Alternative fĂŒr Deutschland – Die Geld-Essentialisten

In diesem Artikel wird die Entwicklung einer neuen rechts-neoliberalen Partei skizziert, VorlĂ€ufer und KontinuitĂ€ten, und deren Ziele vorgestellt. Kommentiert wird diese Entwicklung abschließend mit der Überlegung, ob es einen Zusammenhang zwischen essentialisierenden, verdinglichenden Sichtweisen gibt: Menschen, die an Geld glauben, glauben auch an Vererbung von Intelligenz und die Überlegenheit des weißen deutschen Mannes.

Neue rechte Partei: Alternative fĂŒr Deutschland

Am Donnerstag (28.02.2013) teilte Bernd Lucke von der Wahllaternative 2013 mit, dass im Laufe der nĂ€chsten Woche der Sprecherrat der WA2013 die GrĂŒndung einer neuen Partei mit dem Titel Alternative fĂŒr Deutschland bekannt gibt. Zu den vorrangigen Ziele heißt es:

Die Alternative fĂŒr Deutschland wird die Auflösung des Euros zugunsten nationaler WĂ€hrungen oder kleinerer WĂ€hrungsverbĂŒnde fordern. Sie wird sich fĂŒr ein Ende der milliardenschweren Rettungsschirme und gegen eine europĂ€ische Transferunion aussprechen. Sie wird sich auch fĂŒr eine Verschlankung und EntbĂŒrokratisierung der EuropĂ€ischen Union durch RĂŒckverlagerung von Kompetenzen auf die nationale Ebene einsetzen.

Es wird dann auch eine entsprechende Website zur VerfĂŒgung stehen. Am 13. oder 14. April soll es voraussichtlich einen GrĂŒndungsparteitag in Berlin geben. Bereits am vergangenen Wochenende berichteten FAZ, die WELT und die BILD ausfĂŒhrlich ĂŒber die in Aussicht gestellte rechte Partei. Der Sprecherrat der Partei besteht aus Konrad Adam, Bernd Lucke und Dagmar Metzger. Hier hatte ich versehentlich behauptet, Dagmar Metzger sei die Sozialdemokratin, die damals die Wahl von Andrea Ypsilanti zur MinisterprĂ€sidentin in Hessen verhindert habe. Das ist falsch und ich möchte mich bei Dagmar Metzger aus Hessen fĂŒr diese Verwechslung entschuldigen. TatsĂ€chlich handelt es sich um eine Dagmar Metzger aus MĂŒnchen, wobei ich zunĂ€chst nicht verstand, warum eine unbekannte Journalistin einer Marketingagentur die Stelle eines ehemaligen StaatssekretĂ€rs (Alexander Gauland) einnimmt. TatsĂ€chlich handelt es sich bei der Marketingagentur Wordstatt um eine Organisation, die mit den MĂŒnchner WirtschaftsgesprĂ€chen seit zwei Jahren die GrĂŒndung der Alternative fĂŒr Deutschland zumindest indirekt mitvorbereitet hat. Hierzu weitere Infos: Wordstatt und Alternative fĂŒr Deutschland

Zur Geschichte der Alternative fĂŒr Deutschland

Anti-Euro: Bund Freier BĂŒrger

Es gab bereits in den 1990er Jahren eine Partei gegen den Euro in Deutschland. Sie nannte sich Bund freier BĂŒrger. Zu den Parteimitgliedern zĂ€hlten Joachim Starbatty und Karl Albrecht Schachtschneider, die jetzt ebenfalls zu den Hauptzeichnern der Wahlalternative 2013 gehören. Obschon die Partei eine Spende von 6,8 Millionen DM vom MilliardĂ€r August von Finck erhielt, scheiterte die Partei klĂ€glich. Als die Partei deutlich rechts wurde, stiegen Prominente wie Schachtschneider und Starbatty aus. Die KontinuitĂ€ten vom Bund freier BĂŒrger zur Wahlalternative 2013 bzw. Alternative fĂŒr Deutschland lassen sich auf drei Ebenen zeigen:

  • Personelle KontinuitĂ€ten: Schachtschneider, Starbatty, Bandulet
  • Lokale ParteikontinuitĂ€ten: Beispielsweise ging der lokale Frankfurter Ableger des BfB in die Liste BĂŒrgerbĂŒndnis fĂŒr Frankfurt ĂŒber, die dann spĂ€ter in Freie WĂ€hler Frankfurt umbenannt wurden. Wolfgang HĂŒbner steht hier fĂŒr eine lokale KontinuitĂ€t. Im Juni 2010 sprach Schachtschneider wĂ€hrend einer Veranstaltung der Freien WĂ€hler Frankfurt. Aufgrund der Rechtslastigkeit HĂŒbners bestrebt der Vorsitzende der Bundespartei der FW, Hubert Aiwanger, den Parteiausschluss von HĂŒbner. SpĂ€testens das könnte ihn in die Arme der AfD treiben, wenn sie ihn denn wollen.
  • Lobbyismus: Vor etwas mehr als zehn Jahren grĂŒndete sich der BĂŒrgerKonvent. Dieser Konvent erhielt von August von Finck, der einige Jahre zuvor bereits die Partei Bund freier BĂŒrger mit 6,8 Millionen DM unterstĂŒtzte, fĂŒr die Kampagne „Deutschland ist mehr als jetzt“ 6 Millionen Euro. Inzwischen ist es still geworden um den BĂŒrgerKonvent. Im Vorstand des BĂŒrgerKonvents ist Beatrix von Storch, die gleichzeitig zur Hauptzeichnerin der Wahlalternative 2013 zĂ€hlt. Beatrix von Storch und ihr Mann Sven von Storch haben das Freie-Welt-Netzwerk gegrĂŒndet mit den Internet-Auftritten: Freie-Welt.net, Zivile Koalition e.V., Institut fĂŒr Strategische Studien Berlin, Familien-Schutz.de, Der Rechtsstaat.de, Initiative Echte Reformen, BĂŒrgerrecht Direkte Demokratie und AbgeordnetenCheck.de (nicht zu verwechseln mit AbgeordnetenWatch).

Direkt-Wahlen: Hans-Olaf Henkel und die Freien WĂ€hler

Neben der KontinuitĂ€t der Anti-Euro-Bewegung ist das Engagement von Hans-Olaf Henkel zu nennen. Thomas Wagner analysierte in seinem lesenswerten Buch „Demokratie als Mogelpackung“ Deutschlands „sanften Weg in den Bonapartismus“. Hans-Olaf Henkel und mit ihm das Honoratioren-Netzwerk Konvent fĂŒr Deutschland tritt fĂŒr Direkte Demokratie ein. Es ist bemerkenswert, dass aktuell sogar die rechte FPÖ in Österreich mit Direkter Demokratie Wahlkampf macht. TatsĂ€chlich verbirgt sich hinter diesen Forderungen nach Direkter Demokratie ein Populismus, der nichts mit emanzipatorischer Politik zu tun hat. Dies wird deutlich, wenn man berĂŒcksichtigt, dass die faschistische Sehnsucht nach dem „Starken Mann“ auch mit Direktwahlen des BundesprĂ€sidenten verbunden werden kann. Ein Statement beim Konvent fĂŒr Deutschland sprach sich dann auch fĂŒr die Erweiterung der Rechte des BundesprĂ€sidenten aus, wenn man sich schon die MĂŒhe macht, ihn direkt wĂ€hlen zu lassen. Mit diesem Bonapartismus sollen die „Quasselstube“ des Parlamentes und die Befindlichkeiten der „Politikerkaste“ umgangen werden. Mit Basisdemokratie hat diese Form der Direktwahlen nichts gemein.

Aber Henkel fokussierte nicht nur das Thema Direkte Demokratie, sondern auch eine Kritik am Euro. 2009 war er bereits Gastredner beim Bundestreffen der Freien WĂ€hler und gab dort die Themen Direkte Demokratie und Kritik an der Euro-Politik vor. Er setzte die FDP unter Druck, er wĂŒrde austreten, wenn sie nicht der eurokritischen Strategie, wie sie beispielsweise Frank SchĂ€ffler vom Liberalen Aufbruch verkörpert, folgten. TatsĂ€chlich verkĂŒndete Hans-Olaf Henkel auf einer gemeinsamen Presse-Konferenz mit dem Freien-WĂ€hler-Chef Hubert Aiwanger, dass er fortan die Freien WĂ€hler statt der FDP wĂ€hlen werde. 2011 stellte Henkel in drei Großauftritten in MĂŒnster, Berlin und Hamburg seine Eurokritik vor.

Henkel gehört außerdem – wie viele andere aus dem Konvent fĂŒr Deutschland – zu den UnterstĂŒtzern Thilo Sarrazins. Sarrazin betonte allerdings in einem Focus-Interview: „Ich glaube, dass es besser ist, wenn die eurokritischen KrĂ€fte – Sarrazin in der SPD, Gauweiler in der Union, Frank SchĂ€ffler in der FDP – dort wirken, wo sie auch verankert sind.“

Die adeligen „BĂŒrger“: Vom Rechtsstaat zur Zivilen Koalititon

Die unter anderem von Henkel mit dem Thema Anti-ESM und Direkte Wahlen aus den WĂ€hler-Initiativen geschmiedete Bundespartei Die Freien WĂ€hler trat – reprĂ€sentiert vom Vorsitzenden Hubert Aiwanger – hĂ€ufiger mit der Vorsitzenden der Zivilen Koalition, Beatrix von Storch, auf. Bereits im September 2011 sprachen sich wĂ€hrend einer Veranstaltung der Zivilen Koalition in Berlin Hans-Olaf Henkel, Beatrix von Storch und Karl Albrecht Schachtschneider fĂŒr die GrĂŒndung einer neuen Partei aus, wenn die FDP sich nicht gegen den Euro-Rettungsschirm entscheide.

Entstanden ist die Zivile Koalition aus der Intiative Studenten fĂŒr den Rechsstaat, die seit 1996 die RĂŒckgabe von AdelsgĂŒtern aus der Ex-DDR fordern. Sehr frĂŒh berichtete schon die extrem rechte Junge Freiheit ĂŒber das Ansinnen des damals noch studierenden Adels. Inzwischen haben Beatrix und Sven von Storch mindestens ein gutes Dutzend bezahlter Mitarbeiter_innen. Angeblich werden sie ĂŒber Kleinspenden finanziert. Ob darĂŒber hinaus eine Finanzierung durch August von Finck vorliegt, lĂ€sst sich bislang nicht bestĂ€tigen. Lediglich die Adresse der Zivilen Koalition stimmt mit der der PR-Management-Abteilung von Mövenpick Germany ĂŒberein. Mövenpick Germany gehört zum August von Finck-Imperium, vielleicht erinnert sich noch jemand an die FDP-SpendenaffĂ€re im Zusammenhang mit der Hotelsteuer-Senkung.

Die Zivile Koalition ist extrem christlich-antifeministisch orientiert.

BĂŒndnis BĂŒrgerwille und die Ökonomie-Professoren

GegrĂŒndet und vorangeschoben wurde die Wahlalternative 2013 von Bernd Lucke, der jetzt auch die GrĂŒndung der Partei Alternative fĂŒr Deutschland bekannt gab. Bernd Lucke ist bekannt fĂŒr seine Appelle von Wirtschaftsprofessoren. So war er einer von drei Initiatoren des Hamburger Appells von 2005, in dem dringend von Lohnerhöhungen abgeraten wurde. „Die Konsolidierung der Staatsfinanzen erfordert weitreichende Einschnitte in allen Bereichen der öffentlichen Ausgaben. Davon können auch die sozialen Sicherungssysteme nicht ausgenommen bleiben.“, heißt es dort. Dem kurz vor der Bundestagswahl 2005 publizierten Appell schlossen sich 243 Wirtschaftsprofessoren an. Er wurde durch eine Anzeigenserie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft  bekannt gemacht.

Bernd Lucke grĂŒndete auch das Plenum der Ökonomen, dessen GrĂŒndungsaufruf nach eigenen Angaben 327 „Professoren fĂŒr Volkswirtschaftslehre“ unterschrieben haben. Initiiert hatte er auch die Internet-Plattform BĂŒndnis BĂŒrgerwille. Diese versteht sich als eurokritisch und bezieht sich auf die Bogenberger ErklĂ€rung, die wiederum vor Lohnerhöhungen in Deutschland warnt. Zu den Erst- und Hauptzeichner des BĂŒndnis BĂŒrgerwille zĂ€hlten u. a. Hans-Olaf Henkel und Beatrix von Storch. Mitinitiator war Bernhard Seitz, der ebenfalls das AktionsbĂŒndnis Direkte Demokratie initiierte. UnterstĂŒtzt wurde die Initiative vom Bund der Steuerzahler Deutschland.

Viele der Erst- und Hauptzeichner des BĂŒndnis BĂŒrgerwille fanden sich dann im Sommer 2012 auch als Hauptzeichner der Wahlalternative 2013 wieder. In dem von Konrad Adam, Alexander Gauland und Bernd Lucke unterzeichneten Aufruf wandten sie sich gegen das Eintreten Deutschland fĂŒr fremde Schulden, fĂŒr das Aufgeben des einheitlichen Euro-WĂ€hrungsgebietes und gegen die Abtretung von nationalen Hoheitsrechten. Als befreundete Organisationen traten BĂŒndnis BĂŒrgerwille, AktionsbĂŒndnis Direkte Demokratie und die Internetplattform Stop ESM auf. Stop ESM hat interessanterweise nicht nur wie zu erwarten Gruppierungen mit im Boot wie die marktlibertĂ€re PdV, die Freien WĂ€hler Bayern und die WA2013 als parteiorientiere Initiativen, und rechte Magazine wie Deutschland.net oder IK-News, sondern auch verschiedene Initiativen mit dem Schwerpunkt Gold-WĂ€hrung. Auch hier kann wieder frei assoziiert werden, ob es ZusammenhĂ€nge zu August von Finck gibt, der vor kurzem einen Millionenbetrag fĂŒr das Recht auf den Namen Degussa Goldhandel ausgab und seit November 2011 Niederlassungen in MĂŒnchen, Frankfurt, Stuttgart, Köln, Hamburg, Berlin und ZĂŒrich fĂŒr die Degussa Goldhandel GmbH grĂŒndete.

Die Wahlalternative 2013 beschloss, die Freien WĂ€hler wĂ€hrend der Landtagswahl in Niedersachsens und voraussichtlich auch wĂ€hrend der Bundestatswahl zu unterstĂŒtzen. Es sei keine eigene Partei geplant, hieß es damals noch. Im Gegenzug wurde erwartet, dass Kandidaten aus der WA2013 in den anstehenden WahlkĂ€mpfen gut plaziert werden. TatsĂ€chlich erhielt Bernd Lucke einen vorderen Platz fĂŒr die Niedersachsenwahl im Januar 2013.

Von der WA2013 zur Alternative fĂŒr Deutschland

Ende des Jahre 2012 wurde auf der Facebook-Seite der Wahlalternative2013 immer offenen der Kurs Aiwangers kritisiert, der eine Koalition mit Rot-GrĂŒn nach der Landtagswahl in Bayern 2013 nicht ausschloss. Es kam zu einer internen Abstimmung, wo sich eine sehr große Mehrheit fĂŒr die GrĂŒndung einer eigenen Partei aussprach. Aus den Diskussionen ließ sich schließen, dass den BefĂŒrwortern einer eigenen Partei Aiwanger zu sozialdemokratisch erschien. Eine Rolle mag auch der Konflikt der Freien-WĂ€hler-Spitze mit dem extrem rechten Wolfgang HĂŒbner aus Frankfurt a.M. gespielt haben. Der Sprecherrat kĂŒndigte an, mit einer Entscheidung nach der Landtagswahl zu warten. Es wurde aber bereits damit begonnen, in allen BundeslĂ€ndern eigene Strukturen aufzubauen.

Die Wahl in Niedersachsen war wie zuvor die Wahlen in Schleswig-Holstein und NRW ein Desaster. Die Freien WĂ€hler hĂ€tten zumindest einen Achtungserfolg von vier Prozent gebraucht, um in den Medien wahrgenommen zu werden, sie erhielten aber nur 1,1 Prozent der Stimmen. Nach der Wahl kĂŒndigte der Sprecherrat die GrĂŒndung einer eigenen Partei an. Am 20.1. hĂ€tten in Hannover die Landesbeauftragten und der Sprecherrat getagt und Konsequenzen aus der Wahl gezogen. Auf der Facebook-Seite heißt es:

„Wir wollen das euroskeptische Lager nicht zersplittern, sondern im Gegenteil zusammenfĂŒhren. Deshalb haben wir nicht nur den Freien WĂ€hlern, sondern auch der Partei der Vernunft (PDV), dem AktionsbĂŒndnis Direkte Demokratie (ADD) und, stellvertretend fĂŒr andere freie WĂ€hlergruppen, der Dortmunder UnabhĂ€ngigen WĂ€hlervereinigung (DUW), eine gemeinsame ParteigrĂŒndung vorgeschlagen. (Andere Initiativen wie BĂŒndnis BĂŒrgerwille, der Bund der Steuerzahler oder die Zivile Koalition kommen wegen ihrer GemeinnĂŒtzigkeit nicht als GrĂŒndungspartner in Frage). Nach unserem Vorschlag wĂŒrden wechselseitig die Möglichkeit von Doppelmitgliedschaften geschaffen werden, sodass die anderen Parteien bestehen bleiben können. Sie wĂŒrden aber auf einen eigenen Wahlantritt bei der Bundestagswahl verzichten und statt dessen die neue Partei unterstĂŒtzen. Bundestagskandidaturen wĂ€ren fĂŒr alle Mitglieder der neuen Partei möglich, egal, welcher Partei sie zuvor angehört haben. Programmatisch soll sich die neue Partei auf die Schnittmenge der inhaltlichen Vorstellungen der beteiligten Gruppen konzentrieren.“

Trotz eines Appells vom AktionsbĂŒndnis Direkte Demokratie an die Freien WĂ€hler und die PdV, sich der Initiative anzuschließen, lehnten PdV und Freie WĂ€hler ab. Es ist unklar, wie einzelne Freie WĂ€hler-Listen reagieren werden, die sich oftmals gerade erst einheitlich in Freie WĂ€hler umbenannt haben. FĂŒr die Frankfurter Liste der FW beispielsweise wĂ€re ein Wechsel attraktiv, da HĂŒbner in der Bundespartei der FW nicht geduldet wird. Und fĂŒr Gabriele Pauli, die dem Weimarer Kreis der Freien WĂ€hler nahesteht, könnte die Alternative fĂŒr Deutschland auch ein spannendes Feld sein. Noch hat sich Hans-Olaf Henkel nicht gemeldet, allerdings ist er schon lĂ€nger nicht mehr offen mit Aiwanger aufgetreten. Stattdessen verlas er vor wenigen Monaten noch eine Laudatio auf Thilo Sarrazin, von dem Aiwanger sich distanziert hatte.

Allerdings versucht die Alternative fĂŒr Deutschland sich von deutlich rassistischen Parteien zu distanzieren. Kurz vor Bekanntgabe der GrĂŒndung der Alternative fĂŒr Deutschland wurde jemand, der sich zu deutlich rechts positioniert hatte, aller Ämter enthoben. Die Facebook-Likes gingen von 2223 auf 2220 herunter, stiegen dann aber am Wochenende nach dem FAZ-Artikel auf 3668 an. Wir haben es bei der Alternative fĂŒr Deutschland nicht mit einer dumpfen Anti-Islam-Partei wie den Pro-Parteien zu tun. Es gibt auch keine AnnĂ€herung an die FPÖ, wie damals beim Bund Freier BĂŒrger. Eine Gemeinsamkeit wird eher mit dem Team Stronach aus Österreich gesucht, zu dessen Expertenrat nach Auskunft seines Leiters, Thomas Bachheimers (EuropaprĂ€sident des Goldstandard-Instituts), u.a. Wilhelm Hankel und Hans-Olaf Henkel gehören. Das Team Stronach wurde vom österreichischen MilliardĂ€r Frank Stronach im September 2012 gegrĂŒndet und erreichte in der ersten Wahl am 3. MĂ€rz 2013 in KĂ€rnten 11,3% der Stimmen.

Was will die Alternative fĂŒr Deutschland?

Als Partei kann die Alternative fĂŒr Deutschland nicht nur den Euro kritisieren, sie hat tatsĂ€chlich weitere Eckpunkte. Ich zitiere kurz aus einem Entwurf fĂŒr einen Programm aus dem WA2013-Wiki einige Eckpunkte, die mir besonders aufgestoßen sind.

AuszĂŒge aus einem Entwurf zum Parteiprogramm

Datum: 24.1.2013
Version: 0.7
Autoren: WA2013 Sprecherrat
Dokumentart: Parteiprogramm
Dokumentbeschreibung: Kurze Fassung des Programms einer aus der WA 2013 zu grĂŒndenden politischen Partei (im Folgenden WA-Partei)
Status: Entwurf

Steuern:

„FĂŒr eine alleinstehende Person bleiben in diesem Modell die ersten 10.000 Euro steuerfrei. Bei einem Einkommen von 20.000 Euro betrĂ€gt der durchschnittliche Steuersatz 8.75%. Mit wachsendem Einkommen steigt er langsam bis auf maximal knapp 25%, weil jeder zusĂ€tzliche Verdienst konstant mit 25% versteuert wird“

Arbeitslosigkeit:

„Zur Integration von gering Qualifizierten in den Arbeitsmarkt fordert die WA-Partei eine Liberalisierung des Arbeitsmarktes und die Subventionierung der Weiterbildung niedrig Qualifizierter nach Erhalt eines Arbeitsplatzes.“

BĂŒrgerliche „Kindspauschale“ statt Kindergeld:

„Z. B. könnte der Mutter unmittelbar nach der Geburt eines jeden Kindes eine Kindspauschale von 25.000 Euro ausgezahlt werden – finanziert durch den Wegfall des monatlichen Kindergeldes in den ersten ca. 10 Jahren. FĂŒr junge Paare wĂ€re dies ein erheblicher Anreiz zur FamiliengrĂŒndung und auch grĂ¶ĂŸere Familien mit drei oder vier Kindern fĂ€nden dies finanziell attraktiv. Aus naheliegenden GrĂŒnden wĂ€re die sofortige Auszahlungsmöglichkeit aber auf MĂŒtter zu beschrĂ€nken, die in geordneten VerhĂ€ltnissen leben: Antragsberechtigt wĂ€ren z. B. nur MĂŒtter, die ein bestimmtes Mindestalter erreicht haben, ĂŒber eine abgeschlossene Berufsausbildung und ein festes ArbeitsverhĂ€ltnis verfĂŒgen etc.“

Höhere Renten fĂŒr „Kinderreiche“:

„Die WA-Partei setzt sich fĂŒr eine stĂ€rkere Umverteilung zwischen kinderlosen und kinderreichen Rentenversicherten im Umlageverfahren ein, um dem Aufziehen von Kindern die notwendige Anerkennung auszudrĂŒcken und die demographische LĂŒcke, die die Nachhaltigkeit des Umlageverfahrens beeintrĂ€chtigt, zu schließen.“

Mehr Eigenleistung im Krankenversichungs-System:

„Das Krankenversicherungssystem leider aber auch unter einer mangelhaften PrĂ€vention, einem Mangel an Pönalisierung [Pönal=Vertragsstrafe] gesundheitsschĂ€dlichen Verhaltens (und Belohnung gesundheitsfördernden Verhaltens) und daran, dass zahlreiche Leistungen erbracht werden, fĂŒr die keine medizinische Wirksamkeit nachgewiesen ist. Deswegen mĂŒssen die PrĂ€vention signifikant gestĂ€rkt werden, die Beitragshöhe zu den Krankenversicherungen in AbhĂ€ngigkeit vom Gesundheitsverhalten korrigiert und die Leistungen streng auf medizinisch wirksame Maßnahmen beschrĂ€nkt werden.“

Mehr elternabhÀngige Bildung:

„Derzeit erhalten, wie die PISA-Studien gezeigt haben, nur Kinder aus bildungsstarken Familien in Deutschland eine adĂ€quate Bildung, nur ihr geistiges Potential wird voll zur Entfaltung gebracht. Dieser Befund wird oft als ein Versagen des Staates interpretiert. Richtig ist aber, dass hier in erster Linie ein Versagen vieler Familien vorliegt.
Erziehung und geistige PrĂ€gung von Kindern ist Recht und Pflicht ihrer Eltern. Der Staat unterstĂŒtzt dies durch Schulen, UniversitĂ€ten und andere Ausbildungsangebote. Aber gerade im Bereich der schulischen Bildung muss der Staat auch darauf vertrauen können, dass seine Bildungsanstrengungen von den ElternhĂ€usern unterstĂŒtzt werden. […]

Die WA-Partei befĂŒrwortet deswegen eine RĂŒckkehr zum Prinzip der familiĂ€ren Bildungsverantwortung. Die EinfĂŒhrung von Bildungsgutscheinen und Ă€hnlichen Anreizsystemen ist ein sinnvoller Schritt zur Förderung des familiĂ€ren Bildungsbeitrages“

Der Inhalt ist verfĂŒgbar unter der Lizenz Creative Commons „Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen“. http://wiki.wa2013.de/wiki/index.php?title=Programmentwurf&diff=812&oldid=810

Geld-Essentialismus

Abschließend möchte ich eine Bewertung vornehmen, die ich unter dem Titel „Geld-Essentialismus“ fasse. Ich beschĂ€ftige mich in der Regel nicht mit ParteigrĂŒndungen und bin Soziologe und kein Parteienforscher. Mein Thema ist eher Diskriminierungsforschung. In diesem Forschungsbereich spielt der Begriff „Essentialismus“ eine Rolle.

Mit dem Begriff „Essentialismus“ werden in der Regel Bilder von Schwarzen und Weißen, von Frauen und MĂ€nnern kritisiert, die unverĂ€nderliche Unterschiede suggerieren. So gibt es religiös begrĂŒndete Zuschreibungen, dass Frauen nun mal fĂŒr Reproduktionsarbeiten besser geeignet seien als MĂ€nner, diese hingegen von Natur aus als ex-prĂ€historische JĂ€ger eher fĂŒr öffentliche Arbeiten geeignet seien. Essentialismen können aber auch biologistisch begrĂŒndet werden, wenn beispielsweise behauptet wird, dass sich Intelligenz rassen- und klassenspezifisch vererbt. Essentialismus heißt also so viel, dass es essentielle gruppenbezogene Unterschiede zwischen den Menschen gebe, die sich nicht durch politische Maßnahmen auflösen lassen.

Beim Verfolgen der Diskussionen fielen mir diverse Essentialismen auf. Beispielsweise wurde die Laudatio von Hans-Olaf Henkel an Thilo Sarrazin auf der Facebook-Seite der WA2013 gepostet. Sarrazin vertritt bildungspolitische Essentialismen, er spricht von genetisch bedingten BildungsunfĂ€higkeiten bestimmter Bevölkerungspopulationen. Diese essentialistischen Sichtweisen beziehen sich oftmals nicht nur auf eine einzelne Gruppe, sondern auf mehrere. In der Forschung zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit wird von einem Syndrom der Menschenfeindlichkeit gesprochen: Rassist_innen seien oftmals auch behindertenfeindlich, sexistisch und werteten Arbeitslose ab. Ein Grund hierfĂŒr kann sein, dass Menschen nicht nur nach einem bestimmtes Gruppenmerkmal stereotypisiert werden, sondern dass davon ausgegangen wird, dass diese Merkmale sich nicht Ă€ndern können und dĂŒrfen. Wer diese ehernen Gesetze nicht anerkennt, ist ein unverbesserlicher „Gutmensch“, der eine „Ideologie“ ĂŒber die Tatsachen stĂŒlpt.

Mir fiel auf, dass diese Denkweise sich auch auf Geld ĂŒbertragen lĂ€sst. Geld wird ebenfalls essentialisiert. Sehr anschaulich wird die schon alte Kritik an diesen Geld-Essentialismus im folgenden Video zum Ausdruck gebracht:

Geld ist eine Soziale Wirklichkeit. Geld wird aber von Geld-Essentialisten als etwas Echtes, etwas Individuelles betrachtet, als eigentĂŒmliches. Dieser Essentialismus basiert auf einem grundlegenden Widerspruch unserer Gesellschaft, dass nĂ€mlich die Produktion arbeitsteilig ist, die Aneignung der Produktion aber individuell durch die wenigen Produktionsmittelbesitzer geschieht.

Steuern werden von diesen Geld-Essentialisten dann auch als soziale Eingriffe betrachtet, statt zu realisieren, dass Geld ein Steuerungssystem ist, in dem Steuern integriert sind. „Ich habe Geld verdient und jetzt wird mir was durch die Steuern weggenommen“ ist eine geld-essentialistische Sichtweise. Das vermeintlich verdiente Geld wurde nicht verdient, verdient wurde nur das, was abzĂŒglich der Steuern ĂŒbrigblieb. Aus diesem Geld-Essentialismus ergeben sich dann auch die fĂŒr Essentialismen typischen VerstĂ¶ĂŸe gegen den Kategorischen Imperativ: KaufhausdiebstĂ€hle oder Ohne-Ticket-Fahren in der U-Bahn werden stĂ€rker sanktioniert als Steuerbetrug in Millionenhöhe.

An der Euro-Kritik lĂ€sst sich zeigen, wie der Geld-Essentialismus sich mit dem Essentialismus der Nation verbindet: die DM – hart wie Krupp-Stahl.

Dieser Geld-Essentialismus mag auch eine Grundlage sein fĂŒr die immer wiederkehrende Forderung nach dem Gold-Standard, das heißt, nationale WĂ€hrungen abhĂ€ngig zu machen von Gold. Der Gold-Standard wirkt wie die vor kurzem beschlossene Schuldenbremse, nur noch „hĂ€rter“.  Und Gold-Standard wie Schuldenbremse werden als Effekt den gesellschaftlichen Fortschritt bremsen, da vor allem im Bereich der Bildung gekĂŒrzt wird. Und auch im Bereich der Bildung zeigen sich wieder Parallelen zum Geld-Essentialismus: so wie das elterliche Besitzvermögen als eigentĂŒmlich betrachtet wird (dies ist das ursprĂŒngliche Grundanliegen des Ehepaares Storchs gewesen: sich die BesitztĂŒmer der adeligen Vorfahren wieder anzueignen), so wird auch Bildung zum Eltern-Kind-Eigentum erklĂ€rt und mit Begabungs- und Intelligenzvererbungstheorien (Sarrazin) rationalisiert.

Das Krasse an den Essentialismen ist: sie machen sich gegenseitig scheinbar plausibel.

Nachtrag 6.03.2013:

  • In GĂŒnter Lachmanns Online-Magazin ist ein Beitrag eines Oeconomicus erschienen, der tiefe Einblicke in die AfD verspricht. TatsĂ€chlich sind diese „Einblicke“ mit EinschrĂ€nkungen wie „dem Vernehmen nach“ kommentiert. Interessanter sind einige Verweise auf die HintergrĂŒnde einzelner AfD-UnterstĂŒtzer. GĂŒnter Lachmann hatte als WELT-Redakteur die Wahlalternative 2013 bekannt gemacht und hat aktuell in der WELT zudem einen Artikel fĂŒr die AfD verfasst. Oeconomicus:  Tiefe Einblicke in die politische „Alternative fĂŒr Deutschland“.
  • Der Freie-WĂ€hler-Rechtsausleger Wolfgang HĂŒbner aus Frankfurt a.M. gibt dem FW-Vorsitzenden Aiwanger die alleinige Verantwortung fĂŒr das Scheitern der Zusammenarbeit mit der AfD. Er plĂ€diert dafĂŒr, dass sich die AfD „den Themen Einwanderung/Islam, innere Sicherheit und Familie“ öffne. Indirekt bittet HĂŒbner damit um eine Einladung in die AfD, die bislang kein Interesse daran hat, Euroskepsis mit Anti-Islamismus zu vermengen. Das Abschöpfen dieses IP/PRO-Potentials ist genauso verlockend wie die Gefahr besteht, damit als eindeutig rassistisch bezeichnet zu werden. HĂŒbner ruft seine eigene Partei zu einem Verzicht auf die Bundestagwahlen zugunsten der UnterstĂŒtzung der AfD auf. Wolfgang HĂŒbner: Chancen und Probleme einer ParteineugrĂŒndung
  • Beatrix von Storch begrĂŒĂŸt das Programm der AfD. Vorsichtig, aber deutlich positioniert sie sich fĂŒr die AfD und gegen die FW: „Die neue Partei formuliert in vielen Punkten etwas klarer als die Freien WĂ€hler, bezeichnet zum Beispiel die Ursachen der Euro-Krise klar: den Einheits-Euro.“ Es gelte jetzt die Entwicklung der AfD genau zu prĂŒfen: „Die Zivile Koalition wird die Kandidaten in den Wahlkreisen unterstĂŒtzen, die am vielversprechendsten und am entschlossensten die Themen und Interessen der BĂŒrger vertreten.“ Beatrix von Storch begrĂŒĂŸt das Programm der angekĂŒndigten Partei »Alternative fĂŒr Deutschland«

Nachtrag 07.03.2013:

  • Die Website ist erschienen:  http://www.alternativefuer.de/ Das Netzwerk der Zivilen Koalition scheint nicht mit dabei zu sein, der Name von Beatrix von Storch findet sich allerdings noch bei den Hauptzeichner_innen der Wahlalternative 2013. Hier scheint die Zivile Koalition eher auf eine Aufgabenteilung zu setzen. Auch das Wahlprogramm liegt vor. Erschreckend sind hier unter anderem die Aussagen zur Bildungspolitik „Wir fordern, Bildung als Kernaufgabe der Familie zu fördern.“ Das dĂŒrfte das rĂŒckschrittlichste und klassistischte Bildungsprogramm aller Parteien seien.
  • An der Auftaktveranstaltung in Oberursel nehmen folgende Personen teil:
    ‱ Prof. emeritus Joachim Starbatty, UniversitĂ€t TĂŒbingen
    ‱ Beatrix von Storch, RechtsanwĂ€ltin, Zivile Koalition, Berlin
    ‱ Dr. Alexander Gauland, StaatssekretĂ€r a. D., Potsdam
    ‱ Dr. Konrad Adam, Publizist, Oberursel

Nachtrag 08.03.2013:

  • Nach dem Auftritt von Bernd Lucke bei Maybritt Illner einer halben Stunde Exklusiv-Chat beim ZDF scheint die BILD bei ihrem Kurs zu bleiben: Euro-Austritt: Ja – Alternative fĂŒr Deutschland? Nein! Ohne die UnterstĂŒtzung der BILD wird es wahrscheinlich keine rechtspopulistische Partei in den Bundestag schaffen. Allerdings passt es auch nicht zur BILD gegen einen rechtspopulistischen Strom zu schwimmen. In den BILD-Kommentaren fehlen BeitrĂ€ge, die sich positiv auf die AfD beziehen. Sie wurden wahrscheinlich gelöscht. Apropos Zensur: Auch meine kritischen Hinweise auf der Facebook-Seite der AfD wurden komplett gelöscht: Angst vor Kritik. Es war auch nicht möglich, auf die „Analyse“ meines Artikels einzugehen. Auch dieser Beitrag wurde von der Facebook-Seite der AfD entfernt, auf der ich mittlerweile gesperrt bin.
  • Hubert Aiwanger meldete sich nun auch in der Stuttgarter Zeitung fĂŒr die Freien WĂ€hler zu Wort. Ein Zusammengehen mit der Alternative fĂŒr Deutschland schloss er bei der Bundestagswahl nicht aus, die TĂŒren seien nicht zugeschlagen. Neben der Kritik am Euro fordern auch die Freien WĂ€hler eine Steuersenkung fĂŒr die Reichen (Kirchhoff-Modell).

Nachtrag 10.03.2013:

  • Der Focus hat Emnid mit einer Umfrage zum Thema Anti-Euro-Partei beauftragt. 26% wĂŒrden eine Anit-Euro-Partei wĂ€hlen. Ähnliche Umfragen gab es allerdings schon vor einem halben Jahr. FĂŒr die Landtagswahl in Niedersachsen wurden daraus dann doch nur 1,1%.
  • Ich habe hier einen Überblick ĂŒber die Medienberichte zur Alternative fĂŒr Deutschland erstellt. Die BILD scheint als konservative Zeitung keine Propaganda fĂŒr die AfD machen zu wollen. Sie stĂ€rken eher die rechten KrĂ€ften in den etablierten Parteien: Ohne BILD keine „Alternative fĂŒr Deutschland“.

Nachtrag 11.03.2013:

Nachtrag 20.03.2013:

  • Hinter der Alternative fĂŒr Deutschland scheinen die Interessen der organisierten Familienunternehmer zu stecken. Letztes Jahr gab es einen Streit zwischen dem BDI und den Familienunternehmern. CDU/CSU/FDP vertreten die Interessen des BDI – die organisierten Familienunternehmer schaffen sich nun eine eigene Partei: Wer steckt hinter der Alternative fĂŒr Deutschland?

Nachtrag 22.03.2013:

  • Stephan Werhahn, der designierte Spitzenkandidat fĂŒr die Freien WĂ€hler ruft auf seiner Facebook-Seite dazu auf, dass sich die eurokritischen  Parteien vereinigen sollen: „Auch Bernd Lucke musste gestern erfahren, dass Euro-Kritiker nicht erwĂŒnscht sind. Seitens der Blockparteien soll kein Austausch und Umdenken stattfinden. Alternativen interessieren nicht. Der Wille des Volkes interessiert nicht. Die Eurokritischen KrĂ€fte mĂŒssen sich vereinen! Durch BĂŒndelung schaffen wir den Einzug in den Bundestag!“

Nachtrag 27.03.2013:

  • Werhahn – designierter Spitzenkandidat bei den Freien WĂ€hlern – ist wieder in der CDU. Die Freien WĂ€hler hatten ihm Kontakte zu Rechtsextremisten in DĂŒsseldorf vorgeworfen und seine Nominierung verzögert. Warum er nicht zur Alternative fĂŒr Deutschland gewechselt ist, bleibt erst einmal unklar. Die Facebook-Seite der AfD hat gerade ein Foto der Jungen Freiheit zur Alternative fĂŒr Deutschland hochgeladen. Enger kann ein Schulterschluss kaum sein. Auf Protesten Ă€ußerten sie, die JF sei eine „konservative Wochenzeitung“. Vielleicht wollte Werhahn seinen Ruf nicht noch weiter demontieren. Aber dass die CDU ihn wieder aufgenommen hat, verwundert schon.

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65 responses to “Alternative fĂŒr Deutschland – Die Geld-Essentialisten”

  1. Es gibt aber auch eine Sache, bei der Parteien wie diese in eine offene Wunde fassen: Die grĂ¶ĂŸte Schwierigkeit des Euro ist das Unvermögen die WĂ€hrung der spezifischen, nationalen Wirtschaftskraft anzupassen. Dadurch wird das System instabil und es wurde bislang kein Instrument gefunden, dass das KrĂ€fteungleichgewicht abfedern könnte. Eurobonds wĂ€ren war ein Instrument, das in diese Richtung gehen könnte, aber keiner will mehr Zinsen fĂŒr das wirtschaftliche Versagen der anderen zahlen. Vor allem nicht Deutschland, die Zinsen zahlen, die sogar unter der jĂ€hrlichen Inflation liegen.

    Unterschiedliche WĂ€hrungen können dafĂŒr sorgen, dass jeder fĂŒr sich allein auf seinem Wirtschafts-Trampolin springen kann, anstatt an andere angekettet zu sein.

    Ich bin nicht fĂŒr die Aufgabe des Euro, aber die Argumente oben sind auch nicht aus der Luft gegriffen. Und mit diesem Angstfaktor könnte diese Partei punkten.

    1. W-Day

      Auch mit unterschiedlichen WĂ€hrungen sind wir wirtschaftlich aneinander gekettet.
      Solange wir in Geld/Tauschwirtschaft leben, wird es soziale Ungerechtigkeit, AbhÀngigkeit, Herrschaft geben.

      1. futuretwin

        Ich weiß nicht, ob man sĂ€mtliche Herrschaft auf die Tauschwirtschaft zurĂŒckfĂŒhren kann.
        Und ist eine Abschaffung der Tauschwirtschaft ĂŒberhaupt möglich? Ist sie nicht laut Adorno untrennbar mit RationalitĂ€t und AufklĂ€rung verwoben?

        Michael JĂ€ger unternimmt auf der Web-PrĂ€senz von „Der Freitag“ einen Versuch, theoretisch zu untersuchen ob es möglich ist, das Kapital abzuschaffen, das Geld aber beizubehalten:
        http://www.freitag.de/autoren/michael-jaeger/die-andere-gesellschaft-gliederung-in-kapitel

      2. W-Day

        > Ich weiß nicht, ob man sĂ€mtliche Herrschaft auf die Tauschwirtschaft
        > zurĂŒckfĂŒhren kann.

        Nein, aber die alles durchdringende Warenförmigkeit, die durch die jahrhundertelange, allmÀhliche und mit Gewalt durchgesetzte Geld/Tauschwirtschaft erzielt wurde, zementiert Herrschaft, AbhÀngigkeit und soziale Ungerechtigkeit.
        Wer kein Geld hat, wer kein Tauschmittel hat (von mir aus selbstangebautes GemĂŒse), muss entweder verhungern, kriminell werden, oder zB seinen Körper als Ersatzteillager (Organhandel) oder Sexobjekt (Prostitution) anbieten, bzw. er oder sie macht das mit anderen mittellosen Menschen, womit wir wieder bei der KriminalitĂ€t sind. Herrschaft (und damit die AbhĂ€ngigkeiten etc.) im Feudalismus unterscheidet sich von Herrschaft im Absolutismus, und das, was wir als Demokratie kennen, unterscheidet sich natĂŒrlich wiederum von den vorgenannten, das ist mir klar.

        > Und ist eine Abschaffung der Tauschwirtschaft ĂŒberhaupt möglich?
        > Ist sie nicht laut Adorno untrennbar mit RationalitÀt und AufklÀrung verwoben?

        Sie ist damit verwoben, aber Gewebe kann man auftrennen, um daraus Neues zu weben.

        Ich kann mir eine Welt ohen Herrschaft vorstellen, und ebenso ohne Tauschmittel. Zur Veranschaulichung, Kinder leben in der familiĂ€ren Gemeinschaft ohne fĂŒr die ihnen entgegengebrachte Liebe und FĂŒrsorge „zahlen“ zu mĂŒssen, ohne ein Tauschmittel einzusetzen.
        So in etwa kann die gesamte Gesellschaft funktionieren, wenn sie herrschaftsfrei ist.
        Mir ist bewusst, daß das eine Utopie ist und vielen lĂ€cherlich vorkommt.

  2. […] Ein aktualisierter Artikel findet sich hier: Alternative fĂŒr Deutschland – Die Geld-Essentialisten […]

  3. philmon

    „Und Gold-Standard wie Schuldenbremse werden als Effekt den gesellschaftlichen Fortschritt bremsen“ – Diese Aussage ist selbstverstĂ€ndlich falsch. Wenn dem so wĂ€re, dann wĂ€ren Staaten wie die Schweiz oder Norwegen (mit ihren soliden Staatsfinanzen) gesellschaftlich rĂŒckstĂ€ndig und im hochverschuldeten Griechenland gĂ€be es einen enormen gesellschaftlichen Fortschritt (relativ). Es wĂ€re ratsam nur die Themenkomplexe in Artikeln zu behandeln, mit denen man sich im Vorfeld ernsthaft beschĂ€ftigt hat und ĂŒber man intensiv nachgedacht hat.

    1. Die Schuldenbremse wird in Deutschland dazu fĂŒhren, dass die BundeslĂ€nder vor allem die Bildungsausgaben herunter fahren werden. Dies wird die soziale Ungerechtigkeit erhöhen und gleichzeitig den Fortschritt bremsen.

  4. philmon

    Das befĂŒrchte ich ebenfalls. Der Kern der Problematik liegt allerdings nicht in soliden Staatsfinanzen, sondern in der ineffizienten Ausgabenpolitik. Geringe Staatsschulden sind tendenziell etwas erstrebenswertes, da in der Folge u.a. die Zinslast c.p. geringer ist. Zudem zapft der Staat die KapitalmĂ€rkte an, um sich das Geld zu leihen und gibt dieses Geld wiederum fĂŒr irgendwelchen Murks aus. TĂ€te er dies nicht und wĂŒrde keine Schulden machen, so wĂ€ren die Finanzmittel fĂŒr private Investitionen, z.B. in Forschung und Entwicklung, ĂŒber. Dies wĂ€re deutlich sinnvoller.
    Sparmaßnahmen im Bildungswesen finden statt, weil man Geld nur einmal ausgeben oder verplanen kann und wir uns z.B. mit irrsinnigen Summen fĂŒr die Schulden anderer Eurostaaten verbĂŒrgt haben, um damit das Vermögen der Reichsten der Reichsten sichern. Diese Mittel fehlen folglich an irgendeiner Stelle und dass im Bildungswesen und nicht beispielsweise bei Kriegstreiberei gespart wird liegt an der Inkompetenz oder Bösartigkeit (was zutrifft kann ich nicht beurteilen) der etablierten Politiker.
    Fortschritt wird durch alle etablierten Parteien gebremst (die Linke ausgenommen), da sie sich im Grunde einig sind wenn es um Sparmaßnahmen im Bildungswesen geht (vor allem sind dies versteckte Einsparungen) ! Eine neue Partei, die fĂŒr Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Fairness ist wie die „Alternative fĂŒr Deutschland“ tĂ€te der sozialen Gerechtigkeit in jedem fall gut. Politische Meinungen sind natĂŒrlich unterschiedlich, aber hier muss auch ein politischer Gegner erkennen, dass die Absichten gute sind und die Argumentation zudem konsistent ist.

    1. … Ă€hm, ich habe auf den Programm-Entwurf und auf Bernd Luckes langjĂ€hriges Engagement fĂŒr „Einschnitte“ ins Sozialsystem verwiesen?

      Sparausgaben im Bildungswesen finden statt, weil seit Jahren die Steuern fĂŒr die Reichen gesenkt wurden.

    2. 19Camerata44

      Wenn man sich die in der AfD handelnden Personen betrachtet, dann habe ich Schwierigkeiten, diese nun unbedingt mit sozialer Gerechtigung in Zusammenhang zu bringen. Zur Zeit fischt diese Gruppe (Rechtspopulisten und Rechtsextreme) die Ă€ußersten rechten RĂ€nder ab und der „Beifang“ soll dann der Garant fĂŒr soziale Gerechtigkeit sein? Wovon trĂ€umen Sie nachts?

      1. Zustimmung. Die AfD steht genau fĂŒr das Gegenteil von sozialer Gerechtigkeit. Je mehr ich recherchiere, desto deutlicher stellen sie sich fĂŒr mich als parlamentarischer Arm der organisierten Familienunternehmern dar.

      2. R. S.

        in meinem Traum habe ich Sie als DummschwÀtzer gesehen.
        R.S.

      3. Dann scheinen Sie ja viel verarbeiten zu haben.

  5. futuretwin

    @ W-Day

    Das bedingungslose Grundeinkommen geht ja in die Richtung. JĂ€ger integriert ĂŒbrigens auch das Grundeinkommen in seine Idee einer „Anderen Gesellschaft“ allerdings ist es bei ihm nicht, zumindest nicht um jeden Preis bedingungslos.

    Es gibt viele Ideen, wie man an der Kritik der Tauschlogik andocken kann. Etwa die, dass der Tausch, sobald wirklich Gleichwertiges getauscht wird, nicht mehr herrschaftsstabilisierend wirken muss. Sprich, die Akkumulation des Mehrwerts muss unterbleiben, das ist ja die eigentliche Logik des Kapitals.

    Ich zitiere einmal JĂ€ger zu Adorno und Tausch:

    „In der TĂ€uschung ist der Tausch vorweggenommen, bei dem es gerecht zugehen wird. Adorno verhĂ€lt sich hier ganz einfach als der Nietzscheaner, der er ist: Wie nach Nietzsche die Moral eine „Genealogie“ hat, bei der sie aus schlimmster Amoral allmĂ€hlich aufsteigt, so fĂ€ngt bei Adorno die Tauschgeschichte schlimm an, muss es aber nicht bleiben.“

  6. philmon

    Ich verstehe den Grundgedanken und wir sind uns vermutlich einig darin, dass es ungerecht ist die schwĂ€chsten Glieder der Gesellschaft auf Kosten einiger Weniger zu schröpfen. Aber so einfach wie Sie sagen ist es nicht. Der deutsche Staat erzielt seit geraumer Zeit Rekordsteuereinnahmen. Da der Staat folglich kein Einnahmeproblem hat (ĂŒber Aufteilung der Steuerlast lĂ€sst sich natĂŒrlich streiten), resultieren die Einsparungen nicht aus zu niedrigen Steuern. Viel dringender ist die Frag wie diese Steuern verwendet werden und offensichtlich werden diese in großem Umfang in FĂ€sser ohne Boden gekippt, um ein nicht nachhaltiges System aufrechtzuerhalten.

    1. Ich verstehe dann nicht, was das mit der „Alternative fĂŒr Deutschland“ zu tun haben soll. Die wollen Steuersenkungen fĂŒr die Reichen und Sozialabbau.

      1. philmon

        Eine stabile WĂ€hrung ist ein Grundpfeiler fĂŒr Wohlstand und gerechte Verteilung.Von einer starken WĂ€hrung und WĂ€hrungsaufwertungen profitieren alle Teile der Bevölkerung, vom MilliardĂ€r bishin zum Hartz4-EmpfĂ€nger. Mit unserer eigenen WĂ€hrung wĂŒrde sich ein großer Teil der Verteilungsgerechtigkeit von selbst ergeben. Hier verdient nĂ€mlich niemand zu wenig und es kriegt auch niemand zu wenig Sozialhilfe! Es ist bloß so, dass das Geld, in dem wir bezahlt werden zu wenig wert ist! Eine stabilitĂ€tsorientierte Geldpolitik ist eine super Sozialpolitik, da alle Bevölkerungsteile partizipieren und niemand vom Wohlstandsgewinn ausgeschlossen werden kann. Die AfD ist einzige Partei in DE , die fĂŒr eine seriöse Geldpolitik steht und ist damit sozialer als alle Bundestagsparteien (die Linke ausgenommen) zusammen. Wir brĂ€uchten keine zusĂ€tzliche Reichensteuer, wenn die Menschen nicht um ihren verdienten Lohn gebracht wĂŒrden und wir die Kosten fĂŒr den ineffizienten EU-Zentralismus nicht zu tragen hĂ€tten. Dass eine Reichensteuer notwendig erscheint , liegt u.a. an dem gigantischen Betrug, der mit der EuroeinfĂŒhrung stattgefunden hat. Von genau dieser unterbewerteten WĂ€hrung profitieren letztendlich nur ein paar Wenige auf Kosten aller anderen und in der Folge wĂ€chst die Ungleichheit zwischen Arm und Reich zwangslĂ€ufig. Wenn man diesen Prozess umkehren wĂŒrde-und die AfD steht fĂŒr eine sinnvolle Geldpolitik- dann wĂ€re das ein sehr sozialer Akt. Ziel sollte doch nicht sein, dass Menschen in ihrem Elend verharren und auf Allimentierung angewiesen sind! Vielmehr sollte das Ziel sein, dass alle am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und dazu gehört auch das Arbeitsleben. Reichensteuer und Aufstockung der Sozialsysteme wĂ€ren doch bloß SymptombekĂ€mpfung. Man sollte die Ursachen des Problems lösen und dafĂŒr hat die AfD schonmal richtige AnsĂ€tze.

      2. Die Ursachen der Krise bestehen darin, dass in Deutschland und in Griechenland die Reichen sich immer mehr Vermögen angeeignet haben, dass die Steuern fĂŒr die Reichen massiv gesenkt wurden und gleichzeitig das Workfare-System mit einer Niedriglohnpolitik eingefĂŒhrt worden ist. Die Ausgaben fĂŒr Bildung insbesondere im Primarbereich sind viel zu gering und die arme HĂ€lfte der Bevölkerung, die inzwischen ĂŒber gar kein Vermögen mehr verfĂŒgt, wird immer stĂ€rker von Bildung und gesellschaftlicher Partizipation ausgeschlossen.

  7. philmon

    Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, dass die Bildungsausgaben zu gering sind und dass Ă€rmere Bevölkerungsteile von der Partizipation ausgeschlossen werden. Dass die Verteilungsungerechtigkeit stattfindet und dass Reiche immer reicher und Arme immer Ă€rmer werden ist allerdings nicht die Ursache der Problematik, sonder ein Symptom völlig verfehlter Entscheidungen der Politik. Die Frage ist doch: Wie konnte es passieren, dass die soziale Ungerechtigkeit entstanden ist?!? DafĂŒr ist sicherlich nicht ein Faktor alleine ursĂ€chlich, sondern diverse. Aber die WĂ€hrungspolitik ist dabei ein ganz entscheidender Faktor. Wenn die Mehrheit der deutschen Bevölkerung exportorientierte Großkonzerne mit einer unterbewerteten WĂ€hrung subventionieren muss oder in Griechenland die Wirtschaft durch eine stark ĂŒberbewertete WĂ€hrung zerstört wird , damit Politiker sich ihre GehĂ€lter in kaufkrĂ€ftigen Euros auszahlen können, dann fĂŒhrt dies zwangslĂ€ufig zu einer ungerechten Verteilung. Und hier sage ich, ist die AfD auf dem richtigen Weg soziale Gerechtigkeit wieder herzustellen.

    1. Das ist wirklich Unsinn. Grundlage der AfD ist Bernd Luckes BĂŒndnis BĂŒrgerwille, welches wiederum auf die Bogenberger ErklĂ€rung beruht, in der vor Lohnerhöhungen in Deutschland gewarnt wird und eine „LohnflexibilitĂ€t“ in Griechenland gefordert wird.

    2. 28

      Ihre Argumentation ist fĂŒr mich nicht nachvollziehbar. Was wĂŒrde denn wirklich die Auflösung der Euro-Zone (oder ggf. ein Austritt Deutschlands) zu Folge haben ? Die dann wieder geschaffene D-Mark wĂŒrde gewaltig aufgewertet, die WĂ€hrungen der sĂŒdeuropĂ€ischen LĂ€nder wĂŒrden abgewertet werden. Die Folge wĂ€re, dass deutsche Waren extrem teuer wĂŒrden, was natĂŒrlich den deutschen Export massiv behindern wĂŒrde. Viele Firmen, die ihren Sitz nicht in Deutschland haben, mĂŒssten sich aus KostengrĂŒnden nach Alternativen umsehen und notwendige Waren und Dienstleistungen eben woanders einkaufen. Was soll das so einem exportorientierten Land -wie es Deutschland nun mal ist- fĂŒr Vorteile bringen ? Ist bei einem solchen Szenario nicht eher zu erwarten, dass sowohl die Unternehmensgewinne als auch die Arbeitnehmer-BeschĂ€ftigung und damit die Steuereinnahmen sinken, die sozialen Transferleistungen des Staates aber steigen (aufgrund erhöhter Arbeitslosigkeit)? Wie soll eine solche Entwicklung denn finanziert werden ? Mal abgesehen davon, dass damit auch die Idee eines einheitlichen Europas (bekanntlich wurden bis vor rd. 65 Jahren auch zwischen den grossen europĂ€ischen LĂ€ndern stĂ€ndig Kriege gefĂŒhrt, dahin will ja sicher niemand zurĂŒck) einen heftigen RĂŒckschlag hinnehmen mĂŒsste, erschliesst sich mir auch der ökonomische Sinn einer RĂŒckkehr zur europĂ€ischen Kleinstaaterei nicht. NatĂŒrlich der BrĂŒsseler Wasserkopf (und seine Kosten) wĂŒrden abgeschafft, denkt man in Deutschland sehr egoistisch wĂŒrde zunĂ€chst auch dadurch Geld eingespart werden, dass andere Volkswirtschaften keine Transferleistungen mehr bekommen wĂŒrden. Allerdings wĂ€ren diese denn auch nicht mehr in der Lage, deutsche Waren zu kaufen, hohe Zölle (um die heimischen Produzenten zu schĂŒtzen) und Einfuhr-Umsatzsteuer wĂ€ren auch nicht zu vermeiden.
      Die deutschen Unternehmen leben nun mal nicht vom Binnenmarkt (zumal die Kaufkraft der Arbeitnehmer durch sinkende Löhne und höherer Arbeitslosigkeit ja auch nicht steigen wĂŒrde), sondern vom Export. Der Vorteil, dass z.B. Rohstoff-Importe gĂŒnstiger wĂ€ren, wĂŒrde die Export-Nachteile sicher nicht aufwiegen. Die RĂŒckkehr zur D-Mark erscheint mir daher nicht durchdacht zu sein und wĂŒrde zumindest kurz- bis mittelfristig zu grossen Problemen fĂŒhren.

  8. Schindler

    Tolles Wort „klassistischte“… Sollte vllt. mal in den Duden aufgenommen werden. Da war ein Knoten am Schluss im Hirn 😉

    1. „Klassistischte“ ist die Steigerungsform von „klassistisch“ und das ist das Adjektiv zu „Klassismus“. Dass „Klassismus“ nicht im Duden steht, ist Klassismus.

  9. Analyse des Blogposting „Alternative fĂŒr Deutschland – Die Geld-Essentialisten“ (http://andreaskemper.wordpress.com/2013/03/04/alternative-fur-deutschland-die-geld-essentialisten/) von Andreas Kemper:

    „TatsĂ€chlich verbirgt sich hinter diesen Forderungen nach Direkter Demokratie ein Populismus, der nichts mit emanzipatorischer Politik zu tun hat. Dies wird deutlich, wenn man berĂŒcksichtigt, dass die faschistische Sehnsucht nach dem “Starken Mann” auch mit Direktwahlen des BundesprĂ€sidenten verbunden werden kann. ….. Mit Basisdemokratie hat diese Form der Direktwahlen nichts gemein.“

    Der Trick in dieser Passage besteht darin, die Begriffe „Direkte Demokratie“ mit „Direktwahlen“ gleichzusetzen, und Direktwahlen dann noch auf den PrĂ€sidenten zu verengen. Joseph Goebbels wĂŒrde vor Neid erblassen, wenn er diese subtile LĂŒgentechnik noch hĂ€tte miterleben können!

    „Bereits im September 2011 sprachen sich wĂ€hrend einer Veranstaltung der Zivilen Koalition in Berlin Hans-Olaf Henkel, Beatrix von Storch und Karl Albrecht Schachtschneider fĂŒr die GrĂŒndung einer neuen Partei aus, wenn die FDP sich nicht gegen den Euro-Rettungsschirm entscheide.“

    Die Zivile Koalition ist zwar nicht mit der neuen Partei identisch; das behauptet der Autor Andreas Kemper auch garnicht. Ihm reicht es aus, dass sich deren Vorsitzende fĂŒr die GrĂŒndung einer neuen Partei ausgesprochen hat, um ĂŒber die Zivile Koalition herzuziehen:

    „Entstanden ist die Zivile Koalition aus der Intiative Studenten fĂŒr den Rechsstaat, die seit 1996 die RĂŒckgabe von AdelsgĂŒtern aus der Ex-DDR fordern. Sehr frĂŒh berichtete schon die extrem rechte Junge Freiheit ĂŒber das Ansinnen des damals noch studierenden Adels. ….. Die Zivile Koalition ist extrem christlich-antifeministisch orientiert.“

    Dabei verlĂ€sst er sich auf die FlĂŒchtigkeit seiner Leser, die Zivile Koalition und AfD schon von sich aus in einen Topf werfen werden – in welchem Kemper ja auch beide verkocht. Man muss sich keineswegs irgendwelche nichtexistenten Beziehungen zusammenlĂŒgen: Es reicht, wenn man Sachverhalte in einer ErzĂ€hlung verwebt. Den Rest besorgen die Leser selber – im Sinne von Kemper.

    Der Aufsatz ist freilich nicht nur propagandistischer Natur; streckenweise ist er durchaus sachlich-analytisch, z. B.

    „Allerdings versucht die Alternative fĂŒr Deutschland sich von deutlich rassistischen Parteien zu distanzieren. Kurz vor Bekanntgabe der GrĂŒndung der Alternative fĂŒr Deutschland wurde jemand, der sich zu deutlich rechts positioniert hatte, aller Ämter enthoben. Die Facebook-Likes gingen von 2223 auf 2220 herunter, stiegen dann aber am Wochenende nach dem FAZ-Artikel auf 3668 an. Wir haben es bei der Alternative fĂŒr Deutschland nicht mit einer dumpfen Anti-Islam-Partei wie den Pro-Parteien zu tun. Es gibt auch keine AnnĂ€herung an die FPÖ, wie damals beim Bund Freier BĂŒrger. Eine Gemeinsamkeit wird eher mit dem Team Stronach aus Österreich gesucht …..“

    Voll daneben ist jedoch der Schluss:
    „Abschließend möchte ich eine Bewertung vornehmen, die ich unter dem Titel “Geld-Essentialismus” fasse. ….. Geld ist eine Soziale Wirklichkeit. Geld wird aber von Geld-Essentialisten als etwas Echtes, etwas Individuelles betrachtet, als eigentĂŒmliches.“

    Da ist was dran, aber wenn Kemper fortfÀhrt:

    „Steuern werden von diesen Geld-Essentialisten dann auch als soziale Eingriffe betrachtet, statt zu realisieren, dass Geld ein Steuerungssystem ist, in dem Steuern integriert sind. ‚Ich habe Geld verdient und jetzt wird mir was durch die Steuern weggenommen‘ ist eine geld-essentialistische Sichtweise“

    dann schildert er eine (auf der ideologischen Ebene) spezifisch libertĂ€re Denkweise. Die AfD ist freilich alles andere als libertĂ€r. TatsĂ€chlich stellt der Autor in diesem ganzen Kapitel denn auch keinerlei Zusammenhang zwischen dem „Geldessentialismus“ und der AfD her. Das sollen (und werden) erneut seine Leser leisten.
    SO geht Propaganda heute!

    1. Danke fĂŒr die Analyse meines Beitrages.

      Zur Direkten Demokratie:
      Es geht nicht nur um Direktwahlen von MinisterprĂ€sidenten. Die Rechtspopulisten haben auch aus dem Hamburger Schulstreit gelernt, wo sich gezeigt hat, dass die KampagnenfĂ€higkeit und Wahlmoblisierung der Reichen besser ist als die der Armen. INSM, BĂŒrgerKonvent, und jetzt das Freie-Welt-Netzwerk des Ehepaares von Storch setzen auf gezielte Kampagnen. Diese sind mit Volksbefragungen sehr kompatibel. Ich empfehle hier Thomas Wagners Buch „Demokratie als Mogelpackung“.

      Zum VerhÀltnis Zivile Koalition und AfD:
      Beatrix von Storch zĂ€hlte zu den Hauptzeichnerinnen der Wahlalternative2013. Sie nimmt nĂ€chste Woche als Referentin an der Auftaktiveranstaltung in Oberursel teil. Sie hat die GrĂŒndung der Partei begrĂŒĂŸt. Als es letzten Monat darum ging, die Partei zu grĂŒnden, ist ausdrĂŒcklich darauf hingewiesen worden, dass die Zivile Koalition nicht offiziell die neue Partei unterstĂŒtzen könne, weil es sich um einen gemeinnĂŒtzigen Verein handelt. Dennoch bietet Beatrix von Storch vor Ort die Zusammenarbeit an. Am wichtigsten aber: Die Ziele der Zivilen Koalition decken sich hundertprozentig mit denen der AfD.

      Zum Thema Steuern und Libertarismus:
      Zugegeben: Die AfD ist nicht ganz so libertĂ€r wie die Partei der Vernunft. Die AfD will die Steuern fĂŒr die Reichen nur senken, nicht ganz abschaffen. Allerdings bot die Wahlalternative2013 auch der Partei der Vernunft an, zusammen eine Partei zu grĂŒnden. Soo weit kann also die AfD nicht von libertĂ€ren Ideen entfernt sein. Sie ist konservativ-libertĂ€r, palĂ€olibertĂ€r, rechts-libertĂ€r.

      So weit.

    2. Meine BeitrĂ€ge auf der Facebookseite von Alternative fĂŒr Deutschland wurden gelöscht. So viel Angst vor Kritik? Vor dem Löschen Nach dem Löschen

      1. Auch meine Entgegnung auf die Analyse des Artikels oben durch Burkhardt Brinkmann wurde zensiert. Soviel zum Thema Propaganda und Demokratie 😉 Zweiter Versuch

  10. […] dem Namen Alternative fĂŒr Deutschland eine neue rechtskonservative Anti-Euro zu grĂŒnden (hier ein Hintergrundartikel), haben die wichtigsten konservativen Zeitungen mehrfach ĂŒber diese Partei in […]

  11. Ich werde rassistische Kommentare mit Inhalten wie „Stop der Millionen Armutseinwanderer aus kulturfremden Regionen/Religionen wie Muslimen und Romas, nicht integrationsfaehig“ hier ebenso wenig freischalten wie beleidigende Texte.

  12. Brotquadrateck

    Wer der Sache selbst auf den Grund geht, erfÀhrt, das Andreas Kemper selber, die Antworten von Herrn Brinkman, auf diesem Blog anscheinend nicht veröffentlichen will/möchte.

    Schade eigentlich, Kemper hat so anscheinend die Möglichkeit auf das zurĂŒckerlangen seiner verlorenen Reputation/Ehrlichkeit vertan.

    Wieso zensiert der Kemper seine „eigene“ Diskussion? Womöglich scheu vor der Wahrheit?

    Wie auch immer.

    WĂŒrd ich in Deutschland wohnen, wĂŒrde die AfD definitiv meine Stimme erhalten.

    1. Ich denke nicht, dass ich Herrn Brinkmann hier zensiert habe. Aber Sie haben da wahrscheinlich mehr Informationen?

      1. Der Eindruck einer Zensur ist vielleicht dadurch entstanden, dass ich hier nicht unter meinem Klarnamen kommentiert habe, sondern unter meinem Aliasnamen „Cangrande“.

        Fakt ist daher, Brotquadrateck, dass Andreas Kemper meinen Leserkommentar NICHT wegzensiert hat.

        Und wenn andererseits Kempers Kommentar auf der Facebookseite der Partei „Alternative fĂŒr Deutschland“ gelöscht wurde, dann missbillige ich das mit aller Entschiedenheit.
        So etwas geht fĂŒr mich absolut und total garnicht!

        Burkhardt Brinkmann

  13. Brotquadrateck

    „Ich denke nicht, dass ich Herrn Brinkmann hier zensiert habe. “

    Das hat niemand so formuliert, ausser Ihnen.

    Meine Wortwahl war „nicht veröffentlichen“. Das Wort Zensur/zensiert hat sich auf Ihre Diskussion bezogen, da Sie nicht alle Informationen zur VerfĂŒgung stellen möchten.

    Sehr monoton von Ihnen, machen Sie aber nur so weiter, der Leser sollte selbst herausfinden, was da passierte.

    Danke fĂŒr Ihre Zeit und MĂŒhe.

    1. Herr Brinkmann hat die Frage ja selber beantwortet.

  14. […] In diesem Klima Klassen-Diskriminierung zur Sprache zu bringen ist schwierig. Es erinnert an die von George Orwell in 1984 gezeichnete Gesellschaft, in der systematisch Formulierungen aus der Sprache getilgt wurden, die eine kritische Reflektion ermöglichen könnten. Aber selbst noch Orwell wurde vom konservativen Anti-PC-Diskurs annektiert. WĂ€hrend mit Workfare und einem Revival von BĂŒrgerlichkeit und Refeudalisierung, dem Etablieren von deutsch-bĂŒrgerlichen Leitbildern SekundĂ€rtugenden und UntertanmentalitĂ€ten eingefordert werden, können sich diese Neo-Spießer_innen als Rebell_innen darstellen. Man ist in allem korrekt, nur nicht im Umgang mit diskriminierten Gruppen. Dass die Tea-Party-Bewegung schon lĂ€ngst nicht mehr nur ein us-amerikanisches PhĂ€nomen ist, zeigen die ĂŒberfĂŒllten Hallen bei Sarrazin- oder Alternative-fĂŒr-Deutschland-Veranstaltungen. […]

  15. Falls hier nochmal Fragen auftauchen sollten, ob die Alternative fĂŒr Deutschland tatsĂ€chlich die Steuern fĂŒr Reiche senken will: Bitte stellt doch diese Fragen an die Sprecherin der Alternative fĂŒr Deutschland, Dagmar Metzger. Sie wird eventuell etwas zum „Steuer-Wahnsinn“ sagen können. http://andreaskemper.wordpress.com/2013/03/15/wordstatt-und-alternative-fur-deutschland/

    1. peter

      aus dem AFD porgramm: Wir fordern eine drastische Vereinfachung des Steuerrechts. Der BĂŒrger muss verstehen können, warum er in welcher Höhe besteuert wird. Die Cleveren sollen nicht besser behandelt werden als die Ehrlichen.
      Wir fordern ein Steuersystem, in dem Reiche absolut und prozentual stÀrker belastet werden als Arme. (Progressive Einkommensbesteuerung).

      1. Wow, sie fordern, dass Reiche absolut und prozentual stÀrker belastet werden als Arme. Bitte lesen Sie diesen Satz nochmal.
        Es geht dann ĂŒbrigens weiter und sie beziehen sich dann auf das Kirchhoff-Modell mit extremen Steuersenkungen fĂŒr die Reichen.

    2. peter

      es geht um das schließen von steuerschlupflöchern und eine vereinfachung des steuersystem.

      die AFD ist fĂŒr steuerprogression, damit geht ihre behauptung sie wollen alle gelich besteuern völlig ins leere.

  16. peter

    hallo herr kemper , ich werde sicher bald mitglied bei der AFD -alternative fĂŒr deutschland. ich teile, welch ĂŒberraschung also nicht ihre meinung . ich darf ihnen aber sagen, das sich ihr blog sehr abhebt von anderen blogs – wie http://www.publikative.org/ – die nur mit schlagwörtern und billiger polemik arbeiten. da geht es bei ihen deutlich sachlicher zu. das möchte ich ausdrĂŒcklich wĂŒrdigen. das ihre beitrage auf facebook gelöscht wurden, finde ich nicht in ordnung.

    aus meiner sicht ist und wird die AFD eine liberale partei, die programmatisch endlich eine alternative zum euro“wahn“ und der merkelschen alternativlosigkeit bietet. und das ist und soll auch das kernthema sein, ich werde mich jedenfall dafĂŒr einsetzten.

    der verweis auf z.bsp. prof hankel und prof starbatty und deren veröffentlichungen in der jungen freiheit, da muß man der fairness halber auch sagen, in anderen zeitungen wurden besagte wissenschaftler jahrelang als aussĂ€tzige behandelt- euro-mahnungen waren bis 2008/2009 eben nicht standesgemĂ€ĂŸ, man wurde als ewiggestriger beschimpft (von h.schmidt, schĂ€uble und co) nur weil die herren jahrelang vor den euro-folgen warnten.

    jetzt zeigt sich, sie hatten recht.

    1. Ich sehe es nicht so, dass bei publikative.org nur mit „schlagwörtern oder billiger polemik gearbeitet“ wird.

      Und ich befĂŒrchte, dass Sie sich bei der GrĂŒndungsveranstaltung in April unter vielen Rechtskonservativen wiederfinden werden.

  17. peter

    herr kempter , ich habe viele schlagwörter. bei publikative gelesen oder noch schlimmer bei herrn gensing und seinem tagesschau.de beitrag gelesen.

    ich selber bin in vielen bereichen eher liberal ((ja zu homo ehe etc) und ein verfechter des rechtsstaates und gerade deshalb setzte ich mich ein fĂŒr vertragstreue – maastrichts vertrag.ect- ein.

    ich vermute die neue partei wird sich aus vielen enttĂ€uschten ex-wĂ€hlern von cdu/fdp aber auch spd und grĂŒnen speisen. die alle als rechtspopulistisch zu verteufeln , halt ich fĂŒr schon bosartig.
    die welt ist schon lange nicht mehr so schlicht in recht-mitte-links schubladen einzuteilen.

    was im ĂŒbrigen rechtspopulistisch sein soll, wenn man steuerzahlerhilfen fĂŒr russische milliardĂ€re auf zypern ablehnt , erschliest sich mir nicht.

    1. Die ParteigrĂŒndung im April wird zeigen, wie rechtspopulistisch sich die AfD positioniert.

      Das bisherige Programm sagt nicht viel aus. Ich finde es sehr problematisch. Sollte es in etwa so ausgestaltet werden, wie es im Wiki der Wahlalternative 2013 vorgeschlagen wird, dann ist der Vorwurf Rechtspopulismus gerechtfertigt. Ich verfolge die Facebook-Seite der WA2013 seit der GrĂŒndung. Auch diese BeitrĂ€ge waren rechtspopulistisch, und zwar nicht nur die Kommentare, sondern vor allem auch die offiziellen BeitrĂ€ge.

      Zu den „russischen MilliardĂ€ren auf Zypern“: Wie wĂ€re es, wenn ersteinmal die deutschen MilliardĂ€re wie August von Finck kritisiert werden, der damals die Partei Bund Freier BĂŒrger finanzierte, zu der auch die AfD-Mitglieder Starbatty, Schachtschneider und Bandulet gehörten?

      1. peter

        sie lenken ab. sind sie jetzt fĂŒr die rettung russischer milliĂ€rdare oder nicht?

      2. Ich bin gegen eine Partei, die eine NĂ€he zu sehr problematischen deutschen MilliardĂ€ren hat, sich aber ĂŒber russische MilliardĂ€re echauffiert.

      3. „Zu den “russischen MilliardĂ€ren auf Zypern”: Wie wĂ€re es, wenn ersteinmal die deutschen MilliardĂ€re wie August von Finck kritisiert werden“

        WĂŒsste nicht, dass man da eine Reihenfolge einhalten muss, oder wie die Frage, ob deutsche Steuergelder (wenn auch zunĂ€chst nur als Kredit an Zypern) russischen Oligarchen in den Rachen geworfen werden sollen oder nicht, sachlich oder logisch davon abhĂ€ngen könnte, ob man deutsche MilliardĂ€re, den Papst oder die Al Fatah kritisert?

        Das hat ĂŒberhaupt nichts miteinander zu tun, und Nicht-Kritik an deutschen MilliardĂ€ren prĂ€kludiert in keinster Weise die Ablehnung, deutsche Steuergelder fĂŒr (u. a. mutmaßlich) die russische Mafia ins Feuer zu stellen.

      4. Na sicher „prĂ€kludiert“ das das. Vor allem dann, wenn sich die AfD so vehement fĂŒr die Steuersenkung der Reichen einsetzt.

  18. peter

    ps. ich war auch ein großer fan von pim fortuyn , auch der ist als rechtspopulist wochenlang verunglimpft worden und wurde dann einfach umgebracht.

    in so einem poltischen hetzklima möchte ich nicht leben!! darum kann ich nur davor warnen mit solchen begriffen um sich zu werfen.

    1. Pim Fortuyn war Rechtspopulist.

  19. peter

    billige schubladen in die sie fortuyn da stecken.

    der man hatte linksliberale und konservative ansichten- diese billige etikett rechtspopulist paßt jedenfalls nicht.

    aber danke solcher hetze ist er auch ermordet worden. traurig!

    1. Sorry, das habe ich anders in Erinnerung. Ich war erschrocken ĂŒber Pim Fortuyn und ĂŒber die Entwicklung in den Niederlanden, die mir plötzlich sehr deutsch vorkamen.

      1. peter

        und ich war erschrocken mit welcher hetze er verfolgt wurde, ich habe bis zu dem zeitpunkt in D rot /grĂŒn gewĂ€hlt- danach war ich nichtwĂ€hler weil ich es unertrĂ€glich fand wie fĂŒhrende grĂŒne gegen den mann gehetzt haben und als er tot war, hörte man nichts- kein wort – das war geistige brandstiftung.

        fortuyn hat viele wichtige fragen gestellt, die bis dahin unter der decke gehalten worden im namen der pc- er hatte gewaltigen zuspruch und wÀre wohl ministerprÀsident geworden und wort von einem fanatiker umgebracht. das sind die traurigen fakten.

        ein schöner nachruf von damals, wenigst da sha tder spiegl gebracht – nachdem er vorher wochenlang mit gehetzt hat.

      2. Zitat aus Wikipedia:
        „Im August 2001 zitierte ihn das Rotterdams Dagblad: „Ich bin auch fĂŒr einen kalten Krieg mit dem Islam. Den Islam sehe ich als eine außerordentliche Bedrohung an, als eine feindliche Gesellschaft.“ Verschiedene Organisationen zeigten ihn wegen dieser Äußerung an mit Verweis auf das niederlĂ€ndische Antidiskriminierungsgesetz. Die Anzeigen blieben jedoch erfolglos, da Fortuyns Aussagen vom Grundrecht auf freie MeinungsĂ€ußerung gedeckt waren.
        Am 9. Februar 2002 sagte er in einem Interview mit der linken Tageszeitung de Volkskrant, dass die Niederlande mit 16 Millionen Einwohnern nicht weiter aufnahmefĂ€hig und vierzigtausend Asylbewerber pro Jahr nicht hinnehmbar seien. Außerdem meinte er, es sei besser, den ersten Artikel des niederlĂ€ndischen Grundgesetzes zu streichen („Niemand darf diskriminiert werden“), als die Freiheit der MeinungsĂ€ußerung einzuschrĂ€nken.“

      3. Ich denke, die Kritik an solche Äußerungen und auch die Zuschreibung „Rechtspopulismus“ ist hier gerechtfertigt.

      4. peter

        sie wissen schon das der imam von rotterdam zu fortuyn gesagt, hat er wĂ€re als schwuler weniger wert als ein schwein . sier ergreifen also partei fĂŒr solche leute?

      5. Nein, ich ergreife ganz bestimmt nicht Partei fĂŒr religiös-fundamentalistischen Heterosexismus. Wir haben hier in MĂŒnster einmal im Jahr diesen unsĂ€glichen 1000-Kreuze-Marsch und der geht von Christ_innen aus. Sie wissen, wass der aktuelle Papst gesagt hat: Die Home-Ehe kommt vom Teufel. Sollen wir jetzt alle Katholik_innen ausweisen? Eigentlich eine gute Idee 😉

  20. […] – Andreas Kemper: Alternative fĂŒr Deutschland – Die Geld-Essentialisten […]

  21. peter

    sie lenken immer ab – wenn man russische milliĂ€rdare erwĂ€hnt die mit steuergeldern gerettet werden, , erwĂ€hnen sie herrn finck . wenn man sagt der imam von rotterdam bezeicnet schwule und pim fortiuyn persönlich als weniger wert als schweine ( und damit die ermordung schon zwischen den zeieln gutheißt) – dann kommen sie mir mit irgnedwelchen obskuren christlichen vereinigungen.

  22. 19Camerata44

    Wenn hier Pim Fortiuyn im Zusammhang mit der AfD genannt wird, dann mĂŒsste doch dem DĂŒmmsten klar sein, mit wem wir es hier zu tun haben.Die AfD als Sammelbecken fĂŒr alle Rechtspopulisten und Rechtsextreme. Wie anders ist es zu verstehen, dass das GrĂŒndungsmitglied der AfD, der Staatsrechtler Schachtschneider bei der NPD als Referent auftritt? Als Missionar oder eher, um schon mal „SondierungsgesprĂ€che“ zu fĂŒhren. Was einem die Zornesröte ins Gesicht treibt, ist die Tatsache, dass wir im September 2013 Neo-Nazis im Parlament sitzen haben. Prof. Lucke tritt zwar sehr eloquent in der Öffentlichkeit auf, aber das sollte nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, daß er gesinnungsmĂ€ĂŸig mit seiner AnhĂ€ngerschaft am Ă€ußersten rechten Rand agiert. Ich empfehle mal einen Link: http://bubgegenextremerechte.blogsport.de
    Wann formiert sich hier Widerstand?

  23. anonyme_Untersch1cht

    @peter
    Das „ablenken“ ist doch der Hinweis auf den offensichtlichen Widerspruch. Scheinbar blenden sie aus, was sie nicht sehen möchten. Also lassen nur das gelten, was in ihr Weltbild passt und dieses bestĂ€tigt. Damit können sie dann fĂŒr sich „recht behalten“, mĂŒssen mit dem was sie dort vertreten jedoch nicht „richtig“ liegen.

    Um kurz auf Pim Fortuyin einzugehen. Die pauschale Verurteilung „der Muslime“ und die Behauptung diese wĂŒrden aus dem Ausland kommen und die entsprechende Religion wĂŒrde nicht zu Europa gehören, ist nun einmal schlicht falsch.
    Sich jetzt das Beispiel des Imams von Rotterdam rauszugreifen und den als ReprĂ€sentanten „der Muslime“ zu nehmen ignoriert, dass es auch ganz viele andere Muslime gibt. Viele davon sind Ă€hnlich religiös, wie die getauften Christen. Auch haben die nun keinesfalls alle eine „barbarische“ geschweige denn ĂŒberhaupt Andere Kultur sondern Leben ganz genauso wie alle anderen auch. DarĂŒber hinaus werden dann natĂŒrlich auch viele die mit Religion mal rein gar nichts am Hut haben als Muslime aufgefasst. Weil natĂŒrlich nicht alle „Araber“ oder „TĂŒrken“ Muslime sind(teilweise sind das dann noch nicht mal „Araber“ oder „TĂŒrken“ sondern die sind bereits „hier“ geboren).
    Das stellt nicht in Abrede das es auch religiöse Spinner gibt und einige von denen auch gewaltÀtig sind, die Mehrheit ist es aber nicht. Das einfach zu ignorieren, wÀre dann eine populistische, weil rational unzulÀssige Vereinfachung, die bestehende Vorurteile aufgreift und weiter emotionalisiert um daraus politisches Kapital zu schlagen.

    btw. Papst Franziskus ist auch gegen Schwule, als nicht gottgewollt und das sich die katholische Kirche gegen Kondome ausspricht, hat fĂŒr deren AnhĂ€ngerinnen und AnhĂ€nger Folgen und wĂ€re auch noch eine Sache. Aber ist ja nur eine obskure Sekte diese katholische Kirche völlig unbedeutend, im Gegensatz zum Imam von Rotterdam durch den das Abendland in Gefahr ist 😉

  24. […] Weitere Informationen zur Alternative fĂŒr Deutschland: Alternative fĂŒr Deutschland – Die Geld-Essentialisten […]

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