Klassismus

Zwischen den Stühlen

„Klassismus“ meint klassenspezifische Diskriminierung, Unterdrückung, Ausbeutung, Marginalisierung. Der Begriff ist im Deutschen weniger etabliert als die entsprechenden Begriffe „Classism“ im Englischen bzw. „Classismo“ im Spanischen. Versucht man, anitklassistische Politik zu betreiben, so sitzt man zwischen den Stühlen: Orthodoxe Marxist_innen gehen davon aus, dass der Begriff „Klassismus“ von den eigentlich wichtigen Kämpfe ablenke (nämlich dem Kampf im Produktionssektor), Verfechter_innen der Neuen Sozialen Bewegungen können mit dem Klassen-Begriff nichts anfangen, die europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien und ebenso das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz kennen kein Diskriminierungsmerkmal „Klasse“ und Konservative lehnen das sowieso alles ab. Zwischen den Stühlen zu sitzen, heißt für die Klassismusforschung auch, zwischen den Lehrstühlen zu sitzen. Dies muss kein Nachteil sein, da der Klassismusbegriff von Beginn an intersektionell geprägt ist.

Dennoch wird regelmäßig vom Datenreport zur sozialen Lage oder von der Forschungsgruppe zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit eine klassenbezogene Diskriminierung festgestellt und auch die diversen Bildungsstudien belegen, dass Soziale Herkunft ein wesentliches Diskriminierungsmerkmal ist.

Mit klassistischen Äußerungen halten sich auch Spitzenpolitiker_innen nicht zurück. Vor allem, wenn es darum geht, neue „Faulheitsdebatten“ anzustoßen, dürfen sich Arbeitslose wieder „warm anziehen“ . Ich sammel seit einigen Jahren Politikersprüche gegen Arbeitslose, falls ich was in meiner Sammlung übersehen haben sollte, bin ich für Hinweise dankbar.

Publikationen:

    • Klassenkörper, in: Arranca Nr. 40, August 2011 Online-Text
    • Interview (Jens Wernicke): Vom Rassismus und Sexismus zum Klassismus, Telepolis 11.10.2010 Online-Text
    • Klassismus von deutschen Politiker_innnen. Eine Sprüche-Sammlung, 2009 Online-Text
    • Klassismus. Eine Einführung, Münster 2009 (zusammen mit Heike Weinbach)
    • Opfer der Marktgesellschaft. Obdachlosenfeindlichkeit als klassistische Formation, in: Arranca Nr. 38, Juli 2008 Online-Text
    • Unter den Schichten, da liegt die Klasse – Präsenz und Absenz von Klassismus in der PsychotherapieIn: Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis (VPP) – Mitteilungen der DGVT – 40. Jahrgang 2008, Heft 3 (zusammen mit Heike Weinbach)

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8 Kommentare

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  1. Verlinkt • Denkwerkstatt linked to this post.
  2. an Klassismus Interessierter

    Hallo Andreas Kemper,
    schon gesehen?

    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/578256/Die-Nudelrevolte

    https://twitter.com/search?q=%23nudelnmitketchup&src=typd&f=realtime

    http://robinsurbanlifestories.wordpress.com/2013/09/27/nudelnmitketchup-uber-dieses-hashtag-und-uber-mich/

    http://www.nur-miria.blogspot.de/2013/09/nudelnmitketchup-und-klassismus.html

    http://onyxgedankensalat.wordpress.com/2013/09/30/luxus-und-reichtum-was-ist-das-eigentlich/

    • Andreas Kemper

      Hallo,

      das ist wegen dem ganzen AfD-Rummel voll an mir vorbeigegangen. Danke!!!

  3. weltman

    hallo,

    in unserer gesellschaft gibt es keine voneinander abgetrennten klassen.

    wenn jetzt jemand behauptet, es gebe in der gesellschaft verschiedene klassen, dann erschafft er klassen und teilt damit die vor dem recht gleichen menschen (wenn man etwas anderes in unserem rechtsstaat behauptet muss man ja ganz schön doof sein) in verschiedene klassen ein:

    d.h. dieser mensch erzeugt damit klassen, die es nachweislich gar nicht gibt. damit ist dieser mensch ein rassist!

    folglich sind sie ein rassist!

    frage: ist ihnen schon aufgefallen, dass sie zu den grössten klassisten und rassisten in der gesellschaft gehören?

    • Andreas Kemper

      Natürlich gibt es keine voneinander abgetrennte Klassen. Die Klassen interagieren, z.B. in Form von Ausbeutung, Marginalisieurng und Zuschreibungsmacht.

      Die Ausbeutung findet vor allem im Produktionssektor statt, dass Ergebnis können sie an der immer größer werdenen Schere zwischen Armut und Reichtum erkennen. Die reichsten Unternehmer haben inzwischen umgerechnet einen „Stundenlohn“ von einer halben Millionen Euro, Tendenz ^steigend^.

      Die Zuordnung findet hauptsächlich über das Bildungssystem statt, welches vorrangig nach der sozialen Herkunft selektiert.

      Ideologisch wird dieses System durch einen Begabungs- und Leistungsmythos abgesichert.

    • Jun (@Jun19788)

      hallo, ich bin aus japan. hier gab es angeblich keine klasse, so hat Regierung jahre lang behauptet mindestens und vernachlässigt klasse zu ignorieren sowie Armut zu bekämpfen. Daher heißt es:Armut sei selber schuld. Man sieht Scheitern oder Unerfolg sei eigene Schuld ,niemand konnte Gesellschaft beschuldigen sowie poitsch verändern. Man steht allein da und begeht Selbstmord.So ist unseres Land ein große Selbstmordnation. Ist das was Sie wollen in Deutschland? Sicher angenehm wenn man reich ist. Niemand beschwert sich und einfach verschwindet aus der Welt wenn man benachteiligt ist.

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