schmutz“ bezeichnet. Danke.

      • jens

        Dann engagieren sie sich doch mal gegen Hartz 4 und die Sanktionen. Das wurde von der SPD verbockt.

        Ich engagiere mich dafür in der AFD. Manche Kritik ist ja nicht unberechtigt. Im sozialen Bereich etwa.

        Die AFD kann nur weiter wachsen wenn auch die sozialen Fragen angesprochen werden.

        Ich sehe die AFD als Partei wo man etwas ändern kann.

        Die AFD ist noch formbar. Nicht verkrustet. Und Spinner gibts in jeder neuen Partei.

        SPD und Grüne werden Hartz 4 nicht rückgängig machen.

        CDU erst recht nicht.

        Das Deutschland nicht die halbe Welt aufnehmen kann sollte klar sein.

        Ich wäre er’s mal zufrieden wenn die Gesetze wieder eingehalten werden. Ich muss mich auch dran halten.

        Ich denke das ist nicht zuviel verlangt.

      • Andreas Kemper

        Ich engagiere mich seit Jahren gegen Hartz4.

        Sie müssen es mit ihrem Gewissen ausmachen, wenn Sie sich in dieser faschistoiden Partei weiter engagieren wollen. Die AfD ist „verkrustet“. Ich habe mit Dutzenden von AfD-Mitgliedern auf Kreisebene gesprochen. NIEMAND von ihnen traut sich, öffentlich gegen Höcke vorzugehen. Und auch Sie werden das nicht schaffen, Höcke aus der Partei herauszuschmeißen um in der Partei dann zumindest keinen faschistischen Flügel mehr zu haben. Und selbst wenn das gelingen sollte, woran ich nicht glaube, hätten Sie es immer noch mit den Neoliberalen in der AfD zu tun (von Weidel über Tritschler bis Storch). Geben Sie es auf. Sie werden nicht die AfD vom völkischen Flügel um Höcke, Poggenburg, Gauland, Kalbitz, Tillschneider, Lichert, Frohnmaier UND vom neoliberalen Flügel um Weidel, Tritschler, Storch, Pretzell befreien können. Das wäre größenwahnsinnig. Und mir fällt es schwer zu glauben, dass Sie tatsächlich dafür kämpfen wollen, Höcke aus der Partei zu schmeißen.

  3. jens

    Wer sagt denn das ich dafür bin Herrn Höcke kaltzustellen.

    Ich bin noch kein Mitglied. Ich finde den Mann gut.

    Ich weiss noch wie er vor solchen Dingen wie Koeln gewarnt ja und verlacht wurde….aber er hatte recht.

    • Andreas Kemper

      Entgegen meiner vorherigen Ankündigung veröffentliche ich doch noch einen Post von Ihnen.

      Sie wissen, dass Höcke mit dem führenden Neonazi Thorsten Heise zusammenarbeitet? Und das finden Sie gut? Warum finden Sie das gut? Finden Sie auch Thorsten Heise gut?

  4. Andreas Kemper

    @Jens Nach Ihrem letzten Kommentar (den ich nicht veröffentlichen werde) mit dem menschenverachtenden Satz „Fragt sich ob die Zahl und die Lebenserwartung nicht noch viel geringer wären ohne Kolonialismus.“ ist für mich die Diskussion beendet. Sie haben sich entweder nicht mit dem deutschen Kolonialismus befasst oder Sie haben eine zutiefst inhumane Einstellung. In beiden Fällen erübrigt sich eine weitere Diskussion. Viel Spaß noch beim AfD-internen Kampf mit Höcke und Storch.

    • Peter Friedrich

      @Andreas Kemper: Vielleicht ist doch durch den Panzer seiner Verkommenheit etwas durchgedrungen, man kann das immer nur hoffen. Sie haben sich viel Mühe gemacht.

  5. heinzelmann

    Andreas: Wie siehst Du rot-rot-grün? warum hat man bei Dir das Gefühl, dass Du per se gegen mehr Bürgerbeteiligung argumentierst? Bist Du für grenzenlose Einwanderung?
    Jens: es bleibt abzuwarten, wie sich die Partei im sozialen Bereich positioniert! Sanktionen? Gerade die im Bereich der Sinnlosmaßnahmen ist SPD-Werk, keine Frage!Die AFD muss zeigen, dass sie mehr als Protest aufnehmen kann!Aber: auch anerkannte Flüchtlinge, weiß ich aus erster Hand, bekommen Sanktionen, wenn Integartionskurs abgelehnt, muss faierwesie erwähnt werden!

    • Andreas Kemper

      „Man“ hat bestimmt nicht das Gefühl, dass ich „gegen mehr Bürgerbeteiligung“ bin. Ich lese aus deinem Kommentar heraus, dass du dieses Gefühl hast, aber Schwierigkeiten hast, dies allein als dein Gefühl darzustellen. Ich bin auf jeden Fall für mehr Demokratie, vor allem in der Wirtschaft. In der Wirtschaft bestehen die größten Demokratiedefizite. Bei Volksentscheiden sollte zunächst untersucht werden, warum es eine so große Partizipationsschere zwischen arm und reich gibt, die noch größer ist als bei Wahlen. Bislang wurden alle Volksentscheide zu Schulen für alle / Gesamtschulen gegen diese Schulen entschieden und zwar auf Grundlage einer erheblichen Partizipationsschere zwischen arm und reich – das hat nichts mit Demokratie zu tun. Daher sollte es ein Moratorium bei Volksentscheiden geben, um erst einmal diese Schere zu schließen. Unabhänging davon verbietet es sich natürlich, Volksentscheide gegen Gesamtschulen und Minarette, also gegen die Interessen schwächerer Minderheiten durchzuführen.

  6. heinzelmann

    Andreas: Der Demokratieforscher Merkel beschreibt in seiner lesenswerten Kurzstudie, dass Volksentscheide nicht unbedingt linke Themen durchbringen, dies ist aber nicht entscheidend! Gebe Dir aber recht, über Grundrechte darf nicht entschieden werden!

    • Andreas Kemper

      Es geht nicht um linke Themen, es geht darum, dass Volksentscheide nur formal aber nicht tatsächlich demokratisch sind, wenn eine strukturelle klassenbezogene extreme Ungleichheit im Wahlverhalten vorliegt. Es müsste nach den Gründen dieser Ungleichheit geforscht werden und es müssten dann entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, um diesen Bias zu beenden. Wenn Volksentscheide trotz dieser Schräglage durchgeführt werden, handelt es sich um irgendwas aber nicht um Demokratie.

  7. Oliver

    Ein gutes Beispiel von „insistierenden Journalismus“ bietet sicher der Sprecher von Zibb 2 (ORF) Armin Wolf. Die Interviews mit ihm wirken nicht so moderat, nicht so glatt gebügelt, nicht so vergesslich, nicht so entgegenkommend und kompromisslerisch wie in hiesigen großen Fernsehnachrichtenmagazinen. Da gibt es zum Schluß öfter den Gestus ‚letzlich verstehen wir uns dann doch‘ über den Inhalt des Interviews wird dann eher hinweggesehen. Auch bei Wolf wird sich ordentlch verabschiedet, aber es steht das meistens mehr Unversöhnliches, Unaufgelöstes im Raum. Darum wirken bei Armin Wollf die Interviews nach einiger Zeit auch oft anstrengender, dickköpfiger und auch schon mal verfahrener. In unseren Medien herrscht eine andere Tonlage, fast so, wie es im Gespräch zwischen Rainald Grebe und dem ostdeuschen Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel im Buch ‚Was ich dir immer schon mal sagen wollte‘ offenbar wird: Hierzulande zählt mehr der Sound, die Schwingung, ‚die vibrations, wie es rüber kommt‘, nicht so sehr der reine Gedanke, ‚die Wahrheit‘, das kritische Beharren, der Mißklang, „die Nachdenkerei“. Das birgt die Gefahr sich in Groove-Stimmung mit den Rechten zu begeben.

  8. Thomas Reißner

    Ich bin aus der AfD ausgetreten, weil man Lucke so schäbig behandelt hat. Diese Bierzeltatmosphäre auf dem Parteitag empfinde ich noch immer als unmöglich. Aber ich werde die AfD trotzdem wieder wählen. Tatsache ist, dass Höcke recht hatte und Lucke unrecht. Außerdem steht Höcke für eine soziale Politik. Ebenso wie Gauland. Mit Luckes Neoliberalismus konnte ich noch nie was anfangen.

    Übrigens ist völkisch das Adjektiv von Volk! Das Volk ist der Souverän und nicht der Bundestag. Wenn man nicht völkisch ist, ist man nicht für das Volk und warum zum Teufel soll ein Politiker nicht für das Volk sein? Das ist mehr als verdächtig.

    Ich bin rechts und es gibt welche, die links sind. Das ist völlig normal. Wenn es Linke gibt, muss es auch Rechte geben. Und ja, das wird man ja wohl noch sagen dürfen, so abgedroschen das inzwischen auch klingen mag. Gäbe es in diesem Land nur noch Linke, wäre was faul.

    Sie, Herr Kemper, sollten vielleicht nicht überall eine Verschwörung sehen und an jeder Ecke das 4. Reich vermuten. Das ist einfach nur noch peinlich. Lernen Sie mal, andere Meinungen zu akzeptieren.

    • Andreas Kemper

      Die NS-Wirtschaftspolitik war KEINE soziale Politik. Ich werde niemals Positionen tolerieren, die die NS-Wirtschaftspolitik auf rassenbiologischer Grundlage wieder herstellen wollen. Menschen, die so etwas fordern, müssen gesellschaftlich isoliert und entmachtet werden. Sind Sie mit diesem Text https://andreaskemper.org/2016/04/17/die-aufpotenzierte-krisendynamik-fuer-bjoern-hoecke/ inhaltlich nicht einverstanden? Falls nein, haben Sie ein nachvollziehbares Argument gegen den Text? Setzen Sie sich mit Höcke auseinander, folgen Sie ihm nicht einfach. „Führer befiehl, wir folgen“ hatten wir schon einmal und diese Untertanenmentalität gilt es heute wieder vorrangig zu bekämpfen. Seien Sie mutig, haben Sie den Mut zur Wahrheit und setzen Sie sich mit Argumenten auseinander!

    • Oliver

      Zitat: „Übrigens ist völkisch das Adjektiv von Volk. …Wenn man nicht völkisch ist, ist man nicht für das Volk “
      Ein Herr muß nicht herrisch sein, eine Dame nicht dämlich und ein Kind nicht kindisch. Alle drei Adjekte werden hier abwertend gebraucht. Das heißt auch, das ein Adjektiv eine Bedeutungsverschiebung zum abgeleiteten Hauptwort beinhalten kann. Die abgeleiteten Adjektive „Kindlich“und „herrlich“ hätten hier wieder eine andere Bedeutung. Es gibt gute und schlechte Launen, das Adjektiv „launisch“ wird aber auch abwertend gebraucht, nicht so „launig“. Eine Kategorie muß nicht unbedingt kategorisch angewendet werden. Das Adjektiv „kategorisch“ bekam einen eigenen besonderen Effet/Bedeutung. „Kleinlich“ leitet sich von „klein“ (=nicht groß) ab, hat aber ein ganz eigene Bedeutung (engstirnig). Ebenso eine eigenartige Bedeutungsverschiebung gab es bei dem Adjetiv „völkisch“, siehe den wikipedia-Eintrag https://de.wikipedia.org/wiki/Völkisch . Man spricht ja z.B. auch nicht von völkischen Bienen, obwohl sie ein Bienenvolk bilden.

      • Andreas Kemper

        Danke für den sehr guten Kommentar.

  9. Peter Friedrich

    @Oliver: Ich hab´s schon mal versucht, so zu formulieren: Die neubraune Bewegung zerstört Geist und Gefühl in der Sprache.
    Sie haben mit Ihrem unbestechlichen Text diese schädliche Bewegung jetzt dankbarerweise ein Stück zurückgedreht.

  10. Márcór Micháelson

    Ganz ausgezeichneter Blog, Herr Kemper. Ich habe kürzlich einen Vortrag von ihnen im Netz gesehen. Ich arbeite momentan an ähnlichen Texten, die sich vor allem mit der Sprache der neuen Rechten beschäftigt. Ich habe da einige Beispiele in dubiosen Foren und Kommentarspalten entdeckt, die in dieser Dimension völlig neu sind. „Gutmensch“, „Linksgrünversifft“, „Lügenpresse“. „völkisch“, „Umvolkung“ und „Ethnopluralismus“ sind sprachliche Wegbereiter für noch viel absurdere Wortneuschöpfungen, Umdeutungen, Euphemismen, und Dysphemismen. Hier werden Worte okkupiert, um den Kritikern ihre Waffen wegzunehmen, mit erstaunlicher Geschwindigkeit.

    Besonders verfolge ich die Strategien in den sozialen Netzwerken und youtube-Kanäle, wie der neue „Laut Gedacht“. Im Impressum steht: Untersützt durch einprozent.de, Naja deren Verbindungen kennt man ja.
    Ein Artikel auf der Seite zitiert übrigens Thor von Waldstein.

    Angesichts der Entwaffnung durch Begriffsokkupation habe ich mir tagelang den Kopf zerbrochen, um eine sinnvolle Gegenstrategie zu entwickeln, die den Anspruch eines zivilisatorischen Diskurses gerecht werden.
    Dieser Anspruch muss über Bord geworfen werden.

    Warum ausgerechnet jetzt, im Jahre 2016?
    Ich sehe die Ohnmacht gegenüber diesen neuen Phänomen in der Apathie und Unterschätzung der sozialen Medien, der unglaublich vielen Internetseiten und ihren Vernetzungen, youtube und Co.n
    Neu waren damals auch der „Volksempfänger“ und das Flugzeug, deren unglaubliche Effizienz zur Agitation von den meisten Zeitgenossen entweder unterschätzt wurde oder gänzlich unbekannt war.

    Die Wahrnehmung vieler Menschen zu unterscheiden zwischen seriösem Journalismus und irgendein Blog, ist verzerrt. Journalismus kann nicht mehr von Demagogie unterschieden werden. Medienkompetenz muss im Informationszeitalter Pflichtfach in allen Schulen werden – das hat man versäumt. Wie vieles andere auch. versäumt, wie vieles andere auch. Nun – jetzt ist es zu spät.

    Jetzt müssen ernsthafte Gegenstrategien entwickelt werden. Alte, typische antifaschistische Begriffe sind längst überholt. Wenn man heute noch jemanden als Rassisten, Fremdenfeindlich, Homophob, Antidemokratisch, Völkisch, oder Nationalisten – schlimmer noch – Nazi bezeichnet, hat man keine Chance. Diese Worte sind schon längst besetzt und Allgemeinplätze geworden.
    Mitlerweile ist man ja schon ein Volksverhetzer, wenn man die Misstände in Sachsen anklagt

    Dieselbe Art und Weise, wie sie diese Begriffe besetzen, müssen wir sie ebenfalls okkupieren.
    Euphemismus-Tretmühlen schaffen. Wir wäre es denn die neuen Rechten als Volksverräter zu bezeichnen?

    Dazu habe ich einige Dinge überlegt. Aber die schreibe ich dann in meinem Blog. 🙂

    Würde mich freuen, wenn man sich hier weiter austauschen könnte.
    Ich fange gerade erst an mit dem bloggen. 🙂

  11. bastimaxi

    In seiner letzten Rede in Erfurt hat der AFD-Politiker Björn Höcke sich für einen Schuldenerlass für den afrikanischen Kontinent ausgesprochen.

    Interessant ist das Schweigen der Medien und der Linken dazu.

    Ist ein Vorschlag nur deswegen schlecht weil er von der vermeintlich falschen Seite kommt?

    • Andreas Kemper

      Niemand behauptet, Höcke sei ein Neoliberaler. Er denkt in rassischen Großräumen. Afrika soll abgekoppelt werden, dafür kann man auch gerne einmal Schulden erlassen.

  12. bastimaxi

    Mein letzter Kommentar hier Herr Kemper…wir brauchen euch Linken nicht mehr. Wenn Trump Erfolg hat (und das wird er) ist für eure linken Ideen endgültig der Ofen aus.

    Ihr hattet die Chance etwas zum Guten zu ändern. Ihr habt sie weggeworfen und euch lieber nur um Minderheiten gekümmert.

    Ihr habt euch nie um die Arbeiterklasse und Mittelschicht geschert…jetzt tut es eben die AFD bzw. Trump

    Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

    Die ersten Wendehälse gibts doch jetzt schon.

    • Andreas Kemper

      Du hast dich verschrieben, meintest sicher, dass „der Ofen“ demnächst wieder „an“ sein wird. Wird er nicht, es werden weder noch einmal Bücher noch Menschen verbrannt werden. Und selbst das würde den kulturellen Fortschritt nur bremsen und nicht aufhalten.

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