Björn Höcke – ein verkappter NS-Sympathisant?

· Allgemein

2011 drückt eine Person unter dem Pseudonym „Landolf Ladig“ ihr Bedauern darüber aus, dass der nationalsozialistischen „Antiglobalisierungsbewegung“ nicht mehr „Friedensjahre vergönnt“ gewesen seien, da angeblich das Deutsche Reich überfallen worden sei. In diesem NS-verherrlichenden Text finden sich passagenweise originalgetreue Formulierungen aus einem Text von Björn Höcke von 2008. 2012 bezeichnet „Ladig“ diese im NS-Staat „institutionalisierte Antiglobalisierungsbewegung“ mit der Wortneuschöpfung „organische Marktwirtschaft“. Die „Glut“ sei nicht erloschen, eine „Avantgarde“ der „identitären Systemopposition“ kämpfe für eine „neue organische Marktwirtschaft“. 2013 fordert Höcke die Einführung dieser „organischen Marktwirtschaft“ gegen die „entartete Volkswirtschaft“. Alle Indizien sprechen dafür, dass Höcke hinter dem Pseudonym „Ladig“ steckt und dass Höcke somit den Nationalsozialismus verherrlicht.

Die AfD ist nicht mehr willens, eine Grenze zur NPD zu ziehen. Sie stellt sich als Alternative für Rechtsextremisten dar, denen die NPD „zu sehr vom Verfassungsschutz durchseucht“ sei. Der neue Held dieser Rechtsextremisten ist Björn Höcke.

Die ehemaligen CDUler (Berliner Kreis) in der AfD wie Konrad Adam und Alexander Gauland können sich mit ihrer Schönheitskosmetik gegen Rechtsaußen nicht mehr durchsetzen. Konrad Adam verlor auf ganzer Linie den Kampf gegen den ehemaligen Republikaner Peter Münch. Und auch Alexander Gauland konnte nur noch sein Bedauern darüber zum Ausdruck bringen, dass das interne Verfahren gegen Jan-Ulrich Weiß ohne Konsequenzen gestoppt wurde. Öffentlich gepostete antisemitische Karikaturen von Weiß führte zu einer Hausdurchsuchung und staatsanwaltliche Ermittlungen.

Auch das Amtsenthebungsverfahren gegen Björn Höcke wurde beendet. Ausgerechent André Poggenburg, der im Bundesvorstand für Thüringen zuständig sei, gab dieses Urteil bekannt. Gegen Poggenburg selber wurde ein Amtsenthebungsverfahren angestrengt. Poggenburg hatte behauptet, nicht jedes NPD-Mitglied sei ein Rechtsextremist und er hatte satzungswidrig einen ehemaligen DVU-Landtagsabgeordneten in die Partei aufgenommen.

Die parteiinternen Abgrenzungskräfte gegenüber der NPD dürften sich also spätestens seit dem Essener Parteitag weitgehend aufgelöst haben. Innerhalb der AfD scheint niemand mehr zu interessieren, ob Björn Höcke 2011 und 2012 unter dem Pseudonym „Landolf Ladig“ für rechtsextreme Publikationen des militanten Neonazis Thorsten Heise entsprechend rechtsextreme Texte schrieb. Um so wichtiger ist der parteiexterne kritische Blick auf die Entwicklungen der AfD. Momentan entwickelt sich Höcke zum Shooting-Star der rechtsextremen Szene.

Die Person, die sich hinter „Landolf Ladig“ verbirgt, ist ein Nazi-Sympathisant, der bedauerte, dass das „friedliche“ und sich „prächtig“ entwickelnde nationalsozialistische Deutschland aus ökonomischen und ideologischen Gründen überfallen worden sei. Doch die „Glut“ von damals sei noch vorhanden und schon bald würde es eine „Revolution“ geben. Die „identitäre Systemopposition“ müsse sich bereit halten, um dann ihren „Führungsanspruch“ geltend zu machen. Die Person, die diesen Text feige unter einem Pseudonym verfasst hat, ist allen Indizien nach Björn Höcke, der als verbeamteter Lehrer 2011 so etwas natürlich nicht unter seinem Klarnamen hätte schreiben dürfen.

Die Indizien finden sich hier und hier in meinem Blog. Kurz zusammengefasst:

Verblüffend übereinstimmende Text-Passagen aus einem Leserbrief von Höcke vom Jahr 2008 finden sich in einem Artikel von „Ladig“ von 2011 wieder. Höckes Verlautbarungen von 2013 bedienen sich ungewöhnlicher Begriffspaare, die sich ausschließlich in Texten von „Ladig“ von 2012 finden. Seit Jahren finden sich also wechselseitig nicht kenntlich gemachte Zitate bei Höcke und der Person, die hinter „Ladig“ steckt. Bereits dies legt nahe, dass die unbekannte Person hinter dem Pseudonym Höcke selber ist. Das Motiv, unter Pseudonym zu schreiben, ist bei Höcke gegeben. Er war bereits vor seiner Karriere in der 2013 gegründeten AfD politisch in sogenannten „patriotischen“ Zusammenhängen aktiv. Es bleibt aber völlig im Dunkeln wo er politisch aktiv gewesen ist, anscheinend hatte der Oberstudienrat seine Gründe, seine politischen Aktivitäten zu verdecken. Ein verbeamteter Lehrer muss sein politisches Engagement allerdings nur dann verstecken, wenn es extremistisch gegen die Verfassungstreue gerichtet ist. Für einen Mann der klaren Worte – und Höcke tritt genau so auf – wäre dies der einzige Grund, sein politisches Engagement zu verheimlichen. Die unbekannte Person hinter „Landolf Ladig“ verstummte plötzlich, als Höcke erstmals öffentlich politisch aktiv wurde. Ideologisch ging es allerdings genauso weiter – nur ohne direkten NPD- oder gar NS-Bezug. Doch es bleibt nicht nur bei den Wort-, Satz- und ideologische Übereinstimmungen. Im letzten Text von „Ladig“, der erschien, als weder die Partei AfD noch die Parteikarriere von Höcke absehbar war, wurde „zufällig“ das Wohnhaus von Björn Höcke erwähnt; bei 17 Millionen Eigenheimen in Deutschland besteht eine Wahrscheinlichkeit von 1:17.000.000 durch Zufall das „richtige“ Haus zu erwähnen. Die persönliche Bekanntschaft zwischen dem „Ladig“-Herausgeber und Höcke ist ebenfalls belegt. Sowohl Höcke als auch der militante Neonazi, NPD-Kader und Herausgeber der „Ladig“-Texte, Thorsten Heise, haben beide zugegeben, sich zu kennen und getroffen zu haben. Interessanterweise verteidigte Heise Höcke. Er hätte auf die Frage der Presse, ob Höcke „Ladig“ sei, einfach antworten können, dass er keinen Anlass sieht, sich zu seinen Autoren zu äußern. Dies hätte sowohl dem Ansehen seines unmittelbaren politischen Konkurrenten Höcke geschadet (oder ihm zumindest nicht genützt) als auch das Interesse an den Texten von „Ladig“ und seinen Publikationen erhöht. Stattdessen wiegelte er ab, hinter dem Pseudonym „Ladig“ verberge sich „ein netter älterer Herr“, aber nicht Höcke, und damit war u.a. für einen Journalisten der Thüringer Allgemeinen das Geheimnis gelüftet und wurde zu den Akten gelegt. Bis hierher sollte klar geworden sein, dass es seit Jahren eine Verbindung zwischen Höcke und der Person hinter „Ladig“ gibt, wobei die einfachste und plausibelste Erklärung für die ganzen Überzufälligkeiten darin besteht, von einer Identität der beiden Personen auszugehen. Aber die „Zufälligkeiten“ gehen weiter. Wie es unter völkischen Ideologen beliebt ist, hat auch Björn Höcke seinem Sohn einen „germanischen“ Namen gegeben, der dem Namen „Landolf“ erheblich gleicht, mit diesem verwandt und ähnlich außergewöhnlich ist. Auf der Seite der „Artgemeinschaft Germanische Glaubensgemeinschaft“ findet sich ein 27seitiges Dokument „Wie soll unser Kind heissen – Hinweise für germanische Eltern“. Bei der NPD Rhein-Neckar gehts etwas bündiger zu: „Germanische Namen. Wie unsere Kinder heißen könnten. Für uns ist der Name ein wesentliches Element unserer Identität und jeder sollte über die Namensverleihung sorgfältig und verantwortungsbewußt nachdenken. Dieser hebt es aus dem Chaos der gleichförmigen Masse heraus und ist ihm schon von Jugend an ein Kennzeichen seiner Person. Wünsche und Hoffnungen der Eltern für ihr Kind drücken sich häufig im Namen des Kindes aus. Uralt ist der Brauch, in den Namen des Neugeborenen einen Heilswunsch hineinzulegen.“

Björn Höcke muss klar stellen, in welchem Verhältnis er zu der Person hinter „Landolf Ladig“ steht. Sollte sich herausstellen, dass er selber „Landolf Ladig“ ist, würde er nicht nur aus der Partei AfD geworfen, sondern er könnte auch nicht mehr als Geschichtslehrer unterrichten. Daher wird er nicht offen zugeben, hinter dem Pseudonym zu stecken.

Ich habe bei meinen Vorträgen eine Reihe AfDler getroffen und Gespräche geführt, die auch nach der Spaltung noch bei der AfD geblieben sind. Trotz des Verbleibs schätze ich diese AfDler nicht als Personen ein, die Nazi-Sympathisanten decken. Mit Erschrecken muss ich feststellen, dass nun auch AfDler wie Mirko Welsch oder Burckhard Brinkmann Facebook-Postings von Björn Höcke verbreiten.

Ich möchte den AfDlern noch einmal deutlich machen, wen ihr deckt, wenn ihr keine Aufklärung im Fall Höcke-Ladig einfordert.

In der am rechten Rand der NPD angesieldeten „Volk in Bewegung“ schreibt „Ladig“:

„… daß eben nicht die Aggressivität der Deutschen ursächlich für zwei Weltkriege war, sondern letztlich ihr Fleiß, ihre Formliebe und ihr Ideenreichtum. Das europäische Kraftzentrum entwickelte sich so prächtig, daß die etablierten Machtzentren sich gezwungen sahen, zwei ökonomischen Präventivkriege gegen das Deutsche Reich zu führen. Der zweite Weltkrieg war allerdings nicht nur ökonomisch motiviert, sondern darf auch als ideologischer Präventivkrieg angesprochen werden, hatte sich im nationalsozialistischen Deutschland doch eine erste Antiglobalisierungsbewegung staatlich etabliert, die, wären ihr mehr Friedensjahre zur Erprobung vergönnt gewesen, wahrscheinlich allerorten Nachahmer gefunden hätte.“ (Ladig: Krisen, Chancen und Auftrag, in: Volk in Bewegung 5/2011, S. 6)

Die Patritotische Plattform der AfD reagierte mit dem äußerst zynischen Artikel „Je suis Landolf Ladig“ („Ich bin Landolf Ladig“). Mehr fiel der AfD nicht ein. Es handelt sich um eine extrem menschenverachtende Verharmlosung und Verherrlichung des Nationalsozialismus. Würden Textpassagen von mir in einem solchen NS-verherrlichenden Text auftauchen ohne dass dies als Zitat kenntlich gemacht würde, würde ich sofort den Verlag verklagen, vor allem dann, wenn ich wie Höcke Geschichtslehrer wäre und in der Öffentlichkeit stünde. Höcke, der angekündigt hat, jeden zu verklagen, der ihn mit Ladig in Verbindung bringt, der Heise persönlich kennt, der wiederum angegeben hat, Ladig zu kennen, verzichtet nicht nur auf eine entsprechende Klage sondern auf jeden Versuch einer Aufklärung.

Ich befürchte, dass es in der AfD keine nennenswerten Kräfte mehr gibt, denen Abstand gegenüber Nazi-Sympathisanten wichtig wäre.

5 Kommentare

Comments RSS
  1. nobbie

    Hat dies auf AfD Watch rebloggt.

  2. Auerbach

    Hat dies auf montagfrei rebloggt.

  3. 19camerata44

    Höcke nur als „verkappten“ NS-Sympathisanten zu bezeichnen, verharmlost. Er bedient sich eindeutig einer Sprache, die ihn als Sympathisanten entlarvt. DA ist kein Interpretationsspielraum .

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