BILD gegen Henkel im AfD-Streit

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Seit es die Alternative für Deutschland gibt, positioniert sich die BILD gegen diese Partei. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich, da BILD wie keine andere Zeitung Thilo Sarrazin aufgebaut hatte und zwischen AfD und Sarrazin kaum inhaltliche Differenzen bestehen. Seit einer Woche bekämpft allerdings die BILD nicht einfach nur die AfD, sondern positioniert sich im AfD-Streit zwischen der nationalkonservativen Fünferbande Adam-Gauland-Petry-Pretzell-von Storch auf der einen Seite und den neoliberalen EU-Parlamentariern Henkel-Starbatty-Lucke-Trebesius-Kölmel auf der anderen Seite zugunsten der Nationalkonservativen.

Nachdem die BILD mit zwei nationalkonservativen AfDlerInnen Interviews zum aktuellen Konflikt führte (26.3. Frauke Petry: AFD-Führungsstreit. Partei-Chefin geht auf Bernd Lucke los! und 29.3. Alexander Gauland: Führungsstreit. AfD-Vize wirft Parteichef Lucke Alleinherrschaft vor), meldete sich Henkel zu Wort und kritisierte das „Geplappere“ mit der BILD: „Hören Sie endlich damit auf, sich durch Ihr ständiges Geplappere mit WELT, BamS und BILD zu Lasten von Bernd Lucke zu profilieren und damit der Partei zu schaden!“. Heute, am 2.4., legte die BILD dann mit einem Artikel gegen Henkel nach. Diesmal wurde Marcus Pretzell zitiert: Amazonas statt Akten. Schwänzt AfD-Mann Henkel Parlamentssitzungen? Gegen Pretzell scheint der Partei-Vorstand zu ermitteln, weil das Partei-Konto in NRW kurzzeitig vom Finanzamt gepfändet wurde, weil Pretzell seine privaten Steuerschulden nicht zahlte – das scheint die BILD weniger zu interessieren.

Wie ist die Positionierung der BILD zu erklären?

Henkel war lange Zeit selber Kolumnist in der BILD. Zwischen 2001 und 2007 schrieb er mehr als einhundert Kolumnen. Als er 2007 in seinem Buch „Der Kampf um die Mitte. Mein Bekenntnis zum Bürgertum“ die CDU-Größen Kohl, Merkel, Blüm und Rüttgers sowie die FDP als antiliberal und versozialdemokratisiert angriff, führte dies letztlich zum Bruch zwischen Kai Diekmann, Herausgeber und Chefredakteur der BILD, und Hans-Olaf Henkel. Dem SPIEGEL zufolge zufolge gab es für dieses Buch in der BILD ausnahmsweise keinen Vorabdruck, was dann zwischen Henkel und Diekmann zu einem Streit und verletzte Eitelkeiten führte.
Eine aggressive Anti-Henkel-Position formulierte die BILD ab Ende 2011. Henkel bereitete die Gründung einer neuen Partei vor. Er hatte bereits 2009 eine Rede beim Gründungsparteitag der Bundespartei der „Freien Wähler“ gehalten. Auch auf europäische Ebene wurde Henkel aktiv. Für die Stiftung der konservativen Europa-Partei AECR, der „New Direction Foundation“, hielt Henkel am 7. Dezember 2011 eine Rede, in der er forderte, den Euro in einen Nord- und einen Südeuro zu splitten. Unmittelbar darauf reagierte die BILD mehr als verschnupft mit dem Artikel Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel. Ranschmeißer, Trittbrettfahrer, Wendehals. Keiner wechselt so schnell seine Überzeugungen wie er.

Henkel hat die AfD mit aufgebaut. Er wurde aber erst Anfang Dezember 2013 AfD-Mitglied, gerade rechtzeitig, um sich als Delegierter für die Europa-Wahlen für die AfD aufstellen zu lassen. Tatsächlich wurde er direkt hinter Lucke auf Platz zwei nominiert und ist ins Europäische Parlament eingezogen. Er ist dort das einzige AfD-Mitglied, der in die von den britischen Torries domonierten Europapartei AECR Mitglied wurde. Kein Wunder also, wenn die BILD die konservative, von der CDU dominierten Europapartei EVP mit negativen Aussagen über Henkel zitieren kann. In der AECR ist Henkel allerdings anerkannt. Inzwischen ist er Vizepräsident von deren neoliberalen Stiftung „New Direction Foundation“.

Henkel vertritt die marktlibertären Positionen des nicht-monopolistischen Kapitals, wie es von den Verbänden der Familienunternehmen vertreten wird. Damit stellt er sich gegen die Interessen des Monopolkapitals und gegen die Wirtschaftspolitik von Merkel und Schäuble. Aber eigentlich ist er näher bei Merkel und Schäuble und näher bei der FDP als die nationalkonservative Fünferbande in der AfD, die beispielsweise TTIP ablehnen und in der Ukraine-Krise gegen Wirtschaftssanktionen gegen Putin sind. Dennoch positioniert sich die BILD stärker gegen Henkel als gegen die Nationalkonservativen. Wie ist das zu erklären? Es kann sein, dass hier noch immer der Streit zwischen Diekmann und Henkel eine Rolle spielt. Wahrscheinlicher ist, dass eine AfD mit Henkel als eine größere Gefahr gesehen wird als eine AfD mit Gauland, Petry und Pretzell.

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