Beatrix von Storch und die TFP

Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch und ihr Ehemann Sven von Storch sind sehr viel stärker mit dem katholisch-aristokratischen TFP-Netzwerk verbunden, als dies bislang von den Medien berichtet wurde. Dieser Artikel ist das Ergebnis einer langen Recherche. Wer denkt, dass sich Beatrix von Storch im Kampf gegen ihren faschistischen Kontrahenten in der AfD, Björn Höcke, so einfach aus der Partei drängen ließe wie vor ihr Lucke, Petry oder Meuthen, sollte sich ein Bild vom Netzwerk der Storchs machen. Sie sind zentrale Figuren eines internationalen aristokratischen Netzwerkes. Ich hatte bereits 2013 in meinem Buch zur AfD die Zivile Koalition gesondert im Untertitel aufgelistet. Seither haben die Storchs ihr Netzwerk weiter ausgebaut.

Inhalt

  1. Die TFP
  2. Beatrix von Storch und die TFP
  3. Fundraising-System von TFP und Storch-Netzwerk
  4. Strategie der Zivilen Koalition seit 2005
  5. 2021: Zu Besuch bei der TFP Brasilien …und ein Trump-Ausblick

Die TFP

Das TFP-Netzwerk finanziert Antifeminismus

Das TFP-Netzwerk, die „Vereinigungen zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum“, sieht sich als Vorkämpfer für eine katholische „Konterrevolution“. Es wurde 1960 in Brasilien gegründet, in den 1970er Jahren in den USA ausgebaut und seither gibt es auch in Europa zahlreiche TFP-Organisationen. Und sie haben Einfluss. Nach Neil Datta ist das TFP-Netzwerk zwischen 2009 und 2018 mit über 103 Millionen US-Dollar der zweitgrößte Geldgeber in Europa gegen progressive Genderpolitik gewesen. Man sollte diese Organisation also ernst nehmen, auch wenn dies hinsichtlich ihrer Agenda schwerfallen mag.

Kampf für das katholisch-aristokratische Mittelalter

Getreideernte / aus Queen Mary Psalter Buchmalerei, England, um 1300/1325. – Bauern bei der Getreideernte unter Aufsicht eines vom Grundherrn bestellten Beamten. – Aus dem Psalter der Königin Maria (Queen Mary Psalter). Royal Ms 2. B. VII, 78 v, London, British Library. E: Corn harvest/ Queen Mary Psalter/ C14th Manuscript illumination, England, c.1300/1325

Die von der TFP propagierte „Konterrevolution“ stellt sich gegen einen 500 Jahre währenden Prozess der „Revolution“ von Humanismus und Reformation, der lange vor der Französischen Revolution begann. Dieser soll rückgängig gemacht werden, um die hierarchischen Strukturen des Mittelalters wieder herzustellen. Zentrale Ideologen der TFP sprechen explizit vom „Mittelalter“, wie beispielsweise Paul Herzog von Oldenburg, der Cousin von Beatrix von Storch:

„Der Platz, den Gott in der katholischen Gesellschaft des Mittelalters einnahm, – wo jede Verletzung der Rechte Gottes inakzeptabel war – wird nun durch die Menschenrechte besetzt. […] Der Papst [Leo XIII.;A.K.] spricht […] vom Mittelalter. Und das muß unser Maßstab sein. Eine Gesellschaft durchdrungen von den christlichen Werten und göttlichen Tugenden. […] Das Mittelalter wird es nie wieder geben. Wir leben heute und heute sind die Voraussetzungen andere. Es geht aber auch nicht um das Zurückdrehen der Zeit. Sondern es geht um die Essenz, das Grundsätzliche. Die Wiederherstellung einer Gesellschaft, die Gott wieder in den Mittelpunkt setzt, Ihn als den alleinigen Maßstab aller Dinge und Handlungen anerkennt, verehrt und preist. Das ist das Ziel.“(Oldenburg: Die Notwendigkeit von Eliten zur Erneuerung der Christenheit. http://pauloldenburg.blogspot.com/2008/11/die-notwendigkeit-von-eliten-zur.html)

In dieser Konterrevolution für das katholische Mittelalter komme dem Adel eine Führungsrolle zu, führt Paul Herzog von Oldenburg weiter aus:

"Johannes XXIII. mahnt 1960, daß der Adel, dem viel gegeben ist, auch viel zu leisten hat [...] Aus dem einfachen Grunde, da die Wahrung der Tradition, die dem Adel und den traditionellen Eliten zukommt, die Gesellschaften vor dem Stillstand bewahrt. [...] Und der große Papst [Pius XII.] vergleicht den Adel mit dem Regler an einer Maschine, der dafür sorgt, daß das Ganze richtig und zweckentsprechend funktioniert [...] Dadurch, daß dem adeligen [sic!] bestimmte Qualitäten zu eigen sind, so der Papst, ist der zum Führer der Gesellschaft bestimmt. [...] [Pius XII.] verlangt vom Adel die Führung der Gesellschaft, insbesondere heute, da wir feststellen, daß aus dem Volk eine namenlose, leicht manipulierbare Masse geworden ist [...] Daraus folgt, daß der Adel alles daran setzen muß, der Kirche den Weg freizumachen, damit sie die Lehre verkünden kann." (ebd.)

P. v. Oldenburg: Bauernbefreiung war ein Fehler

Während einer Tagung einer polnischen TFP-Stiftung, der Paul von Oldenburg vorsteht, und die nach seiner Aussage maßgeblich zu dem rigiden Abtreibungsrecht in Polen verantwortlich ist, sprach er sich gegen den Sozialstaat aus. Bereits die Bauernbefreiung sei ein historischer Fehler gewesen, weil die Bauern nicht mehr in einer hierarchisch-organischen Ordnung eingebunden waren, sondern „atomisiert“ wurden:

„Der ersten Sozialgesetzgebung in Deutschland Ende des 19 Jh., mit der den Arbeitern in der Industrie das Leben erleichtert werden sollte, ging die Bauernbefreiung voraus, eine Konsequenz der Französischen Revolution, die aber erst zum Elend der Befreiten und in die Ballungsräume abgewanderten ehemaligen Bauern geführt hatte. […] Im Namen der Freiheit und insbesondere der Gleichheit wurde eine soziale Revolution durchgeführt, die schließlich zum Elend gerade derjenigen geführt hat, denen man angeblich helfen wollte. […] Die Bauernbefreiung hat also weder mehr Gleichheit noch Freiheit geschaffen, was doch die angebliche Intention war, sondern vor allem die Auflösung des herrschenden sozialen Gefüges und den Beginn der Atomisierung der Gesellschaft. […] Durch die Entwurzelung der Menschen und dem Auseinanderreißen der über Generationen gewachsenen Bindungen durch die Pseudobefreiung setzte eine seelische und geistige Verarmung des Volkes ein. Wir erkennen also, dass die Dekonstruktion gesellschaftlicher Strukturen, die Individualisierung und die Atomisierung der Gesellschaft der rote Faden der sozial-revolutionären Veränderungen seit der Französischen Revolution bis in unsere Tage ist. […] Damit wurde also die Grundlage des deutschen Sozialstaates gelegt, der seitdem immer mehr aufgebläht wurde, immer unter dem Vorwand, entweder mehr Solidarität zu schaffen, geschehen in den 20 Jahren nach dem Krieg, oder mehr Gleichheit zu bekommen, wie es die sozial-liberale Koalition ab 1969 durchgeführt hat. […] Der Verfall der Strukturen und inneren Bindungen, wie sie ein gesundes Volk aufweist, ging weiter. […] Diese Beispiele zeigen, wie schädlich sich die verstaatlichte Sozialpolitik auswirkt. Unter dem ideologischen Vorwand, mehr Gleichheit und Freiheit in den Lebensverhältnissen für das Individuum zu schaffen, werden die Menschen sehr häufig zur Amoralität verführt. […] Eine Möglichkeit, diese für die Gesellschaft so dekonstruktive Entwicklung zumindest zu bremsen, ist der vehemente Einsatz für die Rückübertragung von Verpflichtungen, die heute der Staat übernommen hat, an die Menschen, die Familien, die Allgemeinheit. Im Gegenzug muß natürlich der Einzelne, die Familie über eine starke steuerliche Entlastung in die Lage versetzt werden, diese wiedergewonnenen Pflichten zu übernehmen. […] Wenn wir davon ausgehen, daß die richtige und für das Gedeihen einer Gesellschaft förderlichste Struktur, die hierarchische, vom christlichen Menschenbild durchdrungene Ordnung ist, dann ist den Bestrebungen eines Staates, der durch seine Politik diese Ordnung versucht zu zerstören, mit aller Bestimmtheit entgegenzutreten. Stattdessen muß dafür gestritten werden, daß die organisch gewachsene Struktur der Gesellschaft wieder das christliche Menschenbild als Vorbild anerkennt und es anstrebt. Daraus erwächst dann wieder die private, familiäre, dörfliche usw. Initiative für die Organisation der Hilfe für die Bedürftigen. Der Staat kann dies natürlich unterstützen, indem er die Aufgaben, die er im Laufe der Geschichte zentralistisch an sich gerissen hat, wieder zurückdelegiert. Das würde auch der endlosen Neuverschuldung der Staatshaushalte ein Ende bereiten." (Paul von Oldenburg: Revolutionäre Auswirkungen der Sozialpolitik. Vortrag vor der Jahrestagung der Vereinigung Pjotr Skarga in Krakau im Oktober 2006, https://web.archive.org/web/20220930102907/http://pauloldenburg.blogspot.com/2008/11/revolutionre-auswirkungen-der.html)

Beatrix von Storch und die TFP

Da das TFP-Netzwerk relativ unbekannt ist, verwundert es auch nicht, dass bislang in den Medien nicht die Verwobenheit von Beatrix von Storch in diesem Netzwerk ihres Cousins erwähnt wird. Tatsächlich scheint es allerdings Verbindungen zu geben, die bereits über zwanzig Jahre alt sind. Und ihre Brasilien-Reise von 2021 lässt vermuten, dass diese Verflechtungen noch immer bestehen.

‚Studenten für den Rechtsstaat e.V.‘

1996/97 haben eine Reihe von erbadligen Student*innen einen Verein gegründet, um den nach dem Nationalsozialismus verstaatlichten Grundbesitz in der DDR zurückzufordern. An dieser Stelle möchte ich nicht auf die Rolle der Aristokratie bei der Zerstörung der Demokratie der Weimarer Republik eingehen. Als Stichwort sollte hier stellvertretend ein Verweis auf den aristokratischen Finanzminister im Nationalsozialismus, der zugleich Großvater von Beatrix von Storch war, reichen.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre drei erbadelige Studierende zusammenfanden, die noch heute führend sind im Kampf gegen Abtreibungsrechte und die Ehe für alle: Sven von Storch, Beatrix Herzogin von Oldenburg (die spätere Beatrix von Storch) und Paul Herzog von Oldenburg. In einem Buchbetrag berichteten Botho Graf zu Eulenburg, Sven von Storch und Beatrix Herzogin von Oldenburg, dass Paul von Oldenburg als Mitglied des Göttinger Kreises / Studenten für den Rechtsstaat im Vorstand einer ähnlich ausgerichteten Organisation („Arbeitsgemeinschaft für Agrarfragen“) aktiv wurde. Seine politische Sozialisation fand also in einem Verein statt, der von Beatrix von Oldenburgs späterem Ehemann gegründet wurde. Noch interessanter: Einer der Gründer des Vereins – Paul von Oldenburg nennt keinen Namen, sondern spricht nur vom „Studenten-Führer“ – organisierte mit dem 1998 von Mathias von Gersdorff gegründeten Verein „Deutsche Gesellschaft zum Schutz von Familie, Tradition und Privateigentum“ ein Wochenendseminar zu „Strategien ideologischen Handelns“ (Catolicismo (2012): Pro Europa Christiana Federation interview with Duke Paul of Oldenburg, in: Internetpräsenz Nobility.org vom 10.05.2012, URL: https://nobility.org/2012/05/interview-oldenburg/)

Mathias von Gersdorff wuchs wie Sven von Storch in Chile auf. Mathias von Gersdorff veröffentlichte ein Buch zu den Landenteignungen in der DDR im Jahr 1996, also in dem Jahr, als sein adliger Landsmann Sven von Storch den Verein Studenten für den Rechtsstaat gründete. Wenig später gründete er die deutsche Sektion der TFP. TFP steht für „Tradição, Família e Propriedade“, verfolgt also die Ziele des Traditionalismus (im Sinne einer hierarchischen katholischen Aristokratie), Familismus und Propietarismus. Der Proprietarismus, also die Verabsolutierung des Privateigentums (lat. proprium = Eigentum), ist für die TFP wesentlich, weil sie sich in Brasilien auf Seiten der Großgrundbesitzer und gegen Landreformen positionierten. Diese Linie von der Verteidigung der Großgrundbesitzer in Brasilien zur Verteidigung des Landbesitzers des deutschen Erbadels wird von Gersdorff im Buch vollzogen. Es würde mich sehr wundern, wenn Mathias von Gersdorff mit seinem Buch von den Erbadel-Studenten für den Rechtsstaat nicht zur Kenntnis genommen worden wäre.

Im Jahr der Gründung der Studenten für den Rechtsstaat brachte der Gründer der deutschen TFP, Mathias von Gersdorff, sein Buch zur Landenteignung heraus.

Wenige Jahre später gab es also einen gemeinsamen Strategie-Workshop von Mitgliedern des Studenten für den Rechtsstaat zusammen mit der TFP-Deutschland. Dieses Seminar sei so beeindruckend gewesen, dass Paul Herzog von Oldenburg nach eigenen Angaben später zum Katholizismus konvertierte.

Es ist davon auszugehen, dass der Vorstand des Vereins „Studenten für den Rechtsstaat“, zu dem bis zum Mai 2005 laut deren Website neben Sven von Storch auch Paul von Oldenburg zählte, und dessen Sprecherin zu der Zeit Beatrix von Storch war, vom Finanzierungskonzept der TFP gelernt haben.


Paul von Oldenburg wird zu dem Zeitpunkt noch als Vorstandmitglied gezählt.
Weitere Vorstandsmitglieder werden zu dem Zeitpunkt unter der Rubrik „Team“ nicht erwähnt.

Getrennt marschieren, gemeinsam schlagen

Paul von Oldenburg sagt leider nicht das genaue Jahr dieses Strategie-Seminars der TFP. Es lässt sich schlussfolgern, dass dieses Wochenend-Seminar um das Jahr 2000 gewesen sein muss, vielleicht ein oder zwei Jahre früher oder später. Klar ist, dass Paul von Oldenburg von 1997 bis mindestens 2005 zur Gruppe „Studenten für den Rechtsstaat“ von Sven von Storch und seiner Cousine Beatrix von Oldenburg gehörte. 2005 wurden auf deren Website nur noch Sven von Storch und Paul von Oldenburg als deren Vorstände aufgeführt und Beatrix von Oldenburg als deren Sprecherin. Das von Oldenburg hervorgehobene TFP-Seminar fand nach seinen Aussagen vor seiner Heirat im Januar 2001 statt, fiel also in die Mitte seiner Zeit bei den Studenten für den Rechtsstaat.
2005 scheinen sich dann die Wege von Paul von Oldenburg einerseits und Sven von Storch und Beatrix von Oldenburg andererseits getrennt zu haben.
Im April 2005 gründeten Sven von Storch und Beatrix von Oldenburg das Institut für strategische Studien Berlin ISSB e.V., im Juni 2005 folgte die Zivile Koalition e.V. und im Januar 2006 wurde als Nachfolgeorganisation der Studenten für den Rechtsstaat die Allianz für den Rechtsstaat e.V. gegründet. Vorstandsmitglieder waren in allen drei Vereinen die Eltern von Beatrix von Oldenburg und ein weiterer Cousin.
Paul von Oldenburg hingegen trat als Redner während der 5. Sommerakademie der Studenten in der TFP in Gaming / Österreich Ende Juli 2005 auf und erinnerte die Studenten in seinem Schlusswort an dem „bevorstehenden Kampf“. Auch ein Jahr später sprach Paul von Oldenburg bei der 6. Sommerakademie, die im Schloss Löwenstein in Deutschland stattfand. Der Eigentümer des Schlosses, Alois Konstantin Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, begrüßte wohlwollend die Teilnehmer. Er sitzt im Kuratorium des rechtskatholischen Forums deutscher Katholiken und leitete jahrelang deren Kongresse Freude am Glauben. Und er ist der Onkel von Pilar von Oldenburg, also der Ehefrau von Paul von Oldenburg.

Verwandtschaft: Beatrix von Storch ist die Cousine von Paul von Oldenburg. Paul von Oldenburg ist der Ehemann von Pilar zu Löwenstein. Paul von Oldenburg und Pilar zu Löwenstein sind aktiv in der TFP. Pilar zu Löwenstein ist die Nichte von Aloys zu Löwenstein aus dem Kuratorium des Forums deutscher Katholiken. Aloys zu Löwenstein ist mit der Großtante von Paul von Oldenburg verheiratet.
Genderpolitik: Die Vereinigungen zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP) haben in den 1990er Jahren ein Fundraising-System entwickelt, mit dem sie zwischen 2009 und 2018 über 103 Millionen Euro im Kampf gegen eine progressive Genderpolitik in Europa investierten. Paul v. Oldenburg lernte die TFP über die „Studenten für den Rechtsstaat“ von dem späteren Ehepaar Sven von Storch und Beatrix von Oldenburg kennen und leitet das Brüsseler Büro der TFP Europa. Die Zivile Koalition der Storchs arbeitet mit einem ähnlichen Fundraising-System.

2005 erweiterten diese Erbadeligen gemeinsam ihre Öffentlichkeitsarbeit um den Fokus der Geschlechter- und Familienpolitik. Vorstandsmitglied Paul von Oldenburg konzentrierte sich auf seine Karriere in der TFP, während das spätere Ehepaar Beatrix und Sven von Storch die Zivile Koalition als „Pressure Group“ aufbauten. Auf der Seite der Studenten für den Rechtsstaat zeichnete sich bereits ab, dass es den Aktiven längst nicht mehr nur um die Wiedererlangung der Großgrundbesitze des Adels ging. Familistische Schulbildung und Kampf gegen Abtreibungsrechte wurden bereits 2005 thematisiert und zeigten, wohin die Reise zukünftig gehen sollte.

Auf der Website des Vereins Zivile Koalition e.V. von Beatrix von Oldenburg fanden sich 2007 bereits antifeministisch-familistische Standpunkte und Links zu rückschrittlichen Familien-Organisationen wie bspw. I-DAF mit dem inzwischen gestorbenen Geschäftsführer Jürgen Liminiski vom Opus Dei oder auf die Seite Erziehungstrends mit Orientierungsratschlägen von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz aus dem homofeindlich-evangelikalem Spektrum.
2009 wurde der antifeministische Kampf der Familie von Oldenburg intensiviert. Paul von Oldenburg wurde Direktor des in Brüssel eingerichteten Büros der Federation Pro-Europe Christiana (FPEC), also des Dachverbandes der TFP in Europa. Und seine Cousine Beatrix von Oldenburg gründete mit ihrem späteren Ehemann Sven von Storch die Initiative Familienschutz und setzte dafür Hedwig von Beverfoerde als Sprecherin ein. Hedwig von Beverfoerde ist die Tochter von Elisabeth von Lüninck, die innerhalb der CDU/CSU den Kampf gegen die ‚Ehe für alle‘ anführte. Eine bekannte Cousine und Parteifreundin von Lüninck ist übrigens Johanna von Westphalen, Gründerin der Christdemokraten für das Leben und Stiftung Ja zum Leben.
Bevor ich im nächsten Absatz auf das Fundraising-System von TFP und dem Storch-Netzwerk eingehe, sei darauf verwiesen, dass die Eltern und ein weiterer Cousin von Beatrix von Storch, Konstantin von Storch, nicht selbstlos im Vorstand der Zivilen Koalition saßen. Die Vereinsvermögen sollten an den Oldenburgisch-Russischer Förderverein e. V. von Huno von Oldenburg gehen. Huno von Oldenburg hatte mit seiner Tochter Beatrix von Oldenburg und seinem Neffen Konstantin von Oldenburg mehrere Reisen nach Peterburg unternommen, um an die Verwobenheit der Zaren-Familie mit der Oldenburger Familie zu erinnern. Er leitete im Oktober 2004 mit mehreren bekannten deutschen Rechtsextremen und Antisemiten und russischen Monarchisten in Petersburg die Tagung „Die christliche Welt im dritten Jahrtausend“. Dieser dort anwesende Teil der russischen monarchistischen Bewegung forderte die Inthronisierung des Zaren aus dem Hause Oldenburg. Tatsächlich wurde wenige Jahre später ein Cousin von Beatrix von Storch aus dem Hause Oldenburg zum Zaren gekürt, was bislang allerdings weder vom russischen Staat noch von der russisch-orthodoxen Kirche anerkannt wurde. Weitere Infos zu dieser Geschichte finden sich in meinem Artikel zur Zivilen Allianz.

Das Fundraising-System von TFP und Storch-Netzwerk

Wir haben gesehen, dass Beatrix und Sven von Storch und Paul von Oldenburg fast ein Jahrzehnt im Verein Studenten für den Rechtsstaat für die Interessen des Erbadels gekämpft haben. 2005 trennten sich formal die Wege, aber ein neuer inhaltlicher Fokus einte sie: die reaktionäre Geschlechter- und Familienpolitik. Doch nicht nur inhaltlich blieben sie sich treu, sondern auch methodisch. Die 2004/2005 gegründete Zivile Koalition etablierte ein Fundraising-Konzept, welches dem der TFP auffallend glich. Neil Datta beschreibt das Fundraising-Konzept folgendermaßen:

"Das TFP-Modell des Direct Mail Fundraising wurde 2006 von einem französischen interministeriellen Gremium (MIVILUDES, 2006) als vier verschiedene Phasen umfassend beschrieben: 1) Anwerbung potenzieller Spender; 2) Postwurfsendungen an deren Haushalte; 3) Austausch einer Kontaktdatenbank mit anderen Organisationen innerhalb des TFP-Netzes; und 4) Hausbesuche mit der Bitte um regelmäßige, monatliche Beiträge. In diesem Bericht aus dem Jahr 2006 wird festgestellt, dass die Fundraising-Kampagnen oft ein Selbstzweck sind, da die gesammelten Gelder nicht für die Lösung des festgestellten Problems ausgegeben werden, sondern nur für die Mittelbeschaffung für die Kampagne selbst." (Neil Datta: Modern-Day Crusaders in Europe. Tradition, Family and Property: analysis of a transnational, ultra-conservative, Catholic-inspired influence network, Brüssel Juni 2020, Link; eigene Übersetzung)

Die Hausbesuche wurden in den letzten Jahren zunehmend durch ein System von Massenmails ersetzt. Neil Datta verweist hier auf den Gründer der österreichischen TFP, den Brasilianer Carlos Eduardo Schaffer, der das Fundraising-System in Zusammenarbeit mit dem us-amerikanischen Leadership Institute entwickelt, welches auch in Europa Fundraising-Trainings entwickelt.

Proprietaristischer Adressenhandel: Lackmann und die CCS

Auch bei der Zivilen Koalition wurden entsprechend massiv Adressen gesammelt, Petitionen gestartet, zahlreiche verschiedene Initiativen und Internetauftritte angelegt und penetrant um Spenden gebeten.
Die Zivile Koalition arbeitete von Beginn an mit dem proprietaristischen (rechts’libertären‘) Adressenhändler Thomas Lackmann zusammen. Ich hatte in meinem Artikel Mit Adressenhandel zum Wahlerfolg bereits 2013 auf diese Zusammenhänge hingewiesen. Zuvor wiesen verschiedene Medien wie die Wochenzeitung WOZ aus der Schweiz oder der Hessische Rundfunk auf den problematischen Adressenhandel von Lackmanns Unternehmen CCS hin:

  • Katharina Blansjaar: Adresshandel. Verdeckt, vertraulich, verworren, in: WOZ vom 16.12.2004, Link
  • CC:Blog: Mit dem BDSG schnurrstracks in Richtung Sackgasse, 27.02.2011, Link
  • HR-Online: Infografik. Eine Online-Bestellung, 4.07.2013 Link

Auf der Seite Antispam-ev.de wurden seit 2006 Spam-Mails von Thomas Lackmann kritisiert, seit 2008 wurden die Spams auch im Zusammenhang mit der Zivilen Koalition problematisiert.

Spams der Zivilen Koalition wurden über den Dienstleister Campione Computer Service bzw. Thomas Lackmann verschickt. Neben der 2007 etablierten Internetadresse der Zivilen Koalition mit der Endung ‚.org‘ 2008 wurde – anscheinend zum Zweck der Verschickung von Massenmails – eine zweite Adresse mit der Endung ‚.com‘ gestartet. Letztere war als Alias direkt mit Lackmanns CCS verbunden:

Im Antispam-Forum wurde daher zunächst vermutet, jemand wolle mit den Massenmails und der zweiten Domain der Zivilen Koalition schaden. Eine Nachfrage bei der Zivilen Koalition ergab jedoch, dass diese tatsächlich bei Adressenhändler Thomas Lackmann E-Mail-Adressen eingekauft hatte und dann massenweise Propaganda-Mails verschickte. Woher Lackmann ihre E-Mails hatte, blieb den Betroffenen jedoch ein Rätsel.

Lackmann ist nicht nur Adressenhändler, sondern auch Herausgeber der rechten Publikation „Schweizer Wirtschaftsbrief“ und mehrerer DVDs, in denen vor dem „Klimaschwindel“ und den „Euro-Kollaps“ gewarnt wird. Gründungsmitglieder der Zivilen Koalition wie Klaus Peter Krause scheinen mit Thomas Lackmann befreundet zu sein. Allerdings finden sich zu Thomas Lackmann trotz seiner vielfältigen Internetaktivitäten kaum Informationen. Klaus Peter Krause ersetzte beispielsweise den Namen von Lackmann und die Quelle seines Zitats durch ein unbestimmtes „ein Freund“.

Zu den Beiträgen der DVD „Der Euro-Kollaps“ von Thomas Lackmann zählt ein Auftritt von Klaus-Peter Krause, aber vor allem auch ein von Rezensenten hervorgehobenes Interview mit Beatrix von Storch. Zwischen Lackmann und der Zivilen Koalition scheint es also nicht nur ein Geschäftsverhältnis in Form von Adressenhandel gegeben zu haben, sondern eine sehr viel intensivere politische Zusammenarbeit. Und Lackmann scheint noch immer aktiv zu sein. Zumindest wurden noch in jüngster Zeit Probleme mit Thomas Lackmann / CSS diskutiert, wie Foren-Einträge von 2021 bei antispam-ev.de zeigen. Es ist von nicht vorhandenen Adressen, bzw. nicht vorhandenen Briefkästen bei CSS-Briefkästenfirmen die Rede.,

2016 fiel auch der ehemaligen Geschäftsführerin der Piraten-Partei, Katharina Nocun, der problematische Umgang mit Daten bei den verschiedenen Internetseiten der Zivilen Koalition auf: Das Daten-Imperium der Beatrix von Storch. Nach ihren Beschwerden wurden zumindest einige der Webauftritte der Zivilen Koalition leicht nachgebessert. Es ist aber davon auszugehen, dass sich an der Gesamtstrategie der Zivilen Koalition, bzw. Zivilen Allianz, wie sie jetzt heißt, nicht viel geändert hat.

Strategie der Zivilen Koalition seit 2005

Im DVD-Video Der Euro-Kollaps von CSS/ Lackmann erklärt Beatrix von Storch u.a. wie sie (angeblich) 1,5 Millionen Protest-Emails an Abgeordnete verschicken ließ. Selbst wenn diese Zahl übertrieben sein sollte, ist allein schon wegen der engen Zusammenarbeit mit dem Adressenhändler Lackmann davon auszugehen, dass das Netzwerk der Storchs etliche Postfächer von Politiker*innen flutete. Der Spiegel berichtete von einem Strategiepapier, welches die Zivile Koalition 2006 vorlegte:

"Ein 19-seitiges Strategiepapier der Zivilen Koalition von 2006 beschreibt den Verein als eine „Pressure Group“, die mit „qualitativ wie quantitativ professionellem Lobbying“ das „Interesse bürgerlicher Wähler wieder zur Geltung bringen“ sollte. Abgeordnete sollen in ihren Wahlkreisen gezielt unter Druck gesetzt werden, heißt es im Papier. „Befürworter werden gefördert, Neutrale werden diszipliniert, Gegner sanktioniert.“ Die Vereinsgründer planen Massenbriefsendungen, Telefonaktionen und Anzeigenkampagnen. Das kostet natürlich Geld, das die Zivile Koalition im Netz einsammeln will. „Könnte die Versendung von 500000 Mailings pro Monat realisiert werden“, dann sei ein Spendenaufkommen in Höhe von fünf Millionen Euro pro Jahr nicht unrealistisch." Melanie Amann, Sven Röbel: Gaben für die Familie, in: Spiegel Nr 18 /2016, S. 25

Wir hatten oben hervorgehoben, dass um das Jahr 2005 eine Neuausrichtung der Studenten für den Rechtsstaat stattfand. Auf ihrer neuen Website ZivileKoalition.org heißt es: „Wir wollen zusammen mit Ihnen eine Kraft bilden, die das Interesse des zivilen Lagers vertritt und dazu in einem ersten Schritt eine Kernbasis von 80.000 bis 100.000 Menschen und deren Familien vereinigen.“ Rückblickend lässt sich feststellen, dass sie damit weit vorangekommen sind.

Während eines Kongresses der Zivilen Koalition zum Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) im September 2011 meldete sich der langjährige Mitkämpfer der Zivilen Koalition, Karl Feldmeyer, aus dem Publikum zu Wort und forderte die Gründung einer neuen Partei.

Hans-Olaf Henkel und Beatrix von Storch sprachen sich dafür aus, dass diese Partei gegründet werde, was Jürgen Elsässer vom Compact-Magazin weniger später euphorisch feiern sollte: „Über die von Zivile Koalition e.V. mitbetriebene Website abgeordneten-check.de ist es gelungen, eine wahre Sturzwelle an Protestemails an Bundestagsabgeordnete wegen der verfehlten Euro-Rettung zu initiieren. Bis gestern Abend erreichten 180.000 elektronische Fragen und Beschwerden die Abgeordneten – so etwas gab es wohl noch nie. […] für eine neue Partei sprach sich aus dem Publikum Karl Feldmeyer aus. Der jahrzehntelange FAZ-Parlamntskorrespondent ist heute einer der Macher von abgeordneten-check.de. […] Frau von Storch sagte für eine solche Partei ebenfalls Unterstützung zu, betonte jedoch, dass für die Zivile Koalition die Organisierung des Bürgerprotestes Vorrang habe.“ 2013 wurde dann die AfD mit Henkel und Storch als prominenten Vertreter*innen gegründet.

Aber für die Storchs ist die AfD nach wie vor Mittel zum Zweck und sie scheint weiterhin Kontakte zum internationalen TFP-Netzwerk zu halten.

2021: Zu Besuch bei der TFP Brasilien …und ein Trump-Ausblick

Schon seit langer Zeit betont das Ehepaar Storch das eigene Engagement in Südamerika. Während Beatrix von Storch schon mindestens seit 2005 als Unterstützerin einer „Stiftung für Kinder und Jugendliche in Südamerika“ aktiv war, brüstet sich Sven von Storch seit der Zeit damit, als „strategischer Berater“ in Südamerika aktiv zu sein. Ähnlich wie in Deutschland hatte Sven von Storch auch in Chile eine ‚Zivile Koalition‚ gegründet. 2012 reiste Sven von Storch für zwei Monate nach Chile und hatte in der Zeit 10.000 Euro vom Vereinskonto abgebucht – als Darlehen. 2013 seien in sieben Chargen 98.000 Euro abgebucht worden. Angeblich um das Vereinsgeld vor einem drohenden Bankencrash in einem Tresor in Sicherheit zu bringen. Beatrix von Storch war in ihrer Eigenschaft als Europa-Abgeordnete der AfD zwischen Juli 2014 und Oktober 2017 Delegierte im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss EU-Chile und Delegierte in der Parlamentarischen Versammlung Europa-Lateinamerika. 2015 traf Beatrix von Storch als EU-Delegierte den Außenminister von Chile.

Beatrix von Storch als EU-Delegierte

im Nov. 2015 beim chilenischem Außenminister

Ein Jahr später, 2016, kandidierte Sven von Storch für die rechte Partei Renovación Nacional als Bürgermeisterkandidat für die chilenische Stadt Orsono.
Im Sommer 2021 trafen sich Beatrix und Sven von Storch mit dem damaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro und dessen Sohn und rechten Netzwerker Eduardo Bolsonaro. Das ging auch durch die deutschen Medien.

Das brasilianische Magazin O Globo mutmaßte am 05.12.2021, dass die Verbindungen zwischen dem brasilianischen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro und dem chilenischen Präsidentschaftskandidaten José Antonio Kast enger seien als bislang vermutet und machte hierbei auf Sven von Storch aufmerksam:

„Die Verbindungen zwischen Präsident Jair Bolsonaro, einem Teil seiner Familie und dem rechtsextremen chilenischen Präsidentschaftskandidaten José Antonio Kast sind tiefer, als der ehemalige chilenische Abgeordnete, der in den letzten Tagen sein Regierungsprogramm neu formuliert (sprich: abgemildert) hat, um Mitte-Links-Wähler für die zweite Runde am 19. Dezember zu gewinnen, öffentlich zugeben möchte. In dieser bilateralen Verbindung gibt es eine zentrale Person, die mit Bolsonaro im Juli dieses Jahres in Brasilia war. Es handelt sich um den chilenisch-deutschen Geschäftsmann Sven von Storch“ Janaína Figueiredo: Empresário casado com deputada da extrema direita alemã é conexão entre Bolsonaro e Kast, in: O Globo vom 05.12.2021, Link; eigene Übersetzung

Sven von Storch trat als Berater des Präsidentschaftskandidaten José Antonio Kast im Wahlkampf im Herbst 2021 in Erscheinung. Kast wuchs wie Storch in Chile mit deutschen Vorfahren auf. Sein Vater war Wehrmachtsoffizier. Kast verteidigte Pinochet. Und Storch hoffte auf eine Regierungsbeteiligung im Fall des Wahlsiegs von Kast, der allerdings die Wahl gegen den linken Präsidentschaftskandidaten Gabriel Boric verlor.

Weniger bekannt ist bislang ein Treffen mit Vertretern der brasilianischen Königsfamilie Orleans-Braganza de Wittelsbach im Instituto Plinio Corrêa de Oliveira. Das Institut ist benannt nach dem Gründer der in Brasilien entstandenen TFP und quasi die Denkzentrale.

„AGENDA DER FÜRSTEN
Am Mittwoch, den 28. Juli, nahm der brasilianische Kaiserprinz Dom Bertrand de Orleans e Bragança an einem Empfang für Frau Beatrix von Storch, Mitglied des Deutschen Bundestages und stellvertretende Vorsitzende der Partei Alternative für Deutschland, teil. Der Empfang für die deutsche Bundestagsabgeordnete und ihren Ehemann Sven von Storch, die sich zu diesem Zeitpunkt in Brasilien aufhielten, fand in der zugleich aristokratischen und fröhlichen Atmosphäre des Traditionssaals im Reino de Maria-Sitz des wohltätigen Plinio Corrêa de Oliveira-Instituts in São Paulo statt.“
(eigene Übersetzung des Tweets)
„An der Veranstaltung nahmen die Direktoren, Partner und Mitarbeiter des Instituts sowie zwei Mitglieder der Legislativversammlung des Bundesstaates São Paulo, die Abgeordneten Frederico Braun d’Avila und Gildevanio Ilso dos Santos Diniz, teil. Anschließend gab es ein Abendessen in der traditionellen und bekannten Pizzaria Dona Veridiana, zu dem wichtige Besucher des Instituts gewöhnlich eingeladen werden.“ (eigene Übersetzung des Tweets)

Ich möchte noch einmal betonen, dass das Instituto Plinio Corrêa de Oliveira so etwas wie die weltweite Zentrale der TFP ist. Zwischen diesem Besuch der TFP und den ersten Kontakten zur TFP der Storchs liegen ca. 25 Jahre, ein Vierteljahrhundert.

Der von den Storchs besuchte „Thronanwärter“ von Brasilien, Bertrand de Orleans e Bragança de Wittelsbach, ist der Onkel von Luiz Philippe von Orléans-Braganza, ein Parteifreund von Bolsonaro. Luiz Phillipe von Orléan-Braganza de Wittelsbach forderte im Parlament die Wiederherstellung eines monarchistischen Systems. Wie 1824 sollte es eine vierte Gewalt geben, ein Kaiser, der über alles schwebe und machen könne, was er wolle, berichtet Luís Lima im Artikel ‚As ideias do príncipe‘ im Magazin O Globo am 18.09.2018. Auch Luiz Philippe von Orléans-Branganza fordert also eine aristokratische Gesellschaft. Dafür gibt es zwar noch keine Mehrheit, bei einer Volksabstimmung 1993 stimmten aber 12% für die Wiedereinführung der Monarchie, immerhin ca. 7 Millionen Brasilianer*innen.
Vielleicht wichtiger noch als die monarchistische Einstellung ist seine Position als Chief Financial Officer des Unternehmens Digital World Acquisition. Die DWA strebt eine Fusion mit der Trump Media & Technology Group an, über die Trumps Twitter-Alternative Social Truth läuft. Käme die Fusion zustande, hätte Trump einen Zugriff auf 300 Millionen USD für seine Plattform, die er nun für seine Präsidentschaftskandidatur dringend bräuchte. Und die TFP wäre nahe dran, ihre Verbindung von gesellschaftlichem Mittelalter auf den neuesten Stand der Fundraising-Technologie zu bringen. Dann würde sich die ca. ein Vierteljahrhundert währende Verbindung der Storchs zur TFP ebenfalls rentieren.

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