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„Denkmal der Schande“ oder Höckes Schatten

Björn Höcke sprach in Dresden vom „Denkmal der Schande“ und meinte damit das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ in Berlin. Zugleich sprach er von einer „dämlichen Bewältigungspolitik“ und forderte eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“. „180 Grad Wende“ meint metaphorisch: Genau das Gegenteil von dem, was vorher war. Im Zweiten Weltkrieg werden nicht mehr die Deutschen angeklagt, sondern die Deutschen klagen jetzt mal die anderen an. Nicht mehr die Shoah ist die Schande, sondern es ist eine Schande, dass uns die Shoah noch immer vorgehalten wird. Interpretiert wurde Höckes Rede entsprechend dieses Kontextes. Dieser Kontext ging mit keinem Wort auf die deutschen Verbrechen ein und auch nicht auf die Shoah, auf die Ermordung der Jüd*innen. „Denkmal der Schande“ wurde entsprechend interpretiert als „Schande, dass Deutschland ein derartiges Denkmal im Herzen seiner Hauptstadt hat“. Höcke hingegen reklamiert für sich nachträglich die Interpretation „Denkmal, welches auf die deutsche Schande der Shoah verweist“. Voller Empörung weist er die andere Interpretation als „bösartig“ zurück.

Schon häufiger benutzte die AfD doppeldeutige Aussagen. Wie funktioniert das? Ich möchte dies anhand eines unbearbeiteten Screenshots von Björn Höcke aus seiner Dresdner Rede als Dokumentation verdeutlichen:

bartchen3

Ich hatte auf Twitter dazu geschrieben: „Björn Höcke hat einen Schatten“. Das ist eine korrekte Aussage. Unter der Nase von Björn zeichnet sich ein Schatten des Mikrofons ab. Alle Interpretationen dieser Tatsachenfeststellung weise ich mit Empörung zurück. Weder wollte ich damit ausdrücken, dass Herr Höcke einen an der Klatsche hat, noch wollte ich damit irgendwelche Hitler-Assoziationen erwecken.

So funktioniert die AfD-Rhetorik.

Weitere Infos zu diesem Kontext:



4 responses to “„Denkmal der Schande“ oder Höckes Schatten”

  1. […] so gefährlich nah an NS-Propaganda à la Goebbels ist – sicher richtig. Der Publizist Andreas Kemper analyisiert auf seinem Blog die Strategie der Verkehrungen und Umdeutungen und kommt der Sache damit schon näher. Zu der […]

  2. […] „Denkmal der Schande“ oder Höckes Schatten […]

  3. Man sollte in dem Zusammenhang auch die Vorbilder Höckes erwähnen.
    Rudolf Augstein schrieb 1998 im Spiegel als Kommentar zu Walsers „Auschwitzkeulenrede“:
    „Nun soll in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist. Man wird es aber nicht wagen, so sehr die Muskeln auch schwellen, mit Rücksicht auf die New Yorker Presse und die Haifische im Anwaltsgewand, die Mitte Berlins freizuhalten von solch einer Monstrosität. “
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-7085973.html

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