Man muss beides zusammendenken:
Am 29.04.2026 gab es ein Viereinhalbstunden-Interview eines Podcasters mit Björn Höcke.
Am 01.05.2026 wird Björn Höcke auf einer Neonazi-Kundgebung erwähnt.
Am 29.04. wurde Höcke die Gelegenheit gegeben, sich ohne kritische Nachfragen als verantwortungsvollen Familienvater zu präsentieren, der gerne auch mal Döner isst. Nach vier Tagen hat dieses Video bereits über drei Millionen Aufrufe.
Am 01.05.2026 spricht der Neonazi-Kader Thorsten Heise in Essen bei einer Veranstaltung der Jugendorganisation der Partei „Die Heimat“, also der NPD mit neuem Namen. Auch er erwähnt Höcke und kürt ihn zu einem der „Führer des nationalen Widerstands“:
(Quelle: NiklasAigainstFascism: Beitrag vom 03. Mai 2026 auf der Social-Media-Plattform X, URL: https://x.com/niklasbladex/status/2050714505533878389)
Dank an NiklasAgainstFascim für den Hinweis!
Der ganze Satz von Thorsten Heise, der in seinem Beitrag linke oder vermeintlich linke Medien und NGOs und insbesondere antifaschistische Recherchegruppen angriff, lautete:
„Ich glaube ganz fest daran, dass achtzig Prozent von den Menschen, die sich hinter Recherche Nord und Exif und der Amadeu Antonio Stiftung verstecken, wenn man denen einen Knopf hinhalten würde und da würde man ihnen sagen, wenn ihr da drauf drückt, dann sind im selben Moment alle Führer des nationalen Widerstandes, über Höcke und weiß der Teufel wen, sofort tot, hätte ich kaum ausgeredet und die würden sofort den Knopf drücken.“ (Thorsten Heise am 01.05.2026 in Essen)
Der Podcaster ‚Ben‘ ließ in seinem Video-Format ‚Ben unscrippted‘ Björn Höcke ohne Ende reden. Wirklich kritische Nachfragen gab es nicht. Obwohl Höcke und Heise zugegeben haben, dass sie sich kennen, dass sie sich auch schon einmal die Hand gegeben und miteinander geredet haben; obwohl eidesstattliche Aussagen aus dem Dorf Bornhagen vorliegen, dass der Neonazi Thorsen Heise Björn Höcke bereits 2008 beim Umzug ins Eichsfeld half, sprach der Interviewer Björn Höcke kein einziges Mal auf Thorsten Heise an.
Thorsten Heise ist quasi ein Nachbar von Björn Höcke. Beide leben im dünn besiedelten Thüringer Eichsfeld in 3 km entfernten Nachbargemeinden, Höcke in Bornhagen, Heise in Fretterode. Der Interviewer hätte in den viereinhalb (!) Stunden wenigstens einmal nach der Verbindung von Höcke und Heise fragen müssen. Zumal Thorsten Heise der Herausgeber aller drei Landolf Ladig Texte von 2011/2012 ist. Leider hat ‚Ben unscrippted‘ Höcke auch nicht auf die zahlreichen erklärungsrelevanten Überzufälligkeiten angesprochen, die eine Identität von Höcke mit Landolf Ladig nahelegen.
Ladig hat nicht nur in der immer wieder indizierten (verbotenen) Neonazi-Zeitschrift von Heise publiziert, was schon ein Skandal wäre, sollte Höcke dahinter stecken. Sondern darüberhinaus haben die Texte selber ein Gewicht. Sie erklären den Nationalsozialismus als „prächtige“ Entwicklung eines „Kraftzentrums“, sehen es als Chance, dass eine kleine „Avantgarde“ die beinahe totale Zerstörung überlebt habe, hoffen auf eine „Revolution“ und geben der „nationalen Systemopposition“ den „Auftrag“, sich schon jetzt darauf vorzubereiten.
Höcke rezitierte noch im Mai 2025 aus den Ladig-Texten von 2011/2012. Aber selbst wenn Höcke nun nicht (mehr?) diese Position haben sollte, gäbe es ein weiteres Problem, sollte er hinter den Ladig-Texten stecken: Er wäre durch Thorsten Heise erpressbar, denn Thorsten Heise könnte sicher belegen, wer für ihn die drei Ladig-Texte geschrieben hat.
Zeitschriften-Manuskripte werden heutzutage nicht heimlich in Papierformat in Briefkästen geworfen, sondern die Korrespondenz geht über E-Mails, die Artikel werden vorgeschlagen, der Vorschlag wird angenommen, ein erster Entwurf geht ein, mindestens eine Überarbeitung geht zurück und so weiter. Heise dürfte diese Korrespondenz noch besitzen und damit könnte er jederzeit belegen, wer hinter Landolf Ladig steckt. Und wir wissen nicht, was Heise sonst alles noch über Ladig bzw. Höcke weiß. Vielleicht war nach den drei Artikeln von 2011/2012 noch ein vierter für 2013 geplant, aber zurückgezogen, weil Höcke seit März 2013 in der AfD Karriere machte? Vielleicht kann Heise von heimlichen NPD-Zusammenkünften mit Höcke berichten? Wir wissen zur Zeit nur, was wir wissen und das wirft bereits erhebliche Fragen auf.
Also selbst wenn Höcke heute geläutert sein sollte, was er meiner Meinung nach nicht ist, kann Heise, der ihn zu den „Führern des nationalen Widerstandes“ zählt, Höcke unter Druck setzen.
Aber steckt Björn Höcke wirklich hinter dem Pseudonym Landolf Ladig? Und was ist genau die Agenda von „Landolf Ladig“?
Im Oktober erscheint von mir erstmals eine Buchpublikation, in der ich ausführlich begründe, warum Höcke hinter den Ladig-Texten stecken muss. Der Band enthält einen ausführlichen Textvergleich, den ich gegenüber älteren Synopsen ausgeweitet habe. Zudem gehe ich auf Höckes NS-Rhetorik ein und insbesondere auf die Frage, warum er wiederholt die SA- und Neonazi(!)-Parole „Alles für Deutschland“ verwendet hat. Hier der Link.

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