AfD schützt ihre Mitglieder vor der Öffentlichkeit


Die Alternative für Deutschland hat soeben mitgeteilt, dass sie während des Gründungparteitags auf eine Direktübertragung („Livestream“) verzichten will. Der Grund: Ihre Mitglieder müssen vor der Öffentlichkeit geschützt werden. Zitat:

Liebe Freunde und Unterstützer,

der Vorstand hat sich entschlossen, auf den live stream zu verzichten. Und zwar, um um die Mitglieder zu schützen. Wir alle haben ja in den letzten Wochen die Erfahrung gemacht, dass unsere Worte falsch zitiert, aus dem Zusammenhang gerissen und absichtlich fehlinterpretiert wurden – um uns zu schaden. Wir MÜSSEN unsere Mitglieder vor so etwas schützen. Nicht zuletzt deshalb, weil wir alle Neulinge sind und im Privatleben und unseren Berufen stehen. Sicher habt ihr Verständnis dafür! https://www.facebook.com/alternativefuer.de/posts/559193957444281

Bereits die Gründung der Landesverbände verlief zum Teil konspirativ. So wurde in Bayern die Presse komplett ausgesperrt.

Nachdem am 9.4. die NPD mitteilen ließ, dass die AfD als Eisbrecher für die „nationaldemokratische“ Euro- und Europapolitik gesehen werde, postete die AfD am 10.4. auf ihrer offiziellen Facebook-Seite die NPD-nahe Parole „Klassische Bildung statt Mulitkulti-Umerziehung“. Es gab über 800 „Likes“, die Seite wurde über 300 mal geteilt (verlinkt). Erst nach Stunden wurde die Parole „Bildung statt Ideologie“ hinter her geschoben. Schließlich wurde die Parole gelöscht – zumindest auf der AfD-Seite. Auf der Facebook-Seite der Wahlalternative 2013 findet sie sich noch immer.

20 Kommentare

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  1. Martin Lauber

    Es sind über 100 Pressevertreter und mindestens 6 Fernsehteams angemeldet. Klingt für mich nicht sehr konspirativ..

    • Andreas Kemper

      Und warum wird dann auf den Livestream verzichtet?

      • Martin Lauber

        Damit das Recht auf informationelle Selbstbestimmung wenigstens ein klein wenig besser wahrgenommen werden kann.

        Die AfD kann eigentlich nur aus Perspektive der extremen Linken als rechtsextrem bezeichnet werden und da gilt ja bisweilen sogar die SPD als rechts – was ich von diesen Begrifflichkeiten halte, habe ich ja neulich bereits erläutert.

        Trotzdem ist mit agents provocateurs zu rechnen, sei es auf Facebook oder am Parteitag selbst. Entweder durch tatsächliche Nazis, die es geschafft haben, trotz aller Vorsichtsmassnahmen zu infiltrieren – oder durch gespielte. Dadurch kann dann die AfD wesentlich einfacher gesamthaft in die rechte Ecke gestellt werden. Falls diese hinterhältige Strategie klappen sollte, kann es individuell sehr schadhaft sein, hinzugerechnet zu werden.

      • Andreas Kemper

        Noch einmal: „Multikulti-Umerziehung“ ist ein NPD-Begriff. Und der Parteivorstand wollte oder konnte dieses Posting nicht entfernen lassen. Es steht noch immer dort.

      • Martin Lauber

        Es wurde aus der Timeline gelöscht, weil sich sehr viele Mitglieder zu Recht beschwert haben. Aber es stimmt, man kann es noch in den Photos finden. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht um zu demonstrieren, dass man grundsätzlich gesteigerten Wert auf freie Meinungsäußerung legen will. Dieses Ansinnen ist nicht rechtsradikal, nur weil Rechtsradikale hier ähnliches fordern. Die NPD will schließlich auch Umweltschutz, habe ich gerade auf deren Seite recherchiert – ein Beleg für den Rechtsextremismus der Grünen?

      • Andreas Kemper

        Man kann es noch auf den Fotos finden, man kann es noch bei der AfD-NRW-Facebookseite finden, man kann es noch bei der WA2013-Facebook-Seite finden… Alles offizielle Seiten der AfD. Es gibt nur zwei Intepretationsmöglichkeiten: Entweder Lucke hat die Partei gar nicht mehr im Griff oder ihm ist das Fischen in braunen Gewässern recht. Oder beides zusammen.

        „Multikulti-Umerziehung“ ist ein NPD-Begriff. Die NPD sagt zurecht, dass die AfD als Eisbrecher für die NPD-Ideologie wirkt.

      • Martin Lauber

        Oder aber er hat momentan gar nicht die Zeit, sich um einzelne Facebook-Einträge zu kümmern, was die wahrscheinlichste Variante ist. Die Partei wird ja am Sonntag erst gegründet. Es sind noch nicht alle Strukturen professionalisiert. Da können Fehler passieren und selbst wenn sie erkannt wurden, nicht immer schnell genug korrigiert werden.

        Von der NPD hat sich die AfD bereits mehrfach in aller Deutlichkeit abgegrenzt. Wer in der NPD war, kann kein Mitglied der AfD werden und das ist gut so. Da können die Rechtsextremisten noch so von Türöffnern schwafeln, deren Ideologie wird in Deutschland niemals mehr salonfähig werden und auch das ist gut.

      • Andreas Kemper

        „deren Ideologie wird in Deutschland niemals mehr salonfähig werden und auch das ist gut“

          Ich hatte ja ziemlich schnell bei den Suchmaschinen nachgeschaut, woher das Schlagwort „Multikulti-Umerziehung“ kommt, wer es benutzt und wie weit es verbreitet ist. Es wurde ausschließlich von den NPD-nahen Organisationen RNF und JN, und in einigen esoterisch-rechten Foren bzw. bei der PI benutzt und kam keine hundert Mal vor. Nach dem Posting auf der offiziellen AfD-Seite wurde das Bildchen bereits über 300mal geteilt, unter anderem von weiteren offiziellen AfD- und Seiten.

          Sowas nennt man Enttabuisierung von Neonazi-Parolen oder wie die NPD sagt: Eisbrecher- und Türöffnerfunktion.

      • Martin Lauber

        Das klingt ja nun fast schon wie eine Verschwörungstheorie. Dennoch bin ich relativ sicher, dass die NPD keinerlei Nutzen aus einem Erfolg der AfD ziehen kann. Weder personell noch ideologisch. Ein schlecht gewähltes Schlagwort auf einer Facebook-Seite hat meines Erachtens nicht die Bedeutung, die Sie ihm zumessen.

        Haben Sie unter den Bewerbern für den Bundesvorstand eigentlich auch nur eine Person gefunden, die rechtsextremer Ideologie verdächtig wäre? Ich glaube kaum. Schließlich hätten Sie schon längst darüber geschrieben.

      • Andreas Kemper

        Haben Sie nicht gelesen: Sie hat bereits den Erfolg.

        Habe ich behauptet, dass der Bundesvorstand rechtsextrem sei?

        Der Bundesvorstand relativiert und verharmlost extrem rechte Positionen. Das ist genau das, worüber sich die NPD so hämisch freut.

      • Martin Lauber

        1. Der unglücklich gewählte Slogan stammt nicht vom Bundesvorstand, sondern von einem der sechs Mitarbeiter der Facebook-Redaktion. Er wurde (etwas schlampig) nach wenigen Stunden aus der Timeline entfernt.

        2. Der selbstzugeschriebene Nutzen für die NPD ist bestenfalls abstrakt. Sie wird keine einzige Wählerstimme hinzugewinnen. Im Gegenteil: Sie wird alle unideologischen Protestwähler verlieren, falls sie überhaupt noch welche hatte. Deshalb will sie morgen auch eine „Mahnwache“ vor dem Parteitag der AfD abhalten.

        3. Eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung sehe ich im Moment eher durch die im Bundestag vertretenen Parteien. Sie gaben und geben Gesetzgebungs- und nun sogar Budgetkompetenzen an internationale Institutionen ab, die gesamthaft und personell nicht wirklich demokratisch legitimiert sind. Wer Totalitarismus ablehnt, sollte sein Augenmerk besser hierauf richten als auf die AfD, die mehr Demokratie als Hauptforderung hat und somit reichlich antitotalitär aufgestellt ist.

        Ich frage Sie direkt, Herr Kemper: Macht zu den Bürgern oder Macht zu Institutionen mit ihren ungewählten Goldman Sachs – Mitarbeitern?

      • Andreas Kemper

        1. Es stellt eine Verharmlosung dar, „Multikulti-Umerziehung“ als „unglücklich gewählt“ zu entschuldigen. Es war wirklich nicht das erste Mal, dass deutlich rechtspopulistisch/ rechtsextreme Positionen zentral von der AfD/ WA2013 vertreten wurden. Wenn Lucke und Adam behaupten, dass sie sich mit der extrem rechten „Jungen Freiheit“ in „bester Gesellschaft“ befinden, dann ist der Nazijargon eingeplant, er hat dann System und ist nicht „unglücklich gewählt“. Hier sehe ich qualtitative Unterschiede zu den Grünen und den Piraten, die auch mit vereinzelten rechtspopulistischen Thesen zu kämpfen hatten. Bei diesen Parteien war das nicht systematisch, bei der AfD schon.

        2. Es geht nicht nur um Wählerstimmen. Es geht um gesellschaftliche Hegemonie. Es geht darum, ob die Gesellschaft stärker durch emanzipatorische oder durch rückschrittliche Diskurse geprägt ist. Die NPD sprach davon, dass die AfD ein Eisbrecher für ihre Ideologie sei. Dem muss man leider zustimmen.

        3. Die größten Probleme bezogen auf die Verfassung besteht darin, dass doch eigentlich Eigentum verpflichten sollte und dass niemand benachteiligt aufgrund seiner Gruppenzugehörigkeit, wie zum Beispiel der sozialen Herkunft benachteiligt werden dürfe. Das größte Problem ist doch, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Hier ist die Verfassungsmäßigkeit schon lange nicht mehr gegeben. Und die Alternative für Deutschland verschärft dies noch.

      • Martin Lauber

        Es ist mir völlig bewusst, dass eine Gesellschaft mit Machtungleichgewichten (und bisher gab es keine andere) nur dann gerecht sein kann, wenn hinreichende vertikale soziale Mobilität nach oben und unten gegeben ist. Das ist derzeit in der westlichen Welt nicht (mehr?) wirklich der Fall. Echte Chancengleichheit (nicht das FDP-Blabla) ist eine liberale Kernforderung und die liberale Strömung in der AfD ist stark. Die AfD hat die Chance, auf diese Fragen Antworten zu geben. Warten wir es ab.

      • Andreas Kemper

        Die AfD wird auch hier die Interessen und Sichtweise der organisierten Familienunternehmen teilen. Lesen sie mal die Postings auf den offiziellen Facebookseiten zur Schulpolitik: Gegen „Abiturwahn“, gegen „Studierwahn“, Verlinkung der Laudatio von Henkel für Sarrazin (Unterschicht ist erblich dumm), für das dreigliedrige Schulsystem. Ich kenne keine Partei, die feindlicher Arbeiterkindern gegenüber eingestellt ist, als die AfD, die Sarrazin-Partei.

  2. Marcus Cyron

    Sollen sie drauf verzichten. Gab es früher auch nicht. Ich würde das alles eh nicht zu hoch hängen. Es wird sich schnell zeigen, was es für ein Kasperleverein ist.

    • Andreas Kemper

      Der Witz ist die Begründung. Die AfD entwickelt sich immer mehr zu einer Baustelle für Kabarettisten: http://www.wdr2.de/unterhaltung/kabarett/wilfried_schmickler100.html

  3. Klaus Ehrlich

    “Klassische Bildung statt Mulitkulti-Umerziehung”. findet sich nach wie vor auf der AfD Seite. Allerdings nur als Foto, aber mit allen Kommentaren und kann kommentiert werden.

    Live-Stream ins Netz gibt es nicht, dafür aber in einen zweiten Raum. Ob da auch wirklich alle interressierten Mitglieder mitwirken können?

    siehe unsere aktualisierte Fassung:

    http://bubgegenextremerechte.blogsport.de/2013/04/11/afd-parteitag-im-schatten-des-rechtsextremismus/

    • Andreas Kemper

      Danke für die Info!

  4. W-Day

    Der SWR macht sich lustig über „Alte Naive für Deutschland?“:
    http://tinyurl.com/c3dr2ac – weiter unten aber auch eingermaßen ernste Kritik.

  5. Demokrat

    Die AfD schützt ihre Mitglieder vor der Öffentlichkeit. Toll, die AfD weiß schon das sie nicht Demokratisch ist und muss ihre Mitglieder schützen vor die Bösen anders denkenden. Ich kann es nicht nachvollziehen wie man in so einer Partei beitreten kann. Diese Leute sind für mich nur Mitläufer nichts anderes. Für mich ist die Partei tabu, ich werde sie nicht wählen damit würde ich gegen meine persönlichen Grundwerte und von meine Partei verstoßen.

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