Degussa Goldhandel: Totalkapitalistische Staatsfeindlichkeit

· Allgemein

Degussa Goldhandel scheint zunächst nur eines von vielen Unternehmen der Firmengruppe des Milliarden-Erben August von Finck junior zu sein. Mit einem anderen Blickwinkel zeigt sich das Unternehmen allerdings als Organisation mit einer staatsfeindlichen Agenda.

Eckdaten zu Degussa Goldhandel

Degussa Goldhandel ist nicht die Firma Degussa. Degussa (Deutsche Gold- und Silberschmiede Anstalt) war im Nationalsozialismus an Zwangsarbeiten, „Arisierungen“, der Verwertung des Zahngoldes von NS-Opfern, der Lieferung von Zyklon B an Auschwitz und der Beihilfe zum versuchten Bau der NS-Atombombe beteiligt. Degussa hatte diese Geschichte selbstkritisch zwischen den 1990er Jahren und 2009 durch unabhängige Historiker aufarbeiten lassen und stellt diese Geschichte auf der eigenen Internetpräsentation weitgehend ungeschminkt dar. Inzwischen heißt der Unternehmenskern von Degussa heute Evonik.

August von Finck junior hat nach und trotz (oder wegen?) der Aufarbeitung der NS-Geschichte ca. zwei Millionen Euro ausgegeben, um den Namen Degussa zu kaufen und um sich so aktiv in die Tradition von Degussa zu stellen. Auf den Seiten von Degussa Goldhandel findet sich kein kritische Aufarbeitung der NS-Geschichte von Degussa. Im Gegenteil: In Werbungen von Degussa Goldhandel von August von Finck wird mit der Tradition dieser Firma geworben.

Geschichtliche Eckdaten:

  • 2010 Gründung von Degussa Goldhandel
  • 2012 Thorsten Polleit wird Chefökonom von Degussa Goldhandel
  • 2012 Polleit, Werner Schätzler (dam. Geschäftsführer von DG), Stephan Ring (Vors. Custodia AG (August v. Finck)) gründen als Vorstandsmitglieder das Mises-Institut Deutschland
  • 2019 Markus Krall wird leitender Geschäftsführer von Degussa Goldhandel
  • 2020 Christophe Lüttmann (Vors. Hayek-Club Münsterland) wird Leiter der DG-Niederlassung Düsseldorf

Zu Polleit, dem Mises-Institut und Krall habe ich mich ausführlich geäußert. Polleit sagt als Leiter des Mises-Institut sehr deutlich, dass minimalstaatliche Konzepte nicht ausreichen, sondern der Staat (und damit Sozialstaat und Demokratie) komplett abgeschafft werden soll. Das schreibt Polleit auch immer wieder in offiziellen Organen von Degussa Goldhandel:

aus: Thorsten Polleit: Die Interventionsfalle, Degussa-Marktreport vom 1. Juli 2021, S. 9

Er bezieht sich dabei explizit auf den bekennenden Demokratiefeind Hans-Hermann Hoppe aus dem Mises-Beirat, wie u.a. eine von ihm selber zusammengefasste Diskussion während einer Konferenz des Mises-Instituts 2015 belegt:

Markus Krall ruft zu einem Umsturz auf, der – falls nötig – auch „blutig“ sein könne (siehe weiter unten im Beitrag). In der dann folgenden Gesellschaft soll es kein allgemeines Wahlrecht mehr geben.

Markus Krall hat als Initiative für seine politische Agenda die Atlas-Initiative gegründet. Zuerst propagierte Krall öffentlich die Idee dieser Atlas-Initiative während einer Veranstaltung des Hayek-Clubs Münsterland. Die als „Anti-Greta“ der Klima- und Coronaleugner-Bewegung gehandelte Naomi Seibt wurde u.a. im Hayek-Club Münsterland sozialisiert, ihre Mutter Karoline Seibt ist dort seit Jahren aktiv.

Der Vorsitzende des Hayek-Clubs Münsterlands Christophe Lüttmann ist seit dem Frühjahr 2020 Leiter der Degussa-Goldhandel-Niederlassung Düsseldorf. Er ist auch verantwortlich für den öffentlich zugänglichen Telegram-Chat des Hayek-Clubs Münsterland.

Telegram-Chat des Hayek-Clubs Münsterland

Die Ideologie des Hayek-Clubs Münsterland zeigt sich in deren offizielle Telegram-Gruppe. Karoline Seibt bspw. sieht ihre Hoffnung nur noch in einem Militärputsch und Christophe Lüttmann widerspricht nicht:

aus: Hayek Club Münsterland Chat vom 25.01.2021

Auf der Seite wird entsprechend über Schießübungen diskutiert, Lüttmann mutmaßt, dass demnächst nur noch Jäger Waffen besitzen dürfen, damit das Volk sich nicht mehr wehren könne.

aus: Hayek Club Münsterland Chat vom 09.04.2021

Es wird auch direkt gezeigt, welche Schusswaffen man sich besorgen kann.

aus: Hayek Münsterland Chat vom 09.04.2021

Lüttmann mutmaßt, dass wir auf dem Weg in die „sozialistische Diktatur“ seien und verweist darauf, dass es in der Geschichte als letzten Ausweg „Tyrannenmord“ gegeben habe.

aus: Hayek Club Münsterland Chat vom 11.04.2020
aus: Hayek Club Münsterland Chat vom 11.04.2020

Lüttmann bestärkt Neulinge in der Ideologie der Österreichischen Schule darin, den Glauben an die Demokratie aufzugeben und sich monarchistisch-undemokratischen Ideologien zuzuwenden:

aus: Hayek Club Münsterland Chat vom 29.12.2020

Obwohl auf diesen Seiten eine sogenannte „libertäre“ Position von Rothbard und Hoppe vertreten wird, also totalkapitalistische Positionen, werden auch immer wieder Videos von Björn Höcke und Stephan Brandner von der AfD Thüringen hochgeladen, die laut Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ beobachtet wird. Aber es werden auch offen neonazistisch-antisemitische Seiten wie „Gerechtigkeit für das Vaterland“ verlinkt. Um klar zu machen, um was für eine Telegram-Gruppe es sich bei den Verlinkungen handelt, dokumentiere ich hier drei Ausschnitte der Telegram-Gruppe „Gerechtigkeit für das Vaterland“:

Auch Christophe Lüttmann selber verlinkt auf diese offen nationalsozialistische Telegram-Seite. Er verteidigt den Link auf die Seite mit dem „fragilen Wahlrecht“ in den USA.

aus: Hayek Club Münsterland Chat vom 14.02.2021

Auch nach dem Hinweis auf den antisemitischen Charakter der Seite wird weiterhin auf die antisemitische NS-Seite verlinkt:

Obwohl Lüttmann im Februar 2021 auf den NS-Charakter seiner verlinkten Seite hingewiesen wurde, lässt er also später als Betreiber der Telegram-Gruppe Hayek-Club Münsterland weitere Links zu.

Lüttmann, Krall, Degussa

Eine saubere Trennung von Hayek-Club Münsterland und Degussa Goldhandel ist kaum möglich. Mehrfach wird im Hayek-Chat auf Degussa Goldhandel verlinkt und Lüttmann wirbt auch für eine Veranstaltung mit dem leitenden Geschäftsführer Markus Krall in Düsseldorf:

aus: Hayek Club Münsterland Chat vom 07.07.2021

Unter „Politbüro“ ist die bundesweite Hayek-Gesellschaft zu verstehen, die bemüht ist, die Gesellschaft nicht allzu radikal aussehen zu lassen.
Zur Erinnerung: Krall ruft öffentlich zu einem Umsturz auf. Er sagt, er hoffe auf einen friedlichen Umsturz, aber wenn das nicht gehe…. und zitiert dann, dass die Republik mit „Blut gedüngt“ werden müsse. Streiks und Demonstrationen alleine würden nicht reichen.

Es kann natürlich sein, dass Christophe Lüttmann nur aufgrund seiner Kompetenzen 2020 zum Leiter der Düsseldorfer Niederlassung von Degussa Goldhandel gemacht wurde. Ich befürchte aber, dass seine Ideologie eine wesentliche Rolle bei der Einstellung spielte. Damit würde sich meine These erhärten, dass Degussa Goldhandel nicht einfach nur ein Unternehmen ist, sondern zugleich eine Organisation mit extrem gefährlicher antidemokratisch-staatsfeindlicher ideologischer Agenda.

Weitere Infos zu Degussa Goldhandel: https://andreaskemper.org/2020/10/01/degussa-und-demokratiefeindlichkeit-podcast/ und zu dem neuen Buch von Markus Krall: https://andreaskemper.org/2021/05/16/analyse-von-markus-krall-freiheit-oder-untergang-1/

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