Zur Klassismus-Debatte II

Klassismus als gesellschaftsanalytischer Begriff

Im ersten Teil bin ich auf Klassismus als Empowerment-Begriff eingegangen. Ich habe dort vorgeschlagen, Klassismus als Ausdruck-mit-Ausrufzeichen, der also zur Benennung von klassenbezogener Diskriminierung, Gewalt, Marginalisierung dient, von Klassismus als gesellschaftsanalytischem Begriff zu trennen.

Der Begriff Klassismus geht aus von Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen und soll es ermöglichen, dass mit ihm diese Diskriminierungen benannt werden. Von diesem Standpunkt wird eine Gesellschaftsanalyse vorgenommen, in der versucht wird, Diskriminierungserfahrungen auf Herrschafts- und MachtverhĂ€ltnisse zurĂŒckzufĂŒhren, die dann als klassistisch benannt werden.

Da es sich hier nur um einen Blogbeitrag handelt, werde ich die Aspekte von Klassismus als gesellschaftsanalytischen Begriff nur skizzieren.

Ich denke, dass der Klassismusbegriff zum Marxismus passt. Allerdings sollte Marx hier marxistisch gelesen werden, das heißt, es sollte berĂŒcksichtigt werden, dass Marx zu einer bestimmten Zeit geschrieben hat, in der der Kapitalismus noch nicht so weit entwickelt gewesen ist wie heute. Ich beginne diesen Artikel mit einer Anmerkung aus der Arbeit „Die Reproduktion der Arbeitskraft im globalen Kapitalismus und die unvollendete feministische Revolution“ von Silvia Federeci, die in einer Anmerkung festhĂ€lt:

„Es ist kein Zufall, dass in England bis 1870 sowohl ein neues Ehegesetz (Marriage Act) als auch ein das Recht auf allgemeine Grundschulbildung formulierendes Bildungsgesetz (Education Act) verabschiedet werden.“

Diese Änderungen im Ehe- und Bildungsgesetz haben mit der Entwicklung des Kapitalismus zu tun und mit Fragen der Reproduktion der Arbeiter_innenklasse. Und diese VerĂ€nderungen begannen, als Marx die meisten Manuskripte fĂŒr die drei BĂ€nde des Kapital bereits abgeschlossen hatte. Dass Marx sich nur wenig mit Reproduktionsfragen befasst hatte, und zwar sowohl mit der Frage, wie denn die hĂ€uslichen Bedingungen zur Reproduktion der Arbeitskraft aussehen, als auch mit der Frage, was zur Reproduktion der Arbeiterklasse fĂŒhrt, wird damit zusammenhĂ€ngen, dass diese Fragen damals weniger komplex waren.

Bei Marx selber hat es auch verschiedene Phasen und Entwicklungen gegeben, bedingt durch Ă€ußere gesellschaftliche VerĂ€nderungen. Oftmals wird die Klassentheorie von Karl Marx aus seinen Schriften vor 1848 zitiert. TatsĂ€chlich begann Marx mit einer Untersuchung der KlassenkĂ€mpfe in Frankreich erst nach der Niederlage der Revolution von 1848. Marx sprach nicht nur von den beiden Klassen Bourgeoisie und Proletariat, nicht nur von weiteren Klassen, sondern auch von der „race“ der Fabrikarbeiter_innen und zwar immer dann, wenn es um herkunftsabhĂ€ngige Klassenreproduktion ging.

Was gegenĂŒber Marx im marxisitschen Sinne weiterentwickelt werden sollte, sind Fragen zur Reproduktion – sowohl der Arbeitskraft als auch der Klassen – und zur Ideologieproduktion. Klassismus bezieht sich auf Fragen der Klassenreproduktion. Klassismus ist die Klassenzurichtung durch Marginalisierung, MachtverhĂ€ltnisse, Gewalt, Kulturimperialismus und Ausbeutung. Um mit Iris M. Young zu sprechen, hat auch Klassismus diese fĂŒnf „Gesichter“.

Zum Klassismus durch MachtverhĂ€ltnisse und Kulturimperialismus wĂŒrde ich Michel Foucault heranziehen. In „Wahnsinn und Gesellschaft“ und „Überwachen und Strafen“ beschreibt Foucault, wie Instituionen wirken, wie Macht eingeschrieben wird, dies ist durchaus als ErgĂ€nzung zu Marxs Sogenannte UrsprĂŒngliche Akkumulation zu verstehen, wo er beschreibt, wie Fabrikarbeiter_innen durch Vagabundengesetze diszipliniert wurden. Es wurden nicht nur Manufakturen und Fabriken produziert, sondern mit jahrhunderte lange GewaltausĂŒbung auch die dazu passenden Fabrikarbeiter_innen. In diesem Zusammenhang ist Edward P. Thompsons „Die Entstehung der englischen Arbeiterklasse“ spannend. Wenn man die klassistischen Politiker_innen-SprĂŒche analysiert, wird man diese in Foucaults Biomacht-Konzept einordnen können als Forderungen nach Disziplinierung und Bevölkerungsregulation. Foucault spricht im ersten Band von SexualitĂ€t und Wahrheit seitenlang ĂŒber die Konstruktion von Klassenkörpern. Hier also wĂ€re der Begriff Klassismus angebracht, auch wenn Foucault diesen Begriff nie benutzt hat. Foucault sprach von Rassismus, allerdings in einer Weise, die ebenfalls den Begriff Klassismus erlauben wĂŒrde. Auch Bourdieu benutzte den Begriff Klassismus nicht, sondern sprach ebenfalls von Rassismus im Sinne von Klassismus, nĂ€mlich von „Klassenrassismus“ und von „Rassismus der Intelligenz“. Dies zeigt, dass auch Bourdieu als jemand gelesen werden kann, der ĂŒber Klassismus geschrieben hat. Das Machtungleichgewicht hat mit unterschiedlichem Zugriff auf Ressourcen zu tun, die mit Bourdieu als Kapitalsorten beschrieben werden könnten: ökonomischen, kulturelles, soziales Kapital.

Mit Kulturimperialismus ist nicht nur gemeint, dass die bĂŒrgerliche Kultur die Jugendkultur der Arbeiter_innenklasse aufnimmt und vermarktet, sondern auch, dass sich die bĂŒrgerliche Kultur als Kultur schlechthin versteht, bzw. als „bĂŒrgerliche Leitkultur“, an die sich die „unterbĂŒrgerlichen Schichten“ aufzurichten haben. Gegen diesen Kulturimperialismus wurden bereits Proletkult-Konzepte entwickelt und gerade eben ist Paul Willis „Spaß am Widerstand“ im Argument-Verlag neu aufgelegt worden. Kulturimperialismus meint darĂŒber hinaus bĂŒrgerliche Denk- und Bewertungsschemata. Hier also wĂ€re noch einmal Michel Foucault heranzuziehen und die Kritische Diskursanalyse. Mit Denkschemata ist gemeint, dass unsere Vorstellungen mit vorgeprĂ€gten Strukturen arbeiten. Klassistische Denkschemata wĂ€re das Anordnen von Klassen auf einer vertikalen Achse, wobei oben gut und unten schlecht ist, und die Zuordnung von Form, Geist, AktivitĂ€t  mit der herrschenden und Materie, Masse und PassivitĂ€t mit der beherrschten Klasse. Genauso wenig wie Foucault als Klassentheoretiker gelesen wurde, spielen bisher klassistische Denk- und Bewertungsschemata in der Diskursanalyse eine Rolle.

Ich möchte noch kurz auf den Gesichtspunkt Gewalt eingehen. Gewalt wird einerseits der beherrschten Klasse zugeschrieben, andererseits wird ihre Verwundbarkeit ĂŒbersehen. Erst seit kurzer Zeit wird die „Nachhaltigkeit“ von Gewalt in Form von Traumata untersucht. Dass das Sein das Bewusstsein bestimmt, gilt erst recht fĂŒr das Erleben von Gewalt und Todesdrohungen. Paradigmatisch hat Hegel den Zusammenhang von Gewalt, Todesdrohung und Bewusstsein im „Herr und Knecht“-Kapitel in der PhĂ€nomenologie des Geistes beschrieben. Statt von der Klassen an sich, die zur Klasse fĂŒr sich werden soll, in dem sie viel Marx liest, zu sprechen, wĂ€re es sinnvoller, die Bedeutung von Gewalterfahrungen fĂŒr das „Doppelte Bewusstsein“ (Du Bois) bzw. das „Zweite Bewusstsein“ (Popitz) zur Kenntnis zu nehmen. Da es sich in der Regel um kollektive Gewalterfahrungen handelt, lassen diese sich auch nur kollektiv auflösen. Also auch dieser Ganze Bereich von Gewalt mit den Zuschreibungen und intergenerationell weitergegebenen Traumata ist mit dem Begriff Klassismus beschreibbar. Gewalt ist zudem an Eigentum gekoppelt

Zum Begriff der Marginalisierung muss ich nicht viel schreiben: Gentrifizierung, Soziale Selektion im Bildungssystem, Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, Gated Cities, „Problemviertel“, Vertreibung von Obdachlosen… Das alles ist Klassismus.

Ausbeutung ist der wohl schwierigste Bereich. Denn Ausbeutung wird von vielen Marxist_innen in Opposition zum Klassismus gesetzt. Wer von Klassismus spricht, stelle Ausbeutung nicht in Frage.  Beim Ausbeutungsbegriff mĂŒsste zunĂ€chst differenziert werden zwischen Ausbeutung im Produktionsprozess (Mehrwertklau) und außerhalb des Produktionsprozessses. Außerhalb der kapitalistischen Produktion gibt es vielfach klassistische Ausbeutung. FĂŒr den Produktionsprozess selber wĂŒrde ich zunĂ€chst festhalten, dass Klassismus hinsichtlich der Ausbeutung geschieht, das heißt, es gibt Klassismus, damit eine Klasse eine andere ausbeuten kann. Wobei dies nicht zu direkt gedacht werden sollte. Es gibt auch Klassismus, damit sich eine Person einer anderen ĂŒberlegen fĂŒhlen kann, um aufgrund dieser Privilegierung das System zu stĂŒtzen, welches Ausbeutung erlaubt. Die Ausbeutungsbedingungen im Produktionsprozess tragen allerdings ihrerseits auch zur Klassenzurichtung bei. Es gibt also eine Wechselwirkung von Klassismus und Ausbeutung. Wer den Kapitalismus abschaffen möchte, sollte an beiden Hebeln ansetzen.

Wichtig ist vielleicht noch, dass sich Klassismus, Sexismus, Rassismus und die anderen -ismen ĂŒberschneiden können. Es ist nicht zielfĂŒhrend hier irgendeine Herrschaftsform als schlimmer oder wichtiger zu betrachten.

Diesen Text habe ich in wenigen Stunden heruntergeschrieben, da er die aktuelle Klassismus-Debatte voranbringen soll. Vielleicht sind hier einige Dinge schrĂ€g formuliert oder noch nicht genĂŒgend durchdacht. Und es fehlt so einiges.

Kommentare

30 responses to “Zur Klassismus-Debatte II”

  1. […] Soviel erst einmal zum Begriff Klassismus mit Ausrufezeichen. An diesen hat sich die Gesellschaftsannalyse, die mit dem selben Begriff vorgenommen wird, zu orientieren. Hier gehts zum zweiten Teil: Klassismus als gesellschaftsanalytischer Begriff. […]

  2. Tom

    Marx marxistisch gelesen, heißt fĂŒr dich: Weil zu Marx Zeiten der Kapitalismus noch nichts voll entwickelt war, hatte er eine revolutionĂ€re Theorie. Da er heute voll entwickelt ist, ist eine linksliberale reformistische Theorie richtig „marxistisch“. Lustig!
    Wie wĂ€re es, wenn du deine Antidiskriminierungstheorien ohne RĂŒckgriff auf Theoretiker, die aus ganz anderen politischen Richtungen kommen, begrĂŒndest? Das wĂŒrde das ganze plausibler machen. Die Sozialdemokraten machen ja seit 150 Jahren dasselbe wie du, da findest du doch bestimmt auch schlaue Köpfe, die du zitieren kannst.

    1. Wie kommst du darauf, dass Marx nun sozialdemokratisch gelesen werden soll? Habe ich so etwas irgendwo geschrieben oder ergibt sich das aus dem, was ich geschrieben habe? Definiere revolutionÀr und reformistisch.

  3. Tom

    revolutionĂ€r: Überwindung konstituierender Funktionsweisen einer Gesellschaft.
    reformistisch: Punktuelle Behebung der negativen Effekte dieser Funktionsweisen.

    An der Klassengesellschaft nicht ihre Existenz und die sie konstituierende Funktionsweise, also die Abpressung des Mehrwerts, zu kritisieren, sondern nur deren Konsequenz (dass auf die untere Klasse herabgeguckt wird, sie weniger Geld besitzt etc.) ist klassisch sozialdemokratisch bzw. liberal (Chancengleichheit etc.).
    Deshalb:
    „Ich denke, dass der Klassismusbegriff zum Marxismus passt. Allerdings sollte Marx hier marxistisch gelesen werden, das heißt, es sollte berĂŒcksichtigt werden, dass Marx zu einer bestimmten Zeit geschrieben hat, in der der Kapitalismus noch nicht so weit entwickelt gewesen ist wie heute.“
    denkst du hier falsch. Denn ĂŒber Leute deiner Meinung hat Marx zeitlebens gespottet. Du teilst ja nicht einmal mit Marx den Klassenbegriff: Du vertrittst einen soziologischen Schicht- oder Milieubegriff. Im Marxismus ist das Proletariat die Klasse derer, die keine Produktionsmittel besitzen, also fast aller. FĂŒr diesen Klassenbegriff ist es vollkommen egal, ob jemand Akademiker ist oder nicht: Wenn er fĂŒr Lohn arbeitet, also seine Arbeitskraft verkaufen muss, dann ist er Proletarier. Insofern sind auch die bildungsbĂŒrgerlichen Studenten fast ausnahmslos, Teil der ausgebeuteten Klasse.
    Dein ganzer Ansatz hat deshalb nichts, aber wirklich ĂŒberhaupt nichts mit dem Marxismus zu tun. Was ja nicht schlimm ist, es gibt ja keinen Zwang sich auf Marx zu berufen. Wenn man es tut, sollte es aber nicht so gĂ€nzlich falsch sein.

    1. Du irrst dich mehrfach. Zum einen finde ich den Klassenbegriff von Marx, wenn er Kapitaleigner_innen und Arbeiter_innen als antagonistische Klassen trennt, richtig. Von dieser Dynamik der Aneignung des Mehrhwerts, also der Ausbeutung des Proeltariats durch die Bourgeoisie, wird die bĂŒrgerliche Gesellschaft ebenso bestimmt wie das ökonomische System des Kapitalismus. Ich habe das im Text nirgendwo bestritten. Im Gegenteil. Was findest du falsch an den AusfĂŒhrungen zum Thema Ausbeutung?

      Du irrst dich allerdings auch, wenn du meinst, der Marxismus sei auf diese beiden Klassen zu begrenzen. Das ist Marx vor 1848. Nach der gescheiterten Revolution hat Marx mit dem 18. Brumaire des Louis Napoleon und den KlassenkĂ€mpfen in Frankreich seine Klassentheorie differenziert. Diese Analysen sind allerdings fragmentarisch. Marx hat einen „soziologischen Schicht- oder Millieubegriff“, das wird dann deutlich, wenn er etwas unbeholfen von der „race der Fabrikarbeiter“ spricht. Marx hat seine Klassentheorie nicht zuende gedacht, wie sich im letzten Kapitel vom Kapital zeigt, und er konnte diese Klassentheorie nicht zuende denken, weil sich Klassenzusammensetzung, die Klassenreproduktion zu seiner Zeit massiv verĂ€nderte. HĂ€tte Marx zwanzig Jahre lĂ€nger die Tendenzen der kapitalistischen Gesellschaft analysieren können, dann wĂ€ren mit Sicherheit Fragen zur Klassenreproduktion in seinen Fokus geraten. Seine Auseinandersetzungen mit Malthus deuten darauf hin, dass er sich sicherlich auch mit der erst spĂ€ter beginnenden Theorie zu Degeneration und Eugenik befasst hĂ€tte.

      Ich freue mich auf eine Antwort. Aber bitte gehe auf den Text ein, den ich geschrieben habe, und argumentiere nicht mit einer Denkschablone, mit der ich nichts zu tun habe.

  4. Tom

    Was soll ich dazu noch schreiben? Wer auch nur ein wenig von oder zu Marx gelesen hat, weiß um die zentrale Rolle genau diesen Klassenbegriffs bei Marx. Aus ihr speist sich sein gesamtes Denksystem. Marx und noch mehr Engels haben auch andere „Klassen“ betrachtet und das durchaus auch mit einer soziologischen Sicht. Aber diese Klassen (Subproletariat beispielsweise) sind fĂŒr die marxistische Theorie nicht von Relevanz, weil sie auch fĂŒr den Kapitalismus nicht von Relevanz sind.
    Du sagst, diese neue Klassentheorie manifestiere sich, wenn Marx von der “race der Fabrikarbeiter” schreibt. Du schiebst ihm hier einen Race-Begriff unter, der so ĂŒberhaupt erst in der feministischen Ungleichheitsforschung der 1980er Jahre entwickelt wurde. Race heißt aber nicht nur Rasse in deinem Sinne. Human Race heißt Menschengeschlecht, Race kann aber auch im Sinne von Menschenschlag verwendet werden. In den ökonomischen Manuskripten schreibt er von der Arbeiterrace (MEW 43), anderswo von der Menschenrace. Race ist fĂŒr Marx ein Begriff um eine bestimmte soziale Gruppe zu bezeichnen, ohne jegliche Erhebung dieses Begriffes zu einer Kategorie, wie du es unterstellst. Race der Fabrikarbeiter oder Arbeiterrace ist ein Synonym fĂŒr Proletariat, nicht mehr und nicht weniger.

    Im Übrigen liebe ich Argumentationen von Nicht-Marxisten, die so gehen: „Das ist Marx vor 1848“ … „Diese Analysen sind allerdings fragmentarisch.“ … „Marx hat einen “soziologischen Schicht- oder Millieubegriff (soll heißen: Marx teilte meine Meinung)“ … „Marx hat seine Klassentheorie nicht zuende gedacht,“ … „HĂ€tte Marx zwanzig Jahre lĂ€nger die Tendenzen der kapitalistischen Gesellschaft analysieren können,“
    Da denke ich mir immer: Gut, dass endlich jemand gekommen, um Marx Werk von Grund auf neu zu schreiben. Kann ja nicht angehen, dass so eine dĂŒmmliche Analyse ĂŒber Jahrhunderte fortlebt! Entschuldige die Ironie, aber du merkst nicht einmal, dass du auf einer gĂ€nzlich anderen Ebene, einer linksliberalen, argumentierst und meinst zu wissen, dass Marx schon deiner Meinung gewesen wĂ€re, wenn er seine Theorie nur hĂ€tte zu Ende denken können.
    Ich beneide dich ohne jede Ironie um dein Selbstvertrauen.

    1. Die Kontroverse, dreht sich um die Frage, warum Marx den race-Begriff eingefĂŒhrt hat. NatĂŒrlich hat „race“ hier nicht viel zu tun mit dem Rassen-Begriff, wie er vom Rassismus im 19. Jahrhundert erst entwickelt worden ist. DarĂŒber sind wir uns einig. Wir sind uns auch darĂŒber einig, dass Race hier soviel wie „Geschlecht“ heißt, womit er allerdings auf Abstammung zielt.

      „Der EigentĂŒmer der Arbeitskraft ist sterblich. Soll also seine Erscheinung auf dem Markt eine kontinuierliche sein, wie die kontinuierliche Verwandlung von Geld in Kapital voraussetzt, so muß der VerkĂ€ufer der Arbeitskraft sich verewigen, ‚wie jedes lebendige Individuum sich verewigt, durch Fortpflanzung‘. Die durch Abnutzung und Tod dem Markt entzogene ArbeitskrĂ€fte mĂŒssen zum allermindesten durch eine gleiche Zahl neuer ArbeitskrĂ€fte bestĂ€ndig ersetzt werden. Die Summe der zur Produktion der Arbeitskraft notwendigen Lebensmittel schließt also die Lebensmittel der ErsatzmĂ€nner ein, d.h. der Kinder der Arbeiter, so daß sich diese Race eigentĂŒmlicher Warenbesitzer auf dem Warenmarkte verewigt.“ (MEW 23, S. 187)

      Oder auch:

      „Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwĂŒrdigen und mit frommer Schau betrachteten TĂ€tigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Artz, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt […]
      Der Arbeiter „wird ein bloßes Zubehör der Maschine, von dem nur der einfachste, eintönigste, am leichtesten erlernbare Handgriff verlangt wird. Die Kosten, die der Arbeiter verursacht, beschrĂ€nken sich daher fast nur auf die Lebensmittel, die er zu seinem Unterhalt und zur Fortpflanzung seiner Race bedarf.“ (MEW 4, S. 465, 469)

      „Race“ meint hier nicht den strukturellen Klassenbegriff, der sich quasi als Platzhalter aus dem ökonomischen System ergibt, sondern er meint die Arbeiterklasse als sich intergenerational reproduzierende Arbeiterklasse. „Race“ hat die Konnotation von Stamm, Abstammung.

      Aber die AusfĂŒhrungen auf Seite 469 zeigen deutlich, dass Marx hier von einer Gesellschaft schreibt, in der der Kapitalismus noch erst so weit entwickelt gewesen ist, dass von Arbeiter_innen „nur der einfachste, eintönigste und am leichtesten erlernbare Handgriff verlangt wird.“ Du selbst zĂ€hlst die Studierendenschaft zum Proletariat, was ich ĂŒbrigens problematisch finde, dies lĂ€sst sich jedoch nicht mit der Aussage von Marx in Übereinstimmung bringen, es sei denn, wir gestehen zu, dass die Arbeitsanforderungen heute komplexer geworden sind, dann hat dies allerdings auch Konsequenzen auf Fragen der Klassenreproduktion. Sie ist heute komplexer als zu Marx Zeiten und selbst damals hatte Marx eben mit dem Begriff „race“ hier schon zusĂ€tzlich zu Klasse eine weitere Differenzierung eingefĂŒhrt, die diesem Umstand gerecht wird.

  5. Tom

    Dass die Reproduktion der kapitalistischen Gesellschaft heute viel komplexer ist, als vor 150 Jahren stelle ich nicht in Abrede. Im Gegenteil! Aber was soll denn daraus folgen? Zu Marx‘ Zeiten gab es faktisch keinen Aufstieg aus der Arbeiterklasse ins BĂŒrgertum. Arbeiterkinder wurden wieder Arbeiter. Folglich kann man wie Marx hier sprachlich biologische Analogien bemĂŒhen. Dies ist aber keine analytische Kategorie oder Ă€hnliches. Er hat also hier nicht den race-Begriff „eingefĂŒhrt“, sondern einen gebrĂ€uchlichen Alltagsbegriff in seinem Forschungsbereich verwendet.
    Um dich zu ĂŒberzeugen, hier noch ein Zitat:
    „The natural price of labour is that price which is necessary to enable the labourers, on with another, to subsist and to perpetuate their race, without either increase or diminution.“

    Dies stammt jedoch nicht von Marx, sondern von David Ricardo, an dessen ökonomischer Theorie er sich im Kapital abgearbeitet hat. Wenn du also dabei bleiben willst, dass mit dem Race-Begriff bewusst eine weitere Differenzierung eingefĂŒhrt wurde, dann musst du sie Ricardo zuschreiben.

    1. Es geht mir nicht darum, ob „race“ ein biologischer Begriff ist. Das glaube ich eher nicht. „Race“ scheint vielmehr „Klasse“ aus der Sicht von Reproduktionsfragen zu betrachten. Danke jedenfalls fĂŒr den Hinweis auf Ricardo.

      Es ist auch gut, dass wir uns darin einig sind, dass heute die Reproduktion der kapitalistischen Gesellschaft komplexer ist als vor 150 Jahren. Wahrscheinlich sind wir uns auch einig darin, dass sie notwendig komplexer ist. Meiner Meinung nach spielt hier auch der politische Kampf der Arbeiter_innenklasse eine Rolle, welcher den Raum fĂŒr Profite einengt. Daraus ergeben sich Konflikte bei den Profiteur_innen des Kapitalismus. Dies zeigte sich z.B. im Hamburger Schulkampf. Die kapitalistischen Modernisierer_innen (CDU) wollten ein moderneres Schulsystem, welches Arbeiter_kindern mehr Möglichkeiten zum sogenannten Bildungsaufstieg zugesteht (erstens ging es darum, dass mehr Ingenieur_innen benötigt werden, zweitens gab es Wirtschaftsministerium Sorgen um die Akzeptanz der Marktwirtschaft mit der Empfehlung, statt in die Lohnpolitik einzugreifen, die soziale MobilitĂ€t zu erhöhen). Die Privilegierten aus den reichen Hamburger Vororten setzten jedoch ihre Interessen gegen die CDU durch. Das kapitalistische System ist auf die UnterstĂŒtzung dieser Privilegierten angewiesen.

      In Ă€hnlicher Weise sind auch die Konflikte zu sehen, die derzeit zum Erstarken der „Alternative fĂŒr Deutschland“ fĂŒhrt.

      Diese Konfliktlinie wird meines Erachtens durch den Kampf gegen Klassismus verschÀrft.

  6. Tom

    Eins noch: Dem Kapital ist es vollkommen schnuppe, wen es ausbeutet. Es benötigt eine bestimmte Anzahl gut ausgebildeter, weniger ausgebildeter und auch fast nicht ausgebildeter. Letzteres deshalb, weil es immer noch Arbeit gibt, die keine Qualifikation benötigt. Menschen mit zu hoher Qualifikation sind hier in ihrer Ausbildung und eventuellen Lohnforderungen zu teuer.
    Es steigt der Anteil Hochqualifizierter stetig an, durch die komplexer werdenden Arbeitsbedingungen. Entsprechend möchte jetzt selbst die CDU Arbeiter- und Migrantenkinder besser ausbilden. Daran kann man aber doch sehen, dass eine Klassismus- und eine Kapitalanalyse zwei vollkommen verschiedene Dinge sind: Du kritisierst das BĂŒrgertum und dies sicher auch vollkommen zurecht.
    Das Kapital wendet sich aber ebenso gegen das BĂŒrgertum, weil es ihm die Ausbeutung zu einem geringen Lohn in 20 Jahren vermiest.
    Hier liegt der Denkfehler, dem du aufsitzt: Du schmeißt BĂŒrgertum und Kapital zusammen. Die Interessen, Haltungen und Forderungen des bĂŒrgerlichen Milieus sind aber etwas anderes als die nackten Interessen des Kapitals!
    Der Kapitalist möchte als Kapitalist so viele gut ausgebildete Menschen wie möglich. Ganz egal, ob es Migranten, Arbeiterkinder oder Frauen sind. Als BĂŒrger möchte er fĂŒr sich und seine Kinder einen möglichst großen Vorteil gegenĂŒber der Unter- und Mittelschicht. Er kann als Kapitalist Streubomben produzieren und als BĂŒrger Human Rights Watch spenden.

    Mit Marx kannst du ausschließlich den Kapitalisten als Kapitalisten analysieren. Möchtest du ihn als BĂŒrger untersuchen, dann braucht es Bourdieu und co. Das ist, so meine ich, das MissverstĂ€ndnis, dem du bei deinem Bezug auf Marx aufsitzt.

    1. „Dem Kapital ist es …“ ist keine gute Formulierung, da „das Kapital“ kein Subjekt ist.

      Das ökonomische System hĂ€ngt mit der bĂŒrgerlichen Gesellschaft zusammen. Das lĂ€sst sich nur analytisch trennen. Theoretisch ist es bei der Profitmaximierung egal, wer ausgebeutet wird, aber diese Profitmaximierung kann nur in einem System stattfinden, welches mit Macht aufrecht erhalten werden muss.

      Gerade die Kapitalisten verfolgen eine Ideologie der Vererbung, gerade sie sind keine Vertreter der Meritokratie, sondern sorgen sich um die intergenerationale Weitergabe des Vermögens. Und gerade in Deutschland hat der Klassenkompromiss zwischen Bourgeoisie und Junkertum zu einem feudalen Zug im Unternehmertum gefĂŒhrt. Schau dir mal die VerbĂ€nde der Familienunternehmer an. Die sind stockkonservativ und eben nicht rationale Vertreter einer Meritokratie.

      Die kapitalistische Ökonomie kann jedenfalls nicht in eine sozialistische transformiert werden, solange erfolgreich mittels Klassismus kapitalismuskonforme Menschen geschaffen werden.

  7. anonyme_Unterschicht7

    1
    Mal doof gefragt: spielt das irgendeine Rolle ob etwas Marx gesagt hat. Oder ob dies oder das in „seinem Sinne“, „marxistisch“ ist. Die Type ist tot. Wir können ihn nicht fragen. Wird ja noch nicht mal was gewonnen, wenn Marx etwas auch gesagt, anderes gesagt oder zu was nix gesagt hat.
    Wenn sich Andreas bzw. Du in eine bestimmte Traditionslinie stellen möchte, wo Bitte ist da das Problem? „Du hast da Marx nicht verstanden“ oder „das ist nicht marxistisch“ setzt Marx mit „richtig“ gleich. So eine Gleichsetzung ist voll die autoritĂ€re Kackscheiße, nen Marx-Siegel fĂŒrs denken oder wa. Wenn die einen so sagen und die anderen anders sagen, dann sollte sich doch verdammt noch mal auf die Argumente eingelassen werden.

    Auch ob etwas linksliberal sei, Marx ĂŒber etwas gespottet hĂ€tte, reformistisch, sozialdemokratisch, nicht-revolutionĂ€r geht voll am Thema vorbei. DafĂŒr mĂŒsste ja erstmal geklĂ€rt sein, was denn nun Klassismus ist und was der Begriff ist, der mit dem gleichgesetzt wird. Und um daraus ne Kritik zu machen, mĂŒssten dann auch Andere Begriffe bereits ablehnenswĂŒrdig sein.
    Etwas eine „dĂŒmmliche Analyse“ nennen, was gar keine fertige Analyse sein will sondern der Versuch ist „Klassismus“ als Konzept zu skizzieren ist Ignoranz.

    2
    Deswegen zum Inhalt(soweit ich ihn verstanden habe + ergÀnzt/verzerrt ;D):

    Andreas liefert zunĂ€chst eine Definition von „Klassismus“ als Ausgangspunkt fĂŒr ein „Forschungsprogramm“:

    Der Begriff Klassismus geht aus von Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen und soll es ermöglichen, dass mit ihm diese Diskriminierungen benannt werden.
    Von diesem Standpunkt wird eine Gesellschaftsanalyse vorgenommen, (…)

    Es geht also um Betroffenheit.
    Genauer: einen Ansatz, „ganz unten“ auf Ebene der Erscheinung(PhĂ€nomen). Im Mittelpunkt steht nicht die Gesellschaft als Ganzes sondern der Fokus der Betrachtung, ist zunĂ€chst(!) auf einzelne Punkte in dieser gerichtet. Andreas hat anderswo schon einen Text ĂŒber Unterschied zwischen Betrachtung der Gesamtgesellschaft „big picture“ und dem, was hier im Fokus steht „little picture“ gebracht.

    Diskriminierungserfahrungen können unterschiedlich vorkommen u.a.:
    – offen und selbstverstĂ€ndlich(als Ohnmacht gegenĂŒber d. Gesellschaft)
    – subtil, in dem Sinne das individuell vllt gemerkt wird, dass irgendetwas nicht stimmt aber dieses nicht in Worte gefasst werden kann
    – als scheinbare Naturereignisse(z.B. bei Robert Willis wo sich die Ergebnisse eines bestimmten Handelns erst spĂ€ter in denselben/Ă€hnlichen „Niederlagen“ niederschlagen)

    in der versucht wird, Diskriminierungserfahrungen auf Herrschafts- und MachtverhĂ€ltnisse zurĂŒckzufĂŒhren, die dann als klassistisch benannt werden.

    Es geht demnach darum die Erscheinungen zu verstehen und Werkzeuge zu deren Reflektion zu basteln. Und darum Diskriminierung eben auch Diskriminierung nennen zu können.

    Also darum den Diskriminierungserfahrungen die gesellschaftliche SelbstverstÀndlichkeit zu nehmen.

    2.1
    Dieses unterscheidet sich natĂŒrlich grundsĂ€tzlich von AnsĂ€tzen fĂŒr die Erscheinungen/Erfahrungen irrelevant sind. Wo also aus der Diskriminierungserfahrung dann folgen soll, sich diese aus dem Kopf zu schlagen, weil die ja eh, nicht zu Ă€ndern wĂ€ren.
    Wo also praktisch Anpassung gefordert wird. Auch und gerade von „Kommunisten“.

    2.2
    Mit Verwundbarkeit ist btw auch ein Grund angegeben warum auch ausschließliche AntidiskriminierungsansĂ€tze erst mal hilfreich sind, selbst wenn sie „einfach nur“ ein wenig diese oder jene HĂ€rte abmildern. Um es an nem praktischen Beispiel zu machen: wenn z.B. Hartz IVler gesellschaftlich abgewertet werden, dann erhöht das auch deren Verwundbarkeit. Vom verhungern lassen noch ganz zu schweigen.

    2.3
    Imho ist das Grundkonzept von Klassismus theoretisch, keineswegs „eine Theorie“ sondern eher ein Forschungsprogramm.
    Die Diskriminierungserfahrungen und DiskriminierungszusammenhĂ€nge können nĂ€mlich mit unterschiedlichsten Theorien versucht werden zu fassen. Das bedeutet dass es sich nicht ausschließt z.B. mit Foucault Mikrostrukturen zu fassen und das gleichzeitig etwas anderes untersucht wird. Auch schließt es sich nicht nicht aus, individuelle und kollektive Strukturen sowohl isoliert als auch im Zusammenhang zu untersuchen.

    3.
    Finde bei Kulturimperialismus fehlt ein Aspekt. NĂ€mlich das „untere Klasse“ und deren Kultur auch nichts „besseres“ sind sondern nur die andere Seite der Medallie.
    D.h. wenn es einfach Herrschaft bzw. Ausgrenzung einer Kultur durch die Andere meint, dann fehlt dass das Leben aber auch die BewĂ€ltigungsstrategien „unten“ jetzt nicht weniger kapitalistisch und sogar selbst „klassistisch“ sind. Selbst ganz „unten“, wird sich noch von anderen abgegrenzt und werden Leute ausgegrenzt. Konkurrenz halt, nicht unbedingt nur ökonomische. Auch Proletkult erhöht ja einfach nur das „eigene“, wenn vllt auch aus ner Position der Marginalisierung heraus. Wenn beispielsweise Kiddies Messer haben und OG, „Gangster“ werden wollen, passend dazu dann Tupac Shakur das große Vorbild ist, dann ist das halt erst mal ziemlicher Bullshit und halt nicht ne „tolle proletarische Gegenkultur“.

    4.
    iwie hast du soviel gleichzeitig angerissen 😀 das macht es schwierig zu kritisieren oder zuzustimmen, so Einzelnes, nacheinander, wĂ€r vermutlich besser ;D

  8. Tom

    Diese Meinung nimmt dir niemand. Auch die Folgerung kannst du ableiten. Nur musst du da deinen Andreas Kemper druntersetzen und es nicht als eine marxistische oder gar marxsche Position darstellen. Das ist sie einfach ganz und gar nicht. Was nicht heißt, dass deine Analyse schlecht oder falsch sein muss, sie hat halt nur nichts mit Marx zu tun.

    1. Das behauptest du, aber du hast nirgendwo den Nachweis gefĂŒhrt. Oder sollte ich ein Argument ĂŒbersehen haben? Du bist auf die „race-Geschichte“ nicht weiter eingegangen.

      Womit Klassismus sich schwer vereinbaren ist ein auf Ökonomismus reduzierter Marxismus, also einer der davon ausgeht, dass das Ökonomische System direkt die Klassen schafft. Aber das wĂ€re Marx vor 1848.

  9. Tom

    @Andreas, ich habe dir doch in aller AusfĂŒhrlichkeit dargelegt, dass der „Race-Begriff“ eine zu dieser Zeit vollkommen normale Bezeichnung war, mit der Marx nur die Begriffe bĂŒrgerlicher Ökonomen wie Ricardo ĂŒbernimmt und all das, was du da rein interpretierst, eben deine Meinung ist, es sich mit Marx und seiner Verwendung dieses Begriffs einfach nicht in Einklang bringen lĂ€sst. Das sieht man schon daran, dass er Race vollkommen verstreut und beliebig ĂŒber das Werk verstreut verwendet hat. WĂ€re es wirklich eine Kategorie und nicht ein Synonym fĂŒr Proletariat, so hĂ€tte Marx dies sicherlich auch so definiert oder zumindest prĂ€ziser verwendet.

    @anonyme_unterschicht, Andreas hatte geschrieben: „Ich denke, dass der Klassismusbegriff zum Marxismus passt. Allerdings sollte Marx hier marxistisch gelesen werden“. Diese Behauptung halte ich fĂŒr gĂ€nzlich falsch und habe entsprechende Argumente vorgetragen. Das heißt natĂŒrlich nicht, dass es deshalb schlecht oder falsch sein muss, sondern nur, dass es nichts mit Marx zu tun hat.
    „Auch ob etwas linksliberal sei, Marx ĂŒber etwas gespottet hĂ€tte, reformistisch, sozialdemokratisch, nicht-revolutionĂ€r geht voll am Thema vorbei.“
    Nein, geht es nicht. Weil Marx eben gerade nicht reformistisch, nicht nicht-revolutionÀr, nicht sozialdemokratisch und nicht linksliberal war. Eine derartige Theorie kann per se nicht in der marxschen Theorietradition stehen.
    Und Theorien, in denen es um Betroffenheit, Diskriminierungserfahrungen etc. geht, sind nun einmal Theorien, die mehr mit dem grĂŒn-alternativen Milieu zu tun haben, als mit radikaler Gesellschaftskritik. Wenn ihr Theorien vertreten wollt, die von der GrĂŒnen Jugend bis zum evangelischen Kirchentag vertreten werden, dann macht das! Nur tut bitte nicht so, als wĂŒrdet ihr in einer Tradition von Kritik stehen, die die kapitalistischen VerhĂ€ltnisse grundlegend ĂŒberwinden will. Mich stört nicht, dass ihr linksliberale Theorien vertretet. Das ist euer, nicht mein Problem. Mich stört nur, dass ihr versucht, euch mit sehr gezwungenen BegrĂŒndungen in einen linksradikalen Kontext zu stellen.

    1. Hallo Tom,

      zunĂ€chst ist es nicht „meine“ Interpretation, sondern die von Thomas Kuczynski http://dishwasher.blogsport.de/2010/01/15/klassenreproduktion-bei-marx/.

      Zweitens ist der Begriff race im Zusammenhang mit der Arbeiterklasse nicht beliebig verstreut, sondern taucht dann auf, wenn er Abstammungsfragen meint. Dies ist eine ĂŒbliche Lesart von race. Es ist somit kein Synomym fĂŒr Proletariat. Proletariat bezieht sich auf Klasse im Produktionsprozess, race hingegen als Klassenbegriff hinsichtlich der Klassenreproduktion. Diese Frage ist leicht ĂŒberprĂŒfbar. Ich habe „race“ in Bezug auf Arbeiterklasse immer nur im Zusammenhang mit Klassenreproduktionsfragen gefunden. Du mĂŒsstest mir Stellen nennen, in denen Marx „race“ anders benutzt. Da kam von dir nur der Verweis auf die Race der Menschheit, es geht hier aber um die race der Arbeiterklasse.

      Drittens hat sich Marx kaum mit Klassenreproduktionsfragen befasst, weil sie sich zu seiner Zeit nicht stellten. Heute sind diese Klassenreproduktionsfragen relevant und sie sollten im marxistischen Sinne beantwortet werden. Und da sind die Hinweise von Marx wichtig.

  10. anonyme_Unterschich7

    hmm.. naja.. ein wenig stimmt das imho schon.. obwohl mir eure Marx Debatte gehörig auf den Wecker geht ;D

    Weil wenn „ursprĂŒngliche Akkumulation“ genommen wird, dann steht dabei das „strukturelle“ im Fokus, auch wenn gesagt wird, das ursprĂŒngliche Akkumulation mit Gewalt geschieht. Das historische, wĂ€re quasi Bebilderung.
    Dasselbe mit den unterschiedlichen Schilderungen von Disziplinierung, die immer wieder am Rand vorkommen. Das sind ja einerseits Notwendigkeiten um brauchbar zu sein. Andererseits gibt es natĂŒrlich auch, wie Tom sagt, einen Zwang zur Notwendigkeit, der erstmal ziemlich unabhĂ€ngig vom wollen ist. Also fĂŒrs funktionieren ist es egal, ob du weiterhin Arbeiter bist oder das wer anders macht. Kommt halt nur drauf an, dass es irgendwer macht. Auch Kapitalistenklasse, lĂ€sst ja grundsĂ€tzlich zu dass welche von dort wechseln. Dadurch das sie konkurrieren, mĂŒssen eben sogar auch mal welche die Klasse verlassen. Insofern spricht das zunĂ€chst sogar gegen Reproduktion nach „Herkunft“. Ohne Kultur zu betrachten, wĂ€re dieses z.B. auch allein auf Grund der ökonomischen VerhĂ€ltnisse erklĂ€rbar. Vom TellerwĂ€scher wirst du halt schlechter zum MillionĂ€r, als du MillionĂ€r bleiben kannst, weil deine Stellung in Konkurrenz ne schlechtere ist.

    Ideologie bei Marx direkt wĂ€r imho vor allem in dem Mistfetischkapitel vom Kapital zu finden und halt noch in der „Deutschen Ideologie“. Meines Wissenstands nach bestimmt er dabei letztlich die Denkform aus der Stellung. Also weil ich eh nur dies und das „kriegen“ kann, diese oder jene strukturellen ZwĂ€nge herrschen erscheint mir meine Lage „wie sie ist“. Wenn ich feststelle ich kann z.B. nen Abschluss machen und studieren, oder eben auch nicht, dann hab ich dann auch dementsprechende Ziele und Vorstellungen von Welt. Möchte z.B. Arbeiter werden und TrĂ€ume vom kleinen Eigenheim. Also dieses der „richtige Ausdruck, verkehrter VerhĂ€ltnisse“ Zeug.

    Auch schreibt Marx nicht wirklich was zu z.B. Hausarbeit bzw. betrachtet, die halt nur in ökonomischer Rolle. Dieses wĂ€re ja z.B. noch ein Bereich ursprĂŒnglicher Akkumulation, also Inwertsetzung von Dingen die nach kapitalistischem Maßstab erstmal wertlos sind. WĂŒrde sagen die Rolle ökonomisch nicht bzw. indirekt relevanter Bereiche fĂŒr Aufrechterhaltung fehlt tatsĂ€chlich. Die gelten nĂ€mlich bei Marx afaik nur als „Reste“ bzw. „Überbleibsel“, eben als noch nicht nach diesem System organisiert, weils sich nicht lohnt. Das jedoch nicht-kapitalistisches auch ne Rolle spielen kann, findet sich aber auch. Beispielsweise mit Staat als „ideelem Gesamtkapitalist“ der entgegen der Einzelinteressen bestimmte Dinge organisieren bzw. bereitstellen muss, damit eben ĂŒberhaupt ArbeitskrĂ€fte da sind. So wĂ€r es z.B. schlecht, wenn alle Arbeiter verhungern auch wenns individuell fĂŒr Einzelkapitalisten natĂŒrlich am Besten wĂ€re gar keinen Lohn zu zahlen (oder halt einen der nicht zum Leben reicht).

    Neben Interesse an Profitmaximierung steht natĂŒrlich das Interesse zu Leben. Und hier spielt dann auch Klasse eine Rolle. Die eigene Arbeitskraft teurer zu verkaufen bedeutet natĂŒrlich auch „besser“ zu Leben. Da jedoch der Verkauf davon abhĂ€ngt das „oben“ Profit gemacht wird und eine nichtprofitable Arbeitskraft halt nicht gekauft wird. Gibt es natĂŒrlich auch „unten“ die Notwendigkeit nĂŒtzlich zu sein. „Klassenkampf“ im klassischen Sinne ist damit begrenzt, weil es das, was es bekĂ€mpft im „eigenen Interesse“ erhalten muss.
    Beispiel: ich kann gegenĂŒber meinem Vorarbeiter eine bessere Behandlung durchsetzen, weil
    der auf meine UnterstĂŒtzung angewiesen ist, aber nur bis zu einem gewissen Grad. NĂ€mlich so lange der sein soll erfĂŒllt. Tut er das nicht dann werde entweder ich entlassen oder wir werden beide entlassen.
    Bei Marx findet sich auch dieser Hinweis auf die BeschrÀnktheit z.B. gewerkschaftlicher KÀmpfe. Allerdings ist der imho nicht grundsÀtzlich gegen die.

    Mir scheint das in der Argumentation eine solche Gleichsetzung von Antiklassismus mit „Klassenkampf“ in dem rein ökonomischen Sinne erfolgt.

    Wenn es allerdings um „Leben“ und dessen „Disziplinierung“ geht dann finden sich neben der reinen wirtschaftlichen Verwertbarkeit z.B. im Operaismus eine lange Tradition des Widerstands gegen Disziplinierungen. Das „nĂŒtzlich“ sein insgesamt notwendig ist um zu existieren sagt noch nichts ĂŒber die Art der konkreten NĂŒtzlichkeit aus. So kann es z.B. möglich sein dass in der einen Form profitbringend gearbeitet wird, in der anderen Form jedoch auf Grund des Widerstands nicht. Damit geht es dann nicht mehr darum „mehr“ oder „weniger“ rauszuschlagen sondern darum den Produktions- und Reproduktionsprozess in seiner Beschaffenheit zu verĂ€ndern. Er wird also an dem Maßstab gemessen ob er zum „Leben“ taugt. Dieses hĂ€tte erst mal einen sozialreformerischen Gehalt. Dieser muss nicht rein ökonomischer Natur sein. Und ein rein auf Klassen im ökonomischen Sinne bezogener Begriff fĂŒhrt hier auch nicht weiter.

    Schließlich ist Klasse hier nicht mehr eine ökonomische Stellung sondern eine „soziale Form“ die nicht auf ökonomische Stellung reduzierbar ist. Disziplinierung in den Blick zu nehmen bedeutet jetzt zu sehen, wie diese geschaffen werden und sich verĂ€ndern. Es geht also letztlich um Klassenzusammensetzung. Und eben auch darum wie sie reproduziert wird. Warum z.B. mehrere Generationen dieselben Erfahrungen machen und wie deren BewĂ€ltigungsmuster etc. sind.

    Dieses widerspricht erst mal Marx Analyse gar nicht. Allerdings wĂŒrde ich auch nicht sagen dass das jetzt ganz genau dessen Thema sei. Es interessiert den halt nicht, dessen Ziel ist ja eher herauszufinden, warum Kapitalismus als Ganzes funktioniert. Hier geht es dagegen eher darum nach dem Widerstand und den Formen der Zurichtung zu gucken. Der eben nicht bloß individuell ist. Sondern wo sich verschiedene mehr oder minder feste Klassen herausbilden und reproduzieren.

    Dieses ist trotz Überschneidungen vom Schichtbegriff verschieden. Schließlich geht es nicht einfach um die Feststellung bestimmter Lebensstile, sondern um die Zurichtung und dessen Konsequenzen.

  11. OK, Tom, du bist also nicht auf „Teufel komm raus“ auf Konfrontationskurs. Das hebt dich schon einmal angenehm von anderen Kommentatoren ab. DarĂŒbr hinaus bin ich zuwenig Marx-Experte, als dass ich mich zu deiner ursprĂŒnglichen Kritik sinnvoll Ă€ußern könnte.

    Problematisch finde ich nun allerdings, dass du 1. die Thematisierung von Diskriminierung ausschliesslich in einem grĂŒn-alternativen Millieu verortest und 2. dass Linksradikalismus fĂŒr dich offenbar untrennbar mit dem Namen Marx vernĂ€ht ist.

    Beides halte ich fĂŒr falsch und es drĂ€ngt sich ein wenig der Verdacht auf, dass du „NebenwidersprĂŒche“ glaubst ignorieren zu können, weil du dich mit der großen krass radikalen marxschen Theorie beschĂ€ftigst. Vielleicht sind dir die Millieus in denen Diskriminierungskritik betrieben wird ja zu uncool (das schwingt bei alternativ-grĂŒn ja gerne mit).

    Abgesehen, davon, dass es meines Wissens durchaus Marx‘ Anliegen war „alle VerhĂ€ltnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verĂ€chtliches Wesen ist“, gibt es meines Wissens nicht nur viele Gruppierungen, die sich sowohl mit Antisexismus, Antirassismus, etc. beschĂ€ftigen und sich dabei als linksradikal verstehen, allen voran die Antifa, sondern es gibt darĂŒber hinaus auch solche, die sich dabei noch als dezidiert nicht-marxistisch verstehen (Anarchisten etwa).

    Diese ganzen Unterscheidungen finde ich jedoch wenig zielfĂŒhrend. Ich mag ein Ekletizist sein, aber ich picke mir gerne ĂŒberall interessante Gedanken heraus, möglichst ohne mich von Scheuklappen verengen zu lassen.
    Daher finde ich auch solche Theorien besonders interessant, die z.B. Kapitalismuskritik mit Patriarchatskritik zusammendenken, wie das Wert-Abspaltungs-Theorem.

    1. Tom

      Mir geht es nicht darum, bestimmte PolitikansĂ€tze abzuwerten. Ich finde es ja nicht falsch, sich gegen Diskriminierung zu engagieren oder sich an „NebenwidersprĂŒchen“ abzuarbeiten. Mir geht es um Genauigkeit. Ich kritisiere Andreas nicht dafĂŒr, dass er sich sozialreformistisch engagiert, sondern dafĂŒr, dass er diesen Ansatz in einen linksradikalen Kontext stellt.
      Die gleiche Kritik kann ich auch an die meisten „Gruppierungen, die sich sowohl mit Antisexismus, Antirassismus, etc. beschĂ€ftigen und sich dabei als linksradikal verstehen“ richten.
      Es gibt ein BedĂŒrfnis, sich radikaler zu gerieren, umso reformistischer die politische Haltung ist. Cool und Uncool sind Kategorien, in denen solche Aktivisten denken, nicht ich. Der Unterschied zwischen diesen „Linksradikalen“ und Mitgliedern der GrĂŒnen, besteht leider hĂ€ufig nur darin, dass noch „FĂŒr den Kommunismus“ unters Flugblatt geklatscht wird.
      Es muss ja niemand linksradikal sein, auch nicht marxistisch, aber wer Marx sagt, soll auch Marx meinen und nicht Sozialdemokratie, nur weil ersterer cooler klingt.

      Radikal bedeutet an die Wurzel zu gehen. Möchte man die Axt an die Wurzel des Kapitalismus anlegen, so kommt man nicht an Marx vorbei. RadikalitÀt von Nicht-Marxisten ist selten etwas anderes als Utopismus. Wo ich immer nur sagen kann: Ja, klingt toll, ist aber nicht allzu realistisch.

      Ich picke mir auch gerne Gedanken irgendwo raus, weshalb ich auch nichts gegen Leute habe, die meine Meinung nicht teilen. Ich werde nur leicht grantig, wenn es mehr radikaler Schein als Sein ist.

      PS. Das Wert-Abspaltungstheorem finde ich sehr gewollt und herbeikonstruiert, weshalb es mich nicht ĂŒberzeugt, aber das ist ein anderes Thema.

  12. anonyme_Unterschich7

    @kleine Korrektur z. eigenen, vorherigen Kommentar
    hatte sozialreformerischer Gehalt geschrieben, verdammt. Das bedeutet damit natĂŒrlich keine BeschrĂ€nkung darauf aber ich find soziale Reformen auch nicht schlimm 😀

    @Tom
    Du diese ganze Kritik trifft mich nicht, ich will nicht „radikal“ sein, geschweige denn „linksradikal“, ich mag Bratwurst und heile Klamotten. Und wenn es unbedingt ne Theorietradition sein soll, dann Bitte Donald Duck und Hartz IV Antrag – oder was in der Art – find so „Traditionen“ nĂ€mlich Mist. (zur Marxismus Vokabel hab ich eigentlich bereits meine Meinung geschrieben). Hab keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll, dass „wir“ deiner Meinung nach ungerechtfertigt „radikal“ tun. Das ist nĂ€mlich nicht mein Maßstab.

    @Andreas
    netter Textlink :)) (muss aber erst mal die Diskussion dort zu „Race“ lesen, die ist ja etwas lĂ€nger ;D )

    @futuretwin Hey, wo bin icke auf Konfrontationskurs 😀 bin ja bisher außer Tom und Andreas und eben dir, die Einzige Person, die hier unter dem Text wat geschrieben hat ;D

    1. Tom

      Bis auf kleinere Punkte wĂŒrde ich dir zu deinem vorigen Kommentar Recht geben.

      Mein Problem ist weniger, dass hier eine Tradition verraten wird, dafĂŒr bin zu wenig Marxist, sondern dass eine Theorie, die genauso wie du auch nicht radikal sein will, sich dennoch so gibt.
      Wenn man sie „Unterschichtsdiskriminierung“ statt „Klassismus“ getauft hĂ€tte und sich nur dort auf Marx beziehen wĂŒrde, wo es wirklich passt, dann hĂ€tte ich mit ihr kein Problem.

  13. Nee, du nicht. Ich hatte mich auf andere Texte bezogen, wo Maskulisten und AfD-Fans rumtoben. 😉 Mit denen will ich aber hier niemanden annĂ€herend vergleichen.

  14. anonyme_Unterschich7

    @andreas
    so noch mal ein paar Gedanken zu dem Ding mit „Herkunft“(Race), das ist jetzt nicht besonders ausgereift und bricht halt auch ab, weil ich das gerad nicht besser hinkriege und das dann doch ziemlich schnell ziemlich viel Text wird. (Hab mir auch mal einige Zitate aus dem verlinkten Text geschnappt.) Denke beides muss zusammgengedacht werden, wo wir uns vermutlich(?) einig sind. Dabei bin ich leider nicht bis zum Hamburg Beispiel gekommen (zu Marx steht schon was im vorherigen Text) ;D

    1. Ich fang mal „strukturalistisch“ an:

    Auftrag, ĂŒber die Sozialisation der eigenen Kinder die Arbeitskraft zu reproduzieren.

    Ein solcher Auftrag kommt erst mal unmittelbar vom Staat als „ideeller Gesamtkapitalist“ der gleichzeitig auf Landesökonomie angewiesen ist. Weil fĂŒr den Kinder, die ihre Arbeitskraft nicht verkaufen, keine Steuerzahler und keine Staatsdiener mehr sind sondern Kosten. Der Staat delegiert diese Aufgabe(d.h. Reproduktion seiner Bevölkerung) an die Familien. Insofern Zustimmung zu

    Kuczynski sieht diese Aufgabe hingegen stÀrker bei den Familien.

    Da entsprechende Reproduktion nicht klappen muss.

    Vermittlung durch den Staat in praktischen EinzelfÀllen.

    und letztlich auch Ober-Aufsicht, ĂŒber die Erziehung in den Familien: Jugendamt etc.

    Dabei wĂ€re es schlecht, wenn alle z.B. Professoren werden wĂŒrden. Weil dann Wirtschaft eben nicht mehr funktioniert und damit dem Staat seine Einnahmequelle entzogen wird. Es werden also die wirtschaftlichen Bedarfe erstmal ĂŒbersetzt.

    Von Seiten des Staates und der Aufrechterhaltung seiner Funktion geht es aber nicht nur um „Kapitalismus“ sondern auch darum zum jeweiligen StaatsverstĂ€ndnis entsprechende Untertanen zu schaffen. Auch das geht erst mal in Bildung und Erziehung ein.
    Auch mĂŒssen bestimmte soziale Spannungen ausgeglichen werden, weil wie Gerhard Schröder gesagt hat:
    „Eine ungleiche Gesellschaft, ist auch eine unfriedliche Gesellschaft.“
    Und ein Staat der allein auf Gewalt und nicht auch auf Zustimmung basiert, funktioniert als Herrschaft nicht.
    GrundsĂ€tzlich ist es fĂŒr den Staat damit völlig egal, wie gebildet oder ungebildet seine Bevölkerung ist, wichtig ist hier nur das die Funktion erhalten wird.
    Es spielt also gerad keine Rolle ob das Akademikerkind Arbeiter wird oder das Arbeiterkind Akademiker. Sondern es muss halt insgesamt passen.

    Erziehung und Bildung/Ausbildung ist damit beides. Über den Staat vermittelt und Familiensache im Auftrag des Staates. Es lĂ€uft also nicht auf Ebene der Ökonomie ab, sondern der, der Politik.

    Durch eine zusĂ€tzliche Investition den Unterschied zwischen Akademikerkindern und Arbeiterkindern zu beseitigen oder die gleiche Zurichtung, wĂ€re „unwirtschaftlich“. Auch sollen die ja unterschiedliche Rollen einnehmen.

    Das die unterschiedliche Mittel zur VerfĂŒgung haben ist damit aus dieser Sicht(!) kein Problem. Schließlich sollen auch gar nicht alle, die „höheren Berufe“ ergreifen.

    2.
    Da ich es nicht schaffe hier Klassen komplett zu betrachten, beschrĂ€nke ich mich erstmal auf den Aspekt „Bildung“ im Rahmen von Klassenreproduktion bzw. „Race“. Einen richtigen Bildungsbegriff kriege ich allerdings hier im Kommentar nicht hin. ZunĂ€chst als Unterschied:

    Es wurde bereits gesagt, es geht nicht nur um wirtschaftliche Zurichtung sondern auch um politische. Dadurch das mit einer unterschiedlichen Verteilung Leute in Konkurrenz zueinander stehen, sind die in bestimmten Punkten gegeneinander gesetzt.
    Allerdings „Leben“ die auch unterschiedlich. D.h. es geht nicht ausschließlich um „reine Interessen“ sondern auch um bestimmte sozio-kulturelle Existenzweise.

    Bildung ist dabei mehr als Ausbildung, was sich z.B. in der Schule zeigt.
    „Goethe“ lesen, hat nichts mit der wirtschaftlichen Tauglichkeit zu tun. Es wird aber gleichfalls als „Leistung“ betrachtet. Das jemand der Goethe gelesen hat damit als „Intelligent“ gelten kann, wer ihn nicht gelesen hat als „unintelligent“, ungebildet, klingt komisch, wird aber so gemacht. ;D

    Mehr noch „Goethe lesen“ steht im Lehrplan. Wer Physik studieren will, muss Goethe lesen.

    D.h. es handelt sich hierbei nicht um Grundrechenarten die fĂŒr spĂ€teres Wissen gebraucht werden. Auch geht es dabei nicht um Orientierung, in dem bei verschiedenen Dingen hineingeschnuppert wird. Es handelt sich vielmehr um verordnete „Persönlichkeitsbildung“.
    An dessen Ende eine Bescheinigung dieser „Leistung“ steht.
    Insofern wĂŒrde ich dir(bei deinem einen anderen Text) widersprechen, dass es um soziale Herkunft und nicht um „Leistung“ gehen wĂŒrde. D.h. aber nicht das es auch um soziale Herkunft geht.

    Das, was hier als „Leistung“ gilt, ist ja, erst mal unterschiedlich zugĂ€nglich. Es ist die Kultur und der Geschmack von oben, der wiedergegeben und verinnerlicht werden soll. Und der je nach sozialer Herkunft natĂŒrlich anders vom Umfeld bewertet wird. (Beispiel: Was ihr fĂŒr Scheiße lernen mĂŒsst, wozu soll das gut sein?)

    Ähnliches findet sich auch in einigen Tests die „Begabung“ bzw. BefĂ€higung messen:
    Ist die Oper blabla von Verdi Monteirgendwas oder Puccini? (z.B. bei Tests beim Arbeitsamt)

    Je höher die Bildung um so mehr kostet sie dabei. Und um so mehr, wird sie auch nicht mehr staatlich finanziert.

    Auch sind „Bildungskarrieren“ in der BRD im wesentlichen an einen bestimmten Ablauf gebunden. So ist z.B. der 2te Bildungsweg teuer und ab einem bestimmten Alter, gibt es natĂŒrlich auch keine Förderung mehr. Das schließt natĂŒrlich Leute von „höherer Bildung“ und den entsprechenden Berechtigungsscheinen aus..

    Bestimmte Privilegien aus dem Mittelalter? sind nicht einfach mit Kapitalismus erklÀrbar.
    So werden Studierende bei Steuern anders behandelt als Andere, was praktisch dazu fĂŒhrt, dass sie in der Konkurrenz um kleinere Jobs bevorzugt behandelt werden. Und nach und wĂ€hrend des Studium denken, ein guter Hilfsjob findet sich doch immer ;D

    Das Interessante hier ist das damit Arbeiterkinder(und ein paar Andere) die fĂŒr ihr Studium arbeiten mĂŒssen, mit Reichen Studis die sich ein „Taschengeld“ verdienen(darauf nicht angewiesen sind) und Leuten aus der Unterschicht konkurrieren.

    Ein Interesse an der Abschaffung dieses Privilegs auf dem Arbeitsmarkt, hat nur die Unterschicht. Denn der ist das egal ob Leute den „Sprung“ schaffen. Denen geht es um das eigene Leben und dazu tragen die Studierenden erst mal nicht nur nichts bei, sie machen auch die Konkurrenz hĂ€rter und deren Bedingungen ungleicher.

    Insofern mĂŒsste imho klar zwischen Herkunft und Reproduktion der Herkunft und dem Wechsel der Stellung unterschieden werden. Der Race Begriff hat hier ja die Gefahr das er Leute zur selben Race zĂ€hlt, die praktisch entgegengesetzt sind.

    Es findet jedoch bei Wechsel eine VerĂ€nderung der „QualitĂ€t“ statt. Bzw. der Klassenzusammensetzung.
    Auch der Arbeiterkind Studi, könnte Chef, Chefhandlanger oder Bundeskanzler werden 😉
    Und auch Akademikerkinder könnten absteigen.

    Irgendwie fehlen da Begriffe zur Differenzierung bzw. mir fallen gerad keine guten ein, vllt Nummern. Vielleicht -1 0 +1 Also „Race“ +1 (aufgestiegene Arbeiter etc.) oder „Race“ -1 (abgestiegene Akademiker) und „Race“ 0 (Position beibehalten), statt „Race“ ließe sich da auch die jeweilige Klasse einsetzen. Kapitalist 0 , Kapitalist -1(abgestiegener Kapitalist) Kapitalist +1(zum Kapitalisten aufgestiegen).

    Benutze persönlich immer lieber Class. Weil Race das Problem hat, letztlich bereits im Rassismusbereich belegt zu sein und du wenn du jemanden der wegen Hautfarbe und Class diskriminiert wird schnell Probleme bekommst, das darzustellen. Und Unterscheide Klasse(nur strukturell) und Class(soziales).

    … so stopp.. sollte mir vllt nen Blog zulegen, Kommentare sind zu lang ;D

  15. @a_U: Muss mir das mal in Ruhe durchlesen. 😉

    @ Tom: Du bist jetzt eher indirekt auf meine Gegenbeispiele eingegangen (Antifa, Anarchismus). Was den Coolnessfaktor angeht, mag ich dich falsch eingeschĂ€tzt haben. 😉 Mein Eindruck ist der, dass gerade junge Leute hĂ€ufig denken links = uncool und das hat viel mit Klischees zu tun. Das geht dann in die Richtung langhaarig, ungepflegt, hippiemĂ€ĂŸig, etc. Auch a_U hat ja mit seinem Komentar zu Bratwurst und kaputten Hosen in diese Kerbe gehauen. Ganz falsch ist das freilich alles nicht.
    Ich halte aber die antideutsche Szene fĂŒr ein Beispiel dafĂŒr, wie eine krasse Abgrenzung von „Klischeelinken“ in eine problematische Richtung kippen kann.

    Vielleicht haben wir einfach eine unterschiedliche Definition von „linksradikal“. Du scheinst dies, wie ich erneut aus deinem Kommentar ersehe, mit „marxistisch“ gleichzusetzen. Da gehe ich nicht konform. NatĂŒrlich kann man Anarchisten vorwerfen, dass sie die Ökonomie vernachlĂ€ssigen, trotzdem wĂŒrde ich sie als linksradikal ansehen. Ebenso Gender- oder Antira-Aktivisten. Du fĂŒhrst radix – die Wurzel an, es kommt aber darauf an, was als die „Wurzel allen Übels“ angesehen wird. Bei Marx ist es das Kapital, richtig. Aber bei Anarchismen ist es eher der Staat, bei Feminismen das Patriarchat, du siehst also, dass du mit der Gleichsetzung linksradikal = marxistisch schon eine Vorannahme triffst.

    Auf diesen Blog (nicht auf dieses Post!) bin ich gestossen, weil A. K. hier u. A. Ernst Bloch thematisiert und dessen Unterscheidung von Rechts- und Links-Aristotelismus. Damit beschĂ€ftige ich mich nun. Ich denke, dass sich Kapitalismus, Patriarchat und vielleicht generell Herrschaft auf eine bestimmte ideologische Verkehrung zurĂŒckfĂŒhren lassen, ein MissverhĂ€ltnis von Materie und Form. Das ist alles noch sehr unausgegoren, aber wenn du nach Wurzeln gehst, sind solche Gedanken „radikaler“ als Marx. 😉

    Die Wert-Abspaltung halte ich selbst fĂŒr zu formelhaft, aber einen Schritt in die richtige Richtung.

    1. Tom

      Du hast Recht, dass ich den Kapitalismus als ursĂ€chlich fĂŒr das Gros der UnterdrĂŒckung ansehe, ist eine Vorannahme.
      Ich halte die Vorannahme, dass man nur den Staat abschaffen mĂŒsste und schon wĂ€ren die Probleme gelöst fĂŒr bestenfalls naiv.
      Genauso blamiert sich die Behauptung, wenn Frauen ĂŒber gleichviel Macht wie MĂ€nner verfĂŒgen, dass sich dann etwas grundlegend Ă€ndert, doch permanent. Die Behauptung, die Abschaffung des Patriarchats wĂ€re gleichbedeutend mit der Abschaffung von UnterdrĂŒckung an sich, wird ja auch seit den 70ern nicht mehr vertreten.

      Hingegen finde ich die Annahme, dass wenn man den Kapitalismus und damit das KonkurrenzverhĂ€ltnis unter den Menschen ĂŒberwindet, auch ein Großteil der UnterdrĂŒckung abstirbt, sehr plausibel.

  16. Hi, ich komme kaum hinterher, hier ausfĂŒhrlich zu antworten, da ich noch mit einem anderem Thema befasst bin, der „Alternative fĂŒr Deutschland“. Ich denke, ich bin jetzt aber so weit, die beiden Themen miteinander zu verbinden. Die „Alternative fĂŒr Deutschland“ formiert sich als der parlamentarische Arm der organisierten Familienunternehmer. Und diese sind explizit klassistisch. So intervenierten Die Familienunternehmer – ASU explizit dagegen, „Soziale Herkunft“ als Diskriminierungsmerkmal in die EuropĂ€ischen Antidiskriminierungsrichtlinien aufnehmen zu lassen. Sie sind ein Beispiel fĂŒr die Ungleichzeitigkeit im Kapitalismus. Sie haben ein feudal-stĂ€ndisch-familialistisches Element, was sich als zusĂ€tzlicher Klassismus abbildet. http://andreaskemper.wordpress.com/2013/03/19/wer-steckt-hinter-der-alternative-fur-deutschland/

  17. anonyme_Untersch1cht

    @Tom
    „Unterschichtsdiskriminierung“ passt halt nicht, weil es sich das ja nicht nur auf Unterschicht bezieht.

    Was die Wurzel Geschichte angeht: Da lĂ€sst sich mit dem bĂ€rtigen Fuzzi feststellen oha „Privateigentum an Produktionsmitteln“ und Warenproduktion/Tausch = Wurzel, Axt wĂ€r dann ne Andere Produktionsweise. Die fĂŒhrt aber auch niemand ein von denen die „linksradikal“ rumrennen.
    Die machen nur eher mĂ€ĂŸig erfolgreiche „Werbung“ und oder gegenseitige SelbstbestĂ€tigung. Das ist dann zwar nicht reformistisch, Ă€ndert aber auch nix. ;D

    Das es ohne Kapitalismus keine Konkurrenz geben wĂŒrde, halte ich fĂŒr nicht plausibel. Verschiedene Menschen wollen nĂ€mlich auch mal unterschiedliches, auch gegeneinander. Es kann zwar theoretisch die Notwendigkeit von Konkurrenz beseitigt werden aber nicht dessen Möglichkeit. Das bestimmte Dinge durch Ökonomie gestĂŒtzt werden, keine Frage. Jedoch denke ich das StĂŒtzung teilweise auch umgekehrt verlĂ€uft. So kann z.B. Rassismus auch Kapitalismus stĂŒtzen(z.B. Integration von Unmut).

    Klassismus wiederum macht ja imho eigentlich genau notwendige Konkurrenz zum Thema. Reduzierung von Konkurrenz-/MachtverhĂ€ltnissen innerhalb von „Klasse“ hebt Kapitalismus nicht auf, aber These: a) macht es das wahrscheinlicher b) erhöht es die LebensqualitĂ€t.

    @futuretwin
    oO lol ich versteh absolut nicht, was du damit meinst, obwohl ich mir jetzt sogar den entsprechenden Artikel zum Aristotelismus-Zeug durchgelesen habe ;D also mit:

    auf eine bestimmte ideologische Verkehrung zurĂŒckfĂŒhren lassen, ein MissverhĂ€ltnis von Materie und Form.

  18. @ A.K. Sorry, dass ich so vom Topic ablenke!

    @ Tom

    „Ich halte die Vorannahme, dass man nur den Staat abschaffen mĂŒsste und schon wĂ€ren die Probleme gelöst fĂŒr bestenfalls naiv.“

    ZunĂ€chst wirst du mit dem Vorwurf der NaivitĂ€t sicherlich auch hĂ€ufiger konfrontiert sein, wenn du die Abschaffung des Kapitalismus‘ anstrebst. 😉
    Die Abschaffung staatlicher Strukturen wĂ€re eine derartig krasse UmwĂ€lzung, dass die Verwendung des Wortes „nur“ hier bestenfalls unpassend wenn nicht naiv erscheint.

    Ich schliesse mich a_Us Meinung an, dass mit der Zerschlagung des Kapitalismus vermutlich kein Ende der Konkurrenz erzielen lassen wird: die Konkurrenz ist historisch Àlter als der Kapitalismus. Das Àndert jedoch nichts an der Notwendigkeit dieser Zerschlagung.

    @ a_U
    In anderen Artikeln (muss man ein bisschen suchen) hat Andreas mehr zu diesem Thema geschrieben, hier zum Beispiel:
    http://andreaskemper2.wordpress.com/article/virtualitat-materialitat-8bgikaqot3ts-121/

    Meine Überlegungen, die ich zum Teil unabhĂ€ngig von ihm angestellt hatte und ohne Bloch gelesen zu haben, unterscheiden sich ein wenig von seinen, aber die Stoßrichtung ist eine Ă€hnliche:

    Der Mehrwert, den die Wertkritiker mit Marx ein „automatisches Subjekt“ nennen ist nur der jĂŒngste Gegenpol zu der Materie. Es gab schon immer Bestrebungen, einem Geist, einem Gott u.Ă€. zu huldigen und ĂŒber diese dann Herrschaft zu installieren. Ich nenne dies Form, Andreas nennt es Virtu.

    Interessant ist, dass gerade bei einem Links-Aristoteliker nÀmlich Giordano Bruno, sich die Idee des unendlichen Gottes zu wandeln beginnt in die Idee des unendlichen Werts!

    Siehe hier:
    http://www.freitag.de/autoren/michael-jaeger/28-die-natur-und-die-uhr

  19. anonyme_Untersch1cht

    @futuretwin
    thx, weiß jetzt grob(!) was gemeint ist ;D Allerdings muss ich mich noch mit der Unterscheidung anfreunden und wohl erst mal ein wenig mehr lesen 😉 Wenn ich das richtig sehe, wĂ€re virtu als Form der Ordnung eine RealitĂ€t, in der ein Bereich fehlt. Irgendwie bekomme ich das jetzt nicht zusammen. Also wenn ich dein Ding nehme mit Ausrichtung auf „etwas“/den Wert was auch immer. Und nehme z.B. das Machiavelli Beispiel. Dann ist das fĂŒr mich erstmal ziemlich verschieden. Weil einmal ist es „Identifikation mit Aggressor“, das andere mal so etwas wie der „Glaube an Gott“ mit dem ne Andere Wahrnehmungsstrukturierung einhergeht. Letzterer könnte imho ĂŒbrigens auch als Umgang mit fehlendem angesehen werden, weil dort „Tod“ fehlt. Bekomme das jetzt aber noch nicht ganz mit Klassen zusammen. Weil mir das irgendwie noch zu unkonkret ist. Also mir fehlen mehr praktische Beispiele um da ĂŒberhaupt ne Vorstellung von dem Konzept zu entwickeln. Also Beispiel: Wenn ich Gedanengang nehme: Fabrikarbeit fĂŒhrt zu Traumatisierung, darauf dann Ausschluss eines RealitĂ€tsbereichs(Traumatisierung) und virtu als Weiterleben ohne Bereich, Strukturierung. Dann wĂ€r Traumatisierung imho eigentlich eher sowas wie das Gegenteil der Hoffnung( bei Bloch soweit ich da Ahnung habe :D), also das sich aus dem Kopf schlagen der Hoffnung in Form des Scheiterns. virtu dann auf „psychologisiert“ sowas wie Rettung des Selbstbildes trotz Scheiterns. Irgendwie kriege ich das Konzept nicht soweit klar dass ich damit ĂŒberhaupt auf die Kategorie „Klasse“ losgehen könne. ;D

  20. Ja, das geht viel zu weit vom ursprĂŒnglichen Thema weg. Auch ich brauche wohl mal einen Blog, auf dem ich das alles ausformuliere. 😉
    Mit Klassismus hat das wirklich nichts mehr zu tun.
    Ich habe auch nur geschrieben, weil mich geĂ€rgert hatte, dass Tom den Begriff „linksradikal“ auf Marxismus beschrĂ€nken wollte. Und alles andere als linksliberal in ein alternativ-grĂŒnes Millieu einordnen, was so nicht aufgeht.

    Vielleicht schreibe ich da noch einmal ein bisschen mehr zu meiner „Formkritik“ aber dann unter den Sozialphilosophie-Beitrag, um hier nicht die ganze Zeit off Topic alles voll zu schreiben.
    Danke fĂŒr dein Interesse!

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