Nach dem Tod von August von Finck: Entpolitisiert sich das Finck-Imperium?

Ende November 2021 ist der Milliardär August von Finck gestorben, der bekannt war für Großspenden in die Politik, unter anderem an Gauweiler (EU-kritischer CSUler), FDP (Mövenpick-Affäre) und zuletzt an die AfD. In den letzten zehn Jahren entwickelte sich in seinem Firmengeflecht, namentlich Degussa Goldhandel, eine staats- und demokratiefeindliche Organisierung, die als „Libertarismus“ bekannt ist. Setzen seine Enkel diese Politisierung ihres Firmen-Imperiums fort oder tritt eine Wende ein?

Innerhalb der Finck-Gruppe sind seit 2012 verschiedene Institute bzw. Mediengesellschaften entstanden: CSC.AG, Amplifire GmbH, Venturara Concept GmbH, H. Akston Verlags GmbH, Ludwig-von-Mises Institut Deutschland

Das Erbe von August von Finck

Es ist wenig bekannt über das Erbe von August von Finck. Vererbt wurden zahlreiche Unternehmen an die drei Söhne und eine Tochter. Zudem sind 2020 Aktien des Schweizer Unternehmens SGS im Wert von über zwei Milliarden Euro verkauft worden, angeblich um das Erbe besser aufteilen zu können. Meine Vermutung war, dass Finck nicht alles restlos an seine Kinder vererbt, sondern einen Teil seines Erbes in eine Stiftung überführt, die seine politische Agenda fortsetzt und dass dies der eigentliche Grund für den SGS-Aktienverkauf gewesen ist. Es wäre schließlich auch möglich gewesen, die Aktien gleichmäßig an die vier Kinder zu verteilen, aber für den Aufbau einer Stiftung braucht man Geld und keine Aktien. Diese Vermutung hat sich bislang nicht bestätigt. Neben diesen über zwei Milliarden Euro durch den Aktienverkauf geht es um ein Gesamtvermögen, dass von Forbes mit sieben Milliarden Euro angegeben wird. Hans-Jürgen Jacobs weiß aber im Handelsblatt zu berichten, dass man intern über diese Zahl „juchzte“, da es um etliche Milliarden mehr ginge.1 Tatsächlich werden die Vermögen die Superreichen noch immer unterschätzt.

Die Erb*innen von August von Finck

Bei den vier Nachfahren waren vor allem zwei Söhne als Haupterben der wichtigsten Unternehmen in den Fokus gerückt. Galt zunächst Luitpold Ferdinand von Finck als der favorisierte Erbe, weil dieser der „unternehmeristische“ sei, ist dann letztlich doch August François von Finck der Haupterbe geworden. Luitpold Ferdinand von Finck hatte Anfang der 2000er Jahre die Entwicklung von Mövenpick vorangetrieben. Warum nicht er, sondern der jüngste Sohn August François der Haupterbe wurde, darüber spekuliert die Handelszeitung/ Bilanz der Schweiz: „Über den Grund schweigt sich die Familie aus. Luitpold, dessen Gattin aus Nigeria stammt, soll sich heute mit Frau und Kindern vor allem in London aufhalten – die weltoffene Stadt ist auch räumlich weit weg von den altertümlichen Werten der Familie, was vor allem die Gattin schätzen soll.“2
Zudem weiß Erik Nolmans von der Handelszeitung/ Bilanz zu berichten, dass August François seinen Bruder Luitpold Ferdinand von Finck bereits vor dem 10. September 2021 im Verwaltungsrat der Familien-Holding Clair mit Sitz in Cham ersetzt habe und dass er Verwaltungsrat der Goldhandelsfirma Degussa einziehe. (ebd.) Diese Entscheidungen könnten andeuten, dass es August von Finck bei der Erbschaft nicht einfach nur darum ging, das Familienvermögen auch für die nächsten Generationen zu vergrößern. Ich nehme an, er wird sich kurz vor seinem Tod noch über die Investition seines Sohns August François in Augustus Intelligence geärgert haben. Diese ominöse Firma, die durch die Verwicklung von Philipp Amthor (CDU) und Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Bekanntheit erlangte, ging 2020 pleite. Hauptinvestor mit 11,4 Millionen Euro war August François von Finck.3 Aber auch diese Vergeudung des Familienvermögens brachte August von Finck nicht davon ab, ihn als Haupterben einzusetzen.
Zu befürchten wäre also aufgrund der Wahl der Erben nach nicht rein unternehmerischen Kompetenzen, dass andere Ausrichtungen, wie z.B. die Verbreitung der demokratiefeindlichen Ideologie, eine Rolle spielen könnte. Allerdings kenne ich von August François von Finck keine entsprechenden Tendenzen und die aktuelle Entwicklung im Unternehmen spricht dagegen.

Stephan Ring und Markus Krall

Ich möchte hier auf die beiden Ideologen Stephan Ring und Markus Krall eingehen. Während Markus Kralls demokratiefeindlichen Umsturzphantasien inzwischen etwas bekannter geworden sind, konnte man in den Medien bislang noch nicht lesen, dass das Finck-Imperium im Bundestagswahlkampf 2017 ein Pro-AfD-Videoportal betrieb, welches mit dem Namen Stephan Ring verbunden ist. Es gibt im Finck-Imperium noch mehr demokratiefeindliche Ideologen, wie Thorsten Polleit, Chefökonom von Degussa Goldhandel und Präsident des Mises-Instituts, und Christophe Lüttmann, Leiter der Degussa Goldhandel Filiale Düsseldorf, um nur zwei zu nennen. Mit Ring und Krall beschäftige ich mich näher, weil sich bei diesen beiden Veränderungen bemerkbar gemacht haben, die mit dem Tod von August von Finck zu tun haben könnten.

Stephan Ring
Zunächst zu Stephan Ring. Stephan Ring ist promovierter Jurist und Steuerberater. Spätestens seit 2007 hat er leitende Positionen in der Finck-Gruppe, die im Laufe der Jahre zunahmen und erst ab Mai 2021 abnahmen, zuletzt betraf das Ende Januar seinen Posten als Geschäftsführer der Substantia AG, den nun ein neuer Manager inne hat.

Um deutlich zu machen, welche politischen Positionen Stephan Ring im weiteren Umfeld der Finck-Gruppe vertreten hat, möchte ich hier zunächst exemplarisch auf drei Beiträge von ihm aus dem ‚Ludwig-von-Mises-Institut‘ Deutschland eingehen. Zum Mises-Institut habe ich hier im Blog und an anderen Stellen schon einiges geschrieben.
Am 22.07.2015 verfasste Stephan Ring den Artikel „Comics von Irwin A. Schiff jetzt endlich auch auf Deutsch“4. Er bewarb damit die deutsche Übersetzung von zwei in den 1980er Jahren veröffentlichten Comics, welche auf einer Insel spielen und auch Zehnjährigen bereits die grundlegenden Funktionen der Wirtschaft erklären sollen: „Zwischen den Zeilen findet man die Lehren der Österreichischen Schule in der Tradition von Ökonomen wie Ludwig von Mises, Friedrich von Hayek oder Murray N. Rothbard. Diese Denkschule – die in der allgemeinen Bevölkerung leider weitgehend unbekannt ist – ist die einzige, die Wirtschaftskrisen wissenschaftlich und gründlich erklären kann.“5 Rothbard gehört genau genommen nicht zur Österreichischen Schule, sondern hat diese radikalisiert. Er ist der Gründer des Mises-Instituts in Alabama und entwickelte die demokratie- und staatsfeindliche Ideologie des sogenannten „Anarchokapitalismus“ oder besser „Proprietarismus“ (von Proprius = Eigentum). Ich bevorzuge „Proprietarismus“, da diese Ideologie nicht Herrschaftsfreiheit (Anarchismus) in den Mittelpunkt stellt, sondern den „Schutz“ des Privateigentums vor dem Staat, oder – um genauer zu sein – den „Schutz“ des Privateigentums an Produktionsmitteln vor Demokratie, Sozialstaat, Steuererhebungen, Umverteilungen, also vor den „Schutz“ der Armen. Noch besser auf den Begriff gebracht wäre also diese Ideologie mit „Exprorieatarismus“ bzw. kürzer „Exproperismus“, also dem Bestreben, der Ausbeutung kompromisslos den freien Lauf zu lassen.

Die Comics erschienen im dubiosen Verlag Economic Education in Genf, der anscheinend nur diese beiden Comics publizierte und dessen Website kein Impressum hat. Es wird lediglich ein „wissenschaftlicher Beirat“ benannt, zu dem u.a. Guido Hülsmann gehört. Hülsmann ist gleichzeitig Beirat im Ludwig-von-Mises-Institut Deutschland. Und Stephan Ring hebt in seinem Beitrag auf der Website in diesem Institut hervor, dass die deutsche Übersetzung durch dieses Institut, zu dessen Vorstand er gehört, ermöglicht wurde: „Zusammen mit dem Ludwig von Mises Institut Deutschland und dem H.Akston Verlag konnte die Verfügbarkeit in Deutschland sichergestellt werden. Ein besonderer Dank gilt Herrn Michael Kastner für den bundesweiten Vertrieb auch über den Buchhandel.“5
Der H. Akston Verlag wurde kurz nach dem Mises-Institute Deutschland im Jahr 2012 von Stephan Ring und Werner Schätzler, einem weiteren leitenden Angestellten im Finck-Imperium, mit der Kontaktadresse Promenadenplatz 12 in München gegründet, also der Adresse der Finck-Zentrale. Ring schreibt anlässlich einer Crowdfunding-Kampagne für die Comics: „Ganz im Sinne seines Namensgebers möchte der H. AKSTON Verlag den libertären Freunden eine Plattform bieten, um das vielfach sogar nur in Englisch vorliegende Gedankengut der deutschsprachigen Allgemeinheit zugänglich zu machen.“
Auf der Crowdfunding-Seite Startnext gibt es eine eigene „Crowdfunding Page“ des Mises-Insituts mit dem Titel „Libertäre Ziele der Österreichischen Schule der Nationalökonomie“6 „Libertär“ ist hier ein anderes Wort für „Anarchokapitalismus“, also für demokratie- und staatsfeindlichen Exproperismus. Und Verantwortlicher für diese Seite ist Stephan Ring.

Hier sollte schon deutlich geworden sein, dass mit Stephan Ring, der immerhin zu der Zeit u.a. Geschäftsführer der für die Finck-Gruppe zentralen Unternehmen Custodia Vermögensverwaltungs GmbH und Von Finck’sche Vermögensverwaltungs GmbH war, aktiv und direkt eine politische Agenda mit den Ressourcen der Finck-Gruppe verfolgte. Sehr wahrscheinlich mit dem Wohlwollen des damaligen Eigners August von Finck, der bereits in den 1990er Jahren extreme politische Positionen mit Millionen-Beträge unterstützte.

Kommen wir zu einem zweiten Beitrag von Stephan Ring auf den Seiten seines Mises-Instituts: „Fernsehen wie es sein sollte: www CSC AG“ vom 07.04.2017.7
Stephan Ring wirbt im Bundestagswahljahr 2017 für einen neuen „Fernsehsender“: Common Sense Channel.

Der Comon Sense Channel (CSC.AG) gehört zur 2020 liquidierten Amplifire AG mit Sitz in der Firmenzentrale der Finck-Gruppe und zeigte sich im Wahlkampfjahr 2017 Pegida- und AfD-nah

„Mittels eindrucksvoller, redaktioneller Arbeit wird das Internet durchforstet und in interessanten, thematischen kurzen Blöcken von meist nicht mehr als einer halben Stunde zusammengepackt. Zwei bis drei Beiträge pro Thema, nicht länger als jeweils zehn Minuten, oft kürzer als fünf Minuten, zu allen nur erdenklichen Themen, zu denen das Internet Filmmaterial zur Verfügung stellt.“ Ring spricht von einer „Hochprofessionalität“ und vom „libertären Geist“: „Und für den libertären Geist steht CSC.AG vielleicht für ein wirklich freies Fernsehen: Frei von Sendeplätzen, frei von Medienräten, frei von Gebühren, frei von teuren zentralistischen Übertragungswegen. Das Ludwig von Mises Institut wird mit großer Aufmerksamkeit und Wohlwollen diese Entwicklung verfolgen und hoffen, dass diese „Playlist“ der Freiheit ein zusätzliches Momentum verschaffen kann. Helfen Sie mit: http://www.CSC.AG.“5
Was Ring hier verschweigt: Die CSC.AG gehört zur 2016 von ihm zusammen mit Alfred Schropp gegründeten Amplifire GmbH. Das geht aus dem Impressum der CSC.AG deutlich hervor: Verantwortlich sei die Amplifire GmbH, Promenadenplatz 12, 80333 München. Die Adresse ist wieder einmal die der Finck-Zentrale in Deutschland und Geschäftsführer neben Alfred Schropp ist Stephan Ring.
Kurz ein paar Worte zu Alfred Schropp. Dieser hatte laut MEEDIA die rechte Kunstfigur „Dr. Alfons Proebstl“ aufgebaut.8 „Proebstl“ hetzte in über 80 Videos gegen Migration und Gendermainstreaming und trat bei Pegida in Dresden auf. „Proebstl“ gab der völkischen Sezession von Goetz Kubitschek ein Interview und zierte das Titelblatt der „libertären“ „eigentümlich frei“ vom Juli/August 2014. Als der Schauspieler der Figur „Dr. Alfons Proebstl“ seine Rolle beendete und sich distanzierte, kündigten die Macher der Figur am 8. August 2015 ein Casting an, um die Rolle neu zu besetzen.9 Daraus wurde nichts, stattdessen baute Alfred Schropp ein Jahr später zusammen mit Stephan Ring die Amplifier GmbH mit der „Fernsehanstalt“ CSC.AG auf. Inhaltlich liegt dieser „Fernsehsender“, genau genommen handelt es sich um eine Plattform mit ausgesuchten Videos, auf einer Linie mit der Kunstfigur Proebstl. CSC verfügt über verschiedene Sparten. In der Sparte „Gesellschaft“ finden sich u.a. Videos mit Beiträgen von Eva Hermann und Andreas Popp, ein Video von Jouwatch mit Beiträgen von Jochen Hilse (AfD), Jürgen Elsässer, Tommy Robinson, Michael Stürzenberger und Martin Sellner (Identitäre Bewegung) zum Thema „Drei Jahre Pegida“. In der Rubrik Politik und Staat stößt man auf Videobeiträge von Alice Weidel, Beatrix von Storch, Nicolas Fest, Alexander Gauland. Rubrik 5 befasst sich mit „Klimaschwindel“ und die Rubrik 1 mit Wirtschaft, hier finden sich zahlreiche Videos aus dem Mises-Institut, z.B. von Thorsten Polleit oder Hans-Hermann Hoppe.

Dies führt zu einem dritten von einem Dutzend Beiträgen von Stephan Ring auf der Seite von Mises.de: „Ludwig von Mises geht live“ vom 13.10.2017.10 Hier kündigt Ring an, dass die Mises-Konferenz „Small is beautiful“ vom 21.10.2017 im Bayerischen Hof live über die Plattform CSC.AG gesendet wird. Während dieser Konferenz kündigte der Fürst von Liechtenstein an, seinen Staat in ein Unternehmen überführen zu wollen. Der Unternehmer Titus Gebel kündigte den umgekehrten Weg mit ähnlichem Ziel an: Seine Unternehmen wollen Privatstädte bauen (ich berichtete u.a. in diesem Blog darüber). Einig waren sich die Vortragenden in ihrer „Skepsis“ gegenüber Demokratie. Wozu brauche man noch Demokratie, wenn man sich die Sicherheitsdienstleister selber kaufen könne, fragte Gebel zum Schluss der Konferenz, Demokratie sei laut Mises die Abstimmung mit dem Geldschein.
2016 gründete Ring im Finck-Imperium die Ventura Concept GmbH (Promenadenplatz 12, München), Unternehmensgegenstand sei u.a. die Finanzierung von Filmprojekten.

Interessant sind in diesem Zusammenhang noch die ganzseitigen Werbeanzeigen in der demokratiefeindlichen Zeitung „eigentümlich frei“. Seit Juni 2011 ziert die Rückseite der „eigentümlich frei“ eine ganzseitige Anzeige der VM Vermögensmanufaktur bzw. VM Vermögens-Management GmbH und seit April 2012 finden sich dort ganzseitige Anzeigen im Innenteil des Magazins. Die VM Vermögens-Management GmbH wurde 1986 gegründet und gehört seit 2008 zur Finck-Gruppe.11 Vorstand der VM Holding AG ist seit 2008 Stephan Ring, diese Holding wurde Anfang 2009 in Substantia AG umbenannt. Und spätestens 2013 waren Degussa Sonne/Mond Goldhandel GmbH und VM Vermögensmanagement hundertprozentige Töchter der Substantia AG unter Geschäftsführer Stephan Ring.
Eine Anmerkung zur VM Holding und Substantia könnte hier noch angebracht sein. Beide zahlten nacheinander kurz vor dem Bundestagswahlkampf 2009 1,1 Millionen Euro Spendengelder an die FDP, die bei der Wahl mit ihrem besten Ergebnis in den Bundestag einzog. Bekannt wurde diese Spende als „Mövenpick“-Affäre, weil die FDP eine Mehrwertsteuersenkung für Hotels durchsetzte und zum August von Finck Imperium die Hotelkette Mövenpick gehörte.12 Ich halte die These, dass es da einen Zusammenhang gibt, für plausibel. Bei den rechts-libertären Ambitionen, die Ring verfolgt, und die von August von Finck anscheinend unterstützt wurden, kann es bei diesen Spenden auch darum gegangen sein, die FDP nicht für eine singuläre Entscheidung, sondern generell auf Linie zu bringen.

Zeitgleich zur ersten ganzseitigen Anzeige von Degussa Goldhandel in der „eigentümlich frei“ wurde deren Kolumnist Thorsten Polleit zum Chefvolkswirt bei Degussa Goldhandel ernannt, beides im April 2012. Im selben Jahr wurde Polleit Präsident des von Stephan Ring mitgegründeten Mises-Instituts. Neben den ganzseitigen Werbungen von Degussa Goldhandel und VM Vermögens-Management in der „eigentümlich frei“ erscheint seit ein paar Jahren auch „Tichy’s Einblick“ mit einer ganzseitigen Werbung von Degussa Goldhandel.

Fassen wir zusammen:
Stephan Ring steht im Zusammenhang mit

  • den ganzseitigen Werbeschaltungen von zwei Finck-Unternehmen in der „libertären“ „eigentümlich frei“ („ef“)
  • der Ernennung eines Kolumnisten der „ef“ zum Chefvolkwirt bei Degussa Goldhandel
  • der Gründung des „libertären“ Mises-Instituts in den Räumlichkeiten des Finck-Imperiums
  • dem sogenannten „libertären“ H. Akston Verlag
  • der Gründung der Amplifire GmbH als Produktionsfirma der „rechtslibertären“ Videoplattform SGS.AG rechtzeitig zum Bundestagswahlkampf 2017
  • der Gründung der Filmproduktionsfirma Ventura Concept GmbH

Stephan Ring hat also innerhalb eines Jahrzehnts einen ideologischen Apparat im Finck-Imperium aufgebaut.

Markus Krall

Zu Markus Krall habe ich an anderen Stellen schon viel geschrieben. Daher hier nur die Kurzform.

Seit 2018 arbeitet Markus Krall daran, mit der „Atlas Initiative“ die Gesellschaft in Deutschland zu verändern. „Atlas“ leitet sich ab von „Atlas Shrugged“, dem „libertären“ Kultroman von Ayn Rand. In seinem vorerst letzten Beitrag bei Twitter von vor fast einem halben Jahr, vom 12. September 2021, empfiehlt Krall eine deutsche Neuauflage dieses Romans.

Vorerst letzter von über 14.000 Twitter-Beiträgen von Markus Krall. Eine Werbung vom 12. September 2021 für eine Neuauflage des Romans „Atlas Shrugged“ von Ayn Rand.

Seit September 2019 ist Markus Krall Geschäftsführer bei Degussa Goldhandel. Parallel zu dieser Tätigkeit baute er die Atlas Initiative aus, hielt zahlreiche politische Vorträge und Interviews und provozierte mit über 14.000 Twitterbeiträgen, die ihm über 45.000 Follower einbrachten. Zudem schrieb er parallel zu seiner Arbeit bei Degussa Goldhandel zwei gut verkaufte „Sach“bücher. Inhaltlich ging es in seinen Vorträgen, Interviews und Bücher um einen Umsturz, der eine ganz andere Gesellschaft herbeiführen sollte, für die er eine eigene Verfassung entwarf. Krall vertritt ein manichäische Weltbild in dem der Teufel in Gestalt des Sozialismus auftritt, während Gott den Menschen das Privateigentum geschenkt habe, welches es gegen den Teufel zu verteidigen gelte. „Sozialismus“ ist dabei sehr weit gefasst, auch Angela Merkel gilt in dieser Sichtweise als Sozialistin und Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und der Corona-Pandemie werden von Krall als „Klimasozialismus“ und „Seuchensozialismus“ gebrandmarkt. Krall strebt einen Minimalstaat als Übergang, bzw. „Brücke“, zur „reinen Privatrechtsgesellschaft“ des Demokratiefeindes Hans-Hermann Hoppes an. In diesem Minimalstaat soll das Wahlrecht drastisch eingeschränkt werden. Nur Menschen, die über 21 Jahre alt sind, dürfen wählen, und zwar nur dann, wenn sie gleichzeitig für eine Legistarturperiode komplett auf Gelder vom Staat verzichten. Wer Geld vom Staat erhält oder in einer subventionierten Firma arbeitet, dürfe nicht wählen.

Ring, Krall und der Tod von Finck

August von Finck junior ist Ende November 2021 gestorben. Finck hatte immer wieder rechte Politiker finanziell unterstützt. Manfred Brunner, Gründer des AfD-Vorläufers „Bund freier Bürger“ und der Organisation „Demokratie und Marktwirtschaft“, erhielt über acht Millionen DM an Schenkungen. Und das ehemalige Beiratsmitglied von „Demokratie und Marktwirtschaft“ und späterer stellvertretender CSU-Vorsitzender Peter Gauweiler erhielt zwischen 2008 und 2015 über zwölf Millionen Euro von Finck. Eine ähnliche Initiative, das „Institut für Wirtschaft und Gesellschaft“, bzw. Kampagnen des „Bürgerkonvents“, für den AfD-Mitgründer Hans-Olaf Henkel warb, und der zum Schluss u.a. von der AfD-Funktionärin Beatrix von Storch geleitet wurde, erhielt mehrere Millionen Euro Spenden von Finck.13. Christian Rickens resümierte im Handelsblatt, dass diese Spenden nichts gebracht hätte und sprach vom „Ende der Nadelstreifen-Apo“.14 Parallel zur Gründung der AfD, die ebenfalls aus der Finck-Gruppe eine Anschubfinanzierung erhielt, worauf ich als erster hinwies (und nicht die Konrad Adenauer Stiftung, die diesbezügliche Mutmaßungen von mir plagiierten, diese Richtigstellung sei hier erlaubt), scheint die Finck-Gruppe ab 2011 einen eigenen ideologischen Apparat in der Münchener Firmenzentrale Promenadenplatz 12 aufgebaut zu haben. Und dieser Apparat ist mit dem Namen Stephan Ring verbunden.
Bereits vor dem Tod von August von Finck gab es Umstrukturierungen im Unternehmengeflecht. Ich kann hier nur mutmaßen, dass der Tod des 91jährigen nicht plötzlich eintraf, da August François von Finck bereits wenige Monate vorher Posten seines Vaters übernahm.
Von Mai bis Juli 2021 wechselten einige Geschäftsführerposten in der Finck-Gruppe und es ist auffällig, dass der noch relativ junge Manager Stephan Ring nach und nach weniger Leitungspositionen besaß.
Selbst die Geschäftsführung der H. Akston Verlags GmbH wurde nun vom ehemaligen Söder-Vertrautem Wolfgang Lazik übernommen. Ende Januar 2022 wurde vermeldet, dass Ring auch nicht mehr Geschäftsführer der Substantia AG sei. Anscheinend hat Ring in der Finck-Gruppe nur noch die Geschäftsführung der Ventura Concept GmbH inne – eine Filmproduktionsfirma, von der ich nicht weiß, ob sie überhaupt etwas produziert hat. Für mich sieht es so aus, als sei Stephan Ring im Zusammenhang mit dem Tod von August von Finck abserviert worden.


Noch auffälliger ist der Zeitpunkt, mit dem der Degussa Goldhandel Geschäftsführer Markus Krall sein Schweigen begann. Am 1. Oktober 2021 wurde bekannt, dass August François in den Verwaltungsrat der Goldhandelsfirma Degussa eingezogen ist.15 Exakt zu diesem Zeitpunkt beginnt das Schweigen von Markus Krall. Sein letzter Twitter-Beitrag datiert vom 12. September 2021.
Während Krall in der „World of Value“-Konferenz am Freitagabend , 22. Oktober 2021, noch intern im illustren Kreis der „World-of-Value-Premium-Mitglieder“ auftrat, sagte er seinen öffentlichen Auftritt am 23. Oktober 2021 ab und wurde von Thorsten Polleit (spontan?) ersetzt. Für den 10. Dezember 2021 stand er der World-of-Value wieder für das Veranstaltungsformat „Verhör“ zur Verfügung – einem nicht-öffentlichen (!) Format. Öffentliche Verlautbarungen scheint es von Markus Krall nur noch in Form einer Weihnachtsbotschaft der World of Value und einem Editorial seiner Atlas-Initiative Vereinszeitung „Megaphon“ zu geben – beide vergleichsweise formell und handzahm, man könnte von Markus „Pfote“ statt von Markus „Krall“ sprechen.

Ich mutmaße, dass mit dem Eigentümerwechsel im Zuge des Todes von August von Finck die Finck-Gruppe bzw. August François von Finck den ideologischen Apparat loswerden möchte. Allerdings sind solche Firmengeflechte träge. Die AfD-Anschubfinanzierung soll über den August von Finck Vertrauten Knut Stahl gelaufen sein. Bei vielen Gründungen von Stephan Ring war der Finck-Manager Wolfgang Schätzler mit dabei. Noch immer hat das Ludwig-von-Mises-Institut Deutschland den Promenadenplatz 12 als Adresse und noch immer ist Thorsten Polleit sowohl Chefökonom von Degussa Goldhandel als auch Präsident dieses demokratie- und staatsfeindlichen Instituts. Auch wenn Markus Krall sich nicht mehr öffentlich politisch positioniert ist er weiterhin parallel Geschäftsführer bei Degussa Goldhandel und Vorsitzender des politischen Vereines „Atlas Initiative“. Und in der aktuellen „eigentümlich frei“ finden sich noch immer ganzseitige Anzeigen von VM Vermögensmanagement und Degussa Goldhandel. Vor allem am Fortbestand dieser Werbeanzeigen ließe sich ablesen, ob die Finck-Gruppe ihre politischen Bestrebungen mit dem Tod von August von Finck hinter sich lässt.



Einzelnachweise

  1. Hans-Jürgen Jacobs: August von Finck junior: Der geheime Pate von München, in: Handelsblatt vom 04.12.2021, https://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/familienunternehmer/nachruf-august-von-finck-junior-der-geheime-pate-von-muenchen/27862344.html?ticket=ST-456086-YrBwZxKqFtLamFcJrdHG-ap3[]
  2. Erik Nolmans: Wer nach dem Tod des Patriarchen August von Finck das Sagen hat, in: Handelszeitung/ Bilanz vom 06.01.2022, https://www.handelszeitung.ch/bilanz/wer-nach-dem-tod-des-patriarchen-august-von-finck-das-sagen-hat[]
  3. Alexander Demling / Larrisa Holzki: Wie Augustus Intelligence die Millionen seiner Investoren verbrannte, in: Handelsblatt vom 20.11.2020, https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/ki-start-up-wie-augustus-intelligence-die-millionen-seiner-investoren-verbrannte/26642996.html[]
  4. Stephan Ring: „Comics von Irwin A. Schiff jetzt endlich auch auf Deutsch“, in: Internetportal des Ludwig-von-Mises-Instituts Deutschland vom 22.07.2015, https://www.misesde.org/2016/07/comics-von-irwin-a-schiff-jetzt-endlich-auch-auf-deutsch/[]
  5. ebd.[][][]
  6. Startnext/ Crowdfunding Page Mises.de „Libertäre Ziele der Österreichischen Schule der Nationalökonomie“, 01.07.2016 https://web.archive.org/web/20160701122013/https://www.startnext.com/pages/misesde[]
  7. Stephan Ring: „Fernsehen wie es sein sollte: www CSC AG“, Internetpräsenz des Ludwig-von-Mises-Institut Deutschland, URL: https://www.misesde.org/2017/04/fernsehen-wie-es-sein-sollte-www-csc-ag/[]
  8. Stefan Winterbauer: Wie der Ex-TV-Moderator Percy Hoven als Dr. Alfons Proebstl bei YouTube gegen Flüchtlinge hetzte, in: MEEDIA vom 06.10.2015, URL: https://meedia.de/2015/10/06/wie-der-ex-tv-moderator-percy-hoven-als-dr-alfons-proebstl-bei-youtube-gegen-fluechtlinge-hetzte/[]
  9. Facebook-Seite Dr. Alfred Proebstl vom 8.August 2015, URL: https://archive.is/FDKWs#selection-885.9-885.23[]
  10. Stephan Ring: Ludwig von Mises geht live, Internetpräsenz des Ludwig-von-Mises-Instituts Deutschland vom 13.10.2017, URL: http://www.misesde.org/?p=16884[]
  11. Hans Leyendecker: Luxemburger Steuersünder-CD: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Finck-Gruppe, in: Süddeutsche Zeitung vom 17.10.2011, URL: https://www.sueddeutsche.de/geld/luxemburger-steuersuender-cd-staatsanwaltschaft-ermittelt-gegen-finck-gruppe-1.1166785[]
  12. Martin Lohre: Spendenskandal bei der FDP: „Das ist doch absurd“: in taz vom 18.01.2010, URL: https://taz.de/Spendenskandal-bei-der-FDP/!5149251/[]
  13. Christian Rickens: manager magazin: August von Finck finanzierte Werbekampagne der Vereinigung „Bürgerkonvent“, in: Spiegelgruppe.de vom 14. Dezember 2005, URL: https://web.archive.org/web/20100202181432/http://www.spiegelgruppe.de/spiegelgruppe/home.nsf/PMWeb/44F6738E9157E86CC12570D70036FC58[]
  14. Christian Rickens: Ende der Nadelstreifen-Apo, in: Handelsblatt vom 15.12.2005, URL https://www.manager-magazin.de/unternehmen/ende-der-nadelstreifen-apo-a-96f9bae6-0002-0001-0000-000044400326[]
  15. Erik Nolmans: Wer nach dem Tod des Patriarchen August von Finck das Sagen hat, in: Handelszeitung/BILANZ vom 06.01.2022, URL: https://www.handelszeitung.ch/bilanz/wer-nach-dem-tod-des-patriarchen-august-von-finck-das-sagen-hat[]

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