Degussa und Antidemokratie

· Allgemein

Der Milliardär August von Finck junior erbte sein Vermögen vom Hitler-Unterstützer und Banken-„Arisierer“ August von Finck senior.

  • 2010 kaufte August von Finck den „guten Namen“ Degussa, um das Unternehmen „Degussa Goldhandel“ aufzubauen.
  • Im April 2012 ernannte Finck Thorsten Polleit zum Chefökonom von Degussa Goldhandel. Dieser begann sodann mit der Gründung des Mises-Instituts. Im Oktober 2012 trat das Ludwig-von-Mises-Institut Deutschland an die Öffentlichkeit mit Sitz in der Residenz von Degussa Goldhandel München.
  • Am 06.09.2019 trat Markus Krall seinen Job als Hauptgeschäftsführer von Degussa Goldhandel an. Am 31.10.2019 wurde der Verein Atlas-Initiative eingetragen.
  • Im Februar 2020 verkaufte August von Finck einen Großteil seiner Aktien beim Schweizer Unternehmen SGS im Wert von ca. 2,3 Milliarden Franken. https://www.sgs.com/en/news/2020/02/change-in-shareholder-structure  

Ludwig-von-Mises-Institut

Da das Ludwig-von-Mises-Institut die selbe Adresse hat wie die Niederlassung von Degussa Goldhandel in München, kann davon ausgegangen werden, dass Thorsten Polleit seiner Arbeit als Präsident des Ludwig-von-Mises-Instituts nicht in seiner Freizeit nachgeht, sondern dass seine Tätigkeiten als Präsident der Stiftung zu seinem Aufgabenbereich als Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel zählt. Zum Vorstand zählen mit Werner Schätzler und Stephan Ring zwei Geschäftsführer aus dem Finck-Imperium (Link).
In der Gründungszeit des Ludwig-von-Mises-Instituts fand die Gründung der AfD statt. Die ehemalige Bundessprecherin der AfD, Dagmar Metzger, ist Autorin für das Institut. Inzwischen hat die Schweizer Wochenzeitung WOZ mit Unterstützung des SPIEGEL die von mir 2012/13 vermuteten Anschubfinanzierungen bestätigt.

 Anna JikharevaJan Jirát, Kaspar Surber: Verdeckte Parteienfinanzierung. Eine schrecklich rechte Familie, in: WOZ Nr. 48/2018 vom 29.11.2018

Atlas-Initiative e.V.

Der Atlas-Initiative ging das Internetportal Adpunktum als Marke des Polus-Verlages von Fritz Goergen voraus. Goergen war unter seinem damaligen Namen Fritz Fliszar von 1975-79 stellvertretender und von 1979-1983 Bundesgeschäftsführer der FDP und von 1977 bis 1995 in der Geschäftsführung der FDP-nahen Naumannstiftung tätig. Bereits 1992/93 startete Fritz Goergen mit der Initiative „Bürger zur Freiheit!“ eine Rückkehr zum Rechtsliberalismus a la Manchester. Noch sei die FDP nicht bereit, sein Programm zu übernehmen, so Goergens, aber Ende der 1990er sei der Wohlfahrtsstaat wegen Unfinanzierbarkeit gegen die Wand gefahren und dann sei auch die FDP bereit für seine Thesen. Er trat 2002 aus der FDP aus, schreibt für eigentümlich frei und veröffentlicht in Tichys Einblick unter der Kolumne Goergens Feder.
Im Jahr 2019 ging das Impressum des Internetportals Adpunktum von Fritz Goergen auf Markus Krall über, die Adresse in Frankfurt a.M. blieb.

Frtiz Goergen, Thorsten Polleit und Markus Krall verbindet neben einer ähnlichen Ideologie auch das Engagement bei den Hochglanz-Zeitschriften Tichys Einblick und eigentümlich frei. Krall erzält, er habe 2016/17 eine Art Erweckungserlebnis gehabt, nachdem Andrè Lichtschlag von eigentümlich frei ihm das Buch „Der Todestrieb der Geschichte“ vom orthodox-christlichen Autoren Igor Schafarewitsch nahegelegt habe.
Seither fordert Krall nicht nur einen Sturz der Regierung um das Allgemeine Wahlrecht abzuschaffen. Ähnliche Positionen finden sich bspw. bei Hans-Herrmann Hoppe aus dem wissenschaftlichen Beirat des Ludwig-von-Mises-Institut.

André Lichtschlag forderte in der Springer-Zeitung WELT „Entzieht den Nettostaatsempfängern das Wahlrecht“. Dies ist eine gängige Forderung bei den Hayekaner*innen: Wer Geld vom Staat erhält, soll nicht wählen dürfen. Für Leute wie Lichtschlag und Hans-Hermann Hoppe ist es eine Zumutung, dass jede*r wählen darf, Demokratie und Freiheit werden als Gegensätze gesehen und sie fordern offen „Freiheit statt Demokratie!“:

Dies alles teilt auch der Hauptgeschäftsführer von Degussa Goldhandel, Markus Krall: Wir bräuchten einen Sturz der Regierung, um das Allgemeine Wahlrecht abzuschaffen. Wer Bafög erhalte, soll nicht wählen dürfen, wer Arbeitslosengeld erhalte, soll nicht wählen dürfen, wer in einem Betrieb arbeite, der subventioniert werde, soll nicht wählen dürfen, usw. Außerdem müsste zumindest soweit die Monarchie wieder eingeführt werden, dass da jemand sei, der auf Lebenszeit ein Vetorecht gegen Regierungsbeschlüsse habe, die die Freiheit (also das, was Krall für Freiheit hält) beschneiden könnten. Und den Sturz der Regierung sieht Krall bereits dieses Jahr:

Krall positioniert sich hier in seinem Beitrag in der „eigentümlich frei“ als kritischer Beobachter, der hämisch prophezeit, dass das Volk das Kanzleramt gestürmt wird. Aber er steht eben nicht nur beobachtend daneben, sondern plant mit seiner Atlas-Initiative genau diese Großdemonstration:

Ein Fall für den Verfassungsschutz? Wenn man einer solchen Institution vertrauen würde, müsste man meine, ja, natürlich. Aber Hans-Hermann Hoppe hat in seinem Interview mit Jungen Freiheit sehr deutlich gesagt, dass der Verfassungsschutz seinesgleichen nicht auf dem Schirm habe. Zwar wolle Hoppe die Demokratie abschaffen, aber es gebe ja noch andere Werte, daher traue sich der Verfassungsschutz nicht an ihn ran.

Besorgniserregend sind Kralls Crash- und Umsturzthesen, da es ganz real bewaffnete Prepper-Gruppen wie Nordkreuz gibt. Die Nordkreuz-Vorkämpfer beziehen sich in ihren Endzeit-Phantasien auf Walter K. Eichelburg von hartgeld.com. Und Eichelburg wiederum bezieht sich auf Krall, möchte Krall gerne in der „Kaiserlichen Reichsregierung“ als „Reichs-Finanzminister“ sehen. Auch wenn die Umsturzphanatisen nicht für einen Umsturz reichen – für Anschläge im apokalyptischen Wahn reichen sie allemal.

Was vielleicht ein Unterschied zwischen Markus Krall auf der einen und Lichtschlag / Goergen / Hoppe / Polleit auf der anderen sein könnte, ist das neue Vokabular. Krall spricht vom „Sozialismus“ (und damit meint er u.a. auch die Politik Merkels) nicht wie von einer Ideologie oder Staatsform. Er spricht vom „Tier Sozialismus“. Und mit dem „Tier“ meint er die Verkörperung Satans, des Teufels. Seit Jahrtausenden versuche Satan als Sozialismus Gottes Geschenk der Freiheit zu vernichten. Der Sozialismus sei eine anthropologische Konstante des Bösen, die sich letztlich nur mit spirituellen Begriffen denken lasse. Und wir stehen nun mit dem „Crash“ vor der ultimativen Auseinandersetzung der Kräfte des Guten, des Himmels, gegen die Kräfte des Bösen, der Hölle. Sollte Satan in Gestalt des „Klimasozialismus“ gewinnen, so würden fünf Milliarden Menschen sterben.

Ein normales Unternehmen würde sich Sorgen um seinen Ruf machen, wenn der Hauptgeschäftsführer in seiner Freizeit eine antidemokratische Umsturzbewegung aufbauen und von den Mächten des Teufels schwadronieren würde. August von Finck hat sich – soweit ich weiß – jedoch noch nicht zu Wort gemeldet. Obschon auch Markus Kralls Freizeitaktivitäten derart viel Raum einnehmen, dass sie sich parallel zu einer 60-Stunden-Woche eines Hauptgeschäftsführers eines Milliarden-Euro-Jahresumsatz-Unternehmens schwer vereinbaren ließen – oder habe ich da falsche Vorstellungen vom durchschnittlichen Arbeitspensum eines Hauptgeschäftsführers? Jedenfalls ist es merkwürdig, wenn jemand am 6.9.2019 seine Stelle als Hauptgeschäftsführer antritt und am 7.9.2019 bei der Landesfraktion der AfD in Kiel eine Rede hält (zu seinem Buch, nicht zur Firma). Krall schrieb in seiner Zeit als Hauptgeschäftsführer ein Buch, dass seit 6 Wochen beim Spiegel weit oben ist, gründete einen Verein, der noch dieses Jahr bereit gemacht werden soll zur „Konterrevolution“ und hielt in den wenigen Monaten – nur ausgebremst durch Corona – mehrfach wöchentlich Vorträge oder gab lange Interviews.

Meine These: Markus Krall setzt seine antidemokratischen Endzeit-Umsturz-Aktivität nicht neben oder trotz seiner Stelle bei Degussa Goldhandel um, sondern mit seinem Posten. Degussa Goldhandel scheint seine Aktivität – unter anderem auch durch die Zusammenarbeit mit Thorsten Polleits Mises-Institut – zu fördern.

Vor dem Hintergrund der grassierenden Verschwörungsideologien als Reaktion auf die Corona-Maßnahmen und erster größerer Demonstrationen können wir nur hoffen, dass August von Finck seine 2,3 Milliarden Euro allein aus dem Grund flüssig gemacht hat, sie restlos unter seinen Erben aufzuteilen und nicht in die Fußstapfen seines Vaters August von Finck senior zu treten.

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